Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Machtgefühe im Krankenhaus - Ärzteschaft vs. Pflege
Mr. Pink online
25.03.2023, 18:13
Ehrlich gesagt haben mich an der Geschichte gleich mehrere Sachen erstaunt:
1. Betreuung von 24 Patienten inklusive Aufnahmen?!
2. Einzelne Pflegekraft schafft es das gesamte Pflegeteam wild zu machen?!
3. Chefärztin organisiert ein Kaffeekränzchen für eine Pseudo-Mediation, obwohl es auf der Normalstation zu krachen scheint?!
Ehrlich gesagt alles drei sehr befremdliche Situationen, wo ich persönlich das Weite suchen würde.
Da scheint es an allen Ecken und Enden an sozialer Intelligenz zu fehlen.
Kompliment an den TE der es trotz seines jungen Assistentenalters so reif gelöst hat. Personalabteilung bringt glaube ich wenig, vor allem wenn es um die Pflege geht. Dennoch ein Schritt den man gehen kann.
Moorhühnchen
25.03.2023, 20:17
Ich habe meine Freunde außerhalb der Arbeit. Die Pflege dreht bei uns ganz schnell den Spieß um, wenn du zu best Friends mit ihnen bist. Dann sind sie mehr Arzt und geben dir die Anweisungen, weil sie es besser weiß. Dann werden Anweisungen nicht gemacht oder herausgezögert.
Puh, also ich weiß nicht. Ich hatte bei den meisten meiner Stellen ein sehr gutes - auch freundschaftliches Verhältnis - zu den allermeisten Pflegekräften. Man trifft sich auch heute noch privat, obwohl ich schon länger nicht mehr dort arbeite.
Dennoch wurde ich immer als Ärztin und Weisungsbefugte akzeptiert!
Und ja, ich habe anfangs auch eine Pflegekraft ertragen müssen, die gegen mich gewettert hat (nachdem sie in eine benutzte Nadel gegriffen hat, die ich noch nicht weggeräumt hatte, weil ich noch steril war). Aber dann muss man entweder einen Fehler eingestehen oder klar machen, dass man nichts dafür konnte, dass sie etwas weggeräumt hat, was meine Aufgabe gewesen wäre. Man kann aus solchen Situationen auch gut lernen! Lerne, Dich durchzusetzen, aber dennoch freundlich zu bleiben!
In meinem Fall war es so, dass besagte Pflegekraft die Leitung der Anästhesiepflege war und sie nach dem Vorfall mit der Nadel versuchte, Stimmung im Team gegen mich zu machen. Wenn Du aber in Deinem Vorgehen konsequent bleibst und Dich nicht unterkriegen lässt, werden auch die restlichen Teammitglieder merken, dass Du Dich von sowas nicht unterkriegen lässt.
Locutus001
28.03.2023, 18:15
Ich bin Arzt in Weiterbildung in der Inneren Medizin seit ca. 1,5 Jahren. Anfang dieser Woche hatten wir eine ziemlich hohes Patientenaufkommen (ich hatte alleine 24 Patienten zu betreuen) und dadurch war die Stimmung auf Station entsprechend angespannt. Ich musste mit einer eher "schwierigen" Pflegefachkraft zusammen arbeiten, die sehr genaue Vorstellungen davon hat, wie ich zu arbeiten habe. Scheinbar hat ihr nicht gefallen, dass ich auf ihre Ansagen nicht gleich "gespurt" habe. Einmal ging es darum, dass ein Zugang über die NFA kam, von dem ich selbst nicht informiert wurde, ein anderes Mal um eine Blutentnahme zur Thiaminspiegelbestimmung, die ich nicht rechtzeitig abgenommen habe, obwohl es die Chefärztin angeordnet hat. Und ein drittes Mal ging es um einen Praktikanten, der mir sehr unfreundlich aufgetragen hat eine neue Flexüle zu legen, woraufhin ich ihm deutlich gemacht habe, dass das kein angemessener Umgangston ist.
Das alles hat so den Groll besagter Pflegafachkraft provoziert, dass sie in der Frühstückspause sich lautstark in Anwesenheit des anderen Personals sich auf derbste Art und Weise ausgelassen hat, "Dieser Herr A..., das ist so ein Arsch, so ein Arsch, so ein Arsch, ... der wüsste nicht einmal, wie die Patienten heißen, wenn wir nicht da wären..." .
