Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kompletter Fachrichtungswechsel nach Verletzung
KirylSturm
29.05.2023, 23:13
Hallo an alle
Ich stehe aktuell an einer schweren Phase. Es ist der wahrlich schwierigste Moment.
Ich hoffe daher auf eure Hilfe und Ratschläge. Als stiller Leser habe ich dafür auch erstmalig einen Account gemacht.
Kurz zu meiner Person. Ich bin 30 Jahre alt und habe in Deutschland Medizin studiert (komme ursprünglich aus dem Mittleren Osten). Für das Studium bin ich nach Deutschland gekommen. Direkt danach bin ich aufgrund meiner Freundin in die Schweiz gegangen und habe 1 Jahr Chirurgie gemacht und Kinderchirurgie. Letzteres war auch immer mein Ziel. Ich war immer auf der Überholspur. Ich habe promoviert, Forschung gemacht und mache aktuell einen PhD in den USA, den ich bald abschliesse.
Dann ist was schlimmes passiert. Ich habe mich irgendwie "unklar" an einem Strauch/Dornengebüsch in einem Park verletzt. Es war völlig banal und ich habe nichts weiter daraus gemacht. Daraus entwickelte sich vor rund 6 Monaten eine schlimme aszendierende Infektion mit Lymphangitis. Ich war auch stationär aufgenommen (in den USA wo ich forsche). Es ergab eine polymikrob. Infektion (u. a. Sporotrichosis, sowie Candida und S. aureus). Ich benötigte IV Antibiose und antifungale Medikation, und entwickelte sogar ein Kompartment. Ich wurde mehrfach revidiert. Das ganze ist jetzt ca. 6 Monate her und ich denke nicht, dass ich körperlich als Chirurg mehr tätig sein kann. Ich habe eine deutlich eingeschränkte Motorik der gesamten rechten oberen Extremität. Ich mache hier in den USA täglich Ergo etc., aber die Fortschritte sind sehr gering. Ich werde schliesslich meinen PhD abschliessen und zurückkehren.
Jetzt ist meine Frage an euch, was ich tun soll? Mein PI empfiehlt mir in die Pädiatrie zu wechseln, da ich da gute Erfahrung habe, zumal meine Forschung pediatric surgery und ped. crit care ist.
Natürlich ist Chirurgie mein Traum, aber ich weiss nicht wie ich das motorisch noch umsetzen kann.
Was ist eure Meinung zu meiner Sitatuation?
Kriege ich überhaupt pädiatrische Assistenzstellen in der Schweiz/Deutschland? Ich habe auch kürzlich meine US boards gemacht und könnte mich auch hier bewerben.
Insgesamt ist es eine fürchterliche Situation. Ich hoffe auf ehrliche Meinungen von euch :)
KirylSturm
29.05.2023, 23:15
Wenn hier auch andere Chirurgen sind, die sich nach Verletzungen zurückgekämpft haben, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr berichtet.
][truba][
30.05.2023, 05:17
Hallo,
erst einmal wünsche ich dir alles Gute und viel Kraft für den weiteren Weg. Ziemlich heftiger Verlauf!
Stellen wirst du in Deutschland mit dieser Erfahrung und einem PhD mit Sicherheit bekommen, da mach dir mal keine Sorgen.
Ich selbst habe eine Verletzung gehabt die operiert wurde und die Heilung dauerte insgesamt länger als 6 Monate.
Wenn du deine PN frei schaltest kann ich dir auch etwas detaillierter schreiben.
Wünsche dir alles Gute!
KirylSturm
30.05.2023, 08:52
[truba][;2261402']Hallo,
erst einmal wünsche ich dir alles Gute und viel Kraft für den weiteren Weg. Ziemlich heftiger Verlauf!
Stellen wirst du in Deutschland mit dieser Erfahrung und einem PhD mit Sicherheit bekommen, da mach dir mal keine Sorgen.
Ich selbst habe eine Verletzung gehabt die operiert wurde und die Heilung dauerte insgesamt länger als 6 Monate.
Wenn du deine PN frei schaltest kann ich dir auch etwas detaillierter schreiben.
Wünsche dir alles Gute!
Danke dir für die Antwort. Ich habe PNs freigeschaltet und würde mich über deinen Bericht freuen.
Ich denke leider nicht, dass ich jemals auf das vorherige Niveau komme und eine Weiterführung der chirurgischen Assistenzzeit daher nicht sinnvoll ist.
Wsl. ist ein Wechsel in die Pädiatrie sinnvoller.
Tut mir leid für dich. Da du aber so engagiert bist glaube ich, dass du auch in einer anderen Fachrichtung Fuß fassen wirst. Pädiatrie ist doch ein sinniger Vorschlag.
