Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Beste Klinik für Assistenzarzt Augenheilkunde
Koersche
16.07.2023, 18:01
Hallo,
ich absolviere demnächst mein M3 und wollte mal nachfragen, welches die besten Klinik für die Assistenzarztzeit in der Augenheilkunde sind. Ich würde sehr gerne schon in der Assistenzarztzeit operativ tätig sein, aber dies wird vermutlich leider nichts. Dennoch würde es mich interessieren, an welchen Kliniken man als Assistenzarzt gut ausgebildet wird.
Vielen Dank schon mal für die Antworten! :)
Thomas24
16.07.2023, 20:04
Moorfields Eye Hospital, Mass. Eye and Ear, Johns Hopkins, Bascom Palmer.
Ne, mal im Ernst: was meinst du überhaupt mit "beste Klinik"?? Bezogen worauf?
Meiste Reputation? Größtes Spektrum? Gutes Teaching? Forschungsmöglichkeiten? Angenehme Arbeitsbedingungen?
Koersche
16.07.2023, 20:20
Sorry für die nicht so konkrete Formulierung :D
Meine das bezogen auf gutes Teaching und großes Spektrum, sodass man über alles einen guten Überblick bekommt.
Und meine das bezogen auf Deutschland.
FuchsiBuchsi
17.07.2023, 11:44
Hab ich da was verpasst, dass man sich inzwischen in der Augenheilkunde die Kliniken "aussuchen" kann? :-notify
Meines Wissens ist das doch auch 2023 eher ein Nimm was du kriegen kannst :-keks
Thomas24
17.07.2023, 11:56
Na, das hat sich mittlerweile doch stark relativiert. Selbst ehemalige "Kaderschmiden" sehen sich mittlerweile wohlwollend Bewerbungen von Leuten an, die vor ein paar Jahren direkt ungelesen in der runden Ablage (aka: Papierkorb) gelandet wären.
Thomas24, wie siehst du die zukünftige Qualität der Augenheilkunde bezüglich dieser Entwicklung?
Thomas24
18.07.2023, 13:36
In den letzten Jahren hat die Qualität der stationären Versorgung IMHO nachgelassen. Dies ist aber nicht allein das Ergebnis des Personalmangels, sondern der Mangelverwaltung an vielen Stellen- zudem hat die stationäre Augenheilkunde spezifische Herausforderungen, die so in anderen Fachbereichen zumindest in dem Ausmaß (noch) nicht auftreten.
Jedenfalls bemerkt man als Niedergelassener durchaus, die nachlassende Versorgungsqualität gewisser Kliniken. Es fängt an banalen Dingen an (fehlende Dokumentation, entweder gar keine Briefe oder sehr (!!) verspätet eintreffende Briefe, die dann auch inhaltlich oft falsch sind- und offensichtlich nie zur Korrektur gelesen wurden, Seitenverwechslungen, Therapieschema mit inkompatiblen oder redundanden Wirkstoffen usw.), sowie dem Feedback der Patienten, die man zur Klärung einer spezifischen Fragestellung in eine Klinikambulanz geschickt hat- und die oft genug zurück kommen, ohne irgendeinen Befund erhalten zu haben, bzw. die Fragestellung nicht beantwortet wurde, was zur Folge hat, dass der Patient *nochmal* dorthin muss. Funkel kann aus ihrer Tätigkeit beim Med. Dienst sicher auch die ein oder andere Story über die Versorgungsqualität gewisser Kliniken (Jugend forscht?) nennen, bei denen, eher kuriose, äh, innovative Therapievorschläge gemacht werden...
Nun ist es kein Naturgesetz, dass aus mittelmäßigen in- bzw. ausländischen Absolventen auch mittelmäßige Kliniker bzw. Fachärzte werden müssen- unter den richtigen Voraussetzungen (ausreichende Personaldecke, ausreichende Teaching Kapazitäten von Fach- und Oberärzten, usw.) kann man im Rahmen der FA Weiterbildung viele Defizite wegtrainieren bzw. fachlich durchaus adäquate Fachärzte trainieren- es kostet Seitens der Kliniken nur Zeit, Mühe, Geld und Man Power, sowie Seitens des WBA: Zeit, Mühe und die Bereitschaft, sich seiner Defizite bewusst zu sein und daran arbeiten zu wollen. Gerne auch auf Kosten der Wochenenden, sowie der Freizeit (Kurse, Fortbildung, Literatur, Sprachtraining usw.). Nur sehe ich unter den gegebenen Rahmenbedingungen (zunehmende Verdichtung der Arbeitsleistung bei stagnierender Personaldecke infolge abnehmender Erlössituation) eher schwarz.
