Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Welcher Facharzt bietet die beste Work-Life-Balance & warum?
medipassions
01.07.2023, 09:56
Hallo!
Ich habe letztens noch eine Umfrage gesehen, in der debattiert wurde, welcher Facharzt die beste Work-Life-Balance bietet. Mit dabei waren an vorderster Front: Anästhesie, Dermatologie, Augenheilkunde, Psychiatrie / Psychosomatik, Labormedizin, Radiologie (und Strahlentherapie, Nuklearmedizin), Arbeits-/Betriebsmedizin
Wie seht ihr das - evtl. sogar nach langjähriger Erfahrung in eurem Bereich?
Welche Facharztausbildung ermöglicht einem ein gutes Leben neben der Klinik?
Danke für eure Antworten im Voraus!
Rahmspinat
01.07.2023, 10:39
Gegenfrage: Studierst du bereits?
Ernsthafte Antwort: Es gibt keine allgemein gültige Aussage. Alles kann entspannt sein oder stressig, unabhängig vom Fach.
das hängt von so vielen verschiedenen Faktoren ab...
mir wurde zB irgendwann mal gesagt, dass Augenheilkunde total entspannt ist und man da u.a. pünktlich nach Hause geht...dem war definitiv bei mir nicht so. Klar ist Klinik abhängig, von daher kann ich das nicht allgemein sagen. :-nix
bei mir gibt es unwahrscheinlich viele leute im studium, die aufgrund der tollen arbeitsbedinungen und work life balance anästhesie machen wollen... bin ja mal gespannt wie das laufen wird
Mistermeo
01.07.2023, 14:43
Die meisten Fächer, die nicht an der vordersten Patientenversorgung sind, würde ich sagen. Ich bin ziemlich glücklich, seit ich dem den Rücken gekehrt habe. Jedes Wochenende frei, jeden Abend im eigenen Bett schlafen, pünktlich Feierabend...
Lediglich die Vergütung der Dienste fehlt, aber ich denke die Zeit wiegt dann mehr als die paar Euro
Bonnerin
01.07.2023, 15:56
Kommt auf die jeweilige Arbeitsstelle an.
Grob gesagt bietet das ambulante Setting meistens aber dank fehlendem 24h-Betrieb eine bessere Vereinbarkeit mit dem Leben.
Ich selbst arbeite im Laborbereich, aber da Kliniken bedient werden gibt es auch Nacht- und Wochenenddienste. Zwar deutlich planbarer und angenehmer als in der Klinik, aber da sind sie.
Von den genannten Fächern würde ich die Arbeitsmedizin daher nach ganz oben setzen. Drei Jahre in der Klinik durchbeißen und dann in das ambulante Setting. Alternativ auch Allgemeinmedizin, wo die Selbstständigkeit immer noch am besten möglich ist. Psychiatrie/Psychosomatik ist vermutlich nach der Klinikszeit recht okay von den Zeiten.
Anästhesie ist sicher ein relativ planbares Fach, aber da eben auch nachts operiert wird und die ICU exisitert ist auch da Arbeit zu unangenehmen Zeiten angesagt. Ebenso Radio (Polytraumata kommen auch gerne nachts).
Auge und Derma sind extrem kompetitiv, und wie gut man das in der Klinik mit dem Privatleben vereinbaren kann kommt sehr auf den jeweiligen Arbeitgeber an.
Heerestorte
01.07.2023, 16:30
@Bonnerin:
Wie kommst du auf drei Jahre Klinik für Arbeitsmedizin? In BaWü z. B. Braucht man nur zwei Jahre stationäre Patientenversorgung und drei Jahre WB Arbeitsmedizin und ist Facharzt.
Bonnerin
01.07.2023, 17:15
@Bonnerin:
Wie kommst du auf drei Jahre Klinik für Arbeitsmedizin? In BaWü z. B. Braucht man nur zwei Jahre stationäre Patientenversorgung und drei Jahre WB Arbeitsmedizin und ist Facharzt.
Kann sein, dass ich mich da vertan habe (also zwei statt drei Jahre), da ich ne Anzeige ausm Ärzteblatt im Kopf hatte, mit 24 Monaten WB-Berechtigung. Naja, umso besser, wenn man den Facharzt anstrebt...
Jup. Sind auch in Nordrhein nur 24 Monate was Anderes.
McLaren422
01.07.2023, 17:30
Aus Erfahrung kann ich sagen, dass eine gut organisierte Strahlentherapie eine gute Work/Life Balance bietet. Klar, man muss auch viel arbeiten, aber man macht deutlich weniger Überstunden und hat selbst in der Klinik nur Rufdienste, wo man aber sehr selten angerufen wird.
