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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrungsaustausch Gehaltsverhandlungen als FA Anästhesie



bonescrusher
30.09.2022, 13:29
Liebe Kollegen,

mit Abschluss meines FA und der ZWB Intensivmedizin mache ich mir nun weitere Gedanken, wie mein weiterer Werdegang aussehen kann. Nach Studium, Promotion, Uni Facharzt und ZWB Notfallmedizin + an einem Maximalversorger Intensivmedizin + Kardiochirurgische ITS-Erfahrung (DGAI ECMO, TTE, TEE) sehe ich mich zumindest mit einer gewissen Expertise behaftet, welche sich auch in einer neuen Stelle monetär noch besser ausdrücken sollte. Meine Erfahrung beschränkt sich auf eine Uniklinik und 2 Maximalversorger (Berufserfahrung 8 Jahre)

Aktuell verdiene ich zwischen 8000-9500 Brutto (ÄII Stufe I) je nachdem wie viel ITS Nachtdienste und Notarztschichten (12h ca. 10-15 Fahrten a 27 Euro) ich pro Monat mache.

Ich habe kurzfristig für ein halbes Jahr mal in einer Praxis gearbeitet; Mo-Fr + ab und an mal einen Rufdienst Sa+So mit einem Festgehalt von 8600 Brutto als FA. Die Gesamtarbeitszeit belief sich auf ca. 40 Std pro Woche. Fahrten mit dem eigenen PKW in externe Kliniken wurden nicht extra abgegolten.

Wie ich das realistisch einschätze, stehen durch einen weiteren Klinikwechsel die Chancen auf eine OA Stelle in einer größeren Klinik erstmal schlecht, da ich nicht sehr gut vernetzt bin und ich meine 3 Kliniken eher nach Interesse für die Stadt + Ausbildung ausgesucht habe. Nicht, dass ich mich dort für immer niederlasse und irgendwann den Karrierebaum nach oben steige.

Meine Vorstellung: Grundgehalt steigern + zusätzlich durch gut bezahlte Dienste das Gehalt auf konstant >10000 Euro/ Monat Brutto steigern.

1) An welchen Verhandlungsschrauben kann ich überhaupt als „einfacher FA“ drehen? Mehr Urlaub kann ich mir nicht vorstellen, dass da Spielraum besteht; weniger Dienste als andere FA kommt für mich nicht in Frage.
2) Wie realistisch ist es, an einem nicht universitären Maximalversorger als Facharzt trotzdem das Grundgehalt Ä3 ohne OA Stelle zu erhalten?
3) Annahme einer OA-Stelle an einem sehr kleinen Haus (150 Betten) - wie realistisch ist dort schon sofort in einer höheren Stufe einzusteigen?
4) Ist es realistisch zumindest sofort in die höchste Stufe der Ä2 Gehaltsgruppe eingestuft zu werden
5) Poolbeteiligung gibt es häufig bei jüngeren Chefs ja auch nicht mehr in diesem Ausmaß, dass dort zusätzliche Gehaltssteigerungen möglich wären oder?
6) Kann ich durch EDAIC/EDIC noch etwas rausholen?

Oder sind meine Vorstellungen in einem klinischen Setting absolut utopisch?
Wie sehen eure Erfahrung in Anästhesiepraxen im Angestelltenverhältnis aus? Sind dort auch Gehälter jenseits der 10000Euro pro Monat möglich?

Hat jmd. Erfahrungen mit Ärztevermittlungen, bspw. Pacura-Doc? Die werben ja mit recht hohen Gehältern, was aber sicherlich mit extremer Flexibilität verbunden ist, die ich dann doch nicht mehr bereit bin zu leisten. Es würde maximal ein Umkreis von ca. 50-75km für mich in Frage kommen. Aber vllt. kann dazu auch jmd. etwas dazu sagen, mit welchen Gehältern man da rechnen könnte.


Danke für euren Erfahrungsaustausch!

freak1
30.09.2022, 23:07
Ich bin zwar kein Anästhesist, aber die ist ZWB Intensivmedizin nicht für sehr viele Kliniken sehr wichtig um die Behandlung auf den Intensivstationen richtig abrechnen zu können? Und warum sollte mit deiner Erfahrung keine OA Stelle drin sein? Habilitation interessiert direkt ab der Eingangstür des Elfenbeinturms Uni keine Sau mehr, selbst Promotion ist für OA Stelle an Maximalversorgern keine Voraussetzung.

Kiddo
01.10.2022, 02:55
In welcher Gegend Deutschlands suchst du denn eine Stelle?

bonescrusher
01.10.2022, 05:47
BaWü Region Stuttgart/Ulm

Kiddo
03.10.2022, 00:05
Leider falsche Gegend.

Jukka666
05.10.2022, 13:04
Hi!

