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Arxovrenis
25.03.2023, 02:41
Ich bin Arzt in Weiterbildung in der Inneren Medizin seit ca. 1,5 Jahren. Anfang dieser Woche hatten wir eine ziemlich hohes Patientenaufkommen (ich hatte alleine 24 Patienten zu betreuen) und dadurch war die Stimmung auf Station entsprechend angespannt. Ich musste mit einer eher "schwierigen" Pflegefachkraft zusammen arbeiten, die sehr genaue Vorstellungen davon hat, wie ich zu arbeiten habe. Scheinbar hat ihr nicht gefallen, dass ich auf ihre Ansagen nicht gleich "gespurt" habe. Einmal ging es darum, dass ein Zugang über die NFA kam, von dem ich selbst nicht informiert wurde, ein anderes Mal um eine Blutentnahme zur Thiaminspiegelbestimmung, die ich nicht rechtzeitig abgenommen habe, obwohl es die Chefärztin angeordnet hat. Und ein drittes Mal ging es um einen Praktikanten, der mir sehr unfreundlich aufgetragen hat eine neue Flexüle zu legen, woraufhin ich ihm deutlich gemacht habe, dass das kein angemessener Umgangston ist.
Das alles hat so den Groll besagter Pflegafachkraft provoziert, dass sie in der Frühstückspause sich lautstark in Anwesenheit des anderen Personals sich auf derbste Art und Weise ausgelassen hat, "Dieser Herr A..., das ist so ein Arsch, so ein Arsch, so ein Arsch, ... der wüsste nicht einmal, wie die Patienten heißen, wenn wir nicht da wären..." .
Ich habe das vom Gang mitbekommen, da ich in der Regel keine Pause mache. Bin dann zuerst von einer temporären Unmutsäußerung ausgeganen. Am nächsten Morgen musste ich aber feststellen, wie sie wieder über mich gelästert hat. "Ohn nein, heute hat Herr A. hat Dienst, der ist unmöglich..., ich arbeite lieber mit Frau K...". Infolgedessen hat sich das Klima auf Station deutlich verschlechtert. Andere Pflegekräfte, die mich vorher geduzt habe, haben sich distanziert, und nur noch die nötigsten Anordnungen ausgeführt und mich ansonstn ignoriert.
Für mich sah das aus, wie eine sich anbahnende Mobbingkampagne gegen mich als Person. Ich habe dann mich von Freunden beraten lassen. Sie haben mir empfohlen diesen Fall an die Personalabteilung zu melden. Ich habe schon einen Entwurf für eine Email verfasst und wollte sie am Morgen vor meinem regulären Arbeitsbeginn von meinem Dienst-Email-Account abschicken. Als ich in die Klinik kam traf ich zufällig auf meine Chefärztin, die zu einer Not-ÖGD gerufen wurde. Ich habe ihr den Fall geschildert und sie hat erzählt, sie habe schon eine Beschwerde über mich von besagter Pflegefachkraft erhalten. Diese aber abgeblockt, da sie mich und meine Arbeit sehr schätze, ich solle mir keine Sorgen machen. Woraufhin ich erst einmal darauf verzichtet habe mich an die Personalabteilung zu wenden. Wir vereinbarten uns im kleinen Kreise auszusprechen.
In dieser Besprechung waren die besagte Pflegekraft, die Stationsleitung, meine Chefärztin und ich anwesend. Eine merkwürdig harmonische Atmosphäre, besagte Pflegekraft schenkte mir Kaffee ein. Die meiste Zeit redete die Pflegefachkraft und ihre Stationsleitung. Meine Chefärztin und ich hörten zu. Als ich kurz einmal etwas sagen wollte, wurde ich gleich unterbrochen, meine Chefärztin versuchte wenigstens noch etwas Redezeit herauszuholen für mich, was aber nicht gelang, am Ende viel harmonisches Blabla mit einer Protokollierung von eher schwammigen Zielen für den Stationsalltag, u.a. "mehr offene und freundliche Kommunikation".

Positiv ist, dass dieser Konflikt jetzt erst einmal zur Seite gelegt wurde und wir wieder effektiv weiter arbeiten können.

