PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Umgang mit Patient nach Praxisschließung



Seiten : 1 [2]

morgoth
02.12.2022, 15:48
Ich tendiere auch zu "zu creepy".

In Ausnahmesituationen (Praxisschliessung etwa zeitgleich mit einer bevorstehenden medizinischen Massnahme) könnte ich mir vorstellen, dieses konkrete Ereignis etwas auszunutzen - die eigene Email herausgeben mit dem Hinweis "Wenn Sie möchten, können Sie mir gerne nach Ihrer Behandlung X ein Lebenszeichen schreiben."
Wenn sich dann tatsächlich zwischen den Zeilen allmählich etwas herauskristalliert, wer weiss ...
Das scheint mir hart an der Grenze, aber noch vertretbar zu sein.
Ansonsten aber auf jeden Fall den Fall professionell abschliessen, die Arzt-Patienten-Beziehung ist in dieser Hinsicht - nach meinem Empfinden - nämlich nicht gleichberechtigt/auf Augenhöhe, da müssen wir Ärzte manchmal besser aufpassen als die Patienten.


Ich würde auf keinen Fall mehr/direkteren Kontakt aus dem Nichts heraus initiieren - keine "Folgetermine", keine privaten Telefonnummern, keine "Followup"-Telefonate, keine "Treffen nur so".

Espressa
03.12.2022, 06:51
Ich finde es auch creepy.
Gerade weil es eine langwierigere Behandlung war. Und zumindest wie es formuliert ist so ein schwammig platonisches Interesse besteht.

Ich meine, wenn man nur kurz mit einem Patienten zu tun hat, UND es ist ein riesen Knistern da, muss man nicht die möglicherweise große Liebe an sich vorüberziehen lassen. Da wäre aber Direktheit gleich zu Beginn nötig um eben sofort als Behandler auszuscheiden und damit die Möglichkeit zu eröffnen, sich privat näher zu kommen.

Ich hatte zu Beginn meiner Tätigkeit einen Patienten, der ein Auge auf mich geworfen hatte (ha-ha). War eh auch ein flotter Typ und wäre ich nicht in einer Beziehung gewesen, hätte ich mich vielleicht mit ihm verabredet. Aber dann vorher geklärt dass im (unwahrscheinlichen) Fall einer Weiterbehandlung ein Kollege übernommen hätte. Wenn das zb im stationären Setting sowieso unmöglich ist (ich stelle mir grad vor wie ich als kleiner Assistent dem Chef sage: „öhm, den kann ich nicht mehr behandeln, weil wir wollen uns verabreden um uns näher kennenzulernen“) dann ist’s halt auch schon nicht drin.

Und dann spielt es aus meiner Sicht auch eine Rolle, was der Patient hat. Wenn man jemandem zb „nur“ einen Verband anlegt ist es was anderes als eine komplette Anamnese, Untersuchung, wälzen irgendwelcher intimerer Details… das macht nämlich das „Gefälle“ irgendwie noch größer, wo doch, wie schon zuvor erwähnt, die Arzt-patienten-Beziehung sowieso nicht „auf Augenhöhe“ ist.

Interessiert dich tatsächlich die weitere medizinische Entwicklung, könntest du in Absprache um einen Arztbrief bitten.

Evil
03.12.2022, 12:09
Vielleicht sollte man einfach mal klar zwischen verschiedenen Beziehungsebenen unterscheiden:
Arzt/MFA-Patient-Ebene, sehr asymmetrisch
Freundschafts- oder gar Liebesebene, eher symmetrisch (kommt drauf an)

Beides bitte scharf voneinander trennen, die Vermischung ist das "creepy"-Element und geht totsicher in die Hose.

Wenn von beiden Seiten gewünscht, kann von der einen auf die andere Beziehung umgestellt werden, das stelle ich mir aber kompliziert vor und rate davon ab.

anignu
03.12.2022, 13:48
Mich muss bei so einer Geschichte irgendwie immer an die Beziehung eines Sportlehrers zu seiner Schülerin (oder umgekehrt?) denken bei uns am Gymnasium. Alle wussten davon, niemand durfte es wissen, bis endlich ein paar Jahre später das Abitur vorbei war und die Beziehung öffentlich gemacht werden konnte. Und sie sind inzwischen verheiratet und haben zwei Kinder...
War schon auch irgendwie komisch. Halt so typisch Dorf wenn es alle wissen, es niemand wissen darf, alle drüber reden, es trotzdem ein großes Geheimnis ist. Komisch eben.
Und jetz denk drüber nach ob das du so eine Beziehung als "normal" beurteilen würdest oder ob man die Beziehungsebenen wie bei Evil anwenden sollte. Und warum gibt es denn auch in manchen größeren Firmen Regeln dass asymetrische Beziehungen angezeigt werden müssen?