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cartablanca
12.01.2023, 16:43
Ne die kriegen dann die Ärzte aus den kleinen Häusern.

freak1
12.01.2023, 17:20
Naja, man könnte in Zeiten eines so gravierenden Personalmangels von Seiten der Klinik auch anfangen zu überlegen, wie halte ich meine Leute.

Zum Beispiel könnte man aufhören die Dienste in der Abrechnung so zu berechnen, dass möglichst wenig raus kommt. Die Fehlzeiten am nächsten Tag nicht abziehen zum Beispiel. Dann bleiben von einem 24h Dienst am Wochentag auch netto mehr als 50€ über...

Ich rege mich jedes mal auf, wenn ich sehe, dass ich seit 2020 ca. 30 Minusstunden habe, weil ich mal am Monatswechsel Dienst hatte (angeblich). Und egal wie viele Überstunden ich mache, irgendwie sinkt diese Zahl auch nicht relevant.

Lakemond
12.01.2023, 18:41
Was hat Dienst am Monatswechsel mit Minusstunden zu tun?

mbs
12.01.2023, 19:14
Sehr interessant, das alles zu lesen, danke für den Thread!

Sollte mein derzeitiger Plan scheitern, wäre das auch das, was ich mittlerweile bevorzugen würde. Wenn man sowieso keinen FA hat, dann ist es auch egal in welchen Bereichen man arbeitet. Kenne viele aus anderen Branchen die schon seit vielen Jahren Freelancer sind und eben annehmen, was an Aufträgen kommt. Manchmal auch Kurzanstellungen eingehen, aber das nimmt scheinbar vor vielen Bereichen nicht mehr Halt - und in anderen Branchen hat das schon viel, viel früher angefangen.

Dass die aktuelle Politik und das aktuelle System (die im Grunde beide Hand in Hand gehen) in absehbarer Zeit voll gegen die Wand fahren wird, ist denke ich ein offenes Geheimnis. Da wollen dann auch immer weniger wirklich langfristig planen - man kann das ehrlicherweise gar nicht mehr wirklich gut.

Muss aber noch viel Recherche zu den Formalien betreiben...wie man das auch machen kann, wenn man das Modell der Arbeitnehmerüberlassung mangels Festanstellung nicht als Option hat, wie das mit Ärztekammer und allem was so dranhängt dann macht,wie man von der RV befreit wird, wie das steuerlich aussieht etc. Das ist in Deutschland ja wirklich unglaublich kompliziert und bürokratisch, halt maximal voll mit Hürden, wie das in einem Land, das sich gerade zu Tode verwaltet, weil es sich von seinen mittlerweile unlösbaren Problemen scheinbar irgendwie ablenken muss.

Ist das negativ? Es sind eben andere Verhältnisse. Theoretisch leben wir, zumindest nach S. Pinker, in der besten aller Zeiten die es ja gegeben hat. Der besten aller möglichen Zeiten.

An sich klingt das mit den Honorartätigkeiten aber hochinteressant.
Wäre schön, wenn das hier zu einer Art angepinntem Dauerthread gemacht würde, wo man immer mal wieder aktuelle Entwicklungen und Erfahrungen der anderen verfolgen kann.

Sehr ihr das auch so?

freak1
12.01.2023, 19:35
Was hat Dienst am Monatswechsel mit Minusstunden zu tun?

Dann kann der Arbeitgeber den Tag nach dem 24h Dienst nicht von den BD-Stunden zur Bezahlung abziehen, weil das ja ein anderer Monat wäre. Du fehlst wegen Arbeitszeitschutz natürlich trotzdem. Das trägt meine Uni dir dann als Minusstunden ein.

Lakemond
12.01.2023, 20:03
Was ist dann schlimm an Minusstunden? Wenn du damit nicht leben kannst, kannst du immer sagen, dass Du für die Dienste statt Geld, Freizeitausgleich kriegen willst.

freak1
12.01.2023, 20:12
Mich regt es einfach vom Prinzip her auf, dass ich für einen Hungerlohn nachts in der Klinik arbeite und dafür am Ende des Tages sogar noch Minusstunde generiere.

Und man dann wagt von Fachkräftemangel zu sprechen... Nein, es herrscht ein Mangel an akzeptablen Arbeitsbedingungen und guter Bezahlung.

FirebirdUSA
13.01.2023, 05:46
Dann kann der Arbeitgeber den Tag nach dem 24h Dienst nicht von den BD-Stunden zur Bezahlung abziehen, weil das ja ein anderer Monat wäre. Du fehlst wegen Arbeitszeitschutz natürlich trotzdem. Das trägt meine Uni dir dann als Minusstunden ein.

Die Begründung ist aber völliger Blödsinn, natürlich kann er das, ggf halt nur manuell bei der falschen Software.

