Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fall 02/2004 ;-)
38-jähriger Patient kommt per Einweisung über die Warteliste zu uns "Kopfschmerzen und unklare Parese rechte Hand - bitte weitere Abklärung".
Patient ist normal gepflegt gekleidet, schlank, klagt über Kopfschmerzen, die er seit ungefähr 2-3 Monaten regelmäßig habe und eine Schwäche der rechten Hand die nun seit etwa 2 Wochen bestehe.
So - Fragen???
hm ... dann versuch ich mich auchmal:
erstmal Puls, RR (tut nicht weh), Frage nach Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme (wird in dem Alter eher wenig sein, aber wer weiß)
Sind die Kopfschmerzattacken begleitet von Schwindel oder Übelkeit? Hat er Sensibilitätsstörungen in der Hand? (z.B. Kribbeln)
Verschwinden die Kopfschmerzen und die Parese oder sind sie konstant da ? Oder werden die Schmerzen und/oder die Parese weniger und dann wieder mehr?
Wahrscheinlich würde ich auch Blut abnehmen ... fragt mich aber net nach den Parametern, damit kenne ich mich net aus.
Doktor_No
17.01.2004, 14:39
klar: laborwerte? auffälligkeiten in der anamnese, wie zeckenbiss, bestehende krankheiten, erinnerliches trauma?
RR?
Pünktchen
17.01.2004, 14:43
@doc_no
erst anamnestische Fragen, wie du sie bei jeder Aufnahme auch stellen würdest....ich denke das Labor wird erst freigegeben, wenn keiner mehr anamnestische Fragen hat...
Doktor_No
17.01.2004, 14:50
okay, dann nochmal: vitalparameter, ergo RR, Puls, ev. AF. anamnese inkl. beruf, grundkrankheiten + die bereits erwähnten aspekte! recht so?
Pünktchen
17.01.2004, 14:57
@doc_no
ungefähr so...;-)
Sind die Kopfschmerzen einseitig?
Sind sie stechend oder eher dumpf?
Strahlen sie irgendwohin aus?
Sind schon Röntgen-/Kernspinbilder vom Schädel vorhanden, die der Pat. evtl. mit ins KH mitbekommen hat?
(Wenn nicht, dann Aufnahme des Schädels machen, um evtl. Gehirntumor o. ä. auszuschließen...)
Doktor_No
17.01.2004, 15:08
läßt die parese sich einem nerven zuordnen? medianus, ulnaris, radialis?
Also frei nach dem Motto "erst die Anamnese" bevor ich IRGENDeine Untersuchung mache (auch kein RR, AF, kein Labor) oder mir mitgebrachte Befunde ansehe - REDE ich mit meinem Patienten:
Also, Kopfschmerzen holocephal, nicht ausstrahlend, kein Dauerkopfschmerz, mal mehr mal weniger, aber seit 2 Monaten, vorher fast nie. Keine vegetative Symptomatik, keine Übelkeit, Erbrechen, Schwindel dabei.
läßt die parese sich einem nerven zuordnen? medianus, ulnaris, radialis?
Kann der Patient mir nicht sagen...und untersuchen tu ich ihn nach der Anamnese...
Jedenfalls hat er seit 2 Wochen Schwierigkeiten mit der Hand, keine richtige Kraft, Feinmotorik schwer (v.a. beim Schreiben und operieren), "taub" fühlt sie sich nicht an - nein.
38 Jahre, Beruf Tierarzt, Zeckenbiss nicht erinnerlich, kein Trauma.
Vorerkrankungen: Colitis ulcerosa, seit etwa 10 Jahren, keine Langzeittherapie, nur im Schub bei schlimmen Durchfällen Cortison-Einläufe und so....sonst keine weiteren Erkrankungen und keine Medis.
Doktor_No
17.01.2004, 16:07
meine mich zu erinnern, daß die colitis ulcerosa häufiger maligne entartet (zumindest als der m. crohn) - DAS IST NUR SO EIN GEDANKE, kein schnellschuss!! durch die aussage daß es sich um holocephalen kopfschmerz handelt entferne ich mich mal von kopfschmerzsyndromen wie bing-horton, chronisch paroxysmale hemikranie usw. wüßte noch gern, ob gewichtsabnahme und/oder sonstige b-symptome zu eruieren sind.
irgendwie gehen mir auch diese ganzen fiesen krankheiten durch den kopf, die tierärzte sich einfangen können...
Challenger
17.01.2004, 18:55
Och, von Menschen kann man sich teilweise noch fieseres Zeug einfangen als von Tieren...
Pünktchen
17.01.2004, 22:55
War der Patient im letzten Jahr im Ausland?
Kein Gewichtsverlust, keine B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß etc.), keine Auslandsreisen...
FataMorgana
18.01.2004, 09:06
Sind dem Patienten denn nun selbst irgend welche sensiblen Defizite aufgefallen? Sei es ipsi- oder kontralateral, im Gesicht oder sonstwo?
Sprach- oder Schluckstörungen?
Sehstörungen? Hörstörungen? Geschmacksstörungen?
Hat er Hautveränderungen bemerkt?
Bezüglich der Colitis noch ein bisschen abklopfen, hat er z. B. die jährlichen Kontroll-Coloskopien durchführen lassen? Blut im Stuhl im Intervall zwischen den Schüben?
Familienanamnese: kardiale Erkrankungen? cerebrovaskuläre? maligne? sonstige gehäuft?
FataMorgana
18.01.2004, 10:49
Mich würde auch noch der bisherige Verlauf und die Dynamik der Parese interessieren. Akuter oder allmählicher Beginn? Progredienz, Besserung oder gleichbleibend?
Doktor_No
18.01.2004, 11:55
wann war denn der letzte colitis-schub?
Also die Parese hat sich langsam entwickelt, Hand wurde immer ungeschickter....seit einiger Zeit nun gleichbleibend schlecht.
Sensible Störung oder sonstige Störungen (Schlucken, Sprechen, Sehen, Hören,Geschmack etc.) bestehen gar keine.
Auch hat er keine Hautveränderungen bemerkt.
Die letzte Koloskopie war vor etwa 2 Jahren, er hat etwa alle 6-8 Wochen mal heftige Durchfälle (zT dann auch blutig) und nimmt dann Cortison-Einläufe...
Letzte Durchfallepisode vor etwa 2 Monaten, Stuhl jetzt normal.
Familienanamnese bzgl kardiovaskulärer, maligner und sonstiger Erkrankungen leer.
Pünktchen
18.01.2004, 12:52
Hat er Medikamente gegen die Kopfschmerzen genommen?
Besserte sich die Kopfschmerzsymptomatik unter Medikamenten?
Nimmt er sonst noch Medikamente ein?
Und was war der Befund der letzten Coloskopie?
Und wieso hat er keine seit 2 Jahren nicht gemacht?
Doktor_No
18.01.2004, 14:23
wenn der letzte schub so ca. vor zwei monaten war und er zu der zeit wieder cortison genommen hat, könnte es sein daß er daraufhin bedingt durch die immunsupression ein leichtes ziel für einen parasiten war?!
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