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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anästhesie Assistenzarzt



Smileyri
12.07.2023, 21:41
Hallo, ich habe vor kurzem erst mein M3 bestanden und muss mich nun auf die Suche einer Assistenzarztstelle machen. Mein Wahlfach war Pädiatrie und ich war dort absolut unglücklich. Dementsprechend habe ich mich jetzt für Anästhesie entschieden als Facharztausbildung. Nun habe ich dazu allerdings einige Fragen, da ich in der Anästhesie bisher kaum Erfahrungen sammeln konnte.
Zum einen: wie gut stehen die Chancen an einer Uniklinik angenommen zu werden ohne Vorerfahrungen in der Anästhesie? (ich hab vor 3 Jahren mal eine Famulatur dort gemacht, aber dort habe ich selber nicht viel machen können). Eine Doktorarbeit habe ich ebenfalls nicht. Könnte man Notfalls auch erstmal peripher anfangen und dann an eine Uniklinik wechseln oder ist das noch schwieriger?
Und dann noch die Frage zu den Diensten bzw. Auch der Einarbeitung in der Anästhesie: ab wann musstet ihr Dienste machen? Insbesondere Nachtdienste? Und wie lange wurdet ihr eingearbeitet bis ihr selbstständig arbeiten konntet bzw. euch auch sicher dabei gefühlt habt?

Einerseits bin ich mir inzwischen absolut sicher, dass ich in der Anästhesie arbeiten möchte, andererseits ist es super viel Verantwortung und ich habe etwas Angst da total unvorbereitet auf Patienten losgelassen zu werden ohne vorher gut eingearbeitet zu werden 😅

alphamethyldopa
12.07.2023, 22:20
Um das Stellenangebot in der Anästhesie an der Uniklinik brauchst du heutzutage eigentlich gar keine Gedanken machen.

Aber die Frage ist eher eine andere - warum Uniklinik? Muss das denn sein? Wenn die Qualität der Weiterbildung ausschlaggevend ist, bist du in einigen Maxversorgern und mittelgroßen Regelversorgern genauso gut aufgestellt. Wenn nicht sogar besser - im kleineren Haus kommst du früher an die coolen Sachen ran.

Wann der erste Dienst ist - je nachdem, was der klinikinterne Curriculum vorsieht. Man wird aber im Grunde stückweise rangeführt. Pauschal lässt sich nur eins sagen - kein blutiger Anfänger macht alleine die Nachtschicht. Man muss zwangsläufig Paar Dinge gesehen haben bevor man in die Nächte geschickt wird (im mittleren bis großen Regelversorger dauert das umso mehr, ein Jahr bis zur ersten Nacht in etwa, weil man ja halt nachts alleine ist und das Spektrum doch recht groß).

Ach ja Doktorarbeit - das ist in einigen spießigen Häusern schon ein Thema, das sie halt den Dr. vor dem Namen schon sehen wollen, falls aus dir ordentlich was werden sollte. An den Unis kommt man so neben der Arbeit eher zu dem Doktor als woanders. Die Frage ist auch da - muss das denn sein? Den Doktor haben, nur damit der Chef glücklich ist, oder damit du glücklich bist

Smileyri
12.07.2023, 22:38
Okay danke das beruhigt mich etwas :D

Prinzipiell müsste Uniklinik nicht sein, aber in meinem PJ wurden alle spannenden Fälle an die Uni geschickt und das fand ich schon etwas traurig �� außerdem habe ich letztens an einer Info Veranstaltung für Ärzte ohne Grenzen teilgenommen und dort wurde gesagt dass die Ausbildung an einer Uniklinik schon vorteilhaft sein kann, weil dort teilweise schwierigere Fälle behandelt werden müssen. Und ich möchte unbedingt Teil von MSF werden langfristig gesehen.