Da die Minusstunden auf deinem Sollkonto sind, kannst du sie nicht mit Überstunden direkt ausgleichen. Dein Dienstplaner könnte es nur nit Tricks (dich z.B. pro forma an einem Samstag einplanen und dann FZA geben). Am Ende hast du doch aber so keinen Nachteil: Dir wurde mehr Geld ausbezahlt (da nicht verrechnet) und am Ende deiner Beschäftigung wird alles verrechnet. Bleibt ein Minus trägt dein AG das Risiko (dir darf kein Lohn abgezogen werden), bei Plusstunden wird es dir ausgezahlt. Ich würde nur noch am Monatsende arbeiten und versuchen die Zahl hoch zu treiben...
Und natürlich kontrollieren ob du wirklich auch ca 8h mehr ausgezahlt bekommen hast.

Lakemond
13.01.2023, 07:35
Ne die kriegen dann die Ärzte aus den kleinen Häusern.
Meinst du die Ärzte, die dort schon jetzt fehlen?

Ich glaube, es wird sich in den nächsten 5-10 Jahren nichts ändern.
Dann sind meine Kredite hoffentlich auch abbezahlt🤑

cartablanca
13.01.2023, 12:23
Meinst du die Ärzte, die dort schon jetzt fehlen?

Ich glaube, es wird sich in den nächsten 5-10 Jahren nichts ändern.
Dann sind meine Kredite hoffentlich auch abbezahlt🤑

Ich weiß halt nur nicht wie dieses System bezahlt werden soll. Wie sollen kleine Häuser so viele Pflegekräfte und Ärzte zum jeweils dreifachen Lohn + Kosten für die Agentur bezahlen?
Irgendwer muss dann am Ende pleite gehen und am Ende geht der pleite der für die Schulden aufkommt. Das ist eine Kettenreaktion. Ich weiß nur dass mein altes Haus bereits insolvent ist und die Agentur für Arbeit mir den Lohn für die Honorartätigkeit auszahlt während mein jetziges Haus (größtes Haus in mittelgroßer Stadt) einen privaten Investor sucht, weil es kurz vor der Pleite steht.
Was bald kommt kann ich nicht vorher sehen. Corona hat bereits monströse Kosten verursacht. Die Energiekrise verursacht monströse Kosten und der Fachkräftemangel auch. Dazu die Flüchtlingskrise.
Was natürlich auch passieren kann ist dass die Patienten ihre Gesundheitsversorgung vermehrt privat zahlen weil sie nicht sterben wollen während sie in der Schlange stehen.
Dass ein bankrotter Staat immer weiter diese Gehälter zahlen kann, glaube ich nicht. Das System kollabiert schon sehr bald.

Nefazodon
13.01.2023, 14:47
Das System kollabiert schon sehr bald.

Das klingt wie die Aktien-Werbung auf Youtube mit Hans Meiser.:-)):-)):-))

Lakemond
13.01.2023, 19:12
So lange die Häuser das Geld z.B für DaVinci-Roboter haben, bin ich ziemlich entspannt.

cartablanca
13.01.2023, 19:41
Das klingt wie die Aktien-Werbung auf Youtube mit Hans Meiser.:-)):-)):-))

Muss ich mir mal anschauen. Viele sagen ich hätte Ähnlichkeit mit Hans Meiser.

cartablanca
14.01.2023, 05:13
https://www.welt.de/wirtschaft/article243200165/Insolvenz-Verband-sieht-jedes-dritte-Krankenhaus-wegen-Reform-bedroht.html

rafiki
22.01.2023, 12:16
Eine Klinik im Hessischen hat jetzt durchgesetzt, dass Honorarassistenten weitergebildet werden, wenn sie mindestens 6 Monate in VZ bleiben. Wird vermutlich andernorts auch so sein, ohne dass das an die große Glocke gehängt wird. Bruttoverdienst 90 €/h, also ca. 13k brutto, wenn man Urlaub und Fortbildung abzieht, oft wegen Ü-Stunden auch mehr. Die Klinik spekuliert natürlich darauf, dass es denen nach einem halben Jahr so gut gefällt, dass sie sich tariflich anstellen lassen, was natürlich eine dümmliche Illusion ist.

Anne1970
23.01.2023, 07:21
Wo soll das sein? Hast du eine Quelle dazu?

Colourful
23.01.2023, 14:27
Das würde ich auch gerne wissen.

anignu
24.01.2023, 04:27
Ist das dann keine Scheinselbständigkeit mit entsprechenden Problemen die das nach sich zieht?

rafiki
24.01.2023, 05:07
Ist das dann keine Scheinselbständigkeit mit entsprechenden Problemen die das nach sich zieht?

Man ist doch angestellt.

Zur Quelle: Der Mund einer Chefärztin.

Anne1970
24.01.2023, 05:21
Das wage ich mehr als zu bezweifeln!