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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage zur PJ-Planung



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Thomas24
07.02.2023, 06:57
ich verstehe, aber ich denke, die, die sich jahrelang bewährt und einen guten Eindruck gemacht haben, werden auch belohnt und kommen bestimmt ans Operieren, vermute ich.

Versteif dich bitte nicht auf den operativen Aspekt, sonst ist die Enttäuschung quasi schon vorprogrammiert. Auch die Erwartungshaltung, ein vergleichsweise gechilltes Berufsleben zu haben, solltest du mit den tatsächlichen Gegebenheiten abgleichen (in der Praxis gerne zwischen 60 bis 80 Patienten täglich bei konservativer Tätigkeit im GKV Bereich). Eine Hospitation/ Famulatur kann dir im Vorfeld viel Kummer ersparen, wenn du eigentlich kein genuines Interesse am Fach haben solltest und primär an guten Arbeitsbedingungen/ Operationen interessiert bist.

Kathy234
07.02.2023, 11:22
Auch die Erwartungshaltung, ein vergleichsweise gechilltes Berufsleben zu haben, solltest du mit den tatsächlichen Gegebenheiten abgleichen (in der Praxis gerne zwischen 60 bis 80 Patienten täglich bei konservativer Tätigkeit im GKV Bereich)..

Ich lese diese Zahl häufig hier, 60-80 Patienten, hat denn ein Hausarzt/Kardiologe/Neurologe nicht auch viele (auch wenn weniger, und nicht unbedingt so kurz getaktet) Patienten am Tag zu betreuen? Kein Arzt lebt “gechillt”, das verstehe ich. Aber die Unterschiede zwischen den einzelnen medizinischen Fachgebieten machen den Unterschied aus. Ich vergleiche die Arbeit als Arzt bestimmt nicht mit der eines Anwaltes oder Geschäftsführer oder irgendetwas im Büro.

Bussard
07.02.2023, 12:57
Ich lese diese Zahl häufig hier, 60-80 Patienten, hat denn ein Hausarzt/Kardiologe/Neurologe nicht auch viele (auch wenn weniger, und nicht unbedingt so kurz getaktet) Patienten am Tag zu betreuen? Kein Arzt lebt “gechillt”, das verstehe ich. Aber die Unterschiede zwischen den einzelnen medizinischen Fachgebieten machen den Unterschied aus. Ich vergleiche die Arbeit als Arzt bestimmt nicht mit der eines Anwaltes oder Geschäftsführer oder irgendetwas im Büro.

Kathy, ich weiß nicht, ob du es irgendwo schon mal geschrieben hast, aber mich würde interessieren, welche Famulaturen du gemacht hast. Welche Fachrichtungen, und ob in einer Praxis oder einer Klinik (Uniklinik, städtischer Maximalversorger, Grundversorger)? Was hat dir gefallen, und was nicht, und warum? Hast du vor dem Studium eine Ausbildung gemacht oder anderweitig Berufserfahrung? Dann hätte man vielleicht eine bessere Gesprächsgrundlage, wenn wir wissen, welche Erfahrungen du bislang gemacht hast.

Die Patiententaktung in der Niederlassung ist sicherlich auch immer vom Anspruch des Praxisinhabers abhängig. Für die Allgemeinmedizin kann ich nur aus meinen eher begrenzten Erfahrungen aus der Hausarztfamulatur, dem Wochenpraktikum Allgemeinmedizin und meinem Bekanntenkreis sprechen. Dort sind es bei Weitem keine 60-80 Patienten am Tag.

Feuerblick
07.02.2023, 13:15
Die Augenheilkunde lebt in sehr vielen Fällen von Patientenkontakten, die maximal 5-10 Minuten dauern. Man muss sich also alle 5-10 Minuten auf einen neuen Patienten, auf dessen Krankheitsbild, dessen Wünsche und so weiter einstellen. Dazwischen ein paar Notfälle, die auch nicht länger dauern sollten, bei denen man aber erst einmal die komplette Anamnese erheben muss… es schlaucht!

Thomas24
07.02.2023, 13:28
Die Augenheilkunde lebt in sehr vielen Fällen von Patientenkontakten, die maximal 5-10 Minuten dauern. Man muss sich also alle 5-10 Minuten auf einen neuen Patienten, auf dessen Krankheitsbild, dessen Wünsche und so weiter einstellen. Dazwischen ein paar Notfälle, die auch nicht länger dauern sollten, bei denen man aber erst einmal die komplette Anamnese erheben muss… es schlaucht!