Im niedergelassenen Sektor kennt man die Kliniken der Umgebung und die Stärken und Schwächen dort recht gut und kann seine Patienten gezielt überweisen. Zudem hat man ja für Problemfälle im Regelfall einen "heißen Draht" zu den oberärztlichen Kollegen bzw. Chefs, die man noch aus der gemeinsamen Ausbildungszeit kennt oder aus Fortbildungen immer wieder sieht. Aber ich bekomme zunehmend gespiegelt, dass diese Kollegen selbst oft nur noch Mangelverwaltung bzw. Feuerwehr spielen dürfen, um die gröbsten Katastrophen zu verhindern und im Zuge dessen oft resignieren, ausbrennen und einen Exit suchen. Was sehr fachlich und menschlich sehr schade ist - und für die betroffene Klinik eine Katastrophe. Oft werden beim Weggang einer solchen Kapazität tatsächlich gravierende Fähigkeitslücken hinterlassen und der dann nachwachsende "Jung OA", oft aus den eigenen Reihen rekrutiert- wird dann erstmal ein paar Jahre seine operativen Skills an den GKV Patienten ausbauen dürfen, mit dem entsprechenden Outcome :(
In der Breite und oberflächliche betrachtet, ist im Jahr 2023 im Großen und Ganzen noch alles ok. Aber bereits heute gibt es hier und da Regionen in Deutschland, wo man- zumindest für mein Fachgebiet- von einer flächendeckenden Unter- bzw. Fehlversorgung sprechen kann. Selbst in großstädtischen Umgebungen, kann es vorkommen, dass in einigen MVZs teilweise nur wechselnde ärztliche Versorgung (teilweise auf nicht muttersprachlichem Niveau) gewährleistet werden kann. Differenzierte Patienten sind da durchaus alert und bekommen das mit. Im Regelfall wollen diese Patienten eine kontinuierliche Betreuung durch *denselben* Arzt, mit dem Sie eine Vertrauensbasis haben. Eben keine wechselnde Betreuung, bei der bei jedem Besuch jemand anders da sitzt.
Ich nehme zunehmend wahr, dass selbst bei GKV Patienten -zumindest in meiner Region- die Bereitschaft zunimmt, für eine höherwertige Versorgung eine Zuzahlung zu leisten, bzw. eine Selbstzahlerleistung in Anspruch zu nehmen.
Ich nehme an, dass es in einigen Jahren auch im niedergelassenen Bereich zunehmend Kollegen geben wird, die eher durchschnittlich ausgebildet wurden, sich seitdem nie verbessert haben und überspitzt formuliert aus ihrem "3 -5 Diagnosen Fundus" schöpfen werden (gerne im gut dotierten Angestellten Verhältnis in einer privaten MVZ Gruppe)- und eine andere Gruppe, die sich qualitativ deutlich davon abhebt. Erstere werden auch ihr Auskommen finden. Für letztere werden Patienten bereit sein, einen Aufpreis zu bezahlen (Selbstzahlerleistungen, Privatsprechstunden etc.). Die Tendenz sehen wir jetzt schon in den Grundzügen. Und nun, back to Topic...
Dann seit ihr in eurem Fach noch recht gut aufgestellt, anders als in meinem. Bei uns gibt es nämlich schon lange, zumindest in weiten Regionen, kaum noch ausbildungsbefähigte OÄ und CÄ. Nicht nur, weil sie keine Lust dazu haben, sondern schlicht zu wenig Ahnung/Kenntnis. Vor dem, was da derzeit und in Zukunft durch die FA-Prüfung geschleift wird, graut mir, denn von Kollegen, die selbst nicht viel können, kann niemand etwas lernen. Selbst möchte ich mich oder Angehörige/Freunde im Fall des Falles nicht in deren Behandlung (be)geben. Das war vor ca. 20 J. durchaus noch anders.
Thomas24
19.07.2023, 12:51
Na ganz so desolat ist die Situation bei uns -noch- nicht. Wobei ich auch manchmal als FA -Prüfer so staune, wer sich als FA reif empfindet und wie überschaubar es da bei einigen Aspiranten mit den Kenntnissen bestellt ist.
Passiert im Anschluss noch etwas darüber hinaus, dass die Prüflinge durchfallen? Werden Daten hinsichtlich WBBs oder Prüfende erhoben, ob es da Ausreißer gibt? Erfolgt eine Rückmeldung an die Personen mit WBB, z. B. die letzte Person, die weitergebildet hat und hat das Konsequenzen für die Verlängerung der WBB?
Feuerblick
19.07.2023, 17:54
Na ganz so desolat ist die Situation bei uns -noch- nicht. Wobei ich auch manchmal als FA -Prüfer so staune, wer sich als FA reif empfindet und wie überschaubar es da bei einigen Aspiranten mit den Kenntnissen bestellt ist.
