Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Das Krankenhaus wechseln? Ist es woanders besser? Chirurgie-Uniklinik
MagicMuffin
03.10.2023, 12:08
Naja, Uni-Chirurgie ist ja meistens ziemlich Harakiri für jegliches Privatleben. Muss es denn Uni sein? Ich bin mir sicher, an kleineren Häusern findet man (wenn man sucht) auch Stellen, bei denen man nicht sein gesamtes Leben an der Pforte abgeben muss. Auch in der Chirurgie. Wenn du geschrieben hättest, du willst unbedingt immer pünktlich Feierabend, keine Überstunden und überhaupt… dann wäre Chirurgie sicher nix (Innere btw. auch nicht). Aber so könnte es vielleicht doch was werden. Aber du wirst suchen müssen, fürchte ich.
Ich überlege mit Forschung aufzuhören, weil ich im letzten Jahr die Erfahrung gemacht habe, dass Forschung nur dem eigenen Ego nützt. Wenn man nicht zwingend Chef werden will und man nicht für die Forschung gesondert bezahlt wird, dann ist Forschung nur Zeitvertreib fürs Ego.
Wenn die rein diagnostische Medizin was für dich ist, dann schau dir die Radiologie und/oder Nuklearmedizin mal an. Ich habe eine geregelte 42h Woche und gehe fast jeden Tag pünktlich nach Hause. Dienste habe ich in der Nuk auch nicht, aber das Fach muss man halt mögen.
Ich hadere schon länger damit in die Radiologie zu gehen, aber irgendwo ist das für mich nur eine Notlösung.
Das wäre für mich auch ein Problem. Ich geh meist morgens erstmal frühstücken bevor ich in den OP geh. Gestärkt ist es gleich entspannter, vor allem wenn nicht hundertprozentig klar ist ob die Mittagspause klappt.
Es gibt entspanntere Jobs als unbedingt Uni-Klinik.
Genau so ist es. Und die Mittagspause klappt bei mir nie :-)
Das ist aber irgendwann auch unrealistisch. Chirurgie an der Uni mit weiterhin operieren und dann noch mehr Zeit für Forschung?
Das ist mir klar.
Ich glaub, wie so oft, man muss sich klar werden wo die eigenen Prioritäten liegen. Was ist wichtiger? Mehr Forschung und trotzdem gleich viel operieren? Dann werden halt die Tage länger. Mehr Forschung und kürzere Tage? Dann halt weniger operieren. Usw...
Und diese Abwägung kann sich auch immer wieder mal ändern. Meine Prioritäten im Leben haben sich auch mehrfach verschoben.
Nun ja, meine Frage ist aktuell nicht mehr Forschung oder OP, sondern Chirurgie oder Nicht-Chirurgie.
Ach ja, MUSS man das? Ist man wegen seines Interessensfeldes dazu verdammt sich mit inhumanen Arbeitsbedingungen zufrieden zu geben, ganz nach dem Motto man soll sich ja nicht beschweren? Da gibt es so'n Satz der öfter über Ärzte fällt: Wir haben's uns ja ausgesucht. Totschlagargument und einer der Gründe wieso es bei uns nicht voran geht mit Arbeitsreformen.
Heute abend legst du mir aber Worte in den Mund :-) Ich sprach von pünktlichER (Betonung auf -er) und humaner. Ich bestehe nicht auf 40 Stunden, ich will aber auch keine 60-70 Stunden.
Chirurgie wird wohl nie ohne Überstunden gehen, aber ich würde auch erstmal empfehlen, Klinik und Abteilung zu wechseln. Mein Start in die Ortho/Unfall ist 10 Jahre her und ich fand es wirklich gut und nicht so schlimm, wie von vielen angekündigt und erwartet. Morgens Visite, manchmal Frühstück, aber eher, die nicht im OP waren. Der OP-Plan stand ja schon am Tag vorher, man hat gesehen, wer wo eingeteilt war. Dann frühstückt man eben zu Hause. Wir hatten 1 Station Ortho/Unfall und 1 Allgemein/Vsizeral, wo auch mal paar Uro-Belegbetten dazukamen. Dienste haben wir zusammen gemacht. Ansonsten waren wir für unsere Station ungefähr 6 Ärzte + 2 fest in der Notaufnahme, 1 ist meist runter rotiert. Nach Visite gab es Liste, was auf Station erledigt wurde. Dazu oft jemand in irgendwelchen Sprechstunden, aber 1 oder 2 waren auf Station. Man war aber jeden Tag im OP (1-2 Nummern, im späteren Verlauf mehr), dann wieder hoch auf Station. Wir sind pünktlich raus, wenn am Nachmittag die Stationsliste abgearbeitet war, woran jeder Interesse hatte. Kleines Haus, die Anästhesisten haben auf ihren Feierabend bestanden, daher wurde elektives nicht überzogen und für Notfälle gab es eben den Dienstarzt. Wir kamen oft zum Mittagessen durch die OP-Rotation. Meine internistischen KollegInnen taten mir echt leid mit ihrem Pensum. Wir waren natürlich super besetzt, man konnte in der vorgegebenen Zeit den FA machen, wenn man sich nicht total dumm angestellt hat. Es waren unterschiedliche Jahrgänge, Anfänger bis (fast) Facharzt, 4 Oberärzte. Übrigens war zumindest einer von denen so, dass er eben morgens später kam, wenn er in der Nacht rein musste und operiert hat. Die Dienste waren natürlich Mist und meist ohne Schlaf, aber zumindest der Rest ging wirklich gut. Belastung und Überstunden waren überschaubar, ganz verhindern lässt sich das wohl nicht. ich bin letzten Endes nach dem Common Trunk weg, da ich eh immer Richtung konservativ wollte und Angebot einer Spezialklinik bekam (wo ich wegen massiv Stress und komplettem Gegenteil auch den befristeten Vertrag nicht verlängert habe). Hab inzwischen auch die Fachrichtung gewechselt (Reha-Medizin). Es war eben kleines Haus, Forschung war daher im Hintergrund, aber es gab eine gute und solide chirurgische Grundausbildung. Sämtliche Oberärzte waren wirklich mit Herzblut dabei und haben sehr gut operiert. Bevor ich es nicht woanders versucht habe, würde ich es nicht gleich aufgeben, wenn es dein Wunschfach ist. Die Situation hat sich in den letzten Jahren ja leider auch massiv verschärft, so dass man sowas vielleicht seltener findet. Weiß auch nicht, wie es dort im Moment aussieht, vielleicht ist es ja genauso schlimm, wie sonst überall.