Was mir ein bisschen sauer aufstößt ist, dass die Chefärztin mit ihrer vollen Autorität auftreten musste, um die Mobbingkampagne im Keim zu ersticken und, dass das Verhalten dieser Pflegekraft bagatellisiert wurde.
Ich frage mich, ob es nicht besser gewesen wäre, diesen Fall doch an die Personalabteilung zu melden. Und ich finde es erschreckend, wie schwach wir im Machtgefüge als Ärzte in deiser Klinik sind.
Ich überlege, ob das Verhalten dieser Pflegekraft nicht eigentlich justiziabel ist, üble Nachrede, Verleumdung, Mobbing.
Vielleicht hat jemand Lust seine Gedanken dazu mitzuteilen. Ich bin im Moment etwas unzufrieden und ratlos.

rafiki
25.03.2023, 05:03
Ich frage mich, ob es nicht besser gewesen wäre, diesen Fall doch an die Personalabteilung zu melden.
Ich überlege, ob das Verhalten dieser Pflegekraft nicht eigentlich justiziabel ist, üble Nachrede, Verleumdung, Mobbing.


Personalabteilung evtl. sinnvoll, damit es offiziell dokumentiert ist, alles weitere wäre Energieverschwendung.



Und ich finde es erschreckend, wie schwach wir im Machtgefüge als Ärzte in dieser Klinik sind.

Ja, das ist leider so, wir werden im Zweifelsfall von allen Seiten getreten. Gerade als Assistent ist man dem nichtärztlichen Personal quasi ausgeliefert und es gibt überall Charakterschweine, die sich abarbeiten müssen. Das kann einen sogar in höherer Position treffen. Aber es ist ein Übungsfeld: Versuche, innerlich Abstand zu bekommen, am besten mit Humor (evtl. bis zum Sarkasmus), aber professionell freundlich-distanziert zu bleiben. Und woanders darüber zu sprechen (Kollegen, Freunde, Balintgruppe). Du wirst dich daran üben müssen, dass du der bist, der Anweisungen gibt (weil du die Verantwortung trägst), nicht umgekehrt. Möglichst erstmal selbst auf Sie-Ebene bleiben, wenn du irgendwo neu bist.

davo
25.03.2023, 06:24
Der wesentliche Unterschied ist IMHO, dass selbst die schlechtesten und unfreundlichsten Pflegekräfte zu 99% von ihrer Führung unterstützt werden, und die pflegerische Führung im Arbeitsalltag meist sehr präsent ist, während die ärztliche Führung meist schwach, konfliktvermeidend, um Ausgleich bemüht, wenig präsent und wenig unterstützend ist.

DA1994
25.03.2023, 06:29
Außerdem sind Pflegekräfte quasi unkündbar und unersetzlich ;-)

Endoplasmatisches Reticulum
25.03.2023, 06:56
Pflegerische Führung weiß oft, wie scheiße es ist. Das ist auch meine Erfahrung und das alleine macht schon einen Unterschied. Die kriegen von der Pflegedirektion aber schon auch oft Rotz hingeschmettert und ähnliche Sprüche wie aus dem Chefarztforum.

Ärztliche Führung hat oft ein Leben im Elfenbeintunnel Uniklinik hinter sich, null Verständnis für Prioritäten abseits von Karrieremaximierung, und ist auch in Bezug auf sonstige Kommunikation, Erwartungshaltung, Konfliktbewältigung etc. recht "speziell" sozialisiert. Selbst die Leute, die "nur" in mittleren Leitungsaufgaben landen, haben oft so eine leidliche "Früher war alles noch schlimmer"- oder "Wir mussten da auch durch"-Mentalität. Vermutlich auch Selection Bias, weil der Rest längst die Abbiegung aus der Klinik genommen hat ...

Arxovrenis
25.03.2023, 10:28
Vielen Dank für die Antworten.
Es sind auf jedenfall interessante Denkanstöße.

Ich überlege nun, ob ich überhaupt noch in diesem Umfeld arbeiten will. Unbefriedigend ist es auf jeden Fall. Ob es irgendwo anders besser ist, ist fraglich.

Ich überlege nun folgende Möglichkeiten:
Wechsel Fachrichtung
Wechsel Arbeitsstelle
Arztberuf komplett an den Nagel hängen
In die Schweiz gehen, MBEKO-Anerkennung habe ich schon ein halbes Jahr, aber noch nicht genutzt
einfach in Zukunft alles hinnehmen

hmp24
25.03.2023, 10:44
Liegt es denn wirklich am Fach oder am Umfeld? Ich würde da nichts überstürzen, nur weil eine Pflegefachkraft daneben ist.
Ansonsten gibt es z.B. bei uns in der Klinik eine Ombudsperson, die extra für solche Fälle da ist und eben nicht im Elfenbeinturm sitzt.
Da kann man sich hingehen, ohne ein neues Gespräch mit allen Beteiligten etc und mal um Rat fragen.