Ich habe das vom Gang mitbekommen, da ich in der Regel keine Pause mache. Bin dann zuerst von einer temporären Unmutsäußerung ausgeganen. Am nächsten Morgen musste ich aber feststellen, wie sie wieder über mich gelästert hat. "Ohn nein, heute hat Herr A. hat Dienst, der ist unmöglich..., ich arbeite lieber mit Frau K...". Infolgedessen hat sich das Klima auf Station deutlich verschlechtert. Andere Pflegekräfte, die mich vorher geduzt habe, haben sich distanziert, und nur noch die nötigsten Anordnungen ausgeführt und mich ansonstn ignoriert.
Für mich sah das aus, wie eine sich anbahnende Mobbingkampagne gegen mich als Person. Ich habe dann mich von Freunden beraten lassen. Sie haben mir empfohlen diesen Fall an die Personalabteilung zu melden. Ich habe schon einen Entwurf für eine Email verfasst und wollte sie am Morgen vor meinem regulären Arbeitsbeginn von meinem Dienst-Email-Account abschicken. Als ich in die Klinik kam traf ich zufällig auf meine Chefärztin, die zu einer Not-ÖGD gerufen wurde. Ich habe ihr den Fall geschildert und sie hat erzählt, sie habe schon eine Beschwerde über mich von besagter Pflegefachkraft erhalten. Diese aber abgeblockt, da sie mich und meine Arbeit sehr schätze, ich solle mir keine Sorgen machen. Woraufhin ich erst einmal darauf verzichtet habe mich an die Personalabteilung zu wenden. Wir vereinbarten uns im kleinen Kreise auszusprechen.
In dieser Besprechung waren die besagte Pflegekraft, die Stationsleitung, meine Chefärztin und ich anwesend. Eine merkwürdig harmonische Atmosphäre, besagte Pflegekraft schenkte mir Kaffee ein. Die meiste Zeit redete die Pflegefachkraft und ihre Stationsleitung. Meine Chefärztin und ich hörten zu. Als ich kurz einmal etwas sagen wollte, wurde ich gleich unterbrochen, meine Chefärztin versuchte wenigstens noch etwas Redezeit herauszuholen für mich, was aber nicht gelang, am Ende viel harmonisches Blabla mit einer Protokollierung von eher schwammigen Zielen für den Stationsalltag, u.a. "mehr offene und freundliche Kommunikation".
Positiv ist, dass dieser Konflikt jetzt erst einmal zur Seite gelegt wurde und wir wieder effektiv weiter arbeiten können.
Was mir ein bisschen sauer aufstößt ist, dass die Chefärztin mit ihrer vollen Autorität auftreten musste, um die Mobbingkampagne im Keim zu ersticken und, dass das Verhalten dieser Pflegekraft bagatellisiert wurde.
Ich frage mich, ob es nicht besser gewesen wäre, diesen Fall doch an die Personalabteilung zu melden. Und ich finde es erschreckend, wie schwach wir im Machtgefüge als Ärzte in deiser Klinik sind.
Ich überlege, ob das Verhalten dieser Pflegekraft nicht eigentlich justiziabel ist, üble Nachrede, Verleumdung, Mobbing.
Vielleicht hat jemand Lust seine Gedanken dazu mitzuteilen. Ich bin im Moment etwas unzufrieden und ratlos.
Also... "abperlen" lassen soweit wie möglich.
Nach ein paar Wochen hat sich das meist wieder.
Wenn man schon länger dabei ist, dann ist es komisch, wenn man plötzlich von den sonst gedutzten gemieden wird. Ich würde da mit den Leuten das Gespräch suchen.
Am Ende des Tages bist Du stark abhängig von der Pflege. Sehr viel stärker häufig als andersrum. Da muss man manchmal leider schlucken.
Grundsätzlich muss man manchmal auch erst mal selbst von seinem hohen Ross runterkommen. Das merken einige selbst nämlich nicht, dass sie "wie was Besseres" auftreten. Für die Pflege, die tlw. schon Jahrzehnte wo arbeiten, ist so ein kleiner Assi-Arzt der mal kurz vorbeischaut eben auch nicht der Mittelpunkt des Universums. Und das wollen manche auch ganz klar kommunizieren.
