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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Facharzt öffentliches Gesundheitswesen Bayern



PaulaBoston
01.01.2023, 08:40
Mich würden Erfahrungen zu oben genanntem Facharzt interessieren. Wie ist der Arbeitsalltag? Langweilig oder abwechslungsreich? Vielen Dank für alle Infos, die ihr mir geben könnt.

qlu94
03.01.2023, 19:34
Schwierige Frage, wo soll es denn hingehen?

Größere Stadt, kleinerer Landkreis, mittlere (Bezirksregierung) oder obere Gesunhdheitsbehörde (StMGP)?

Je nach Bereich gibt es mannigfaltige Ausprägungen des Amtsarztdaseins.

An eher kleineren Ämtern meist Universalisten, die von Infektiologie, Trinkwasser, Begutachtungen bis hin zur Schwangerschaftsberatung alles machen.
In Großstädten eher Spezialisten, die einen Fachbereich betreuen.

Würde mal auf die Arbeitsstätte von Interesse zugehen und nach einer Hospitation fragen, meist erhält man da den besten Einblick.

Teevee
04.01.2023, 19:05
Ich wollte auch mal Testen, wie ein Beamtenleben abseits der Klinik so ist, ob ich das auch interessant finde und ob das etwas für mich wäre.

2021 war ich ein halbes Jahr im Gesundheitsamt und bin dann mit wehenden Fahnen wieder zurück in die Klinik. Das wäre definitiv nichts für mich. Abwechslungsreich ist der Arbeitsalltag zwar schon, je nachdem, mit welchen Aufgaben man so betraut ist, allerdings empfand ich die Tätigkeiten als nicht spannend und viele Abläufe und Prozesse unnötig umständlich und nicht lösungsorientiert-pragmatisch. Für ca 30% der Tätigkeit waren medizinisch-ärztliche Kenntnisse von Nöten, der Rest war Verwaltungstätigkeit. In der Klinik regt man sich ja auch öfter mal über zu viel Doku und Bürokratie auf, meine Zeit im Amt hat die Messlatte jedoch weitaus höher gesetzt :-oopss

Es gab natürlich Spielraum, wie praktisch man an die Aufgaben rangeht, wenn auch innerhalb eines Rahmens. Manche der Leute dort sind durchaus lösungsorientiert unterwegs, daneben gibt es aber auch Klischee-Beamten, die wirklich jedes Stereotyp erfüllen.

Und meine Erfahrung bzgl der Kommunikation mit den Behörden (untere, mittlere, obere): je höher, desto umständlicher und unpragmatischer.

Ich würde zusammenfassend sagen: Man muss sich bewusst sein, dass man nicht als Arzt im eigentlichen Sinn tätig ist, wenn man für eine Behörde arbeitet, Sondern als Verwaltungsmitarbeiter mit medizinischem Background. Die Arbeitsdichte war insgesamt sehr entspannt, wobei ich zugegebenermaßen die Coronahochphase nicht erlebt habe. Allerdings stehen einer hohen Effizienz auch umständliche Prozesse und viel Doppeldokumentation im Weg, was ich auch als frustrierend empfunden habe.

Wenn man gern Arzt/Ärztin ist und echte, praxisorientierte Medizin macht, ist man da mMn fehl am Platz. Wenn man ein slow-paced Arbeitsumfeld am Schreibtisch wertschätzt und eine überwiegende Verwaltungstätigkeit mit medizinischem Kontext haben möchte ohne den Trubel der Patientenmedizin, kann das durchaus etwas sein. Und natürlich Gleitzeit und eine Arbeit, die man fast jederzeit unterbrechen und am nächsten Tag fortsetzen kann. Und keine Notfälle, die einem in seinem Arbeitsrhythmus dazwischenfunken.

Ok, mein Post klingt insgesamt negativ, weil das einfach nicht mein Ding war. Natürlich hat man im Rahmen von zB Einstellungsuntersuchungen, Begutachtungen oder Screeninguntersuchung von Flüchtlingen durchaus Kontakt mit Patienten (bzw heißen sie nicht Patienten, sondern Klienten/Probanden. Sind ja keine Patienten im eigentlichen Sinn). Jedoch ist das definitiv nicht mit „echter“ Medizin vergleichbar.

Hospitieren ist eine gute Idee, jedoch reicht da mMn einmal nicht aus. Ich habe einen Tag hospitiert und dachte dann, dass das doch was für mich sein könnte. Aber wie so oft, lernt man einen Arbeitsplatz eben erst nach länger Zeit erst richtig kennen.

Was du auf jeden Fall berücksichtigen solltest: bei den aktuellen Verdienststrukturen kann eine Tätigkeit im öffentlichen Gesundheitswesen meiner Ansicht nach nur im Zusammenhang mit einer Verbeamtung überhaupt konkurrenzfähig sein (als Arzt). Und diese hat neben vielen Vorteilen allerdings auch einige Nachteile. Damit solltest du dich auch sehr gut auseinander setzen, wenn du das in Betracht ziehst.

Cor_magna
04.01.2023, 23:08
Hospitieren ist eine gute Idee, jedoch reicht da mMn einmal nicht aus. Ich habe einen Tag hospitiert und dachte dann, dass das doch was für mich sein könnte. Aber wie so oft, lernt man einen Arbeitsplatz eben erst nach länger Zeit erst richtig kennen.



Das sehe ich genauso, mal kurz anschauen ist einfach was ganz anderes als den Job monatelang machen, aber da hilft halt nur ausprobieren :-) Mache ich ab März genauso, allerdings nicht im öffentlichem Gesundheitswesen sondern in der Humangenetik. Wenn es einem nicht gefällt, geht man halt wieder, ist ja nicht so als gäbe es keine offenen Stellen im Krankenhaus.

Welches Fach machst du denn wenn ich fragen darf bzw wieso wolltest du weg?