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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gastroenterologie / Nephrologie oder wie?!



Dr. Who
26.12.2022, 20:56
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
es ist mir fast ein bisschen peinlich, aber ich wollte mal die Schwarmintelligenz nutzen. Meine Situation ist folgende: ich bin bereits Allgemeinmediziner und fand die ambulante Arbeitsweise unterm Strich doch etwas öde. Deswegen habe ich mich jetzt entschlossen, noch mal in der Klinik anzufangen, um mich dort weiter zu spezialisieren. Ich möchte später aber wahrscheinlich schon wieder ambulant arbeiten. Jetzt schwanke ich zwischen Gastroenterologie und Nephrologie. Ich finde beide Fächer spannend. Mir fehlte etwas der Überblick: so wie ich das sehe, sind in der Gastroenterologie noch nicht alle Praxen in MVZs umgewandelt, so dass die Möglichkeit besteht selbst noch Teilhaber zu werden. In der Nephrologie ist das so wie ich das mitbekommen habe, weitesgehend durch. Außerdem gibt es in Berlin aktuell keine nephrologischen Kassensitze. In der Gastro gibt es die wohl hin und wieder noch. Was die finanzielle Perspektive angeht, so glaube ich, dass man, wenn man nephrologisch angestellt arbeitet zwar mehr Freizeit hat, jedoch mit deutlich weniger nach Hause geht. Andererseits kann man hier aber auch gut ein Teil der Facharzt Weiterbildung in der Dialysepraxis machen, was wiederum viel mehr Lebensqualität bedeuten würde. Wenn man in der Gastro einen Sitz erwirbt, ist das ja schon ziemlich crazy, was man so nach Hause trägt. Gibt es vielleicht Leute, die vielleicht in den Bereichen ambulant arbeiten und mir einen kurzen Einblick geben könnten. Gerne auch über PN.
Liebe Grüße

Dr. Who

hebdo
26.12.2022, 21:31
Ich bin mir sicher, dass sich hinsichtlich Verdienst beide Fachrichtungen nicht groß unterscheiden - sowohl in Anstellung als auch selbstständig. Eine Teilhabe ist in der Nephrologie je nach Region auf jeden Fall immer noch möglich. Der große Nachteil an der ambulanten Nephrologie ist, dass man zwar weniger Arbeitsbelastung aber viel Präsenzzeit in der Praxis hat - aktuell passend, denn die Dialyse läuft auch an Feiertagen.

Auf der anderen Seite kenne ich einige Kollegen, die aus der ambulanten Gastroentrologie wieder zurück in die Klinik gewechselt sind. Hauptargument war das Endoskopieren am Fließband.

nappy
27.12.2022, 12:34
In Berlin kann man weder Nephro- noch Gastrositz bezahlen.

Hab das bei nem OA für Gastro mitbekommen- der ist jetzt letztlich in einem MVZ angestellt. Same Same bei einem OA für Nephro.

Also wenn dein Ziel ein eigener Sitz ist dann hast du es mit dem Allgemeinmediziner in Ostberlin gerade leichter 😜

hebdo
27.12.2022, 13:14
Sitze bekommt man schon und kann die auch bezahlen. Die Investitionssummen sind zwar hoch, rechnen sich aber noch. Man muss aber schon der Typ für ein Invest von 600.000-1.000.000, wenn man einen Hausarztsitz für einen Bruchteil bekommt. An einer großen Praxis mit aufwendiger Geräteausstattung hängt ja meist auch Personal und Räume als Risikobonus mit dran.

Dr. Who
27.12.2022, 21:27
Hey, danke euch, fand das schon extrem hilfreich. Ich hab mal in ner Fließband – Gastropraxis hospitiert. Klar gibts auch CED – Sprechstunden, aber es war schon klar, was da den Umsatz reinspült. Der Kollege meinte, er sieht die Kolos schon gar nicht mehr, die laufen quasi nebenher. Auf Nachfrage meinte er, dass 25 k netto monatlich als Inhaber gehen. Wenn das wirklich stimmt braucht man sich über die Amortisation wohl keine Gedanken machen. Ein niedergelassener Nephrologe (2 FA, kein MVZ), meinte er überweist sich monatlich 8 k. Das konnte ich kaum glauben. Das sind natürlich am Ende auch alles bloß Zahlen, man muss den Job schon mögen. Ich finde Allgemeinmedizin ist wirklich ein schönes Fach. Leider haben mich die ewigen Kämpfe mit der KV und die wirtschaftliche Abstrafung unseres Bestandes sehr abgeschreckt. Wir sind ja nunmal keine Fachärzte, sondern Hausärzte!😝

hebdo
28.12.2022, 08:27
Die Wochenpauschale für einen Dialysepatienten liegt bei mindestens 400€. Ein kleines bis mittleres Zentrum, ein Standort, in dem 6 Dialysetage mit entsprechenden Schichten gefahren werden (MO+Mi+Fr 2 Schichten, Di+Do+Sa 1 Schicht) macht im Jahr etwa 1,2 Mio Euro Umsatz nur durch die Dialyse. Die simple nephrologische/ hypertensiologische Ambulanz kann nochmal bis zu 20% bringen. Extra aber meist nicht lukrativ sind reguläre Krankenhausdialysen, Ersatzverfahren auf ITS und Konsilleistungen. Dann gibt es noch die Möglichkeit Aphareseverfahren anzubieten und die Ambulanz bei entsprechender Qualifikation auszubauen. Das sind aktuell die Bedingungen, unter denen Nephrologen arbeiten. Als angestellter Nephrologe liegt das Einstiegsgehalt je nach Qualifikation und Verhandlungsgeschickt bei 110.000-140.000€. Eine Zentrumsleitung verdient so ab 180.000€. Die Gehaltsangaben sind subj. Erfahrungswerte, nicht repräsentativ und ohne Gewähr.

Der selbstständige Nephrologe mit 8.000€ Netto/Monat ist sehr bescheiden und genügsam.