ProximaCentauri
30.05.2023, 21:04
Ich denke, dass du mit der Vorgeschichte auf jeden Fall Chancen hast, an Stellen zu kommen. (Und gerade auch versicherungstechnisch ist mit so einer Sache vermutlich Europa sinnvoller als die USA...).
Ich habe selbst keine Verletzung und bin nicht Chirurgin, aber habe einen Crohn, und es ist definitiv nicht einfach, plötzlich mit körperlichen Limitationen, die manchen Berufswünschen entgegen stehen, umzugehen. Ich würde dir dann sicher auch noch Therapie empfehlen, einfach um auch mit dem Kopf besser damit klar zu kommen.
Und: vielleicht kannst du ja gut etwas in der Pädiatrie mal Fuss fassen, und je nach dem wie sich dann die Entwicklung zeigt, gibt's ja dann auch Optionen wieder zurückzugehen, oder etwas mit mehr Handarbeit zu machen, wenn sich doch noch eine Besserung einstellt...
KirylSturm
30.05.2023, 21:50
Ich denke, dass du mit der Vorgeschichte auf jeden Fall Chancen hast, an Stellen zu kommen. (Und gerade auch versicherungstechnisch ist mit so einer Sache vermutlich Europa sinnvoller als die USA...).
Ich habe selbst keine Verletzung und bin nicht Chirurgin, aber habe einen Crohn, und es ist definitiv nicht einfach, plötzlich mit körperlichen Limitationen, die manchen Berufswünschen entgegen stehen, umzugehen. Ich würde dir dann sicher auch noch Therapie empfehlen, einfach um auch mit dem Kopf besser damit klar zu kommen.
Und: vielleicht kannst du ja gut etwas in der Pädiatrie mal Fuss fassen, und je nach dem wie sich dann die Entwicklung zeigt, gibt's ja dann auch Optionen wieder zurückzugehen, oder etwas mit mehr Handarbeit zu machen, wenn sich doch noch eine Besserung einstellt...
Danke für deine Aufmunterung. Ich hoffe einfach, dass ich etwas in der Pädiatrie kriege. Der Stellenmarkt dafür in Deutschöand und Schweiz ist nicht allzu gut.
Ich denke du solltest dir klar werden was du willst.
Wenn die die Chirurgie am Wichtigsten ist, es gibt auch Fächer in der Chirurgie die eher grobmotorischer sind. Falls das körperlich geht. Und wenn auch das nicht geht wirst du dich von dem Traum verabschieden müssen.
Ansonsten wurde dir mit Pädiatrie doch eh schon ein guter Tipp gegeben. Versuch das doch.
TaraTamm
30.05.2023, 23:32
Warum möchtest du zurück nach Deutschland, wenn die USA auch in Frage kommt, du das Examen schon hast und du dort als Facharzt mit etwa dem 4-fachen Verdienst rechnen kannst? Ich würde dort bleiben und ein konservatives Fach machen.
Eine heftige Geschichte!
Eine Stelle bekommen wirst du mit deiner Vorgeschichte garantiert.
Aber ich bin überzeugt, dass Gehalt, Benefits (inkl. Krankenversicherung!) und auch die Offenheit, jemanden mit einer körperlichen Einschränkung einzustellen, in den USA VIEL größer als in Deutschland sind. Verstehe deshalb nicht so ganz, warum es jetzt Deutschland sein soll.
Alles Gute wünsch ich dir auf jeden Fall auf deinem weiteren Weg! :-))
alphamethyldopa
31.05.2023, 08:42
Ich weiß nicht, wie es bei Dir ist/wird, aber ich kann dir eine Erfolgsgeschichte erzählen: ein Oberarzt in meinem KH hat sich die ganzen Bänder der rechten (dominanten) Hand abgerissen, soviel wusste ich auch damals, und keiner hat gewusst ob es was wird. Ich kann dir nur von den Sachen erzählen, die er mir in der Kaffeepause im OP erzählt hat. Er hat danach tägliche Physio (etwa 1 Std) bei einem recht forschen Therapeut gehabt, es hat ihm höllisch wehgetan, er hat den Therapeut gehasst und geliebt zugleich, und jetzt operiert er wieder. Das ganze hat ca. ein Jahr gedauert, in dem er "nur" Sprechstunde und Station gemacht hat.
Ich würde sagen, der Weg hat sich für ihn gelohnt, Restitutio ad integrum, sozusagen. Unabhängig von deiner Karriereplanung würde ich an deiner Stelle genauso machen - intensive Physio durchziehen auf jeden Fall. Den Arm brauchst du noch 50 - 60 Jahren.