Gut zu wissen mit den Diensten. Eine Freundin von mir hat in der Pädiatrie angefangen und musste nach etwa sechs Wochen schon alleine Nachtdienste machen und das hat mich etwas schockiert, deshalb hatte ich etwas Sorge, dass es in der Anästhesie ähnlich laufen könnte ��

Doktor muss prinzipiell nicht sein, deshalb hab ich auch während des Studiums keine Doktorarbeit angefangen, aber ich hab mir an manchen Unis die Forschungsthemen angeschaut und fand einige doch sehr spannend. Also ich könnte es mir neben der Arbeit schon vorstellen noch an der Promotion zu arbeiten, allerdings war meine größere Sorge eher, dass ich aufgrund der nicht vorhandenen Promotion keine Stelle bekommen werde

davo
12.07.2023, 22:54
Aus meinem Semester haben echt viiiele in der Anästhesiologie angefangen. Ganz unterschiedliche Studenten mit ganz unterschiedlicher Arbeitseinstellung. Sehr viele davon haben ohne Probleme eine Uni-Stelle gefunden, ganz egal ob sie Vorerfahrung im Fach hatten oder nicht. Es ist einfach ein sehr großes Fach mit sehr vielen Stellen. Da musst du dir also echt keine Sorgen machen.

alphamethyldopa
12.07.2023, 23:00
Ach das ist doch lauter Schmarn von der MSF, sie werden mit Sicherheit keinen pfiffigen Anästhesisten mit entsprechender Erfahrung ablehnen, nur weil kein Uni-Kind.

Na, lass dir da nix erzählen. Für MSF und andere karitative Auslandseinsätze braucht man kühlen Kopf, flexible Denkweise und Stressresistenz. Und klinische Erfahrung. Was man da sicherlich nicht braucht ist die "was kostet die Welt" state-of-the-art Medizin mit allen Annehmlichkeiten eines gut bestückten Transplantationszentrums.

Re: Doctorarbeit und keiner nimmt dich ohne: Heute hast du das Glück, dass der Arbeitgeber dir gefallen muss, und nicht nur du dem Arbeitgeber. Viele Chefs haben den Knall nicht gehört, und erwarten immer noch, dass man mit reiner Dankbarkeit die Stelle antritt. Wenn du aber halbwegs ein geordneter Mensch bist, kriegst eine anständige Stelle überall.

Und lass dir nicht erzählen, nur Uni kriegt die spannenden Fälle. Ja, mag sein, Narkose bei seltenen Erkrankungen macht ja nicht jede Kreisklinik, aber auch an den NichtUnis gibt es die eine oder andere Klinik mit anästhesiologisch spannendem Fokus (zB große Thoraxchirurgie, oder Leberzentrum, oder Kinderchirurgie, oder mobiles ECMO Team, oder Neugeborenen-Notarzt am Haus....)

Smileyri
12.07.2023, 23:08
Genau deshalb habe ich mir so viele Sorgen gemacht, weil ich auch sehr viele kenne, die in der Anästhesie anfangen und dort auch schon im PJ Erfahrungen sammeln konnten. Je beliebter ein Fach, desto schwieriger ist es ja dort eine Stelle zu bekommen. Aber wenn in deinem Semester auch alle eine Stelle bekommen haben ohne Vorerfahrungen, dann klingt das ja schonmal vielversprechend ��

Smileyri
12.07.2023, 23:15
Ja das stimmt wohl. Ich hab auch schon öfter gehört, dass man an peripheren Häusern besser ausgebildet wird, einfach weil sich mehr Zeit genommen wird für die Ausbildung. Ich schätze mal ich bewerbe mich einfach mal an verschiedenen Häusern und hospitiere dort jeweils und entscheide mich dann. Wenn mich die Uniklinik nicht nimmt hat sich das ja eh erledigt und ansonsten befrage ich am besten die Assistenzärzte ��
Aber das hat mir jetzt auf jeden Fall sehr viel Druck genommen. Insbesondere den Druck unbedingt an einer Uniklinik anzufangen! Danke dafür �� und das stimmt natürlich, dass es noch weitere Maximalversorger gibt außerhalb der Uniklinik. Mein PJ war auch an einem kleinen Haus. Vielleicht hätte ich an einem größeren peripheren Haus auch spannendere Fälle gesehen.

alphamethyldopa
13.07.2023, 08:40
Ich schätze mal ich bewerbe mich einfach mal an verschiedenen Häusern und hospitiere dort jeweils und entscheide mich dann. Wenn mich die Uniklinik nicht nimmt hat sich das ja eh erledigt und ansonsten befrage ich am besten die Assistenzärzte.

