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Fantastic
20.10.2022, 15:16
Deshalb jagt mir die Angst vor, dass ich irgendwas falsch mache.

Ich sage, dass ich gerne eine 85% Stelle haben möchte und ich würde gerne hin und da rotieren. Der Chef denkt sich was will die Person? Ja ich weiß, dass ein Jahr Erfahrung habe und das lange hier wurde aber gerne irgendwann auch neben Stationsarbeit was anderes machen und sehen. Funktion /Sonographie usw.....

Feuerblick
20.10.2022, 16:51
Naja, es kommt halt einfach eher nicht so gut, wenn man gleich Forderungen stellt. So schlecht ist die Bewerberlage normalerweise nicht und wenn es unbedingt diese eine Klinik sein muss, wirst du wohl die eine oder andere Kröte schlucken müssen.
Ich würde dir eher raten, neutral nach dem Ablauf möglicher Rotationen zu fragen. Das wäre ja dann auch der Ablauf deiner Weiterbildung in diesem Haus und das darf dich durchaus interessieren.
Schlecht ist "Ich möchte gerne nur 85% arbeiten und außerdem möchte ich gerne da und da arbeiten, aber nicht auf Station." Ja, dieser Wunsch ist verständlich, aber nach drei Jahren ohne Berufstätigkeit bist du jetzt nicht der Bewerber, nach dem sich Chefs die Finger lecken. Da wird man dir nicht gleich einen attraktiven Arbeitsplatz anbieten.

Natürlich kannst du die Teilzeitarbeit mit dem Wunsch nach einer Doktorarbeit begründen, ABER die Frage ist, ob der Chef Interesse daran hat, dass du einen Doktortitel hast oder ob ihm eine Vollzeit-Arbeitskraft wichtiger wäre. Du machst ja nicht bei ihm die Doktorarbeit und er braucht Leute für die tägliche Arbeit. Auch hier würde ich, wenn es denn unbedingt sein muss, fragen, ob denn eine Teilzeitstelle mit 85% denkbar wäre, weil man dir eine interessante Doktorarbeit angeboten hätte. Mehr aber auch nicht. In dem Wissen, dass die Antwort mit hoher Wahrscheinlichkeit "Nein" lauten wird.

Es ist in einem Vorstellungsgespräch alles eine Frage der Formulierung und des Tonfalls. Forderungen kommen bei Chefärzten besonders dann eben nicht so gut an, wenn man einen relativ unerfahrenen Bewerber vor sich sitzen hat, der auch noch drei Jahre raus aus der Materie ist. Das kann man natürlich so machen, aber man darf sich nicht wundern, wenn man dann eine Absage bekommt. :-meinung

Trendafil
20.10.2022, 17:33
Deshalb jagt mir die Angst vor, dass ich irgendwas falsch mache.

Ich sage, dass ich gerne eine 85% Stelle haben möchte und ich würde gerne hin und da rotieren. Der Chef denkt sich was will die Person? Ja ich weiß, dass ein Jahr Erfahrung habe und das lange hier wurde aber gerne irgendwann auch neben Stationsarbeit was anderes machen und sehen. Funktion /Sonographie usw.....

Naja aber schau: Du bist jetzt ehrlich gesagt in einer recht schlechten Ausgangs bzw. Verhandlungsposition.

1. Du bist seit 3 Jahren aus dem Job raus. in Wahrheit ja eigentlich ohne besonderen Grund

2. Du hast nur 11 Monate Berufserfahrung

3. Du bist örtlich gebunden

4. Du möchtest forschen

5. Du möchtest 85% arbeiten

6. Du möchtest eine Ausbildung vorzugsweise in den Funktionsbereichen.

Alles verständlich. Hätten wohl die meisten wohl gerne, nur ist die wahrscheinlichkeit hoch, dass der Chef jemanden findet, der wesentlich besser zu SEINEN Bedingungen passt als Du. Von daher musst du wohl ein Stück in den sauren Apfel beißen und Dich neutral präsentieren ohne die großen Forderungen zu stellen, wenn es genau die Stelle sein soll. Ob man sich im Verlauf ein paae "goodies" verhandeln kann, steht ja auf einem anderen blatt.

