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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Weiterbildung Innere Medizin



fr0202
03.06.2022, 18:49
Guten Abend,
während meiner PJ Tertiale kommen für mich in der Zukunft entweder die Innere Medizin oder die Anästhesie in Frage.
Bezüglich der Arbeitsbedingungen in der Inneren hört man ja immer wieder sehr unterschiedlich von sehr zufrieden bis tot unzufrieden aufgrund massiver Überstunden und wenig bis gar keiner Freizeit.
Prinzipiell würde ich das Problem im Gesamtsystem sehen aber sind die Bedingungen in der Anästhesie besser als in der Inneren?
Auch die Frage Uni vs Städtisches Haus (Maximalversorger) ist für mich noch eine ungeklärte Frage.
Vielleicht könnt ihr ja kurz was schreiben wie lange ihr schon dabei seid, wie eure Belastung ist und wie die Betreuung ausschaut?
Viele Grüße

AlexStudent
04.06.2022, 10:07
Mein Wahlfach im PJ war die Anästhesie. Trotzdem habe ich zunächst in der Inneren angefangen. Jedoch habe ich nach etwas mehr als einem Jahr dann doch in die Anästhesie gewechselt. Gründe sind vielfältig gewesen und ich möchte die Innere nicht missen. Das Personal (Pflege, OA/OÄ, AA/AÄ) dort war top, das (große) Krankenhaus gut, aber die Arbeitsbedingungen und die Einarbeitung eine einzige große Katastrophe und nach vier Monaten in der ZNA war klar, dass die Anästhesie für mich die bessere Wahl ist. Einarbeitung strukturiert, keine Arztbriefe (!), gute Heranführung an das, was gemacht werden soll, gutes Teaching und wenn der Saal mal gut zu Ende geht ist mein Tag um kurz nach 3 fertig. Super. Das Fach ist vielfältiger als viele denken, die PräMed mitunter eine echte Herausforderung, ich plane den Notzarzt zu machen und freue mich schon tierisch auf die OPI. Klar, im Saal ist es manchmal sehr sehr ruhig, aber gut.
Das Jahr Innere wird ja nach der WBO anerkannt, insoweit passt das auch und wie geschrieben - Innere ist kein Fehler und durch die vielen vielen Dienste und Wochenende ist das Einkommen eine gute Spur besser als jetzt in der Anästhesie.

Warum beginnst Du nicht einfach in der Inneren und schaust Dir das an und entscheidest nach ein paar Monaten, ist ja nichts verloren...

fr0202
04.06.2022, 13:26
Genauso habe ich das auch erlebt. Ich sehe auch die großen Vorteile in der Anästhesie; gute Einarbeitung, gutes Teaching, keine Arztbriefe, in großen Häusern nur noch Schichtdienste, keine BD. Das sind definitiv Vorteile. Auf der anderen Seite sehe ich als Nachteile den mangelnden Bezug zum Patienten, man macht seine Aufgabe, also den Patienten perioperativ zu betreuen und dann wenn er wieder auf Normalstation ist, wars das. Das finde ich ein wenig befremdlich... und man ist wenn man Notfallmedizin oder Intensivmedizin machen möchte sein Berufsleben an die Klinik gebunden. Aber letztlich bekommt leider nicht alles.
Ich frag mich nur ob es Überall! in der Inneren so abläuft? Also ist die Einarbeitung in den Unis echt so grottenschlecht? Da muss sich doch langsam auch mal was ändern....
Gut zu wissen, dass man auch bei Beginn in der Inneren ohne Zeitverlust in die Anästhesie gehen kann :)

Nulllinie
05.06.2022, 08:21
Naja, ich glaube beide deiner großen Fragen wurden hier im Forum schon sehr ausführlich diskutiert. Letzen Endes musst du eine Stelle finden, die zu dir passt und ein Haus in dem man weitestgehend zufrieden ist. Und dann einfach mal starten. Sowohl der Wechsel aus der Inneren in die Anästhesie als auch umgekehrt sehe ich nicht problematisch. Man muss dann nur die Motivation zum Wechsel finden und nicht im Trott versinken ;)

Bussard
05.06.2022, 19:05
Guten Abend,
während meiner PJ Tertiale kommen für mich in der Zukunft entweder die Innere Medizin oder die Anästhesie in Frage.
Bezüglich der Arbeitsbedingungen in der Inneren hört man ja immer wieder sehr unterschiedlich von sehr zufrieden bis tot unzufrieden aufgrund massiver Überstunden und wenig bis gar keiner Freizeit.
Prinzipiell würde ich das Problem im Gesamtsystem sehen aber sind die Bedingungen in der Anästhesie besser als in der Inneren?
Auch die Frage Uni vs Städtisches Haus (Maximalversorger) ist für mich noch eine ungeklärte Frage.
Vielleicht könnt ihr ja kurz was schreiben wie lange ihr schon dabei seid, wie eure Belastung ist und wie die Betreuung ausschaut?
Viele Grüße


Ich bin gerade über folgenden Thread gestolpert, der vielleicht auch einige interessante Aspekte für dich beinhaltet:

https://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?104700-FA-f%FCr-Innere-Medizin-FA-f%FCr-An%E4sthesiologie&highlight=viggo

fr0202
05.06.2022, 19:52
@Bussard
Vielen Dank für den Thread, der hat mir sehr witergeholfen.

