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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Elite-Unis



Alles wird gut
15.01.2004, 13:44
Mich würde doch mal interessieren, wie ihr alle zu dem Vorhaben mit den Elite-Unis steht!?
Um die Diskussion nicht gleich in eine Richtung zu lenken, halte mich ich jetzt noch mal zurück und werde später meine persönliche Meinung dazu geben...

stez
15.01.2004, 14:22
Ansich keine schlechte Sache würd ich sagen. Allerdings sollte jeder die Möglichkeit haben, dort angenommen zu werden. Damit meine ich, daß der finanzielle Hintergrund keine Rolle spielen sollte (Wer mehr zahlt, wird angenommen), sondern eine Auswahl nach Gespräch o.ä. stattfinden sollte. Ist dann nur die Frage, wie sich diese Elite-Uni finanziert... :-? hmm... Oder man erhebt Gebühren, die sich im Nachhinein zahlen lassen...ach keine Ahnung... :-D

Gruss Stez :-music

Nachdem ich nochmal gründlich drüber nachgedacht habe, schliess ich mich janines meinung an... man sollte wirklich erstmal schauen, daß man die anderen unis auf vordermann bringt...grundsätzlich ist aber gegen die Idee mit den Elite Unis nichts zu sagen...

Lava
15.01.2004, 15:24
Absoluter Schwachsinn meiner Meinung nach! Wenn die Politiker es nicht auf die Reihe kriegen, Deutschland wettbewerbsfähig zu machen, denken sie sich eben sowas aus, gucken nach Amiland und schreien "nachmachen!". Ich vertrete da eher die Meinung, die ich neulich in einem unserer lokalen Wurstblätter gelesen habe. Da gabs ein kurzes Interview mit unserem Rektor, der gesagt hat, eine Eliteuni á la Harvard oder Stanford zu schaffen, sei schon rein finanziell gar nicht möglich. Selbst wenn man den Etat unserer Uni verzehnfachen würde, würden noch 8 Milliarden fehlen (Zitat Prof. Jäger). Das hieße also, die anderen Unis bekämen deutlich weniger und wir Studenten müssten Gebühren blechen - und mit lächerlichen 500 Euro pro Semester bekommt man keine Milliarden zusammen.... also könnten sich nur wenige das Studium hier leisten. Stipendien? Na dann stampft mal ein paar tausend Stipendien aus dem Boden, die mehrere tausend Euro pro Jahr und Student hergeben würden! Alumni spenden in Deutschland auch wesentlich weniger als in den USA.
Außerdem glaube ich dem ASTA, der im Interview meinte, die USA hätten zwar ein paar der wohl besten Unis der Welt, aber der Rest sei unteres Mittelmaß.

Vielleicht ist der Begriff Eliteuni etwas dumm. Ich jedenfalls halte es für wesentlich besser, ALLEN Unis mehr Geld und mehr Freiheiten zur Verfügung zu stellen, damit sich insgesamt was tun kann. Jede Uni hat das ein oder andere Institut, das ganz klasse ist und auch international bekannt. Die bekommen dann sowieso mehr Forschungsgelder. Warum also sollten alle diese Institute an EINER Uni vertreten sein?
Noch mal zum Etat.... gestern hat man uns gesagt, die medizinische Fakultät Freiburg bekäme dieses Jahr ganze 8 Millionen (!) Euro weniger als im letzten Jahr. Wieso in aller Welt redet man über Eliteunis, wenn die allein in unserem Institut so viel kürzen???? *fassungslosbin*

Eliteunis? :-dagegen

Doktor_No
15.01.2004, 15:59
ich halte diese unausgegorene, nebulös angedachte und völlig unkonkrete sowie ungeplante idee der "eliteuniversitäten" für politverarsche at it`s best! passend zur "innovationsoffensive" wird ein schlagwort in den medialen showroom gebrüllt, die protagonisten dieser realsatire sind weder professoren noch studenten, sondern gewählte volksvertreter, die selbst wohl nur zum geringsten teil eine solche fakultät besucht haben respektive hätten und von der realität, mit der wir uns täglich beschäftigen müssen, meilenweit entfernt sind!
in einem land, in dem derzeit mittelmaß an allen stellen als das maß der dinge gesehen zu werden scheint (angefangen bei der legislative), hat dieser schwachsinn gerade noch gefehlt!
interessanterweise weiß frau buhlmann ja nicht einmal, wie sie die deutsche hochschullandschaft in der existenten form erhalzen bzw. reformieren soll, ganz zu schweigen von den kultusministern der länder. stattdessen werden die unis von der ministerin gegängelt, wo es geht, der sparzwang führt zu absurden auswüchsen, die in der medizin z.B. dazu führen, daß drittmittel für einen geregelten stationsbetrieb eingeplant werden, in den labors aber gleichzeitig stellen getrichen werden.
wer spricht denn noch von den juniorproffessoren, die uns vor 2 jahren angepriesen worden? wer von der greencard für hochqualifizierte inder?
diese dinge interessieren die umworbenen einfach nicht, denn in den usa und anderswo gibt es für diese leute ohne viel bürokratie und tamtam die stellen, die wir hier abbauen!
und diejenigen von uns, die hier studieren und dann mit 6-monatsverträgen an der uni abgespeist werden, verlassen bei gelegenheit doch auch dieses land...
alles in allem: heiße luft, dieser quatsch

