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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Universitätsklinikum oder kommunales Krankenhaus?



dandywalker
16.05.2022, 10:40
Ich habe zwei Zusagen erhalten,
eine von einem Universitätskrankenhaus und eine von einem Krankenhaus der Schwerpunktversorgung (1200 Betten).

Ist es immer besser, in einer Uniklinik anzufangen?
Es fällt mir schwer, mich zwischen diesen beiden zu entscheiden. Hat jemand einen Tipp für mich, wie ich mich am besten entscheiden kann?

Matzexc1
16.05.2022, 13:23
Hi,
ich hab an einer Uniklinik angefangen. Ich muss dir sagen das je höher die personen in der Hierarchie stehen desto geringer war das Interesse an einer fachlich guten Ausbildung der Assistenzärzte und es ging den meisten mehr um Impact-Punkte, berufspolitische Toppositionen und um die Kohle.

Das gleiche kann dir auch an einem großen Krankenhaus drohen, ein Maximalversorger in meiner Region fällt auch unter den Begriff moderne Sklavenhaltung und Verheizung(der Laden wollte auch mal Uniklinik werden)

Rückblickend würde ich heute erst ein kleines Haus nehmen und dann an was größeres.

Ist halt auch die Frage was du willst:
Akademische Karriere und Forschung- eher an die Uni, erwarte aber nicht unbedingt ein gutes Arbeitsklima.

Welches Fach soll es denn werden?
Bei Anästhesie kann ich ein bisschen was sagen

dandywalker
16.05.2022, 13:41
danke für die Antwort.
Ich will Kardiologie machen

davo
16.05.2022, 13:46
Vom fachlichen Spektrum her wahrscheinlich kein großer Unterschied. Die Frage ist wahrscheinlich v.a., ob du Interesse an Forschung hast oder nicht. Bzw. in welcher Stadt du lieber leben würdest, unter der Annahme, dass es sich um zwei unterschiedliche Städte handelt.

Rahmspinat
16.05.2022, 14:02
Was man vielleicht bei Kardiologie noch im Hinterkopf haben sollte: Der Flaschenhals (namentlich Funktion und Katheter) ist an Unikliniken oft an die Forschungsleistungen gekoppelt.

Matzexc1
16.05.2022, 14:15
Was man vielleicht bei Kardiologie noch im Hinterkopf haben sollte: Der Flaschenhals (namentlich Funktion und Katheter) ist an Unikliniken oft an die Forschungsleistungen gekoppelt.

Hab ich an meiner Uni auch so erlebt, vor allem weil der Chef zwar hier top war, aber in puncto Ausbildung das Letzte.
Die Frage ist dann auch wer mehr Katheter am Tag macht(vor allem welche: Koronaruntersuchung,TAVI,etc....) und ab wann du dazu kommst. Wie sind die Erfahrungen der Altassistenten, Wie lange braucht man bis zum FA, eigene Intensivstation,....

Wie sind auch die Fortbildungsmöglichkeiten: Simulationszentrum,Vorträge, Seminare.
Vor allem Praxisnahe Fortbildungen sind wichtiger als der zigste theoretische Vortrag zum Rezeptor xy

Bonnerin
16.05.2022, 14:35
Bist du promoviert? Wenn nein, willst du promovieren? Dann wäre die Uniklinik natürlich die etwas bessere Wahl, oder generell bei Forschungsambitionen. Wenn nicht, dann tendenziell eher reguläres KH. Da könnte man auch die Zu-/Absage dran aufhängen ("bla, möchte aber die Promotionschance nutzen" bzw. halt "lieber weniger Schwerpunkt auf Forschung/Lehre").

Ansonsten: Dienstmodelle (Station/Ambulanz/Intensiv), NEF-Rotation, Funktionsrotation? Diensthäufigkeit?
Welches Team hat bei dir netter gewirkt?

dandywalker
16.05.2022, 18:11
@Bonnerin Ich bin eigentlich ein ausländischer Arzt, bin als wissenschaftlicher Mitarbeiter nach Deutschland gekommen und dann habe noch promoviert .

Jetzt möchte ich mich mit der Weiterbildung anfangen, aber ich weiß nicht, wo ich am besten anfangen soll

nie
16.05.2022, 21:19
Ein Haus mit 1200 Betten ist ja schon eine riesen Klinik, da gibts Unikliniken mit weniger Betten.

Da wird der Unterschied wohl hauptsächlich im Bereich Forschung liegen. Wenn du in diese Richtung arbeiten willst, dann musst du an die Uni gehen. Ansonsten hat man halt an Uniklinik oft auch sehr hochspezialisierte Nischenmedizin. Da sieht man zwar viele spannende und seltene Erkrankungen aber die gängigen Dinge, die den eigentlichen Alltag außerhalb von Uniklinik ausmachen, kommen da doch eher zu kurz. Gerade wenn das Langzeitziel eher (Hausarzt-)Praxis ist, bringen einen halt die fancy Uniklinikfälle und Drittlinien-Studientherapien nicht wirklich weiter.

dissection
17.05.2022, 15:39
Im Vergleich zu kleineren Häusern ist das Verhalten ab Oberarztebene an größeren Unikliniken deutlich machiavellistisch, dh nicht nur interessiert die mittlere Etage deine Ausbildung nicht, es wird im Gegenteil je nach subjektiv empfundenen Fehltritten, fehlender Leistung in der Forschung, non-Arsch-Hochkriechen und fehlender Überangepasstheit aktiv deiner klinischen Ausbildung und Forschung entgegen gearbeitet. Letztlich ist die Oberarztebene eine Riege überadaptierter Idioten, die ihr Scheuklappendenken und Inselwissen als akademische Arriviertheit fehlinterpretieren. Ärzte in Weiterbildung die nach oben kommen zeigen ähnliches Verhalten, eine Persönlichkeitsstörung und Ignoranz gegenüber Realitäten ausserhalb der Klinik schaden nicht.