Ist besagt Pflegekraft denn immer so, oder nur zu dir?
Warte doch vielleicht einige Tage ab, ob es nicht jetzt einigermaßen friedlich ist und sie sich zufrieden gibt nach dem Gespräch.

OhDaeSu
25.03.2023, 10:54
Wenn Wechseln ohnehin eine Option ist, probier doch mal aus, was passiert, wenn du etwas kaltschnäuziger auftrittst. Für mich als (sehr weit) Außenstehenden liest es sich so, als sei diese devote Mediziner-Haltung hier einfach fehl am Platz. Lass so eine halt mal spüren, dass sie Assistenzpersonal ist, dessen Meinung letztlich irrelevant ist.

Feuerblick
25.03.2023, 11:14
Die Frage ist halt, ob du in einem anderen Umfeld nicht auch sowas erleben könntest. Weil Menschen halt Menschen sind - egal in welchem Beruf. Im Bürojob zickt die Sekretärin, im anderen Fach zickt der Oberarzt, in einem anderen Job zickt... werauchimmer. Bin mit nicht sicher, ob es so klug ist, seine komplette Berufswahl deswegen aufs Spiel zu setzen. Klare Grenzen setzen, sich wehren, klarmachen, dass du dich nicht unterbuttern lässt und ansonsten einfach einen guten Job machen. Erfahrungsgemäß lassen solche Leute sich lieber an denen aus, die sich nicht wehren.

Bonnerin
25.03.2023, 12:05
Mit 1,5 Jahren Innere würden dir je nach Kammer keine oder maximal 6 Monate Innere fehlen für den FA Allgemeinmedizin.
Da müsstest du mal schauen, ob du noch 1x 12 oder 2x 6 Monate irgendwas stationär machst und dann eben in eine Praxis gehst.
Da würde zumindest langfristig die merkwürdig gewachsene Hierarchie Pflege/Ärztlicher Dienst entfallen.
Vielleicht merkst du nach 6 Monaten auch, dass du doch den Internisten machen willst oder was auch immer.
Ein Tapetenwechsel kann manchmal gut tun.

Mukopolysaccharid
25.03.2023, 13:03
Deshalb macht man seine Mittagspause! Ich hänge nie mit der Pflege ab und mache nur die geringste Kommunikation die notwendig ist. Unsere gehört mental auch in den Kindergarten. Die reden immer beleidigend auch über Patienten

veriko
25.03.2023, 13:12
Glückwunsch zu solch einer Chefärztin, die sich Zeit nimmt für ihre Assistenzärzte! Ansonsten, sollte die Pflegefachkraft sich erneut solche Ausfälle erlauben, Beschwerde an Pflegedirektion und Personalabteilung. Never ever würde ich das Fach wechseln, bevor ich es nicht in einem anderen Haus im selben Fach versucht habe. Kollegenschweine gibt es überall und auf allen Ebenen, die Verteilung dürfte jedoch von Abteilung zu Abteilung verschieden sein.
Alles Gute dir

anignu
25.03.2023, 13:27
Lass so eine halt mal spüren, dass sie Assistenzpersonal ist, dessen Meinung letztlich irrelevant ist.
Und das macht es besser?

Klare Grenzen setzen, sich wehren, klarmachen, dass du dich nicht unterbuttern lässt und ansonsten einfach einen guten Job machen. Erfahrungsgemäß lassen solche Leute sich lieber an denen aus, die sich nicht wehren.
Definitiv!

Ich hänge nie mit der Pflege ab und mache nur die geringste Kommunikation die notwendig ist. Unsere gehört mental auch in den Kindergarten. Die reden immer beleidigend auch über Patienten
Ein Einstellung mit der man Freunde gewinnt... nicht!