Wenn es Dir ein Trost ist: Du bist - vermutlich schon vor der Arztwerdung - in der deutlich priviligierteren Position. Muss man sich auch ab und zu mal klar machen. (Bildung, Gehalt, Absicherung, Berufschancen/Perspektiven, Gesundheit, generelles Ansehen, etc.).
Wenn die Stimmung die Arbeit beeinträchtigt, muss man das natürlich entsprechend eskalieren und ggf. selbst wechseln.
Das kann aber auch nach hinten losgehen, wenn man sonst eigentlich zufrieden ist (und auch in Hinblick auf die WB-Ziele und -Zeiten).
Manchmal muss man auch den Arsch in der Hose haben und in der Situation am Tisch, wo bei den Kollegen laut gelästert wird, einmal hinzugehen und die Person darauf anzusprechen was fürn Film da eigentlich grad bei demjenigen läuft.
Alles Gute!
Arxovrenis
28.03.2023, 23:38
Grundsätzlich muss man manchmal auch erst mal selbst von seinem hohen Ross runterkommen. Das merken einige selbst nämlich nicht, dass sie "wie was Besseres" auftreten. Für die Pflege, die tlw. schon Jahrzehnte wo arbeiten, ist so ein kleiner Assi-Arzt der mal kurz vorbeischaut eben auch nicht der Mittelpunkt des Universums. Und das wollen manche auch ganz klar kommunizieren.
Wenn es Dir ein Trost ist: Du bist - vermutlich schon vor der Arztwerdung - in der deutlich priviligierteren Position. Muss man sich auch ab und zu mal klar machen. (Bildung, Gehalt, Absicherung, Berufschancen/Perspektiven, Gesundheit, generelles Ansehen, etc.).
Ich sehe mich definitiv nicht als Mittelpunkt der Station. Ich will nur meine Arbeit ordentlich machen, für die ich bezahlt werde. Das sind viele banale Dinge, die die oberen Chargen nicht mehr machen wollen. Deswegen ist man Assistenzarzt.
Naja meine Eltern haben beide nur den Hauptschulabschluss. Meine Mutter war Hausfrau und mein Vater Handwerker. Also ich komme definitiv nicht aus priviligierten Verhältnissen, sondern musste mich hoch arbeiten. Aus meiner Familie war bisher niemand auf einem Gymnasium.
Meine Eltern können auch nicht verstehen, warum sich Krankenschwestern so ein Verhalten anmaßen. Ich bin während meiner Semesterferien nicht nach Bali zum Surfen gefahren und ich habe zwei Jahre meines Studiums in einer Rumpelkammer gelebt, weil ich mir nichts besseres leisten konnte.
Ich weiß übrigens, wie es ist unterhalb des Existenzminimus zu leben. Zwei Semester lang hatte ich meinen Dispo voll ausgereizt, und einmal war ich sogar froh, dass ich 100€ Kredit von einer Freundin bekam, damit ich mir überhaupt noch Lebensmittel bis zum Monatsende kaufen konnte und ein Rückfahrticket in die Heimat.
Ich habe keine Lust mir meine Existenz im Rahmen einer Mobbingkampagne nehmen zu lassen. Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, kann man eben keinen Schritt mehr zurück, und daher kann ich da auch nicht einfach "locker drüber stehen".
alphamethyldopa
29.03.2023, 05:22
Ich weiß nicht, wie es auf der Normalstation so läuft, kann aber von der Intensivstation sprechen. Zwei Sachen - die Schwester haben die Macht, und du brauchst sie mehr als sie dich brauchen. Ja und eine dritte, die ich so für Intensivstation unterschreiben kann, aber woanders weiß ich nicht - manche Schwestern wissen weitaus mehr als du.
Kannst gerne zur Perso gehen und dich beschweren, aber viel wichtiger ist es, in der Zukunft zu schauen, wie du die Sache regelst. Denn, die Schwester können dir die Arbeit erschweren bis unmöglich machen.
Wo ich immer anfange bei schwierigen Pflegern - ich frage sie immer nach Meinungen zu Patienten. Je schwieriger eine Schwester ist, desto mehr bespreche ich zB die Ergebnisse der Visite, oder die Einweisungen des Oberarztes mit ihr. Ich akzeptiere auch Widerspruch und erwarte nicht, dass auf mich gehört wird. Auf der ITS sine meine Pfleger meine Verbündeten (gegen die Oberärzte und insbesondere gegen Chirurgen :) )
Halt die Ohren steif, du kriegst das schon hin!
alphamethyldopa
29.03.2023, 07:15
Und übrigens, viel wichtiger in deiner Weiterbildung ist deine Chefin und ja, deine Oberärzte. Wenn die Chefin passt passt alles - ein Jobwechsel kann dir das nicht versprechen.