Gut ist auch Nuklearmedizin, was Arbeitsbedingungen angeht.
Mach auf keinen Fall Innere in der Klinik. :D
ein Freund von mir macht Strahlentherapie und der ist sehr glücklich mit seinem Life (allerdings in Österreich). Meinte selber, dass er sich nie für das Fach aus Interesse entschieden hätte, es aber mitlerweile nicht bereut weil es so entspannt ist. Und er hat jetzt sogar Freude am Fach gefunden.
Egal was man macht, man wird einen Großteil seines Lebens auf der Arbeit verbringen. Was diesbezüglich am besten ist, hängt ganz wesentlich davon ab, was einem wichtig ist - und das ist extrem individuell. Der Knackpunkt ist, dass man diese Aspekte herauskristallisieren kann. Dann beantwortet sich die Frage von selbst und man weiß zumindest, was man idealerweise machen sollte. Ob man dort dann eine Stelle kriegt, ist eine andere Frage. Ortspräferenzen spielen da für manche vielleicht auch eine Rolle. Sind diese Dinge klar, entscheiden letzten Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt darüber, wofür man sich am Ende entscheidet.
Egal was man macht, man wird einen Großteil seines Lebens auf der Arbeit verbringen. Was diesbezüglich am besten ist, hängt ganz wesentlich davon ab, was einem wichtig ist - und das ist extrem individuell. Der Knackpunkt ist, dass man diese Aspekte herauskristallisieren kann. Dann beantwortet sich die Frage von selbst und man weiß zumindest, was man idealerweise machen sollte. Ob man dort dann eine Stelle kriegt, ist eine andere Frage. Ortspräferenzen spielen da für manche vielleicht auch eine Rolle. Sind diese Dinge klar, entscheiden letzten Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt darüber, wofür man sich am Ende entscheidet.
Klingt interessant! Kannst du mir verraten wie man dies für sich selbst herausfinden kann?
Das ändert sich auch im Laufe der Karriere. OK, wenn ich bin Anfang an weiß, dass ich mich nicht zu Tode arbeiten oder Karriere machen will, fange ich nicht an einer Uniklinik an. Aber ich zum Beispiel wollte früher gern alles in der Unfallchirurgie operieren können von Kindern über Wirbelsäule bis Handverletzungen. Dann habe ich eine Familie gegründet. Operieren macht mir immer noch viel Spaß, aber ich könnte auch damit leben, nicht alles zu können und dafür mehr Freizeit zu haben an einem kleineren Haus.
Tramaldol
02.07.2023, 09:46
Ich glaube diese Frage wurde hier schon sehr oft gestellt. Es ist letztendlich ein Kompromiss zwischen Interesse am Fach und guten Arbeitsbedingungen. Was bringt mir ein spannendes Fach, das schlechte Arbeitsbedingungen bietet? Was bringt mir ein für mich persönlich extrem langweiliges Fach, was aber gute Arbeitsbedingungen liefert? Irgendwo muss man für sich die Mitte finden.
Das ändert sich auch im Laufe der Karriere. OK, wenn ich bin Anfang an weiß, dass ich mich nicht zu Tode arbeiten oder Karriere machen will, fange ich nicht an einer Uniklinik an
Wer sagt denn, dass man sich unbedingt in einer Uniklinik zu Tode arbeitet. Zutreffend auf jeden Fall für die beliebten, kompetitiven Fächer wie UCH/Chirurgie oder Innere in der FA-Ausbildung.
Du kannst auch Arbeitsmedizin oder Hygiene/Mibi/Labor in der Uni machen. Oder im "exotischem" Fach wie Nuk oder Derma, wird die komplette FA-Ausbildung fast nur noch an großen Kliniken (also Uniklinik oder großer Maximalversorger) angeboten. Trotzdem wird man keine kräftezehrenden 24h Anwesenheitsdienst in den Fächern finden.
Trial and Error - manche erwischen gleich das richtige, andere wechseln, notfalls auch mehr als einmal. Je weniger Ärzte es gibt und je mehr der Bedarf wächst, desto größer werden auch die Chancen werden selbst mit suboptimalem Lebenslauf irgendwann einen Job zu finden, vor allem wenn man örtlich flexibel ist. Egal um welches Fach es geht.
Schwieriger wird es, wenn man Consulting oder Pharma als Ziel hat; aus heutiger Sicht würde ich gleich dort anfangen. Leider habe ich das Gefühl, dass da ab einem gewissen Punkt der Zug abgefahren ist.
Solange du aber ärztlich tätig werden willst, kannst du erstmal fast nichts falsch machen.
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