Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Würdet ihr eure Fachrichtung nochmal wählen?
@nie: Warum genau siehst du in der Inneren so wenig Perspektiven für dich? Eigentlich gibts damit doch sehr vielfältige Möglichkeiten, auch im ambulanten Bereich... oder?
Anne1970
08.06.2023, 08:17
Hallo nie, danke für deinen Beitrag, den ich sehr authentisch wahrnehme. Hab leider irgendwie vergessen, in welches Fach du „reingeraten“ bist. Bei mir war während des Studiums ab dem Physikum klar, unerschütterlich klar :-)), dass ich die Anästhesie- Weiterbildung machen würde. Das war auch der Grund, warum ich zum PJ in dieses Haus der Maximalversorgung (mit allen Abteilungen außer Derma und damals noch Auge) gegangen bin. Die Stelle in der Abteilung war vereinbart. Und dann hab ich mich (durch den Impuls eines besonderen Menschen hab ich mich davon überzeugt, dass es für mich das Richtige wäre) für die Neurologie entschieden. Würde ich immer wieder machen! Das Fach bietet eine solch große Bandbreite, dass jeder nicht operativ Tätige seine Nische finden kann. Von Genetik, universitäre und klinische Forschung, über Elektrophysiologie, chronische Erkrankungen bis zum großen Bereich der Notfallversorgung mit effektiver Möglichkeit den Pat zu helfen/ vor großen Beeinträchtigungen zu bewahren. Jedes Jahr liebe ich dieses Fach mehr. In der Ausbildung hatte das Fach mich nicht so gecatcht… als ich vor Arbeitsbeginn eine DGN -Summerschool absolviert hatte (hatte bis dato nie in der NRO famuliert, Wahlfach im PJ war NCH :grins: ) sah das anders aus …
Ich sag immer: wenn ein Süßwasserfisch nicht in ein Salzwasser-Aquarium passt - und umgekehrt- ist das nicht die „Schuld“ des Aquariums und auch nicht des Fisches. Bin fest davon überzeugt, dass jede Ärztin und jeder Arzt seine „natürliche Umgebung“ finden kann, in der er/sie in den Flow kommt.
Das Schöne an unserem Freien (!) Beruf ist, dass wir -bei allen Beschränkungen sowohl in der Klinik als auch in der ambulanten Tätigkeit- vieles selbst gestalten können (oder könnten, wenn wir wirklich wollten?). Abgesehen vom fachlichen Können - als Vorraussetzung- kommt es auf eine eigene Ethik, eine ärztliche Haltung an. Die kann ich in jedem einzelnen Bereich schon in der Weiterbildung erlangen und kultivieren; z.B. durch Lernen von Vorbildern und indem ich mir über mich selbst klar werde.
Und wer möchte, kann sich auch im Rahmen der berufsständischen Vertretungen, der Ärztekammern, der KV, den Fachgesellschaften oder auch gewerkschaftlich engagieren. Dass hier ein langer Atem nötig ist und Kompromisse der unterschiedlichen Interessenlagen erkämpft werden (müssen), ist klar.
Es gibt - so meine These- eine Menge von „Freiheitsgraden“ in unserem Beruf; diese wahrzunehmen und zu nutzen ist zugegebenermaßen in manchen Arbeits -und Lebens- Situationen einfach schwer bis unmöglich. Aber bitte: nicht aufgeben! :-)
@nie: Warum genau siehst du in der Inneren so wenig Perspektiven für dich? Eigentlich gibts damit doch sehr vielfältige Möglichkeiten, auch im ambulanten Bereich... oder?
Das hat primär etwas mit mir, meiner persönlichen Situation und meinen Interessen zutun. Ist jetzt schwer zu erklären ohne zu sehr ins Detail zu gehen aber grob gesagt hab ich einfach keine Lust auf den Großteil der Dinge, die internistische Oberärzte so machen und noch weniger Lust im ambulanten Bereich zu arbeiten. Versuch eben aktuell meine Nische zu finden und das schließt die Frage mit ein, ob ich die mit einem Facharzt für Innere Medizin finde oder es mich doch wieder zurück zur Anästhesie bringt.