Never ever würde ich das Fach wechseln, bevor ich es nicht in einem anderen Haus im selben Fach versucht habe. Kollegenschweine gibt es überall und auf allen Ebenen, die Verteilung dürfte jedoch von Abteilung zu Abteilung verschieden sein.
Genau! Nur wegen einer einzigen Pflegekraft Fach oder Klinik wechseln? Ja bist du denn des Wahnsinns? Also ernsthaft jetzt! Es ist eine Pflegekraft. Es ist ein Mensch mit dem du zusammenarbeiten musst, der aber nicht unmittelbar ein Kollege oder eine Kollegin ist. Jemand der einen anderen Beruf hast und die Grenzen eigentlich relativ klar sind.
Wie stellst du dir denn dein Leben vor? Im nächsten Job ist es die Putzfrau die dich ärgert, im übernächsten ein Patient und im dritten ein Assistenzarzt, im vierten der einteilende Oberarzt und im fünften Job mag dich deine Chefärztin nicht. Und jetzt überleg mal was dir davon am Liebsten wäre. Es wird immer Leute geben mit denen du entweder nicht oder schlecht zurecht kommst. So lange dies eine Einzelperson ist: so what?! Du wirst es niemals allen recht machen können. Mach klare Anweisungen, klare Ansagen und lass dich von sowas nicht verunsichern. Und lass dir nicht von den Pflegekräften die Arbeit anschaffen. Das kann man steuern. Man muss nicht fragen "wie hoch?" wenn die Pflegekraft sagt "spring". Man kann auch sagen "ich schreibst mir auf und erledige es wenn ich Zeit hab dafür". Notfälle sofort, alles andere wird abgearbeitet wenn Zeit ist.
Du wirst niemals bei allen Leuten beliebt sein, gewöhn dich dran. Und gewöhn dich vor allem an deine Rolle als ARZT. Das ist eine Rolle. Und in dieser Rolle hast du die Aufgabe das Beste rauszuholen für deine Patienten. Du wirst Anordnungen machen die extrem unbeliebt sind "tägliches Wiegen" oder "BZTP" oder "Sammelurin" oder oder oder. Und du kannst dir dann überlegen ob du Anordnungen machst die du medizinisch brauchst oder auf diese verzichtest um zu versuchen dich beliebt zu machen. Und? Was wirst du tun? Mach gute Medizin, triff gute medizinische Entscheidungen und kommuniziere klar. Und wenn dich dann eine Pflegekraft nicht mag, dann ist es halt so.

Mukopolysaccharid
25.03.2023, 13:53
Ich habe meine Freunde außerhalb der Arbeit. Die Pflege dreht bei uns ganz schnell den Spieß um, wenn du zu best Friends mit ihnen bist. Dann sind sie mehr Arzt und geben dir die Anweisungen, weil sie es besser weiß. Dann werden Anweisungen nicht gemacht oder herausgezögert.

xenopus laevis
25.03.2023, 14:03
Eine sehr gute Freundin und ich arbeiten zusammen in einem Haus (Maximalversorger) in verschiedenen Fachbereichen. Wir beide kommen aus der Pflege (Uni Klinik) und kennen somit beide Seiten sehr gut. Während sie Probleme mit dem Pflegepersonal hat (Teamwork ist ne Einbahnstraße), ist es bei mir ein Oberarzt (beleidigt mich und andere gerne, teaching 0). Woher kommt also dieser Drang solche Menschen zu schützen. "Woanders ist es auch nicht besser!" "Im OP ist der Ton rauher!" "So schlimm war das nicht!"

Ein Kollege fragte mich mal, ob ich meinen alten Job vermisse: "Nicht die Tätigkeit, aber meine Position, denn als Pflegekraft wurde ich besser behandelt/akzeptiert." Es geht also definitiv anders. Nur als AiWler bist du anscheinend für 5 Jahre verpflichtet den Mülleimer der Klinik darzustellen.

Feuerblick
25.03.2023, 14:20
@anignu: Genau das!

@xenopus: Nee, eben nicht. Anignu hat es schön beschrieben.

Mukopolysaccharid
25.03.2023, 14:27
Ich denke ein Grund ist, du bist allein oder zu zweit als Arzt gegen eine Gruppe Pflege. Und dass sind da immer die, die wissen wie der Hase laufen soll und wie sie ihren Assistenzarzt erziehen können. Wenn da ein Jüngling kommt und sagt „ich brauche dringend bitte einen U stix und U Kult“, dann hast du entweder Glück und nach der nächsten Raucherpause wird es gemacht oder es heißt „nein wir sind zu wenige“. Worte wie „bitte DK Wechsel“ oder „Bein komprimieren“ weden gar nicht gerne gehört. Da heißt es dann zu schwierig oder können wir nicht

Bonnerin
25.03.2023, 14:29
Bezüglich des Fachwechsels: In keinem der Postings finde ich einen Hinweis darauf, dass Innere jetzt halt das Super-Gebiet ist, das der/die TE schon immer machen wollte. Eher klingen generell Wechselgedanken und Unzufriedenheit mit der aktuellen Stelle mit. Die Karriere generell aufzugeben ist erstmal Quatsch, aber wie gesagt, manchmal helfen Abstand und/oder Tapetenwechsel.

nie
25.03.2023, 14:45
Ich glaube, man muss sich von den Gedanken frei machen, dass „die Pflege“ das Problem ist. Es ist einfach eine Berufsgruppe, die im Krankenhaus zahlenmäßig stark vertreten ist und mit der man als Arzt oft und eng zusammenarbeitet. Dass da auch ätzende Leute dabei sind und man mit denen auch mal aneinander gerät, wird sich wohl in keiner Klinik und keinem Fach vermeiden lassen.

