Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Überstunden abbauen
][truba][
23.10.2022, 17:53
Immer wenn jemand schreibt „Auswirkungen auf die Karriere“ frag ich mich, was das wohl eigentlich ist. Wie sieht denn eine Karriere in der Medizin eigentlich aus?
clyde_frog
23.10.2022, 18:02
[truba][;2246374']Immer wenn jemand schreibt „Auswirkungen auf die Karriere“ frag ich mich, was das wohl eigentlich ist. Wie sieht denn eine Karriere in der Medizin eigentlich aus?
Sich bereits im Rahmen einer medizinische Promotion veräppeln, im PJ ausbeuten und als Assistent ausbluten lassen und dabei idealerwiese maximal Speichel lecken mit der Hoffnung irgendwann mal Oberarzt zu werden.
Die Bezugspunkte dieser masochistischen Unterordnung und Identifikation steigen im Bewußtsein der hierarchischen Gliederung der Macht immer höher, bis schließlich nach Abschluß der Weiterbildung, die gleichzeitig das Ende der 'autoritären Lehrzeit' markiert, der Chefarzt als letzter Autoritätsträger vor Gott von ihm zum eigentlichen Vertreter der Macht stilisiert wird. Damit wird die Macht zum "Machtmythos", dem von der eigenen Identität bis zur Partnerwahl alles untergeordnet wird: "Nichts Menschliches hielt stand vor der Macht." Der Chefarzt ist für den Duckmäuser zwar "das höchste Objekt seiner sado-masochistischen Identifikation", bleibt aber letztlich nur ein Repräsentant des allgemeinen Prinzips der Macht und gewährleistet als "ihre Charaktermaske" die Aufrechterhaltung des Systems.
Bonnerin
23.10.2022, 18:13
Mach du doch erstmal in Ruhe dein PJ zu Ende...
Ansonsten sollte klar sein, dass eine Stelle als Oberärzt:in inzwischen für die meisten nicht (mehr) attraktiv ist. Ebenso wenig wie langfristiges Arbeiten in der Klinik generell. Die meisten wollen nach dem Facharzt im ambulanten Bereich arbeiten, da die Zeiten doch etwas besser mit dem Leben zu vereinbaren sind.
clyde_frog
23.10.2022, 18:29
Mach du doch erstmal in Ruhe dein PJ zu Ende...
Darf ich erst nach dem PJ was zu den Misständen im Arbeitsalltag schreiben?
Endoplasmatisches Reticulum
23.10.2022, 18:35
Nö. Aber davor ist es halt einfach nur albern, derart schwülstige Monologe über den Sturz des Imperators in den Äther blasen, nur weil bei jemand anderem im Job mal keine Einhörner auf den Kasack gekotzt haben, sondern leider wieder nur Tante Erna mit Bluthusten.
clyde_frog
23.10.2022, 18:58
Nö. Aber davor ist es halt einfach nur albern, derart schwülstige Monologe über den Sturz des Imperators in den Äther blasen, nur weil bei jemand anderem im Job mal keine Einhörner auf den Kasack gekotzt haben, sondern leider wieder nur Tante Erna mit Bluthusten.
Sorry, aber genau wegen dieser Einstellung wird sich in Deutschland niemals was zum positiven änderen. Ich war jetzt 4 Monate lang in meiner heimat in Bristol UK und kann nur sagen, dass es hier solche Verhältnisse, wie in D nicht gibt in dieser Ausprägung.
Ich kann nur sagen, dass ich es mir nicht vorstellen kann, mich den Launen und der Willkür von Vorgesetzten in Ausprägung wie im original Thread dargestellt auszusetzen. Da kündige ich lieber und wechsle. Ich habe zuvor schon 10 Jahre in eine andere beruf gearbeitet und kann nur sagen das das leben zu kurz ist um unglücklich zu sein.
Euch viel Spass dabei!
][truba][
23.10.2022, 19:21
Weiß nicht ob das stimmt.
Kenne einige Kollegen aus UK und die berichten auch über schlimme Zustände. Wenn auch die Kollegialität dort einen hohen (höheren?) Stellenwert zu haben scheint sind all das nur Momentaufnahmen. Das NHS ist auf jeden Fall auch in der Krise.
clyde_frog
23.10.2022, 19:41
[truba][;2246387']Weiß nicht ob das stimmt.