KirylSturm
31.05.2023, 13:09
Ich weiß nicht, wie es bei Dir ist/wird, aber ich kann dir eine Erfolgsgeschichte erzählen: ein Oberarzt in meinem KH hat sich die ganzen Bänder der rechten (dominanten) Hand abgerissen, soviel wusste ich auch damals, und keiner hat gewusst ob es was wird. Ich kann dir nur von den Sachen erzählen, die er mir in der Kaffeepause im OP erzählt hat. Er hat danach tägliche Physio (etwa 1 Std) bei einem recht forschen Therapeut gehabt, es hat ihm höllisch wehgetan, er hat den Therapeut gehasst und geliebt zugleich, und jetzt operiert er wieder. Das ganze hat ca. ein Jahr gedauert, in dem er "nur" Sprechstunde und Station gemacht hat.
Ich würde sagen, der Weg hat sich für ihn gelohnt, Restitutio ad integrum, sozusagen. Unabhängig von deiner Karriereplanung würde ich an deiner Stelle genauso machen - intensive Physio durchziehen auf jeden Fall. Den Arm brauchst du noch 50 - 60 Jahren.
Ich weiß nicht, wie es bei Dir ist/wird, aber ich kann dir eine Erfolgsgeschichte erzählen: ein Oberarzt in meinem KH hat sich die ganzen Bänder der rechten (dominanten) Hand abgerissen, soviel wusste ich auch damals, und keiner hat gewusst ob es was wird. Ich kann dir nur von den Sachen erzählen, die er mir in der Kaffeepause im OP erzählt hat. Er hat danach tägliche Physio (etwa 1 Std) bei einem recht forschen Therapeut gehabt, es hat ihm höllisch wehgetan, er hat den Therapeut gehasst und geliebt zugleich, und jetzt operiert er wieder. Das ganze hat ca. ein Jahr gedauert, in dem er "nur" Sprechstunde und Station gemacht hat.
Ich würde sagen, der Weg hat sich für ihn gelohnt, Restitutio ad integrum, sozusagen. Unabhängig von deiner Karriereplanung würde ich an deiner Stelle genauso machen - intensive Physio durchziehen auf jeden Fall. Den Arm brauchst du noch 50 - 60 Jahren.
Danke für deine Antwort und auch an die anderen vielen Dank.
Ich gehe in ein paar Wochen nach NY für eine Zweiteinung ans HSS. Insgesamt waren jedoch alle Experten eher negativ, dass ich Pediatric Surgery ausführen könnte. "Gröbere Chirurgie" ist umsetzbar, aber ich komme aus dem Gebiet der Kinderchirurgie mit Fokus neonataler Chirurgie und vask. Fehlbildung. Das ist alles nicht mehr unsetzbar.
Daher würde ich doch lieber direkt zur Pädiatrie gehen.
Ja, es wird eher auf Schweiz oder USA hinauslaufen. Ich werde mal schauen, ob ich eine Pädiatriestelle in der Schweiz kriege, parallel auch in den USA für den Match bewerben :)
Heerestorte
31.05.2023, 13:58
Ich denke du solltest dir klar werden was du willst.
Wenn die die Chirurgie am Wichtigsten ist, es gibt auch Fächer in der Chirurgie die eher grobmotorischer sind. Falls das körperlich geht. Und wenn auch das nicht geht wirst du dich von dem Traum verabschieden müssen.
Ansonsten wurde dir mit Pädiatrie doch eh schon ein guter Tipp gegeben. Versuch das doch.
Gefäßchirurgie, oder? :-))
Gefäßchirurgie, oder? :-))
ne, irgendwas Chirurgisches bei der Bundeswehr. Kriegschirurgie und so ;-)
An der Uniklinik Ulm gibt es einen Neurochirurgen, der sogar im Rollstuhl sitzt, Thomas Kapapa. Und das sind stundenlange Operationen, die er problemlos zu bewältigen scheint. Dazu gibt es einige Videos im Netz, aber vielleicht antwortet er dir auch, wenn du eine Email schreibst - immerhin bist du in einer ähnlichen Situation. Wünsche dir auf jeden Fall alles Gute, gib nicht auf wenn Chirurgie wirklich dein Wunsch ist! Unmöglich werden Dinge vor allem dann, wenn man sie für unmöglich hält - solche selbsterfüllenden Prophezeiungen sollte man vermeiden.
An der Uniklinik Ulm gibt es einen Neurochirurgen, der sogar im Rollstuhl sitzt, Thomas Kapapa. Und das sind stundenlange Operationen, die er problemlos zu bewältigen scheint. Dazu gibt es einige Videos im Netz, aber vielleicht antwortet er dir auch, wenn du eine Email schreibst - immerhin bist du in einer ähnlichen Situation. Wünsche dir auf jeden Fall alles Gute, gib nicht auf wenn Chirurgie wirklich dein Wunsch ist! Unmöglich werden Dinge vor allem dann, wenn man sie für unmöglich hält - solche selbsterfüllenden Prophezeiungen sollte man vermeiden.
Das ist zwar mega beeindruckend und cool, aber er operiert ja nicht mit den Füßen. Ich finde das kann man irgendwie schwer vergleichen.
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