Mr. Pink online
29.03.2023, 10:16
Ich habe keine Lust mir meine Existenz im Rahmen einer Mobbingkampagne nehmen zu lassen. Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, kann man eben keinen Schritt mehr zurück, und daher kann ich da auch nicht einfach "locker drüber stehen".
So wie du die Geschehnisse im Eingangs-Post geschildert hast, ist hier grob unprofessionelles Verhalten von Seiten der Pflegekraft vorgefallen. Dass die übrigen Mitarbeiter der Pflege dich jetzt wieder siezen, ist einfach nur kindisch und überhaupt nicht angepasst.
Warum solltest du dieses inadäquate Verhalten "belohnen", indem du dich jetzt bei ihnen anbiederst? Wir sprechen hier immerhin von erwachsenen Menschen im beruflichen Setting. Dabei sollten auch private Hintergründe (reiche Eltern, arme Eltern) und Vorurteile erstmal keine Rolle spielen. Du bist in keiner Bringschuld, der Pflege zu beweisen, dass du nicht abgehoben und priveligiert bist.
Daher finde ich die Ratschläge, sich die Pflegekräfte aktiv zu Freunden zu machen auch nicht zielführend. In einem guten Arbeitsklima ist es eigentlich normal, dass man mit seinen Kollegen ein gutes Miteinander pflegt und, dass man mit einzelnen vielleicht keine Sympathien pflegt, aber Wege des Auskommens findet. Nur in toxischen Arbeitsklimas ist das nicht möglich und hier scheinen offenbar manche noch nicht mit so malignen Pflege-Teams in Berührung gekommen zu sein. Bestimmt gibt es das gleiche auch andersrum, aber ich habe nunmal die ärztliche Perspektive. Habe es selbst schon erlebt bei einer Kollegin und das war nicht schön anzusehen.
DU musst für dich abwägen, ob die Vorteile die du durch deine Weiterbildung an dem Standort hast, den Nachteilen dieses Arbeitsklimas überwiegen. Ansonsten würde ich an deiner Stelle was anderes suchen. Stellen gibts genug und zum Glück funktioniert vielerorts die interdisziplinäre Zusammenarbeit auch noch sehr gut.
Wünsche viel Glück!
Blaulicht86
29.03.2023, 10:58
Es wird besser mit der Zeit. Lass dich nicht unterkriegen.
Irgendwann habe ich mir mal vorgenommen, dass mich die Meinung von jmd nur kratzt, wenn ich selbst etwas von demjenigen halte. Es können auch 20 Leute anderer Meinung sein, solange du für dich weißt, dass du gut arbeitest, ist es egal ob du Dr. Arsch genannt wirst. Auch ich habe immer wieder mal völlig unprofessionelles Arbeiten erlebt. Man rödelt sich einen ab, danken tut es einem keiner. Aber man wächst daran, setzt Grenzen, lernt darüber zu stehen bis dich die die eins an der Meise haben nicht mehr interessieren. Es war meist auch so, dass wenn etwas Zeit vorüber geht sich einiges von selbst wieder fügt. Und wenn du es nicht mehr aushältst, kannst du immernoch gehen. Aber man sollte sich dennoch trauen dich zu wehren (hast du ja auch schon, zumindest nicht alles ignoriert und für dich eingestanden). Denke das ist sehr wichtig, dass man das für sich mitnimmt. Sarkasmus und Ironie hilft mir super durch den Tag. Ich würde die Schwester vor anderen ansprechen und fragen, wie wollen sie mich denn nun ansprechen, Dr. Arsch oder (richtiger Name). Je nach ihrem Gegenüber scheint das ja zu wechseln.
Ich würde wenn möglich alles schriftlich anordnen und wenn es ignoriert wird, würde ich eine Mail an die Stationsleitung schreiben mit bitte um Durchführung weil nicht erledigt.