Sebastian1
15.01.2004, 17:21
Zumal neben dem finanziellen Aspekt, den Janine schon erwähnte (Unis wie Harvard, Princeton etc haben Drittmittelgeber und Rücklagen in Milliardenhöhe) hier auch die Gerechtigkeit und der Gemeinsinn verloren geht. Eliteunis wären eine diskutable Sache, wenn es eine gesunde Hochschullandschaft gibt. Wenn allerdings gerade bundesweit Studierende auf die Strassen gehen und seit Jahren Mittel gekürzt werden, dann ist es absurd, so etwas zu planen. Zumal: Ist das überhaupt so planbar? Voraussetzungen mögen vielleicht geschaffen werden können, aber die amerikanischen oder französichen etc... Vorbilder sind gewachsen, denen hat man nicht per Dekret den "Elite"-Stempel aufgedrückt. Und einer präexistenten Hochschule das einfach aufzudrücken - was genau macht die denn dann zur Eliteuni?
Und ganz konkret mal gefragt: Was ist denn der zu erwartende Benefit? Und wievielen Leuten kommt dieser zu welchem Preis zugute? Meine Meinung: Im Moment ein politisches Schlagwort, welches - kaum ausgesprochen - schon zum Bumerang geworden ist.

Gruß,
sebastian

nachba
26.01.2004, 23:00
Hallo zusammen,
das erste mal habe ich von diesem Elite-Kram nebenbei aus dem Radio erfahren und habe gedacht, dieser Gedanke sei einem Guido oder sonstwem von der FDP entfleucht. Aber nein, die Vertreter des "kleinen Mannes", die Verteidiger des Sozialsystems gegen die bösen, alles zerstörenden Konservativen, die Arbeiterpartei SPD hat diesen glorreichen, Deutschland an die Spitze der Weltökonomie katapultierenden Vorschlag gemacht. WOW, danke Gerhard, danke Edelgard!
Endlich wissen wir, warum wir Versager an den "Normalo-Unis" eigentlich gar keine Leistungen erbringen können! Wir sind keine Elite, warum also noch anstrengen?! Es kommt eh nichts bei rum, Deutschland braucht eine Elite und das sind wir nicht! :-D
Mal im Ernst, ich kann mich vielen Gedanken meiner Vorrednern nur anschließen!
Ich frage mich lediglich, was uns arme Wähler noch so alles erwartet, was uns noch alles zugemutet werden soll um die Sozis wieder aus dem tiefen Tal der Wahlumfragen zu heben. Es ist so, dass jegliche Bildungsstudie Deutschland ein komplettes Versagen in der Qualifikation nicht der Abiturienten und späteren Studenten, sondern der Haupt- und Realschüler testiert! Und darauf ist dann die passende Antwort eine Gründungswelle von Elite-Schulen und -Unis? Nicht die Akademiker belasten die Gesellschaft sondern die werden zum Problem, die (wenn sie einen Abschluss bekommen) meist nicht richtig schreiben oder lesen können und so keinen job kriegen. In keinem Land entscheidet die soziale Herkunft dermaßen über die Bildungschancen wie in Deutschland. Nagut, die spätere Elite wird natürlich so elitär intelligent sein, dass wir die "Anderen", die "Normalen" schon irgendwie beschäftigen werden, jemand muss ja die elitären Wege der Unis sauber halten. :-blush
Naja, aber wenn erst die glücklichen Elite-Studenten in ihren Elite-Hochburgen ein schönes Leben führen, pro Jahr 10 Nobel-Preise einheimsen, das Rad neu erfinden und auf die Studis an den Rest-Unis (die keine Elite ausbilden, folglich keine weiteren Fördergelder mehr bekommen und das Studium vom Studenten selbst finanzieren lassen müssen) "kollegial" herabschauen, dann werden sich alle Probleme Deutschlands verflüchtigen und wir sehen einer strahlenden Zukunft entgegen! ;-)
Und da ich in Berlin studiere schaue ich schon jetzt auf euch arme Nicht-Elite bemittleiden herab :-)) Aber es kann eben nicht jeder dazugehören......

