Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Probezeitkündigung wegen Nichtunterzeichnung Opt-Out
Hallo zusammen,
Frage für eine Kollegin: 1. WBJ, erste Stelle, seit ca. 4 Monaten bei uns. Bei Einstellung hat sie einen Opt-Out-Vertrag vorgelegt bekommen, diesen aber (wie ca. 80% aus der Abteilung) nicht unterschrieben.
Nun wurde sie heute völlig überraschend auf Station "Besuch" vom Personaler, der um ein dringendes Einzelgespräch bat. In dem Gespräch wurde sie darauf hingewiesen, dass sie den Opt-Out-Vertrag noch nicht unterschrieben hat und sie das doch jetzt bitte dringend nachholen sollte. Er hat im Gespräch mehrfach angedeutet, dass sie sich ja noch in der Probezeit befindet und eine Kündigung in der Probezeit jederzeit ohne Gründe möglich ist und da die Arbeitszeit ja weniger als ein Jahr beträgt diese nicht auf die Weiterbildungszeit angerechnet werden.
Summa summarum also ziemlich deutliche Erpressung.
Frage jetzt: Wie weiter vorgehen?
Personalrat ist informiert, aus dieser Richtung ist traditionell aber wenig zu erwarten.
Mitglied im Marburger Bund ist sie leider nicht.
Zum Chef gehen ist erst mal schwierig, da der in solchen Dingen etwas unberechenbar ist.
Ziemlich dumm von der Kollegin, einen Tag nach der Probezeit hätte sie Opt-Out kündigen können. Aber durch Schmerzen lernt man, auch wie das kranke Gesundheitssystem zu nehmen ist.....
Cor_magna
20.04.2023, 11:42
Nach neuer Weiterbildungsordnung kann zumindest in Bayern alles ab 3 Monaten angerechnet werden, das war also eine Lüge.
Das Ganze ist natürlich nicht legal. Ich persönlich würde mich nicht erpressen lassen, aber das sagt sich, wenn man familienlos und ungebunden ist, von Außen natürlich sehr leicht. Je nachdem wie örtlich gebunden die Kollegin ist, wie speziell das Fachgebiet und wie gut die Bedingungen am jeweiligen Standort ist, entweder nicht reagieren oder nachgeben.
Würde aber vorher nochmal das Gespräch mit Chef und Vorgesetzten suchen, und evtl Gewerkschaft.
Ich hatte mich bei Einstellung auch geweigert Opt Out zu unterschreiben, gab aber keine Repressalien.
Bonnerin
20.04.2023, 12:26
Der Person von HR kommentarlos einen Briefumschlag per Hauspost ohne Absender schicken, in den man den ersten Teil der Weiterbildungsordnung gesteckt hat. Alles ab 3 Monate wird inzwischen anerkannt.
Zudem unabhängig davon schonmal ne neue Stelle suchen, denn ich hätte da kein Vertrauensverhältnis mehr zum Arbeitgeber.
Meine eigene Erfahrung war, dass die Personalabteilung einfach ihre Rolle übertreibt. Ich hatte vor meiner Ersteinstellung direkt nach dem Examen alle Unterlagen vorab per Email bekommen und Opt out auch nicht unterzeichnet. Mir wurde das dann bei der persönlichen Vertragsunterzeichnung von der (sehr netten und eigentlich engagierten) Sachbearbeiterin vorgelegt mit den Worten "nicht, dass die Einstellung jetzt daran scheitert". Das hatte echt den Anschein, dass sie so gebrieft wurde. Nur wieso? In meinem Fach gibt es keine Dienste und Opt out hat keine Relevanz.
Endoplasmatisches Reticulum
20.04.2023, 13:32
Ich finde das beschriebene Szenario etwas merkwürdig. Es stimmt zwar, dass formell die HR den Arbeitsvertrag aushändigt und unterschreibt - Kündigungen gehen aber in der Regel von der Fachabteilung aus. Ich habe noch nie erlebt, dass die HR einem Chef sagt: Hey, wir kündigen jetzt übrigens Assistenzarzt XYZ. Ausnahme: Stellenstreichung, aber darum geht es hier ja nicht.
Dass die HR wegen fehlendem Opt-Out in eigener Instanz und ohne Anstoß durch den Chef oder lt. OA an einen AiW herantritt und eine Kündigung im Falle ausbleibender Unterschrift androht, erscheint mir höchst suspekt. Wenn das so passiert ist und nicht nur sehr unglücklich fehlkommuniziert wurde, ist da im Hintergrund mehr im Gange.