Mir hat das anbiedern 0 geholfen, im Gegenteil. Kopf hoch halten, unbeirrt seinen Kram machen (auch wenn es sich bei Zeiten einsam anfühlt, kennen viele) und hier und da mal ein paar Eier zeigen war für mich immer das beste. Mit der Zeit wachsen die auch, kontern lernt man besser mit der Zeit und das dicke Fell wächst auch nicht von heute auf morgen.
Dieses Verhalten ist völlig inakzeptabel und inprofessionell. Du hast versucht es zu lösen. Das Äußere kannst du wohl nicht viel ändern, aber deine Haltung. Du bist der Arzt, machst die Anordnungen und setzt sie durch mit so wenig Diskussion wie möglich. Ehrlich gesagt würde ich es genau andersherum machen. Die die am wenigsten team-orientiert und wg ihrem eigenen Frust nicht im Sinne des Patienten handeln, würde ich als letztes nach ihrer Meinung fragen. Die Signalwirkung fände ich fatal. Zudem würde ich durch das anbiedern ein Magengeschwür bekommen. Geht aber jeder anders damit um.
Endoplasmatisches Reticulum
29.03.2023, 11:47
Auch in anderen Berufen haben alteingesessene Assistenten, Zuarbeiter und fachfremde Co-Arbeiter oft erstmal mehr Ahnung als ein Neuling bei Berufseinstieg, insbesondere falls frisch von der Uni. Trotzdem ist das vor allem gegenüber Ärzten so eine stumpfe Reflexrechtfertigung für a priori unverschämtes Verhalten. Wie Pinkie sagt: Man schuldet niemandem einen Beweis, dass man nicht eingebildet ist. Und selbst wenn man eingebildet wäre, erlaubt das keinen Bruch professionell-wohlwollender Umgangsformen.
Dass man die Pflege "mehr braucht als andersherum" liegt zumindest auf Normalstation und in der Ambulanz oft daran, dass nichtärztliche Berufsgruppen die Umsetzung ärztlicher Anordnungen gerne mal nicht als Teil ihres Jobs begreifen, sondern als persönliche Gefälligkeit, die sie jederzeit nach Lust und Laune einfach verweigern können. Dann macht's halt der Arzt. In guten Teams entstehen solche Situationen erst gar nicht. In toxischen Arbeitsumfeldern wird diese Karte aber gerne ausgespielt und vor allem junge Ärzte haben dann nicht das Standing und/oder Selbstbewusstsein, sich durchzusetzen - oft fehlt auch von oben der Rückhalt oder es kommt ein unverstehendes "Ja und? Musste ich früher auch alles selbst machen" vom Oberarzt. Das ist traurig und unnötig, aber oft erlebt. Fehlende Abteilungsstrukturen mit klarer interprofessioneller Aufgabenverteilung begünstigt so etwas.
Letztlich funktioniert ein Miteinander nur miteinander. Wenn eine Seite partout nicht will - Game over.
Locutus001
29.03.2023, 12:32
Ich sehe mich definitiv nicht als Mittelpunkt der Station. Ich will nur meine Arbeit ordentlich machen, für die ich bezahlt werde. Das sind viele banale Dinge, die die oberen Chargen nicht mehr machen wollen. Deswegen ist man Assistenzarzt.
Naja meine Eltern haben beide nur den Hauptschulabschluss. Meine Mutter war Hausfrau und mein Vater Handwerker. Also ich komme definitiv nicht aus priviligierten Verhältnissen, sondern musste mich hoch arbeiten. Aus meiner Familie war bisher niemand auf einem Gymnasium.
Meine Eltern können auch nicht verstehen, warum sich Krankenschwestern so ein Verhalten anmaßen. Ich bin während meiner Semesterferien nicht nach Bali zum Surfen gefahren und ich habe zwei Jahre meines Studiums in einer Rumpelkammer gelebt, weil ich mir nichts besseres leisten konnte.
Ich weiß übrigens, wie es ist unterhalb des Existenzminimus zu leben. Zwei Semester lang hatte ich meinen Dispo voll ausgereizt, und einmal war ich sogar froh, dass ich 100€ Kredit von einer Freundin bekam, damit ich mir überhaupt noch Lebensmittel bis zum Monatsende kaufen konnte und ein Rückfahrticket in die Heimat.
Ich habe keine Lust mir meine Existenz im Rahmen einer Mobbingkampagne nehmen zu lassen. Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, kann man eben keinen Schritt mehr zurück, und daher kann ich da auch nicht einfach "locker drüber stehen".