Kenne einige Kollegen aus UK und die berichten auch über schlimme Zustände. Wenn auch die Kollegialität dort einen hohen (höheren?) Stellenwert zu haben scheint sind all das nur Momentaufnahmen. Das NHS ist auf jeden Fall auch in der Krise.
Hörensagen vs eigene Erfahrungen
Ich habe niemals geschrieben, dass das NHS nicht in der Krise steckt (welches Gesundheitssystem steckt bitte nicht in der Krise?). Ich habe geschrieben, dass es im Human Resources Level nicht zu solch einer, meiner Meinung nach, primitiven und herablassenden Form der Kommunikation (Oberarzt-Zitat: "dem ist nicht zu wiedersprechen"), und vor allem käme es nicht zu misachtung von Arbeitsrechtlichen Gesetzen wie hier in D. Kein Mensch in UK macht 24 Stunden Dienste um anschließend Minus-Stunden zu kassieren weil er einen Tag frei danach bekommt. Und dann werde ich angefeindet nur wil ich sage, dass ich so nicht mit mir umgehen lassen würde.. Ist mal wieder typisch Deutsch, sorry
Wie Tucholsky schon gesagt hat: In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht.
Wenn du es in Deutschland so hasst, wieso genau studierst du dann in Deutschland? (Das Gras sieht auf der anderen Seite immer grüner aus.)
Bonnerin
23.10.2022, 19:51
Ich will noch nichtmal sagen, dass du prinzipiell Unrecht hast. Aber das Ausbildungssystem im anglosächsischen Bereich (residency etc.) ist komplett anders als hier, daher ist ein Vergleich nur extrem schwer möglich.
Ich gehe mal davon aus, dass es vielleicht in 10-15 Jahren etwas besser wird, wenn nicht nur die "alte Garde" der CÄ und OÄ weg ist, sondern sich auch ihre aktuelle "Ziehgeneration" langsam dem Karriereende nähert. Das Nicht-Unterschreiben im Logbuch bzw. das Verweigern von nötigen Rotationen sind beliebte Druckmittel.
Letztlich muss man eine Stelle suchen und finden, wo man relativ gut und fair behandelt wird (ja, auch das gibt es in Deutschland) und versuchen, so schnell es geht den FA in Mindestzeit durchzuziehen. Je schneller man das hat, umso schneller kann man raus aus dem System bzw. zumindest raus aus der Klinikhierarchie.
Im ambulanten Bereich erspart man sich zumindest einen Großteil der Dienste und damit verbundenen Probleme, inkl. Probleme beim FZA. Von daher ist das ja langfristig auch das Ziel. In vielen anderen Ländern ist das ähnlich, da gibt es meines Wissens sogar noch deutlich größere Belegbetten-Systeme als hierzulande.
clyde_frog
23.10.2022, 20:00
Wenn du es in Deutschland so hasst, wieso genau studierst du dann in Deutschland? (Das Gras sieht auf der anderen Seite immer grüner aus.)
Ich hasse Deutschland nicht, aber ich werde ja wohl eine Meinung haben dürfen. Dein Argument geht jetzt allerdings schon in Richtung Fremdenfeindlich.
P.S: hier haben wir es wieder: In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht.
Endoplasmatisches Reticulum
23.10.2022, 20:04
Natürlich hat die Kritik schon einen wahren Kern. Die Welt ist schlecht. Ob es aber ein konstruktiver Ansatz ist, für jede Lappalie ein Temper Tantrum zu schmeißen, den Job zu quittieren und zum Abschied Rebellionsreden zu schwingen, die direkt aus dem Kapital entnommen sein könnten, steht wieder auf einem anderen Blatt. Wenn man dann dazu selbst noch keinen einzigen Tag selbst als Arzt gearbeitet hat, bleibt nicht viel mehr als eine aufgeplusterte Farce stehen.