Ansonsten siehe Feuerblicks Post

rappelpaprika
20.10.2022, 17:43
Heisst das mit anderen Worten, dass die ganzen Leute die 85% arbeiten vorher erstmal mehrere Jahre Vollzeitarbeit leisten mussten um überhaupt eine Möglichkeit zu haben zu reduzieren und das Teilzeit von vornherein eher nicht möglich ist und wenn nur mit Kindern zu begründen ist? Ich meine, wenn man nicht an einer Uni-/großen Klinik Karriere machen will?

Rahmspinat
20.10.2022, 17:57
Heisst das mit anderen Worten, dass die ganzen Leute die 85% arbeiten vorher erstmal mehrere Jahre Vollzeitarbeit leisten mussten um überhaupt eine Möglichkeit zu haben zu reduzieren und das Teilzeit von vornherein eher nicht möglich ist und wenn nur mit Kindern zu begründen ist? Ich meine, wenn man nicht an einer Uni-/großen Klinik Karriere machen will?

Nein, heißt es nicht. Man kann durchaus auch als Berufsanfänger Teilzeit fordern, sofern der Grund nachvollziehbar erscheint (Kinder, pflegebedürftige Angehörige etc.). Empfehlen würde ich jedoch niemandem in Teilzeit anzufangen, wenn man nicht zwingend muss. Zum einen sollte man schon versuchen die Anfangszeit mitzunehmen um gescheit im Krankenhaus anzukommen, zum Anderen kann als Teilzeitbeginner der Eindruck entstehen, man nehme es mit der Weiterbildung nicht so ernst - mit entsprechenden Konsequenzen im Rotationsplan. Die Leute, die im Verlauf reduzieren sind meist schon etabliert in der Klinik und im Kollegium, da ist man als Chef auch eher bereit, dies zu ermöglichen. Man muss ja sein kompetentes Personal auch halten.

Trendafil
20.10.2022, 18:02
Es sind auch manchmal Teilzeitstellen ausgeschrieben, auf die man sich bewerben kann. Allerdings fordern diese meist bereits schon ein gewisses Kontingent an Qualifikationen oder sind (ultra-)befristet.

Also unmöglich ist es nicht, auch wenn man keinen trifftigen Grund hat.

Nefazodon
20.10.2022, 18:20
Es ist doch eigentlich ganz einfach: Je flexibler Du hinsichtlich der Arbeitsstelle bist, und je mehr Optionen Du hast, desto mehr kannst Du im Vorstellungsgespräch auch fordern.
Wenn es allerdings unbedingt diese eine Stelle sein soll, dann würde ich im Vorstellungsgespräch auch entsprechend zurückhaltend auftreten und kleine Brötchen backen.

Endoplasmatisches Reticulum
20.10.2022, 18:42
Es gibt durchaus öfters auch mal Teilzeitstellen für Berufsanfänger, weil im Rahmen der Ökonomisierung zunehmend so auf Kante kalkuliert wird, dass krumme Stellenschlüssel entstehen. Das ist durchaus eine feine Kunst: Eine volle Stelle weniger und die Ratten springen vom Schiff, eine volle Stelle mehr verschwendet Budget.

Vor dem Hintergrund ist so etwas wie 85 % eben maximal problematisch, wenn es nicht dem Stellenschlüssel entspricht. Das heißt letztlich, es fehlt Arbeitskraft, die einkalkuliert wurde aber nicht verfügbar ist - schlecht. Der Chef kann keine zweite Person auf 15 % einstellen. Die reduzierte Stelle wirft also Mehrarbeit für das restliche Team auf - schlecht. Wenn der Chef nun seine Abteilung kalkulatorisch unterbesetzt fährt und das geht gut, dann streicht ihm die Personalabteilung im Verlauf die 15 % dauerhaft weg - extrem schlecht. Er wird daher immer versuchen, wenn irgendwie möglich, eine 100 % Kraft oder doch zumindest zwei 50 % Kräfte zu finden. Sonderwünsche schieben den Bewerber also regelhaft schonmal mindestens auf Prio 3 runter. Wenn dann noch Forderungen an Rotationen kommen ...