Vor allem darf man sich nicht von dieser Arbeit und der vermeintlichen Sicherheit einlullen lassen- die meisten Dinge in der ambulanten Augenheilkunde sind eher banal. Banale Kurzkontrollen, banale Befindlichkeitsstörungen, Check ups usw. Aber unter den 60 bis 80 Patienten, ist meistens genau einer oder zwei dabei, wo man genau hinhören und hinschauen muss, weil der was Ernstes hat. Die Kunst besteht darin, auf seine "Spidey Sinne"/ Bauchgefühl zu hören und genau diese kritischen Patienten aus der Vielzahl der täglichen Patientenkontakte herauszufischen. Da hilft einem die Erfahrung und Intuition ungemein.

Feuerblick
07.02.2023, 13:38
Absolut! Man muss also bei allen 60-80 Patienten das Hirn eingeschaltet lassen - auch wenns beim drölfzigsten Sicca-Patienten schwerfällt. :-))

Autolyse
07.02.2023, 13:45
[...]Ich saß im Studium einen Tag lang an der Spaltlampe und bin bis heute der festen Überzeugung, das ist irgendwo zwischen Telekinese und Hellseherei anzusiedeln. :)
Ging mir nach ein paar Stunden schon so. Dazu die Schlagzahl und das ich mit der physikalischen Optik nicht so richtig gerafft habe und Orthoptik auch ein bisschen wie Voodoo auf mich wirkte, war Augenheilkunde ganz schnell raus. Nachdem der Konsilarius neulich schon gnadenlos begeistert war, weil die Patientin weit getropft war als er kam, habe ich mich sehr darin bestätigt gefühlt.

Feuerblick
07.02.2023, 13:58
*feix* Man lernt in unserem Fach, schon mit Kleinigkeiten zufrieden zu sein. :-))

Orthoptik ist ein schönes Zusammenspiel aus Optik, Physiologie und Mechanik, kein Voodoo! :-love

Kathy234
08.02.2023, 11:45
Versteif dich bitte nicht auf den operativen Aspekt, sonst ist die Enttäuschung quasi schon vorprogrammiert. Auch die Erwartungshaltung, ein vergleichsweise gechilltes Berufsleben zu haben, solltest du mit den tatsächlichen Gegebenheiten abgleichen (in der Praxis gerne zwischen 60 bis 80 Patienten täglich bei konservativer Tätigkeit im GKV Bereich). Eine Hospitation/ Famulatur kann dir im Vorfeld viel Kummer ersparen, wenn du eigentlich kein genuines Interesse am Fach haben solltest und primär an guten Arbeitsbedingungen/ Operationen interessiert bist.

Ich verstehe dass man im Prinzip klar kommen muss mit den Arbeitsbedingungen und Tagesablauf, sowohl in der Klinik als auch evtl. später in der Praxis.
Aber du würdest doch sagen, dass in deiner Tätigkeit, sobald du Feierabend hast, dass du die Arbeit/Belastung/Stress nicht mit nach Hause nimmst, oder? Das ist, glaube ich, das Normalste der Dinge wenn man Internist/Allgemeinchirurg/Neurolog oÄ ist, also die Gedanken an die Arbeit/Patienten bleiben auch in der Freizeit bei solchen Fachgebieten.

Bussard
08.02.2023, 12:00
Ich verstehe dass man im Prinzip klar kommen muss mit den Arbeitsbedingungen und Tagesablauf, sowohl in der Klinik als auch evtl. später in der Praxis.
Aber du würdest doch sagen, dass in deiner Tätigkeit, sobald du Feierabend hast, dass du die Arbeit/Belastung/Stress nicht mit nach Hause nimmst, oder? Das ist, glaube ich, das Normalste der Dinge wenn man Internist/Allgemeinchirurg/Neurolog oÄ ist, also die Gedanken an die Arbeit/Patienten bleiben auch in der Freizeit bei solchen Fachgebieten.

Ich denke, das ist individuell sehr unterschiedlich und nicht pauschal zu beantworten. Der eine kann zu Hause besser abschalten, der andere weniger gut. Ich würde sagen, das ist gar nicht unbedingt vom Fach abhängig. Aber klar, wenn du persönlich im Studium, in Praktika und Famulaturen die Krankheitsbilder in der Inneren, Chirurgie oder Neurologie tendenziell emotional belastender fandest als in anderen Fächern, wirst du das im Beruf natürlich eher mit nach Hause nehmen.

Sicherlich kannst du dafür aber auch im PJ nochmal ein differenzierteres Gefühl entwickeln, wenn du dort stückweise etwas Verantwortung übernimmst, zum Beispiel in der Inneren oder Chirurgie unter Aufsicht der zuständigen Ärzte mal einen Patienten über den gesamten stationären Aufenthalt betreust.