milz
26.01.2004, 23:12
Und da ich in Berlin studiere schaue ich schon jetzt auf euch arme Nicht-Elite bemittleiden herab Aber es kann eben nicht jeder dazugehören......


*schnief*

nachba
26.01.2004, 23:20
c'est la vie

:peace:

:-stud

blanko
27.01.2004, 12:48
Habe jetzt gelesen, daß die Eliteunis ihre Zuschüsse wohl aufgrund der Forschung bekommen sollen. korrigeirt mich, wenn ich das mal wieder falsch verstande habe.
Wenn das aber so sein sollte, profitiert die Lehre ja höchtwahrscheinlich eh mal wieder nicht davon.
Abgesehen ist es meiner Meinung nach fast unmöglich spitzen Forschung mit spitzen Klinischen Tätigkeiten unter einem Hut zu bringen, so daß wir statt forschenden Elite Unis eh lieber noch ein paar MPI gründen könnten.

Kackbratze
27.01.2004, 13:05
Eine ELITE Uni entsteht dadurch, dass sie gut ist, nicht indem gesagt wird, das sie gut werden soll (so wie die Steuerreform)(oder die Rentenreform)(oderoderoder).

Die Hochschulen in Deutschland haben mehrere Nachteile gegenüber den Unis, mit denen sie verglichen werden sollen.

Die amerikanischen Unis sind privat gefördert durch ehemalige Studenten, Firmen und Stiftungen.
Erfindungen und Forschungen der Unis bzw der Profs werden gefördert und gehören danach Anteilig den Unis, die mit den Anteilen (meist Firmenanteile der neugegründeten Firmen die das Erfundene vermarkten) machen dürfen WAS SIE WOLLEN!
Ausserdem gehen Studiengebühren direkt an die Uni.
Das tolle ist, die Uni selber vergibt auch Stipendien sowie genug andere Firmen auch, so dass es mit entsprechenden Leistungen, teilweise sogar NUR MIT DER RICHTIGEN IDEE eine möglichkeit gibt ein Stipendium zu erhalten.
Das man das UniStipendium nachher an die Uni zurückzahlt gehört dazu und dient auch der Refinanzierung, schließlich haben UniAbsolventen meistens Geld.

Allerdings die größten Vorteile die das Ausland hat sind:
a) ein besseres Patentrecht.
Bis in Deutschland ein PAtent durch ist, ist es in Amerika längst kopiert und verbessert worden....
b) die Politik lässt die Forscher Arbeiten ohne sie groß zu stören.
unsere tolle rot-grüne Regierung hat alle Wachstumsbranchen der Zukunft verboten bzw so stark eingeschränkt das nix mehr geht. Beispiel: Gentechnik.
Durch diese 2 Dinge gehen viele Forscher dann lieber nach AMerika oder sonstwohin, damit sie in Ruhe forschen können.
Angeblich würden auch viele für weniger Geld an deutschen Unis bleiben, aber da sie dort nicht ungestört forschen dürfen gehen sie dann ins Ausland.

Froschkönig
27.01.2004, 21:23
Original geschrieben von Kackbratze
Eine ELITE Uni entsteht dadurch, dass sie gut ist, nicht indem gesagt wird, das sie gut werden soll (so wie die Steuerreform)(oder die Rentenreform)(oderoderoder).

Ich glaube, du hast da was falsch verstanden :

Es geht doch hier (oder???) darum, daß es Uni´s geben soll, an denen die GEISTIGE ELITE ausgebildet wird ! Somit also eine Uni, die mit geistigen Überfligern arbeitet und ein größeres Spektrum in kürzerer Zeit abhandeln kann !


Was ich an sich nicht verkehrt finde, jedoch sollte das, wie von Stez schon erwähnt, nicht vom Baren des alten Herren abhängen, sondern rein von der qualifikation (zumindest meiner Meinung nach)

Kackbratze
27.01.2004, 21:37
Die Elite Universität wie sie von unserer Bundesregierung propagiert wird ist nur Elite durch ihre besser finanzielle Förderung die den anderen Unis deswegen gekürzt wird.