rappelpaprika
20.10.2022, 18:58
Ist das nicht auch irgendwie fachabhängig? Man hört ja sehr viel von familienfreundlichen Fachrichtungen und dem Trend zur Teilzeit. Man kann ja im Gegenzug anbieten dann mehr Dienste zu machen damit die Kollegen nicht drunter leiden müssen oder dass man auch öfter kurzfristig einspringt. Aber eine VZ-Stelle mit permanent über 60 Stunden pro Woche ist einfach nicht für jede/n etwas

rappelpaprika
20.10.2022, 19:01
Nein, heißt es nicht. Man kann durchaus auch als Berufsanfänger Teilzeit fordern, sofern der Grund nachvollziehbar erscheint (Kinder, pflegebedürftige Angehörige etc.). Empfehlen würde ich jedoch niemandem in Teilzeit anzufangen, wenn man nicht zwingend muss. Zum einen sollte man schon versuchen die Anfangszeit mitzunehmen um gescheit im Krankenhaus anzukommen, zum Anderen kann als Teilzeitbeginner der Eindruck entstehen, man nehme es mit der Weiterbildung nicht so ernst - mit entsprechenden Konsequenzen im Rotationsplan. Die Leute, die im Verlauf reduzieren sind meist schon etabliert in der Klinik und im Kollegium, da ist man als Chef auch eher bereit, dies zu ermöglichen. Man muss ja sein kompetentes Personal auch halten.

Ok, das klingt überzeugend. Ich würde gerne 1 x pro Woche für 4 Stunden in einem Nebenjob arbeiten (hat nichts mit Medizin zu tun) und ich würde mit TZ plus Nebenjob finanziell deutlich besser fahren als mit einem VZ-Klinikjob. Kein kompetentes Fach, Nachwuchsmangel

Fantastic
20.10.2022, 19:08
Wenn es dazu kommen würde, werde ich wohl nett nachfragen, ob es möglich wäre in eine 85%Stelle einzutreten und wie ich rotiere und wann.

Fixiert Ja kann sein, wenn alle andere Möglichkeiten erschöpft werden. Wenn das nicht umsetzbar ist, dann eben kein Problem für mich.

Peinlich nur, wenn die Frage kommt, was haben Sie innerhalb 11 Monaten gelernt? Hmm ja Stationsarbeit +Nachtdienste ZNA und Hausdienste musste ich Machen, weil wir unterbesetzt waren. Toll, dann können Sie gut Sonographien, Echo und Schokräume behandeln. Naja, das habe ich nicht gelernt nur flüchtig, da die Klinik keine Rotationsplan hatte und nach 3 Monate Stationsarbeit, kommen Nachtdienste in der ZNA.

Ich habe von Ex Kollegen erfahren, dass die mit 6 Monaten in der Funktion rotieren, da wo ich mich bewerben möchte.

Feuerblick
20.10.2022, 19:14
@rappelpaprika: Man kann natürlich auch als Berufsanfänger gerne Teilzeit arbeiten wollen. Wenn aber eine Stelle als Vollzeit ausgeschrieben ist, kann es sein, dass am Ende ein Bewerber vorgezogen wird, der Vollzeit arbeiten möchte. Das muss man einfach im Hinterkopf haben.
Wenn man also wie der TE sehr örtlich gebunden ist, dann ist es eine mäßig gute Idee, gleich mit Teilzeit zu kommen. Eben aus dem genannten Grund.
Ansonsten sehe ich es ähnlich: Gerade als Berufsanfänger ist es fürs Reinkommen ganz förderlich, mal mindestens die Probezeit, also sechs Monate, Vollzeit zu arbeiten. Nicht für den Arbeitgeber sondern wirklich für einen selbst.

Trendafil
20.10.2022, 19:27
Puh, Fantastic, dir täte eine realistischere Haltung ganz gut, zumal Du, wie Du schon sagtest, "enttäuscht und persönlich getroffen" durch die 1. Absage bist.

So wie Du das planst, ist eine weitere Ablehnung quasi vorprogrammiert. Du musst halt jetzt schon priorisieren, was Dir wichtiger ist: der Job an dieser Klinik oder ein Job mehr nach deinen Vorstellungen NICHT an dieser Klinik.

und peinlich wirds eher, wenn man Dich fragt, was du die letzten 3 Jahre gemacht hast....
Mit so einer langen Pause und so wenig Berufserfahrung, bist du für den Chef praktisch Berufsanfänger. Er wird sehr wahrscheinlich keine hohen Sonographiekünste von Dir erwarten (können).

Fantastic
20.10.2022, 19:42
Für die Jahren 20 bis 22 habe ich bereits eine Begründung, was etwas persönliches ist und ich nicht so gerne hier veröffentlichen möchte.

Ich würde wohl nicht mehr fragen nach Teilzeit und nehme die Stelle an wie sie angeboten wird.