Ich denke auch, dass es sinnvoll ist erst in der Inneren einzusteigen und dann nach einem Jahr zu schauen wie die Reise weitergeht... Ich sehe eben auch die großen langfristigen Vorteile in der Inneren (Nischen, Allgemeinmedizin, Niederlassung, Klinik, Notfall oder ITS).
Was mich aber umso brennt ist die Frage in welchem Haus man am Anfang eine möglich gute Ausbildung bekommt.

Ich hatte immer vor nach dem Studium erstmal in die Uni zu gehen, weil man dort sehr viel lernen und sehen kann. Man kann auch mal komplexe Patienten betreuen und muss sie nicht weiterverlegen. Das hat mich schon gestört wenn man Pat. nicht adäquat weiterbehandeln konnte und diese in eine Uniklinik verlegen musste. Auf der anderen Seite sehe ich aber, dass die Unis wohl mit den Mitarbeitern also Assis nicht sehr zimperlich umzugehen scheinen (unbezahlte Überstunden, viele Dienste etc.) Das kann ich leider nicht beurteilen, deshalb würde mich euer Rat und Meinung interessieren welche in der Inneren in einer Uniklinik arbeiten oder gearbeitet haben. Das würde mir definitiv in meiner Entscheidung noch viel bringen.

Nulllinie
05.06.2022, 20:04
Das kann ich leider nicht beurteilen, deshalb würde mich euer Rat und Meinung interessieren welche in der Inneren in einer Uniklinik arbeiten oder gearbeitet haben. Das würde mir definitiv in meiner Entscheidung noch viel bringen.

Hab internistisch bisher an zwei Unikliniken gearbeitet und man kann es einfach nicht verallgemeinern.
In der ersten: Bessere Weiterbildung, viele unbezahlte Überstunden, hohe Erwartungen an die Assistenzärzte, die komplexen Fälle bleiben, der Rest wird nach extern verlegt, daher wenig Basics.
In der zweiten: Alle Überstunden wurden abgegolten, jedoch schlechtere Weiterbildung, Basics ja, Komplexes (aber eingeschränkter), schlechtere Strukturen.

Glaube es hängt sehr von der Klinik selbst ab und weniger davon, ob es eine Uniklinik ist oder nicht.

nie
05.06.2022, 20:32
Ich arbeite in einer Uniklinik in der Inneren. Man sollte immer bedenken, dass Unikliniken oft ein sehr spezielles und selektiertes Patientengut haben, man sieht überwiegend komplexe Spezialfälle und manchmal geht einem in der Uniklinik ein bisschen die allgemeininternistische Basismedizin verloren. Und die Innere teilt nochmal in viele einzelne Subdisziplinen aufteilt und man verliert sich gerne mal im seiner eigenen Unterdisziplin. Wir haben alleine 3 internistisch geführte Intensivstationen, selbst auf der ITS sieht man also nur einen kleinen Teil der inneren Medizin. Mir macht das Spaß und ich finds spannend aber wenn z.B. das Langzeitziel eher Niederlassung oder Allgemeinmedizin ist, ist die Uniklinik vielleicht nicht so der richtige Ort. Wobei man in meiner Klinik tatsächlich in der ZNA noch sehr viel internistische Basismedizin lernen kann und auch in ein allgemeininternistisches Partnerhaus rotieren kann aber das macht halt maximal 12 Monate Weiterbildung aus.

Die Arbeitsbedingungen sind dabei auch sehr individuell. Selbst innerhalb einer Klinik. Die internistischen Subdisziplinen sind alle eigenständige Kliniken und dementsprechend inhomogen sind die Bedingungen. Hatte schon super Arbeitsbedingungen (bezahlte Überstunden, elektronische Zeiterfassung, super nettes Team) mit durchschnittlicher Weiterbildung, richtige gute Weiterbildung mit sehr vielen (bezahlten) Überstunden/extrem viel Stress und auch schon Arbeitsbedingungen kurz vor moderner Sklaverei ohne nennenswerte Weiterbildung. Alles Innere in der derselben Klinik.