Ich verstehe... (ein bisschen zumindest :-)))
GloriaSchmidt
08.06.2023, 18:09
Versuch eben aktuell meine Nische zu finden und das schließt die Frage mit ein, ob ich die mit einem Facharzt für Innere Medizin finde oder es mich doch wieder zurück zur Anästhesie bringt.
Ich glaub, dass die eigene Nische oft der Weg zum Glück im gelernten Fachgebiet ist. Bei Innere sollte es doch tausend Nischen geben?
Eine weise Frau sagte mir einmal, dass man in der Praxis nach einem Jahr die Patienten hat, die man verdient.
Und so sitze ich tatsächlich nach ca. einem Jahr in meiner Nische: Demenz, Epilepsie, Autismus und Trans-Personen 😂 Irgendwie eine komische Nische, aber sie fühlt sich gut an 🙈 (und ja, es ist Psych)
GloriaSchmidt
08.06.2023, 18:13
Als Internist würde ich vielleicht Rheumatologie machen - coole, seltene Kranheitsbilder, Vaskulitiden und so 😄 oder Rehawesen, ich mag Reha.
Oder die suchtmedizinische Grundversorgung und dann substituieren - oder oder oder…
Geht ja weniger um das Inhaltliche, da findet sich in der inneren Medizin schon für jeden etwas, sogar für mich. Wenn mir das Fachliche nicht gefallen würde, würde ich nicht mehr in der Inneren arbeiten. Mir gehts mehr um die Art der Arbeit, da sehe ich halt, vor allem als Fach- bzw. später Oberärztin für mich einfach nicht viele Aufgabengebiete, die mir langfristig gefallen könnten. Ist aber eben auch ein persönliches Ding und nicht dem Fach geschuldet. Für meinen Geschmack sitze ich jetzt schon zu viel an Schreibtischen…
GloriaSchmidt
08.06.2023, 18:52
Geht ja weniger um das Inhaltliche, da findet sich in der inneren Medizin schon für jeden etwas, sogar für mich. Wenn mir das Fachliche nicht gefallen würde, würde ich nicht mehr in der Inneren arbeiten. Mir gehts mehr um die Art der Arbeit, da sehe ich halt, vor allem als Fach- bzw. später Oberärztin für mich einfach nicht viele Aufgabengebiete, die mir langfristig gefallen könnten. Ist aber eben auch ein persönliches Ding und nicht dem Fach geschuldet. Für meinen Geschmack sitze ich jetzt schon zu viel an Schreibtischen…
Meine Lieblingsnische ist ja Spezialambulanz.
Man hat nicht die enge Taktung wie in ner KV Praxis und nicht schrecklichen Strukturen (AÄ-OA-CA-Team) wie auf Station.
Wenn man nebenher wie oftmals üblich noch OA/FOA einer Station ist, kann Spezialambulanz auch durchaus stressig werden..
GloriaSchmidt
09.06.2023, 06:10
Wenn man nebenher wie oftmals üblich noch OA/FOA einer Station ist, kann Spezialambulanz auch durchaus stressig werden..
Na klar - so ne Nische zu finden ist schwierig… und nebenbei OA von einer Station macht alles zunichte (Hör mir auf mit dem FOA, ich HASSE diese bekloppte Erfindung 😂)
Cor_magna
09.06.2023, 10:54
Wenn man nebenher wie oftmals üblich noch OA/FOA einer Station ist, kann Spezialambulanz auch durchaus stressig werden..
Gibt es das überhaupt, in der Inneren in einer größeren Klinik als OA ne Spezialambulanz zu haben ohne gleichzeitig für die Station oder zumindest Rufdienste und Wochenendvisiten eingespannt zu werden? Ist mir noch nie untergekommen...