Ich habe ein vergleichbares "Problem" wie du, mit dem Unterschied, dass mich Gehalt an sich nicht per se interessiert.

Mein Lebenslauf ist ähnlich zu deinem, bin aber seit ca. 8 Jahren Facharzt.
Auch ZB Notfall/Intensiv und Suchtmedizin.

Ich habe ebenfalls von Uni zu Max/Schwerpunkt zu Grundversorgern hin und her gewechselt und bin aktuell in der Industrie (andere Geschichte)... :-)

Meine Erfahrung:

OA werden: pillepallepissieasy. Aber: find ich zT echt ungeil. Denn der Gehaltssprung zu meiner Tätigkeit als (Teilzeit-)-FA mit Nebenjobs ist nicht der Rede wert. Und letzten Endes bist du der Sklave vom Chef oder der Verwaltung.

Ich habe DESA und EDRA, bringt null komma null in D beim Gehalt. Auch das Argument, dass du Intensiv hast, bringt NIX beim Gehalt, höchstens bei der Einstellung, dass du bevorzugt wirst gegenüber einem anderen.

Ich kenne schon Fälle von Leuten, die Stufen übersprungen haben, das würde ich definitiv aushandeln an deiner Stelle (wenn du OA nicht in Betracht ziehst - aber auch dann). Mehr als nein sagen kann die Verwaltung nicht.

Pool habe ich im kleinsten der Häuser gekriegt, war aber auch nur paar Hundert Euro 1x/Quartal.
Lukrativer war für mich immer TZ + Nebenjobs. Das bedeutet aber natürlich Orga-Stress und ne gewisse Unsicherheit bzgl. Vorsorge/Steuer/Abgaben etc.

Momentan bin ich auch bei Doctari und der Notarzt-Börse gemeldet, da gibts ca. 100 bzw. 50 €/die Stunde. Aber noch keine Einsätze gemacht, zugegeben. Ich probiers aber jetzt dann mal aus.
Der Umkreis ist in meinem Fall eher ungünstig (alles andere Bundesländer bzw. > 200 km), mei...

In Praxen sind >10k eher unüblich, ausser als Teilhaber oder Gesellschafter oder mit richtig ranklotzen. ich habe einige Kollegen, die in MVZ/Anästhesiepraxen arbeiten, das Argument ist hier eher "etwas besseres FA-Gehalt - oder von mir aus auch "übertariflich", dafür dann halt keinerlei Wochenenden, Nachtdienste und eher einfach gelagerte Fälle.
Die freie Zeit kannst du ja dann Nebenjobs machen.

Mein persönliches Fazit:
Mit Qualifikation lockst du kein besseres Gehalt hinterm Ofen hervor in Deutschland, leider.

bonescrusher
10.10.2022, 18:46
Ja das mit OA vs FA sehe ich genauso. Der Gehaltssprung ist minimal, vor allem wenn man die letzte Stufe ansieht und mit einbezieht, dass evtl ein FA durch Dienstvergütung noch mehr Zusatzentgelt für sich generiert. Fragl ist ob eben dafür mehr Zeit aufgewendet werden muss, wenn man sieht wofür die OAs alles eingespannt werden und vor allem an kleineren Häusern schrubbt ein OA genauso Dienste und sitzt im Saal.
Eine Honorararzttätigkeit ist da natürlich ein guter Kompromiss, die Zeit die man da ist, wird übertariflich bezahlt. Das einzige Manko ist die Flexibilität, die ich aktuell nicht absehen kann, vor allem wenn man ein konstantes Gehalt anpeilt!
Hat jmd weitere Gedankengänge zum Thema oder Erfahrungen sammeln können?

Lakemond
10.10.2022, 20:09
Eine Honorararzttätigkeit ist da natürlich ein guter Kompromiss, die Zeit die man da ist, wird übertariflich bezahlt. Das einzige Manko ist die Flexibilität, die ich aktuell nicht absehen kann, vor allem wenn man ein konstantes Gehalt anpeilt

Bin als sogenannter Honorararzt seit Monaten nie weiter als 150 km zum Dienst gefahren und das Gehalt ist auch nie unter 13.000€ gefallen.
Als Anästhesist hat man sicherlich noch bessere Karten!

bonescrusher
12.10.2022, 19:39
Lakemond kannst du mir per PN mal Infos schreiben, wo du das machst und wie das alles abläuft usw.
Du hast glaub ich schon anderen dazu mal PNs geschrieben. Was für eine Gebietsbezeichnung hast du?

Bender B. Rodriguez
13.10.2022, 07:31
Mir auch bitte!