Das soll gar nicht explizit auf Dich gebürstet sein.
Aber jeder kennt sicherlich auch die arroganten Kollegen. Die arroganten Kollegen die es voll drauf haben, kommen damit entsprechend durch. Aber es gibt auch die nicht besonders kompetenten sehr arroganten Kollegen.
Und manchmal fehlt es einem selbst auch an Eigenreflexion.
Ich glaube zwischen "sich anbiedern" und "Eier aus Stahl" gibt es sehr viele Strategien. Man kann das nicht pauschal auf jeden Münzen, da ja auch jeder andere Bedürfnisse auf Arbeit hat.
Ganz wichtig ist aber eines: Lass es Dir nicht gefallen und zeig das entsprechender Person auch entschieden. Es gibt auch andere Kollegen. Kein Grund, dass da der Kontakt nicht weiterhin stimmt.
Am Ende des Tages muss man aber irgendwie zusammenarbeiten. Das darf man nie vergessen.
Irgendwann bist Du da raus und dann irgendwann vielleicht sogar in eigener Praxis. Da gibst Du dann den Ton an.
Zwei Sachen - die Schwester haben die Macht, und du brauchst sie mehr als sie dich brauchen. Ja und eine dritte, die ich so für Intensivstation unterschreiben kann, aber woanders weiß ich nicht - manche Schwestern wissen weitaus mehr als du.
Sorry, aber da ist echt viel Schmarrn dabei! Nicht der Arzt braucht die Pflege mehr oder umgekehrt, jeder hat seinen Job und seine Aufgaben. Und ja, in Basics oder in Sachen Erfahrung haben die Schwestern oft mehr Erfahrung, aber nicht unbedingt wenn's Speziell wird. Das ist die gleiche Diskussion wie im Rettungsdienst: Standard-Situationen kann der Notfallsanitäter sicherlich gut und schnell und sicher beherrschen. Aber was ist wenn es abgespaced wird? Dann kommt der an seine Limits und irgendwann braucht es doch wieder den Arzt...
Kannst gerne zur Perso gehen und dich beschweren, aber viel wichtiger ist es, in der Zukunft zu schauen, wie du die Sache regelst. Denn, die Schwester können dir die Arbeit erschweren bis unmöglich machen.
Also alles runterschlucken? Nein. Klare Ansagen machen. Klare Kommunikation. Und auch Grenzen setzen.
Wo ich immer anfange bei schwierigen Pflegern - ich frage sie immer nach Meinungen zu Patienten. Je schwieriger eine Schwester ist, desto mehr bespreche ich zB die Ergebnisse der Visite, oder die Einweisungen des Oberarztes mit ihr. Ich akzeptiere auch Widerspruch und erwarte nicht, dass auf mich gehört wird.
Das klingt sowas von nach anbiedern...
Auf der ITS sine meine Pfleger meine Verbündeten (gegen die Oberärzte und insbesondere gegen Chirurgen :) )
??? Deine Rolle ist "Arzt". Das ist nicht "Arzt mit Pflege" gegen "Oberarzt" sondern es gibt ärztliche Aufgaben und pflegerische Aufgaben. Beide haben ihre Berechtigung und laufen parallel. Und wieso du dich mit Chirurgen anlegen willst versteh ich noch weniger. Ich seh meine Aufgabe als Chirurg die Patienten auf Intensiv zu visitieren und Fragen bzw. Beurteilungen zum Verlauf in meinem Bereich abzugeben. Und manchmal werde ich auch bzgl. meines Bereichs zu anderen Intensivpatienten gefragt. Alles andere, Herz-Kreislauf, Pulmonal, Niere, sonstwas, managen die Intensivmediziner selbständig und erst wenn das ok ist geben sie uns den Patienten wieder auf Normalstation. Insofern gibt es aus chirurgischer Sicht eigentlich meist wenig Konfliktpotential mit den Intensivmedizinern, die machen ihre Aufgaben und ich meine. Und zumindest unsere machen eine sehr gute Arbeit, soweit ich das beurteilen kann...
Am Ende des Tages muss man aber irgendwie zusammenarbeiten. Das darf man nie vergessen.
Korrekt. Aber man muss nicht Freunde werden. Man kann auch auf rein professioneller Ebene zusammenarbeiten.