In dem Fall finde ich eher erstaunlich, dass Weiterbilder solche Kandidaten als facharztreif bezeichnen. Immerhin müssen die ja ein entsprechendes Zeugnis ausstellen. :-nix
Thomas24
19.07.2023, 18:52
In dem Fall finde ich eher erstaunlich, dass Weiterbilder solche Kandidaten als facharztreif bezeichnen. Immerhin müssen die ja ein entsprechendes Zeugnis ausstellen. :-nix
Ach, du weißt ja, wie es in der Realität leider so ist. Papier kann sehr geduldig sein...
Espressa
19.07.2023, 19:07
Wir hatten mal einen ausländischen gastarzt an der Klinik, der lid-ops lernen wollte (bzw. sollte, deshalb war er da für die Dauer der Weiterbildung). Er ist bei der FA-Prüfung durchgefallen, und bekam die Auflage, noch ein Jahr in einer großen Praxis zu absolvieren - wohl um sicher zu gehen dass er sich nicht im OP vergnügt, sondern auch mal wirklich Augenheilkunde betreibt.
Koersche
20.07.2023, 13:07
Sehr interessante Beiträge, danke dafür!
Aber es wäre schön, wenn nochmal auf meine Frage eingegangen wird :)
Feuerblick
20.07.2023, 13:33
@Koersche: Es gibt schlicht keine Antwort auf diese Frage, da es nicht DIE Augenklinik gibt. Augenkliniken haben unterschiedliche Schwerpunkte, unterschiedliche Dienstmodelle… Manche haben ein festes Curriculum für ihre Weiterbildungsassistenten, manche nicht. Manche erwarten Forschung „nebenher“, manche nicht. An manchen Kliniken herrscht ein rauer Ton, man steht unter Druck und schrubbt ständig Überstunden. An anderen nicht. Gemeinerweise steht und fällt das meist mit dem Chefarzt/der Chefärztin. D.h. Nach einem Chefarztwechsel (und da tut sich derzeit einiges) kann das einstige Paradies zur Hölle werden und umgekehrt.
Die Idee, das gesamte Spektrum in guter bis sehr guter Ausführung zu sehen, wirst du begraben müssen. Klar, Unikliniken machen prinzipiell alles, aber sie haben ihre Schwerpunkte, in denen sie wirklich gut sind und der Rest läuft dann eher nebenher.
„Teaching“ ist nicht selten abhängig von einzelnen Personen. Ob man außer Chalazien und IVOMs im OP etwas machen darf, ist auch individuell.
Ich würde mir an deiner Stelle die Klinik nach Schwerpunkt und Örtlichkeit aussuchen und dann hospitieren.
Thomas24
20.07.2023, 15:07
Die Idee, das gesamte Spektrum in guter bis sehr guter Ausführung zu sehen, wirst du begraben müssen. Klar, Unikliniken machen prinzipiell alles, aber sie haben ihre Schwerpunkte, in denen sie wirklich gut sind und der Rest läuft dann eher nebenher.
In Ergänzung zu den Ausführungen von Feuerblick: auch langjährig etablierte Klinikschwerpunkte an Universitätskliniken können sich ändern, wenn die Heeresleitung sich ändert. Da wird aus einer langjährig etablierten Vorderabschnittsklinik mit überregionaler Bedeutung plötzlich eine Hinterabschnittsklinik... Nur weil die Fakultät beschlossen hat, eine(n) neuen Ordinarius mit exzellenter Forschungsvita, beeindruckender Publikationsliste und bestechender Drittmitteleinwerbung zu berufen, der klinisch aber einen gaaaanz anderen Schwerpunkt als der Vorgänger hatte... been there, done that.
Feuerblick
20.07.2023, 15:32
Dito… nur umgekehrt (renommierte Hinterabschnittsklinik wurde zum Vorderabschnitts-Haus).
Koersche
20.07.2023, 15:39
Welche Kliniken sind momentan renommierte Vorderabschnittskliniken?
Thomas24
20.07.2023, 20:17
UK Freiburg I. Br. (Reinhardt), UK Homburg an der Saar (Seitz), UK Köln (Cursiefen), UK Düsseldorf (Geerling) würden mir ad hoc einfallen. Cave: keine der genannten Kliniken ist für gute Work/Life Balance bekannt, insb. nicht bei Herrn Seitz und Reinhardt (wobei beide in den letzten Jahren deutlich altersmilder geworden sein sollen, wie man so hört) .
Feuerblick
20.07.2023, 21:57
Ich würde noch Heidelberg und Sulzbach (keine Uni) in den Ring werfen. Allerdings dürfte die Work-Life-Balance da auch eher so semi-gut sein.
Wobei an der Uni des Saarlandes die Work-Life-Balance früher wirklich gut war… man musste sich einfach nur gegen Chef durchsetzen und die Anweisung, keine Überstunden zu machen, SEHR genau umsetzen. Es gab da andere Stressfaktoren, die gut für ein Magengeschwür waren. :-))
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