Christf
03.12.2023, 12:50
Ich würde euch gern fragen, wie viel man als angestellter Facharzt für Anästhesie in einem AOZ verdient? wie viel ist realistisch zu verlangen? 40 h pro Woche, keine Nachtdienste.
Vorschläge, Erfahrungen in dem Bereich bitte?
vielen Dank

Tramaldol
03.12.2023, 16:10
Habilitation interessiert direkt ab der Eingangstür des Elfenbeinturms Uni keine Sau mehr, selbst Promotion ist für OA Stelle an Maximalversorgern keine Voraussetzung.

Das ist nicht richtig. Es gibt periphere Häuser, da muss der CA mindestens ne Promotion haben und größere Maximalversorger, die auf eine Habiliation bestehen. Gerade bei ersterem nicht so ganz sinnvoll/nachvollziehbar, ist aber so.
Sollten sich mal zwei Kandidaten als OA bewerben (bei Anästhesie kann das mal sein), würde man die Habil zumindest als Pluspunkt "der hat sich angestrengt" sehen.

Als einfacher Facharzt an einer peripheren Klinik bzw. als OA bei gewöhnlich vorhandenem latentem Bewerbermangel, spielt das natürlich keine Rolle.

Teevee
04.12.2023, 16:39
Bin als sogenannter Honorararzt seit Monaten nie weiter als 150 km zum Dienst gefahren und das Gehalt ist auch nie unter 13.000€ gefallen.
Als Anästhesist hat man sicherlich noch bessere Karten!

In welcher Region bist du denn tätig und bist du bei mehreren entsprechenden Portalen registriert? Ich habe mich auch mal entsprechend umgeschaut, jedoch wären oft sehr weite Entfernungen nötig gewesen, wenn ich rein mit Honorartätigkeit als Anästhesist tätig sein wollte

Teevee
04.12.2023, 16:48
Ich würde euch gern fragen, wie viel man als angestellter Facharzt für Anästhesie in einem AOZ verdient? wie viel ist realistisch zu verlangen? 40 h pro Woche, keine Nachtdienste.
Vorschläge, Erfahrungen in dem Bereich bitte?
vielen Dank

Bei mir in der Gegend sind zwei anästhesiologische MVZ. Bei beiden habe ich mich schonmal umgesehen. Das eine bot einen Fixbetrag, der knapp über der damaligen EG II Stufe 1 lag. Ohne Fobi-Tage, ohne Fobizuschüsse, ohne definierte Steigerungen, ohne nix. Da hab ich mich echt gewundert, wieso die doch immer wieder Fachärzte finden. Das andere bot Bezahlung entsprechend VKA TVÄ EG II, mit entsprechendem Gehalt inkl Stufenaufstiegen, Plus 7 Fobitage.

Über andere Erfahrungswerte und Meinungen von anderen AnästhesistInnen würde ich mich aber hier auch noch sehr freuen :)

Trenn
04.12.2023, 16:55
Vielleicht Standortfaktor (beliebte Großstadt, welches dem Partner ermöglicht Hauptverdiener zu sein), keine Dienste und vielleicht doch kürzere Arbeitszeiten als 40h in der Woche. Chirurgen können nicht länger als 12h am Tag wegen der Prüfungszeit operieren, jemand der schnell ist, ist ggf. schon schneller fertig und alle dürfen früher nach Hause gehen. So würde mein Arbeitgeber-Kollege argumentieren. Und wenn die Medizin immer weiblicher wird, kann ich mir vorstellen, dass solche Jobs in Ballungsgebieten nicht zwangsweise unbeliebter werden....

Moorhühnchen
04.12.2023, 17:25
Ich würde euch gern fragen, wie viel man als angestellter Facharzt für Anästhesie in einem AOZ verdient? wie viel ist realistisch zu verlangen? 40 h pro Woche, keine Nachtdienste.
Vorschläge, Erfahrungen in dem Bereich bitte?
vielen Dank
Ich werfe jetzt einfach mal 9000€/Monat in den Raum bei einer 40-Stunden-Woche, so gut wie keine Überstunden (häufig früher gehen). Dazu einmal pro Monat Rufdienst-WE von Freitag Nachmittag bis Montagmorgen ohne zusätzliche Vergütung und mit sehr geringer Ruffrequenz. Drei Fobi-Tage im Jahr ohne Kostenübernahme der Fobi.

Geht besser, geht schlechter. Mir taugt's momentan, da sehr berechenbar. :-)


Lustig, dass ich diesen Thread noch gar nicht gesehen hatte....

Lakemond
05.12.2023, 11:30
Ich wohne in NRW. Früher bin ich auch weiter gefahren, oft auch nur für einen Dienst. Morgens mit dem Zug nach BW und am nächsten Tag zurück. Aktuell habe ich Einsätze fast ausschließlich in NRW. Bin bei mehreren Firmen registriert und bei einer auch fest - zu 40 Stunden im Monat - angestellt. Dort mache ich auch die meisten Einsätze. Es läuft seit über 5 Jahren sehr gut.