Wenn ja, überlege ich mir das mit der Inneren vielleicht nochmal :-))
Bezüglich Rheumatologie: Wieso wollen das eigentlich so wenige machen? Monetäre Gründe? Höre immer von großem Personalmangel in diesem Bereich.
Stuntman Mike
09.06.2023, 15:35
Bezüglich Rheumatologie: Wieso wollen das eigentlich so wenige machen? Monetäre Gründe? Höre immer von großem Personalmangel in diesem Bereich.
Soweit ich weiß gibt es relativ wenige Weiterbildungsbefugte. Außerdem ist der klinische Alltag recht monoton und viele Patienten sind….schwierig. Sehr geballt 50-jährige Lehrerinnen mit Doppelnamen ;-)
So ist jedenfalls mein Eindruck aus Famulatur und PJ. Ich hatte damals mit dem Fach geliebäugelt, aber in der Praxis war es dann nicht so wirklich attraktiv.
Ich würde Infektio machen ^^ War in Allgemeinmedizin in einer Schwerpunkt Praxis, wo es mir sehr gut gefallen hat. Bzgl. Rheumatologie teile ich den Eindruck von schwierigen Patient:innen. Viele ungeklärte Ursachen, chronische Schmerzen, funktionelle Beschwerden. Da waren sie schon bei 3 Rheumatologien und bekommen keine Diagnose und rennen dann zur 4.
Endoplasmatisches Reticulum
10.06.2023, 09:24
Mir scheint, das ist ein sehr komplexes Feld, chronische Verläufe, breite Schrotschussdiagnostik, viele Nebenbefunde, hoher Leidensdruck, viel Herumstochern mit Therapien, viel (teils berechtigtes) Ärztehopping. Oft weiß man dann am Ende selbst nach vielen Jahren trotzdem nicht so wirklich, was ein Patient eigentlich hat, und parkt ihn dann dauerhaft in einer Verdachtsdiagnose, die irgendwie "noch am besten passt" und sich trotzdem immer mal wieder ändert.
Ich fand Rheuma im Studium recht kryptisch und gleichzeitig aber auch irgendwie dröge. Kann schon verstehen, dass das nicht viele machen wollen. Und wenn man schon Innere macht mit allen bekannten Nachteilen, will man sich dann gleichzeitig noch die Mankos einer Nische ans Bein fesseln? (Quasi fakultativer Umzug bei Stellenwechsel, kleines Fach mit vermutlich ausgeprägter Chefvernetzung etc.)
cartablanca
10.06.2023, 10:41
Mir fallen da doch sehr viele Berufe ein, wo man sich "derart erniedrigen lässt".
Nur bekommen die meist deutlich weniger Gehalt.
Mal ein ganz banales Beispiel aus dem Bekanntenkreis: Bahn-Service-Center --> Bildschirmarbeitszeit.
Es gibt objektiv keinen anderen Job in dem man 24 Stunden durcharbeiten muss. Dazu wird man häufig noch nach dem Dienst angepöbelt. Die Bezahlung für den Bereitschaftsdienst, der keiner war, rundet das Ganze ab. Minusstunden - wie das legal sein kann kann ich immer noch nicht fassen. Der Bahnmitarbeiter wird sicherlich auch nicht mit menschlichen Exkrementen in Kontakt kommen. Nope ich bleib bei meiner Meinung: viel demütigender wirds nicht.
Übrigens hab ich schon einen Ausstiegsplan. Muss noch den FA in einem Jahr abschließen.
cartablanca
10.06.2023, 10:46
Meine Schwester hat zwei Jahre in der Medienbranche gearbeitet, die kann auch eine Menge zum Thema Erniedrigung sagen. Und das Ganze für solide 1800 € netto ohne Zuschläge trotz Nacht- oder Wochenendarbeit. Und das Wort Überstunden existiert mal ganz grundsätzlich nicht. Jetzt arbeitet sie in einer Behörde und muss sich dort von ihrem
Die arbeitet aber auch nicht 24 Stunden am Stück (die nicht mal bezahlt werden) und muss in der Scheisse und im Rotz von den Leuten wühlen.