Ätzende Kollegen gibt es überall, das beschränkt auch nicht auf die Berufsgruppe Pflege oder den Arbeitsplatz Krankenhaus. In meiner Familie arbeiten alle in medizinfernen Bereichen und alle können sie von Leute berichten, die nur ätzend sind. Weil die einfach überall sind und man einfach irgendwie sehen muss, wie man mit denen klar kommt. Meine Schwester hat z.B. einen hochproblematischen, sehr malignen Chef. Für Außenstehende ist es undenkbar, dass dieser Mann überhaupt noch in dieser Position arbeiten darf und würde das an die Öffentlichkeit gehen, müsste man da wohl von Seiten des Arbeitgebers einiges erklären. Aber er wird von dem System toleriert und auch gedeckt, es wird vieles unter den Teppich gekehrt und so manch einer, der sich beschwert hat, hat sich kurze Zeit später „aus personellen Gründen“ auf einer anderen Arbeitsstelle wiedergefunden…

Man muss einfach für sich selbst einen Umgang damit finden und darf das nicht persönlich nehmen und auf sich beziehen. Manche Leute sind einfach Scheiße und es ist ihnen insgesamt egal, wer vor ihnen steht. Wenn du weg bist, kommt die nächste Person, über die sich beschwert wird. Diese Leute wird man nicht ändern und am einfachsten ist es, wenn man einfach nur sein Ding macht, sich auf solches Gekeife gar nicht erst einlässt und sich einfach noch angreifbar macht.

Ich habe insgesamt einen guten Stand bei den Pflegekräften und viele freuen sich, wenn ich da bin und arbeiten gerne mit mir zusammen. Und dennoch gibt es eine Pflegekraft, die sich weigert mehr als nötig mit mir zu sprechen und mich konsequent siezt weil ich mal nicht sofort gesprungen bin als sie es wollte. Das ist jetzt schon über ein Jahr her und die Person kocht immer noch vor Wut, wenn sie mich sieht. Da tut es mir primär Leid, dass sich einfach erwachsene Person wegen einer völlig irrelevanten Kleinigkeit auch nach einem Jahr noch derart in seinem Frust verbeißt.

Monstera
25.03.2023, 16:08
Mir wurde in den ersten Wochen Berufstätigkeit mal nahegelegt, dass ich mir ein dickeres Fell wachsen lassen sollte. Mich hatte damals auch eine Nicht-ärztliche Kraft respektlos behandelt und ich war danach sehr aufgelöst. War ich einfach nicht gewohnt. Nach einigen Monaten weiß ich, dass der Rat richtig war. Nichts persönlich nehmen, wenn nicht unbedingt notwendig, freundlich sein, aber man muss nicht mit allen super klar kommen. Ich bin im Stress auch mal gereizt und nicht so freundlich und gut gelaunt wie ich gerne wäre. Warum sollte das bei anderen anders sein?
Es gibt Pflegekräfte, die einen fantastischen Job machen, mit denen man klasse zusammenarbeiten kann und wahnsinnig von ihnen lernt und dann gibt es solche, die keine Lust haben, nur das Minimum tun und vielleicht auch im Umgang schwierig sind. Trifft wahrscheinlich auf sämtliche Berufsbilder zu. Ich würde versuchen, mir da eine gewisse Gelassenheit anzugewöhnen (an der ich selbst zugegebenermaßen noch arbeite) und die Fähigkeit, gewisse Dinge an sich abprallen zu lassen. Du wirst sicher irgendwann von der Station wegrotieren und dann ist das Thema Geschichte. Ich würde eher auf Distanz gehen und möglichst viel schriftlich anordnen und direkte Kommunikation mit der Person nur wenn unbedingt notwendig ausüben.
Dass man bei 24 Patienten pro Nase gestresst ist und an seiner Berufswahl zweifelt, ist völlig klar, kann das gut mitfühlen. Drücke dir die Daumen, dass es bald besser wird. Außerdem ist ja bald Streik, vielleicht eine gute Gelegenheit, seinem Unmut Kund zu tun ;)