Locutus001
30.03.2023, 18:36
Korrekt. Aber man muss nicht Freunde werden. Man kann auch auf rein professioneller Ebene zusammenarbeiten.
So sieht es aus.
Aber jeder Jeck ist anders. Für manche ist der "freundschaftliche Umgang" vielleicht sehr wichtig, während andere mit Eiern aus Stahl ihr Ding machen. Dazwischen ist Platz für alles. Aus meiner Perspektive: Wenn es nicht anders geht, dann arbeitet an "nur noch rein professionell zusammen".
Wenn es anders geht, ist ein guter Umgang mit dem Team für mich zum Beispiel zu bevorzugen.
Einzelpersonen kann man dabei aber getrost meiden, solange der Rest passt.
Das muss OP und jeder andere aber selbst entscheiden, welches outcome da gewünscht ist.
alphamethyldopa
30.03.2023, 20:37
Und wieso du dich mit Chirurgen anlegen willst versteh ich noch weniger.
Klar, dass du es nicht verstehst.
Bist halt Chirurg. :)
Arxovrenis
11.04.2023, 23:49
Meine innere Haltung ähnelt der von anignu.
Äußerlich sage ich jetzt zu Allem ja und Amen, was die Schwestern von mir wollen. Ich habe auch keine Lust einen weiteren Konflikt auszutragen. Wenn ich der "Stations-Hans-Wurst" bin, dann spiele ich eben auch noch diese Rolle, ich werde schlussendlich dafür bezahlt.
Die Qualität der Weiterbildung war jetzt auch nicht besonders gut. Ging eher nach dem Motto, "Mach mal, und wenn du etwas falsch machst, wirst du angemotzt", auch von ärztlicher Seite. Der Respekt meiner Chefärztin mir gegenüber rührt wahrscheinlich auch daher, dass ich mich trotz allem gut organisieren kann und doch stark von der Qualität meiner universitären Ausbildung profitiere. Ich habe ein gutes Langzeitgedächtnis.
Ich werde aber definitiv zum 1. Juli die Stelle wechseln. Der Chefarzt in einem benachbarten Schwerpunktversorger nimmt mich mit Kusshand (habe in dem Krankenhaus auch ein Teil meines PJ abgeleistet). Schlechter kann es nicht werden. Und wenn es mir nicht taugt, habe ich immer noch genügend Optionen.
Mr. Pink online
12.04.2023, 06:24
Viel Erfolg!
SerkanTulum
17.04.2023, 15:52
Habe jetzt nicht alle gelesen, aber der Text des Threaderstellers bestätigt stetig meine Entscheidung, niemals in Deutschland gearbeitet zu haben. Diesen Umgangston kenne ich NUR aus Deutschland durch die Famulaturen und das PJ. Ich bin direkt nach dem Studium in die Schweiz und jetzt in die USA und bin froh, dass ich diesen deutschen Kindergarten mit respektloser Pflege nie erleben musste. Es zeigt sich einfach der Bildungsstand der deutschen Pflege - zumeist Real- oder Hauptschüler, völlig unhöflich zumeist mit stetiger Überschreitung der Kompetenz.
Jedoch muss man da auch differenzieren, da ich nie in der Medizin gearbeitet habe, sondern nur in der Chirugie. Habe schon das Gefühl, dass Mediziner eher schlechter behandelt werden von Pflege.
Feuerblick
17.04.2023, 16:27
Sind Chirurgen keine Mediziner? :-))
SerkanTulum
17.04.2023, 16:30
Sind Chirurgen keine Mediziner? :-))
In der Schweiz und in den USA wird das in den Spitälern sprachlich getrennt ;)
Feuerblick
17.04.2023, 16:31
Naja, aber Medizin studiert haben doch alle - auch in den USA oder der Schweiz, oder?
SerkanTulum
17.04.2023, 16:35
Naja, aber Medizin studiert haben doch alle - auch in den USA oder der Schweiz, oder?
Ja absolut, aber in den USA sagt man Medicine zumeist als synonym für Innere Medizin - unabhängig vom Studium.
Das liegt daran, dass hier viele ältere Ärzte aus England und Australien bzw. Commonwealth Ländern sind die alle in der Tradition MBBS (Bachelor of Medicine, Bachelor of Surgery) aufgewachsen sind.
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