Leider sieht man manche Dinge nur an der Uni (z.B. ECMOs, Transplantationen), so dass man sagen kann, dass eine Zeit dort schon sinnvoll ist. Optimalerweise für Innere oder Anästhesie: Start städtischer Maximalversorger -> Rotation an Uni -> zurück an kleineres Haus und Interventionen lernen.
Vieles was du an der Uniklinik lernst wirst du aber auch z.B. auf einer städtischen Intensivstation nie mehr brauchen, da hochspezialisierte Medizin dort nicht angeboten werden kann.

Matzexc1
18.05.2022, 07:40
Im Vergleich zu kleineren Häusern ist das Verhalten ab Oberarztebene an größeren Unikliniken deutlich machiavellistisch, dh nicht nur interessiert die mittlere Etage deine Ausbildung nicht, es wird im Gegenteil je nach subjektiv empfundenen Fehltritten, fehlender Leistung in der Forschung, non-Arsch-Hochkriechen und fehlender Überangepasstheit aktiv deiner klinischen Ausbildung und Forschung entgegen gearbeitet. Letztlich ist die Oberarztebene eine Riege überadaptierter Idioten, die ihr Scheuklappendenken und Inselwissen als akademische Arriviertheit fehlinterpretieren. Ärzte in Weiterbildung die nach oben kommen zeigen ähnliches Verhalten, eine Persönlichkeitsstörung und Ignoranz gegenüber Realitäten ausserhalb der Klinik schaden nicht.

Leider sieht man manche Dinge nur an der Uni (z.B. ECMOs, Transplantationen), so dass man sagen kann, dass eine Zeit dort schon sinnvoll ist. Optimalerweise für Innere oder Anästhesie: Start städtischer Maximalversorger -> Rotation an Uni -> zurück an kleineres Haus und Interventionen lernen.
Vieles was du an der Uniklinik lernst wirst du aber auch z.B. auf einer städtischen Intensivstation nie mehr brauchen, da hochspezialisierte Medizin dort nicht angeboten werden kann.

Volle Zustimmung vor allem zum ersten Abschnitt

nie
18.05.2022, 08:44
Ja, so sind sie, die Uniklinikärzte. Immer, überall, alle, ausnahmslos. Das muss so, die haben einen Ruf zu verlieren. :-nix

Endoplasmatisches Reticulum
18.05.2022, 08:47
Naja, die Tendenz stimmt schon. Ich muss aber auch sagen, dass ich außerhalb der Uniklinik sehr ähnliche Erfahrungen gemacht habe. Stinkende Fischköpfe gibt es überall, aber auch nicht ohne Grund sagt man: Birds of a feather flock together.

Feuerblick
18.05.2022, 09:33
Ja, so sind sie, die Uniklinikärzte. Immer, überall, alle, ausnahmslos. Das muss so, die haben einen Ruf zu verlieren. :-nix
Ab-so-lut! Es leben Verallgemeinerungen und Klischee…

Matzexc1
18.05.2022, 09:41
Ab-so-lut! Es leben Verallgemeinerungen und Klischee…

Ausnahmen bestätigen die Regel

anignu
18.05.2022, 21:52
Ausnahmen bestätigen die Regel
Ne ne ne... Verallgemeinerungen sind generell richtig ;-)

Ansonsten fand ich das Statement von dissection schon krass. Ich dachte immer meine Meinung von den Uni-Leuten die teilweise nicht operieren können aber dafür den Versorgern die Medizin erklären wäre niedrig.

freak1
19.05.2022, 19:03
Es gibt an der Uni auch Leute die Forscher und gute Kliniker sind. Aber sie sind leider selten. Viele sind meistens in ihrem Forschungsschwerpunkt weit überdurchschnittlich gut und im Rest dann unterdurchschnittlich.

matthew90
20.05.2022, 11:00
Eine Hospitation oder 2 vor Zusage. Rede mit den anderen Assistenzärzte. Ich war nie an der Uni aber kurz in einem Haus mit 700 Betten.
Initial, als Ausländer (a.k.a. Expat) fing ich in einem kleinen komm. Haus 90 Betten an. Dort habe ich vieles gelernt in 3 Jahren. (Sonos, Intensivzeit, Notaufnahme, Langzeits, Spiros sogar mit selstständigen Gastros.). Die andere Assistenzärzte waren über 20 Jahren in Haus und schon ziemlich fit. "Oberarztlich".
Nach 4. Jahr bin ins Klinikum mit 700 Betten. Pfff. Keine Assistenzärzte in der Funktion, hohe Rotation (schlechte Zeichen) an Assistenzärzte. Hab nur 6 Monate da gebracht und ins mittelgroß. ca, 350 Betten gewechselt. Dann gings wieder mit Funktion usw.

Wichtige Punkte:
1) Zufriedenheit der Assistenzärzte
2) Ob man die notwendige Rotation bekommt
3) Möglichkeit zur Weiterentwicklung (nicht nur auf Papier) d.h. Einbringung / Involvierung in der Diagnostik
4) Nie Vergessen, wenn du unzufrieden bist, stelle Wechsel. Gibt genügend und irgendwo n passende Stelle

viel Erfolg und Gluck!