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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bewerbungen: Wie ehrlich sollte man im Anschreiben sein?



hubiomed
12.07.2023, 11:23
Hey, ich habe hier viele Threads zum Thema Bewerbung bereits überflogen, aber die 2 Fragen, die ich habe, wurden hier meines Wissens noch nicht beantwortet. Und wenn doch: könntet ihr mir dann bitte den Link dazu geben?

1) Zum Thema Ziele einer Weiterbildung: angenommen man möchte (aus privaten Gründen) mit allgemeiner Innere zunächst irgendwo an einem kleineren Haus anfangen, wo es ja meistens schwerpunktmäßig eigentlich nur Gastro, Kardio und Pulmo gibt - und man eigentlich weiß, dass man eine andere Spezialisierung machen möchte (z.B. Rheuma, Nephro oder Infektio): Sollte man ehrlich sein und sagen, dass man aktuell gerne an einer soliden "Basis"-Weiterbildung Innere interessiert ist, und dann aber später seine Weiterbildung in dem entsprechenden Fach fortsetzen möchte, oder schreibe ich (und spreche das auch dann entsprechend bei Bewerbungsgespräch so an), dass ich z.B. total begeistert von der Kardiologie bin und Kardiologe werden möchte? Ich kann mir vorstellen, dass die Leute dann entsprechend nicht mehr so wirklich daran interessiert sind mir möglichst viel beizubringen, da sie ja wissen, dass ich bald sowieso "abspringen" werde, oder? Aber lügen möchte ich irgendwie auch nicht wirklich...

2) zum Thema Teilzeit: in einigen Stellenanzeigen wird AiW in Voll- oder Teilzeit geschrieben, in einigen wiederum nicht: ich bin jetzt aktuell (für ca. 1 Jahr wahrscheinlich) wg. Kinderbetreuung noch an Teilzeit (60%) gebunden, weiß aber nicht, ob ich das direkt ins Anschreiben schreibe bei einer Stelle, die mit "Vollzeit" ausgeschrieben ist. Was meint ihr? Sollte ich nichts erwähnen und das erst im Bewerbungsgespräch ansprechen?


Danke schonmal :)

Endoplasmatisches Reticulum
12.07.2023, 11:41
lügen möchte ich irgendwie auch nicht wirklich...
Ehrlichkeit wird bei Bewerbungen nicht belohnt. Gewöhn dich dran.


Sollte ich nichts erwähnen und das erst im Bewerbungsgespräch ansprechen?
Dazu kann man sicherlich geteilter Meinung sein. In diesem Fall würde ich eher dazu neigen, es im Anschreiben schon zu erwähnen. Denn wenn die Abteilung eigentlich keine Teilzeit möchte und man dir am Ende die Stelle deshalb nicht gibt, hast du Zeit und Geld verschwendet. Wenn sie aber in Teilzeit kein Problem sieht, wird eine etwaige Einladung nicht daran scheitern, dass du es von Anfang an erwähnst.

Alternativer Ansatz: Wie wichtig ist dir Teilzeit? Wenn du dir auch Vollzeit vorstellen kannst aber Teilzeit lieber hättest, kann es taktisch klüger sein, das erst vor Ort anzusprechen. Wenn du definitiv Teilzeit und nichts anderes willst, direkt erwähnen.

cls
12.07.2023, 12:18
1) Ich würde keine Spezialisierung erwähnen, die da auch nicht angeboten wird. Die meisten fangen ja erstmal mit Innere an, ohne zu wissen, welche Spezialisierung es am Ende wird. Deswegen würde ich einfach das Interesse an Innere Medizin hervorheben und dass Du Dir erstmal alles anschauen willst, Dir alle Optionen offen halten möchtest. Dies gilt vor allem, wenn es nur einen Chefarzt für Innere Medizin gibt.

Bei größeren Häusern hat ja meist jede Spezialisierung ihren eigenen Chef. Da sollte man ggf. schon eher so tun, als würde man diese Spezialisierung anstreben. Bis man dann wirklich die spezifischen Skills lernt, dauert es eh Jahre. Man erhält aber vorher unter Umständen die Unterstützung des Chefs, wenn es um Rotationen oder ähnliches geht, und Du wirst nicht gleich aufs Abstellgleis gestellt. Macht das Leben um vieles leichter. (Gilt besonders für Allgemeinmediziner, die nur ihre Klinikzeit absolvieren - hat mein Hausarzt am eigenen Leib erlebt; versprochene Rotationen wurden nicht mehr eingehalten, als jeder erfahren hat, dass er Allgemeinmedizin machen möchte.)

2) Wenn es auf jeden Fall Teilzeit werden soll, dann unbedingt erwähnen, auch auf Stellen, die nur Vollzeit drin stehen haben. Wenn Teilzeit dann doch eine Option für die Stelle ist, bekommst du eine Einladung.

Lightyagami
12.07.2023, 19:25
[QUOTE=Endoplasmatisches Reticulum;2263372]Ehrlichkeit wird bei Bewerbungen nicht belohnt. Gewöhn dich dran.


This.
Ich würde mir auch verkneifen die Wahrheit offen zu legen. Du hast nichts zu gewinnen und im Schlimmsten Fall, kann es negativ gegen dich verwendet werden.
Ich würde das ganze skrupellos nach meinem Benefit durchziehen. Machen Kliniken/Chefs ja auch nicht anders.

mbs
30.07.2023, 16:02
Wenn etwas negativ ist, sollte man nicht übermäßig im Anschreiben darauf eingehen - meiner Meinung nach zumindest. Man addressiert dieses ja an eine Art "Black Box", und es ist nur die Eintrittskarte zu einem Gespräch vor Ort oder weiteren Recruitingrunden. Dort lässt sich dann auch leichter einschätzen, in welchem Licht man Dinge präsentiert und wie man ungünstige Details im Lebenslauf begründet.
Objektive Daten sollte man nie fälschen - aber was zählt ist ja auch vor allem die Bedeutung die man diesen gibt, wie man manches begründet oder interpretiert. Da muss das Gesamtbild stimmig sein, und man muss auf Signale vom Gegenüber achten worauf er am ehesten anspringt. Wenn man es kann zumindest - es gibt Techniken die man lernen kann, aber wenn man da intuitiv nicht so begabt ist bleibt es immer schwierig.