Jawohl, genauso würde ich das machen.
Und bei Bewerbungsgesprächen und Hospitationen sagt einem das Bauchgefühl da auch doch was, darauf ist auch unbedingt zu hören. Viel Erfolg!

Olive86
13.07.2023, 18:14
Persönliche Erfahrungen, angefangen in einem mittelgroßen Haus, dort gut vorangekommen insbesondere große Thoraxchirurg, viele intrathorakale Narkosen selbst gemacht, dann Kinderchirurgie mit Neo Level 1 im Haus, und ACH, UCH, GYN, GCH.
Dann an einen Maximalversorger (keine Uni) gewechselt aus Interesse, war für mich super!
Unterm Strich kochen alle mit Wasser, bzw in der Anästhesie haben alles das gleiche Propofol ;)
Würde ich jederzeit so wieder machen

tragezwerg
14.07.2023, 04:45
Also, Stellen sind in der Anästhesie eigentlich überall frei. Von daher brauchst du dir keine Sorgen zu machen, ne Stelle zu finden.
Bezüglich Wahl der Klinik: Ich hab am kleineren Haus angefangen (500 Betten) und dann im 3. WBJ an eine Uniklinik gewechselt. Quereinsteiger sind immer gern gesehen, dass man dann nicht mehr eingestellt wird ist ein Gerücht.
Ich würde es wieder so machen, die Kombi aus kleinerer Klinik mit vielen kürzeren Narkosen, viel Regionalanästhesie und viel Selbstständigkeit im Dienst, gefolgt vom breiten Spektrum der Uniklinik war sehr gut.

Teevee
17.07.2023, 12:24
Ich wiederum fand den Beginn an einem großen Haus mit relativ enger Begleitung der „Neulinge“ sehr angenehm, da man viel beigebracht bekommen hat. Jeder OA hatte seine eigenen Vorlieben, so dass man aus unterschiedlichen Stilen das Beste für sich raussuchen konnte. Mit dem Wechsel an ein kleines Haus kam dann verstärkt das selbständige Arbeiten und Verantwortung für die eigenen Entscheidungen übernehmen in den Fokus.

Am kleinen Haus besteht ggf die Gefahr, dass man, wenn man frühzeitig aus dem Nest geworfen wird und viel ohne Begleitung „fliegen“ muss, auch falsche Gewohnheit entwickelt bzw. nicht gut genug auf alles achtet. Außerdem sieht man an einem Maximalversorger dann doch mehr schwerere Sachen.

Es geht sicherlich beides, jede Variante, ob man nun am großen oder kleinen Haus beginnt, hat ihre Vor- und Nachteile. Man sollte es nur im Hinterkopf behalten und sich zB am kleinen Haus nach dem Einarbeitungs- und Teachingkonzept erkundigen (schadet am großen aber auch nicht..).

kartoffelbrei
17.07.2023, 14:49
Ich glaube, dass die Qualität der Einarbeitung / Betreuung nicht davon abhängt, wie groß das Haus ist. Ich habe in einem Maximalversorger angefangen, in dem man teilweise von Leuten eingearbeitet wurde, die selbst erst seit 6 Monaten Anästhesie gemacht haben, weil die Oberärzte (bei Personalmangel - also quasi immer) selbst einen eigenen Saal mit komplexen Fällen betreut haben.
Und dann hat man sich in der Abteilung gewundert, wenn Standards nicht eingehalten wurden ("so unterrichten wir das aber nicht")