Über verkürzte Studienzeiten an den Unis oder bessere Forschungsbedingungen oder ähnliches wurde nicht diskutiert.

Laut den Veröffentlichungen unserer Regierung geht es NUR um mehr Geld für ein paar Unis auf Kosten der anderen Unis.
Und man schreibt ELITE drauf.
Sonst gibt es kein Konzept in irgendeiner Form.
Warum auch? Sind ja Politiker und nicht Leute die sich mit sowas auskennen sollten. :-(

Laut Frau Bullmann aus dem Bildungsministerium sollen die Unis selbser Vorschläge machen, wie sie Elitär werden können, und wenn unserer Regierung das Konzept gefällt (das nochnicht erstellte Konzept der Berliner Unis ist übrigens schon angenommen worden... ;) ), bekommt die Uni mehr Geld und nicht weniger.
Die anderen Unis werden definitiv dann weniger Geld bekommen,weil im Bildungshaushalt nicht mehr Geld zur Verfügung steht, aber die ELITEUNIS 50Millionen Euro bekommen werden....woher die wohl kommen werden...... :-(

edit: Die Aktion hat folgenden Name:
Brain up! Deutschland sucht seine Spitzenuniversitäten
Wer denkt sich eigentlich so einen Mist aus?!?


KURZER ANHANG ZUM SCHMUNZELN:
Quelle: die Welt

Harvard, Stanford, Yale, Princeton, Ruhr-Uni - irgendwie haut das nicht hin. Wenn in Deutschland wirklich Eliteuniversitäten entstehen sollen, brauchen unsere Hochschulen etwas noch dringender als jede Menge Geld: gute Namen. Wie soll man auch zu Höchstleistungen in der Lage sein, wenn man "Universität zu Köln" heißt? Oder "TU Berlin"? Was liegt also näher, die künftigen deutschen Elite-Unis nach ihren geistigen Vätern - und Müttern - zu benennen? Schließlich handelt es sich bei denen ja auch um Elite: um echte Spitzenpolitiker - wenn auch nur der SPD.


Denkbar wäre zum Beispiel die "Franz Müntefering Universität". Um die Lebensleistung ihres Namensgebers zu würdigen, würde sie die "Vergleichenden Kurzsatzwissenschaften" zu ihrem Schwerpunkt erklären. Die aus der Forschung entwickelten neuen Produkte wie der "Drei-Wort-Satz" und die "Subjekt-Prädikat-Objekt-Reihung" könnten dann in die bayerische Staatskanzlei exportiert werden, was nicht nur den dringenden Bedarf von Edmund Stoiber decken, sondern auch die deutsche Binnennachfrage schwungvoll ankurbeln würde.


Die "Manfred Stolpe School of Modern Losing", die zweite deutsche Elite-Uni, würde sich ganz der Nano-Technologie widmen und Messgeräte für nicht nachweisbare Leistungen im politischen Raum entwickeln. Die "Wolfgang Clement Hochschule für angewandte Cholerik" müsste sich, ganz in der Tradition des "Otto Schily Instituts für taube Ohren", zunächst ebenso auf die Grundlagenforschung konzentrieren wie die "Brigitte Zypries Law School for Unknown Ministers", der Weiterentwicklung der "Christine Bergmann Stiftung für Minister ohne Wiederkehr". An der "Martin Schulz Academy for European Excellency" könnten deutsche Studenten lernen, dass sie in Europa allein dadurch Karriere machen können, indem sie sich von Silvio Berlusconi beleidigen lassen.


Ähnlich praxisorientiert wäre das "Edelgard Bulmahn College für Stochastische Methoden der höheren Mathematik". Hier lehrt die Namensgeberin selbst, wie man über Nacht aus eins zehn macht, null in der Tasche hat und die Zuständigkeit gleich bleibend gegen null tendiert. Mathe-Streber können sich aber auch an der "Hans Eichel Akademie für Unwahrscheinlichkeitsrechnung" einschreiben. Voraussetzung hierfür ist aber, dass sie zuvor mindestens vier Mal ihre eigenen Stabilitätskriterien gerissen haben. Und was erforscht man an der "Gerhard Schröder Acker-Uni"? Na die Trägheitsgesetze der Festkörperphysik natürlich. Wie verfolge ich acht Jahre einen Zickzackkurs - und bleibe trotzdem Kanzler.