Eine gewisse Menge Scheiße muss man in jedem Job fressen, und auch in anderen Branchen und - da bin ich mir sicher - anderen Ländern haben Vorgesetzte wirre Vorstellungen von Fairness, Arbeitsbelastung und eingeforderter Spontaneität. "Screw you guys, I'm going home" ist kein sinnvolles Konzept, wenn man die Hemmschwelle dafür so dermaßen niedrig ansetzt, dass man jeden einzelnen Job schon am ersten Tag wieder kündigen müsste.
clyde_frog
23.10.2022, 20:09
Ich will noch nichtmal sagen, dass du prinzipiell Unrecht hast. Aber das Ausbildungssystem im anglosächsischen Bereich (residency etc.) ist komplett anders als hier, daher ist ein Vergleich nur extrem schwer möglich.
Ich gehe mal davon aus, dass es vielleicht in 10-15 Jahren etwas besser wird, wenn nicht nur die "alte Garde" der CÄ und OÄ weg ist, sondern sich auch ihre aktuelle "Ziehgeneration" langsam dem Karriereende nähert. Das Nicht-Unterschreiben im Logbuch bzw. das Verweigern von nötigen Rotationen sind beliebte Druckmittel.
Letztlich muss man eine Stelle suchen und finden, wo man relativ gut und fair behandelt wird (ja, auch das gibt es in Deutschland) und versuchen, so schnell es geht den FA in Mindestzeit durchzuziehen. Je schneller man das hat, umso schneller kann man raus aus dem System bzw. zumindest raus aus der Klinikhierarchie.
Im ambulanten Bereich erspart man sich zumindest einen Großteil der Dienste und damit verbundenen Probleme, inkl. Probleme beim FZA. Von daher ist das ja langfristig auch das Ziel. In vielen anderen Ländern ist das ähnlich, da gibt es meines Wissens sogar noch deutlich größere Belegbetten-Systeme als hierzulande.
Das war mehr oder weniger meine Punkt von Anfang an. Der kollege beschreibt dass er gezwungen wird seine angesammelte Überstunden, die er bestimmt nicht freiwilig gemacht hat, dann zu nehmen wann es ihm nicht passt und er wird geschimpft und gedroht, das er keinen wiederspruch zu sagen hat.
Das sind toxische Elemente einer Arebitskultur welche auf Dauer keine glückliche Arbeiter schafft. Wie du schon in deine erste Kommentar geschrieben hast, wollen daher fast keine ärzte mehr dauerhaft im Krankenhaus bleiben. Wer soll dann langfristig das teaching an Krankenhäuser machen?
Ich kann auch ganz ehrlich sagen, dass ich in UK in Famulatur und jetzt im PJ viel besseres teaching als in D erleben durfte. der trend wird sich verschlimmern.
p.s ich hasse deutschland nicht, mein Mann ist deutscher und ich liebe das land und die menschen, bis auf manche eigenheinten
clyde_frog
23.10.2022, 20:11
Natürlich hat die Kritik schon einen wahren Kern. Die Welt ist schlecht. Ob es aber ein konstruktiver Ansatz ist, für jede Lappalie ein Temper Tantrum zu schmeißen, den Job zu quittieren und zum Abschied Rebellionsreden zu schwingen, die direkt aus dem Kapital entnommen sein könnten, steht wieder auf einem anderen Blatt. Wenn man dann dazu selbst noch keinen einzigen Tag selbst als Arzt gearbeitet hat, bleibt nicht viel mehr als eine aufgeplusterte Farce stehen.
Eine gewisse Menge Scheiße muss man in jedem Job fressen, und auch in anderen Branchen und - da bin ich mir sicher - anderen Ländern haben Vorgesetzte wirre Vorstellungen von Fairness, Arbeitsbelastung und eingeforderter Spontaneität. "Screw you guys, I'm going home" ist kein sinnvolles Konzept, wenn man die Hemmschwelle dafür so dermaßen niedrig ansetzt, dass man jeden einzelnen Job schon am ersten Tag wieder kündigen müsste.
Sorry, das war meine britisher humor :P
Aber ja, ich würde kündigen, wenn meine boss mich so schlecht behandelt. Und ich habe davor 10 jahre eine Corporate Job in london und Frankfurt gehabt, daher kenn ich mich in Arbeitswelt mindestens so gut aus wie du. sorry mate
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