Das ist ein sehr interessanter Einwand.
Persönlich glaube ich, dass da unsanft Druck auf eine junge, unerfahrene Kollegin aufgebaut werden soll, um den Opt-Out doch zu unterschreiben, ihr aber im Falle einer Weigerung nicht viel passieren wird.
Andererseits ist unsere Personalabteilung berüchtigt für eigenwillige und unabgesprochene Entscheidungen...
Denke auch, dass die Personalabteilung nicht eigenmächtig kündigen würde. Würde also versuchen, vorsichtig den Chef anzufragen und mich dabei dumm stellen - "ach das hatte ich ja bei der Einstellung vergessen mit abzugeben, ist das eigentlich nötig?" - und wenn er durchscheinen lässt, dass es Bedingung ist, und ich trotzdem bleiben möchte, pro forma unterschreiben und sofort nach Ende der Probezeit wieder zurücknehmen. Wer vorsichtig sein will, überspringt den Teil mit dem Chef einfach.
Rechtlich hat man überhaupt nichts in der Hand, weil nie irgendwo offiziell dokumentiert werden würde, dass das der Grund für die Kündigung war.
Nefazodon
20.04.2023, 15:09
Bloß nicht erpressen lassen!
1. Das mit der Anrechenbarkeit der WB-Zeit war eine Fehlinformation.
2. Selbst wenn sie gekündigt würde, wenn sie nicht unterschreibt: Egal. In so einer Klinik würde ich gar nicht arbeiten wollen.
Wenn die Verwaltung so etwas ernsthaft bringt, und damit durchkommt, werden sie es immer wieder versuchen. Vertrauen kann man so einer Klinik nicht. Wahrscheinlich wird dort auch mit der Überstundenabrechnung bzw. den Dienstzuschlägen gemauschelt.
Gab es irgendwelche Zeugen für das Gespräch? Falls ja, Anwalt einschalten.
Falls nein, ist das schwierig, aber dann würde ich es einfach drauf ankommen lassen und NICHT unterschreiben.
Ich würde nicht auf Konfrontation gehen und Opt Out grinsend vor dem Personaler unterschreiben - einen Tag nach der Probezeit würde ich bei dem gleichen Personaler grinsend Opt Out wieder kündigen.
3 Monate WB-Zeit werden anerkannt.
Und komisch ist es schon, dass sich jemand aus dem Personal auf Station verirrt
Nefazodon
20.04.2023, 17:03
Ich würde nicht auf Konfrontation gehen und Opt Out grinsend vor dem Personaler unterschreiben - einen Tag nach der Probezeit würde ich bei dem gleichen Personaler grinsend Opt Out wieder kündigen.
Dabei aber nicht vergessen, dass für Opt-Out eine Kündigungsfrist von 6 Monaten gilt.
Inzwischen ist wohl raus, dass der Personaler alle Neumitarbeiter der Klinik (quer durch alle Fachabteilungen) in der Probezeit angequatscht und zur Unterschrift genötigt hat.
Hintergrund nach wie vor unklar, aber wenigstens zeigt sich der Betriebsrat ausnahmsweise interessiert.
Autolyse
20.04.2023, 18:26
Hintergrund nach wie vor unklar, aber wenigstens zeigt sich der Betriebsrat ausnahmsweise interessiert.
Mit Recht. Das Vorgehen ist schlicht unzulässig und wenn man das nachweisen kann, dann gewinnt man jeden Kündigungsschutzprozess, auch in der Probezeit. Nicht eingestellt zu werden ohne Opt-Out ist okay, gekündigt zu werden im bestehenden Arbeitsverhältnis nicht. Einfach aussitzen und im Bedarfsfall die Kündigungsschutzklage raushauen.
Ich glaube auch nicht, dass die Personaler das durchziehen. Denn dann wäre eine unbesetzte Stelle ja auf deren Mist gewachsen, und man könnte dem Klinikchef nicht mehr an die Karre pissen. Insofern ganz entspannt die Beine hochlegen, nicht unterschreiben und abwarten, was passiert. Ich denke,..., gar nichts...
Anne1970
21.04.2023, 05:50
Die Betroffene kann immer noch in den mb eintreten und dann reicht in der Regel ein Anruf von der mb- Geschäftsstelle…Bei uns wurde damals bis nach der Probezeit gewartet, dann kam ein Brief von der Personalabteilung, nach dem Motto: „das müssen die noch unterschreiben“. Ich hab’s dann ein kleines Gespräch verabredet und Änderungswünsche eingebracht :D.
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