Eigelbe
20.10.2022, 19:49
Ich bin wie der TS nehme viel persönlich ab und Weine und überlege lange lange an die Sachen, die ich anderes gemacht hätte :(

Nefazodon
20.10.2022, 20:40
Ok, das klingt überzeugend. Ich würde gerne 1 x pro Woche für 4 Stunden in einem Nebenjob arbeiten (hat nichts mit Medizin zu tun) und ich würde mit TZ plus Nebenjob finanziell deutlich besser fahren als mit einem VZ-Klinikjob. Kein kompetentes Fach, Nachwuchsmangel

@rappelpaprika: Der Wunsch ist ja statthaft, aber man muss sich gut überlegen, ob man sowas im Bewerbungsgespräch thematisiert. Letztendlich BEWIRBT man sich und das ist vielleicht keine gute Werbung?
Welches Interesse sollte ein Chef daran haben, dass Du noch woanders einen Nebenjob machst? Das macht dich nur unflexibel im Bezug auf die Dienstplanung (aus Chefarzt-Sicht). Ergo rutscht Du auf der Wunschliste nach unten.
Kleine Nebenbemerkung: Ich weiß nicht ob dir das klar ist, aber ein Nebenjob ist beim Hauptarbeitgeber anzeigepflichtig. Höchstarbeitszeiten dürfen trotzdem nicht verletzt werden (schwierig für AG) und Du landest mit dem zweiten Job in einer anderen Steuerklasse (eventuell doch weniger attraktiv).

rappelpaprika
20.10.2022, 20:56
Ich weiß nicht ob dir das klar ist, aber ein Nebenjob ist beim Hauptarbeitgeber anzeigepflichtig. Höchstarbeitszeiten dürfen trotzdem nicht verletzt werden (schwierig für AG) und Du landest mit dem zweiten Job in einer anderen Steuerklasse (eventuell doch weniger attraktiv).

Das ist mir alles bekannt, ich verstehe auch die Einwände. Trotzdem bin ich der Meinung, dass nicht nur "Mutter sein" ein Grund für Teilzeit sind, sondern das dies auch nicht-weiblichen Personen ohne Kinder zustehen sollte . Aber es ist vielleicht am besten wirklich in Vollzeit anzufangen und das ggfs auch ganz durchzuziehen. Je früher ist man dann ja auch aus der Klinik raus, was langfristig mein Ziel ist

rappelpaprika
21.10.2022, 00:49
Ich habe in meiner näheren Umgebung schon mehrfach Stellenanzeigen gelesen, wo "mindestens 50%" als Stellenumfang gefordert wurde, aber sowohl eine Vollzeit als auch eine Teilzeitanstellung möglich wäre. Ist das bei AA-Stellen normal? In der "freien Wirtschaft" wird ja oft explizit eine Vollzeitstelle ausgeschrieben und bzgl. Berufsanfängern ein ganz gewisses "Profil" verlangt. Ist das in der Medizin wirklich so anders? Bei "Ihr Profil" stehen dann so absolute Grundvoraussetzungen um überhaupt arbeiten zu können wie "Interesse, Approbation etc.". Ich meine damit Klinikstellen und nicht Angebote von renommierten Unternehmensberatungen, die ja z.T. auch Mediziner suchen

DA1994
21.10.2022, 00:55
Alles unter 50% kann nicht als Weiterbildungszeit für die Facharztausbildung anerkannt werden.

GloriaSchmidt
21.10.2022, 06:00
Peinlich nur, wenn die Frage kommt, was haben Sie innerhalb 11 Monaten gelernt? Hmm ja Stationsarbeit +Nachtdienste ZNA und Hausdienste musste ich Machen, weil wir unterbesetzt waren. Toll, dann können Sie gut Sonographien, Echo und Schokräume behandeln. Naja, das habe ich nicht gelernt nur flüchtig, da die Klinik keine Rotationsplan hatte und nach 3 Monate Stationsarbeit, kommen Nachtdienste in der ZNA.

Ich habe von Ex Kollegen erfahren, dass die mit 6 Monaten in der Funktion rotieren, da wo ich mich bewerben möchte.

Äh - peinlich ist es nur, wenn du das so abschätzig antwortest! Dass man als Anfänger im ersten Jahr zunächst Stationsarbeit lernt und eben NICHT direkt die Funktionen und cool im Schockraum rumhängt, halte ich irgendwie für normal….