Rheuma hab ich nicht mal so richtig als Schwerpunkt wahrgenommen. Antikörper Diesdas. In meiner Wahrnehmung bestand Innere aus Kardio, Nephro, Gastro und Hämato Onko. Da wollten die Leute Hämato Onko und Gastro machen und auf keinen Fall Kardio. Nephro hat wenig Erwähnung gefunden, war auch nicht beliebt. Zumindest, wenn man in M3 jemand aus der Nephro hatte, sprach man Beleid aus. 😅 Der Rest fiel hinten über. :-nix
Die arbeitet aber auch nicht 24 Stunden am Stück (die nicht mal bezahlt werden) und muss in der Scheisse und im Rotz von den Leuten wühlen.
Doch, arbeitet man. Und zwar wirklich unbezahlt, gibts nichtmal Stunden für. Zählt dann alles als „Recherche“. Man hat seine normalen 8 Stunden Arbeitszeit und die restliche Arbeit macht man dann in seiner Freizeit. Und man wird regelmäßig von Vorgesetzten beleidigt, beschimpft, bedroht. Stelle ich mir echt spaßig vor. Und trotz der Tatsache, dass ich seit mehreren Jahren in der Inneren Medizin arbeite, wühle ich eher selten in Rotz und Scheiße :-nix Hatte definitiv mehr Kontakt zu Exkrementen als ich noch bei Rettungsdienst gearbeitet habe…
Aber letzten Endes bringt die Dikussion mit dir halt auch nicht weil du so fest davon überzeugt bist, dass es niemanden schlechter geht als dir und niemand einen schlimmeren Job als Ärzte hat, da kann man sich dumm und dämlich argumentieren.
Zum Thema Rheuma: es gibt durchaus Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis, die sich klar diagnostizieren und zielgerichtet behandeln lassen. Aber man hat halt immer diesen „Beifang“ mit den diffusen Beschwerden, uneindeutigen Befunden und anstrengenden Patientenklientel. Man reißt halt’s auch nur seine Sprechstunde ab und hat jetzt auch keine Zeit für Dr.-House-mäßig Diagnostik. Und so spannende sind die Krankheitsbilder in der Rheumatologie auch nicht. Die einzige Frage ist eigentlich „welche Immunsuppression nehme ich dieses Mal“…
Cor_magna
12.06.2023, 10:48
Aber letzten Endes bringt die Dikussion mit dir halt auch nicht weil du so fest davon überzeugt bist, dass es niemanden schlechter geht als dir und niemand einen schlimmeren Job als Ärzte hat, da kann man sich dumm und dämlich argumentieren.
Empfinde ich auch so.
Aus Neugier: Was ist denn dein Exitplan, also wo geht es nach dem Facharzt hin, cartablanca?
Cadherine
12.06.2023, 19:25
@nie
Mir geht es ähnlich wie dir, stehe kurz vor dem Facharzt Innere Medizin und weiß nicht so richtig wie es weitergehen soll ,habe meine Nische auch noch nicht gefunden . Die Arbeit normale Stationsarbeit der Inneren nervt mich total und die Notaufnahme geht auch gar nicht . Wenn ich meine Oberärtze sehe, will deren Job auch nicht machen (die haben ca. 10 Ruf-Bereitschaftsdienste im Monat und 2 komplette Wochenenden im Monat).Die Arbeitsbedingungen in der Klinik möchte ich eigneltich nicht mehr lange hinnehmen.
Mich als Allgemeininternist niederzulassen möchte ich aber auch nicht.
Klar ich könnte Arbeitsmedizin machen , oder in einer Behörde anfangen a.e würde mir noch eine Rehaklinik zusagen aber auch da macht man wenig Medizin.
Werde meine Facharztprüfung durchziehen, bin im Moment eher desillusiioniert und glaube das man sich entscheiden muss zwsichen etwas was fachlich interessiert und zwischen Arbeitsbedingungen unter denen ich noch 35Jahre arbeiten kann
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