][truba][
03.10.2023, 16:58
Mein Start war in ner mittelgroßen ACH/VCH in Berlin. Knappe 60 Betten + eigene IMC. Bis auf Transplantationen wurde eigentlich alles gemacht (Ösophagus, Leber, Pankreas). Wir waren glaub so 10-11 Assistenten. Dienste war das eigene Fach + GCH. Die waren schon anstrengend. Dafür gab es fast nie Überstunden (ab und zu mal eine wenn man der Assistent in der Notaufnahme war). War ne tolle Stelle. Dafür war meine erste in der Uro die Hölle. Gibt also auch tolle ACH Stellen. Nur sind die vermutlich wirklich selten. Bevor du aus der Chirurgie flüchtest, würde ich definitiv die Stelle wechseln. Nicht überall ist es beschissen.
Tramaldol
03.10.2023, 21:24
Ach ja, MUSS man das? Ist man wegen seines Interessensfeldes dazu verdammt sich mit inhumanen Arbeitsbedingungen zufrieden zu geben, ganz nach dem Motto man soll sich ja nicht beschweren? Da gibt es so'n Satz der öfter über Ärzte fällt: Wir haben's uns ja ausgesucht. Totschlagargument und einer der Gründe wieso es bei uns nicht voran geht mit Arbeitsreformen.
Heute abend legst du mir aber Worte in den Mund :-) Ich sprach von pünktlichER (Betonung auf -er) und humaner. Ich bestehe nicht auf 40 Stunden, ich will aber auch keine 60-70 Stunden.
Also du kannst es mal in ner kleineren Chirurgie probieren. Ganz ehrlich kenne ich soviele Ärzte, die ihr Traumfach hauptsächlich wegen der Arbeitsbedingungen bzw. der Realität im Alltag verlassen haben. Radio finde ich zu passiv und langweilig, ist aber was persönliches. Innere Theorie finde ich spannend, aber die Praktische Tätigkeit ist der Horror. Operieren ist super cool, man hat was praktisches gemacht wie ein Handwerker, aber das ganze drum rum, die Leute. Bereits im Studium war das nicht einladend. Wenn ich Chirurgie unbedingt gewollt hätte, dann im Ausland.
MagicMuffin
03.10.2023, 21:32
Also du kannst es mal in ner kleineren Chirurgie probieren. Ganz ehrlich kenne ich soviele Ärzte, die ihr Traumfach hauptsächlich wegen der Arbeitsbedingungen bzw. der Realität im Alltag verlassen haben. Radio finde ich zu passiv und langweilig, ist aber was persönliches. Innere Theorie finde ich spannend, aber die Praktische Tätigkeit ist der Horror. Operieren ist super cool, man hat was praktisches gemacht wie ein Handwerker, aber das ganze drum rum, die Leute. Bereits im Studium war das nicht einladend. Wenn ich Chirurgie unbedingt gewollt hätte, dann im Ausland.
Deine Gedanken klingen wie meine. Welches Fach machst du?
An eine kleinere Chirurgie möchte ich nicht. Den ganzen Tag Hernien und Proktologie. Da krieg ich das Kotzen.
Chirurgie wird wohl nie ohne Überstunden gehen
Stimmt meist. Ich hab tatsächlich mal in einer Klinik gearbeitet bei der regelmäßig der diensthabende Chirurg eine laufende Operation übernommen hat um die Nicht-Diensthabenden auszulösen. In der Anästhesie üblich. In der Chirurgie selten aber gibt es.
Und Überstunden per se sind auch erstmal nicht schlecht. Ich hab gern ein paar Überstunden auf meinem Konto und feiere sie ab wenn ich mal nen halben Tag oder ganzen Tag frei brauch. Irgendwas Privates ist ja immer.
An eine kleinere Chirurgie möchte ich nicht. Den ganzen Tag Hernien und Proktologie. Da krieg ich das Kotzen.
Versteh ich. Das kann man immer noch machen wenn man sich irgendwann niederlassen will. Aber muss es unbedingt Transplant sein? Muss es unbedingt Ösophagektomie sein? Es gibt auch Strumen, komplexere Hernien, bariatrische Chirurgie, Kolon-/Rektumchirurgie, Pankreas- und Leberchirurgie etc. Muss es denn wirklich immer das Maximum sein?
Wechsel die Abteilung / das Haus und schau ob dich das nicht glücklich machen kann.
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