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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : EKs über ZVK oder Port



FairMagic
21.07.2023, 18:11
Hey,

hab leider im Internet bisher nichts gefunden,was mich weiterbringt, deshalb versuche ich es mal hier.

Darf man Erythrozytenkonzentrate über nen ZVK oder Port-Katheter transfundieren?
Was ist die (physikalische) Grundlage/Rationale hinter der Antwort?

Danke für eure Antworten und Unterstützung!

ninakatharina
21.07.2023, 19:37
Wieso sollte man das nicht dürfen?
Die konventionellen Portnadeln haben nur kein sehr grosses Lumen, EK laufen da sehr lange.

Heerestorte
21.07.2023, 20:00
Man wird von der Pflege gerne mal dazu angehalten, es nicht über den ZVK zu machen, damit der nicht zuclottet, wenn da das Blut lange drin steht, wenn das EK durch ist. Deshalb lieber PVK oder Patienten schulen, zu klingeln, sobald das EK durch ist.

nie
21.07.2023, 22:37
Warum sollte man das nicht dürfen?

Wenn bei uns Patienten mit ZVK auf Normalstation liegen, dann haben sie den meistens weil sie einen miesen peripheren Venenstatus haben. Dementsprechend bekommen die selbstverständlich auch EKs über den ZVK weil genau dafür hab ich das Ding ja gelegt. Und auf den ITS kriegen die ihre EKs ja auch über den ZVK. Da legt dafür ja auch niemand eine Viggo. Port ist halt ein kleines Lumen und dauert oft ewig. Aber wenn’s jetzt kein Notfall ist, dann tröpfelt es halt im Schneckentempo da rein.

Schubbe
22.07.2023, 06:04
Port würde ich versuchen zu vermeiden, weil es eine Katastrophe ist, wenn der tatsächlich mal zu geht. Das Restrisiko reicht mir da. Am Ende ist das eine Abwägung. Bei anderen zentralvenösen Zugangen habe ich keine Bedenken.

Hantago
22.07.2023, 19:30
Onko-Patienten brauchen ja öfters mal eine EK. Wüsste nicht dass unsere Onkologen dann extra peripher stechen, die nehmen den Port.

Matzexc1
23.07.2023, 06:45
Mit Port habe ich wenig Erfahrung, bei ZVK immer patientennah anschließen und immer noch eine langsam laufende Rigeracetat/Nacl Infusion/Perfusorspritze parallel damit nach Dem EK die Leitung durchgespült wird.

Stuntman Mike
23.07.2023, 08:22
Mit Port habe ich wenig Erfahrung, bei ZVK immer patientennah anschließen und immer noch eine langsam laufende Rigeracetat/Nacl Infusion/Perfusorspritze parallel damit nach Dem EK die Leitung durchgespült wird.

So machen wir es in der Onkologie auch bei Ports…einfach nebenher eine NaCl o.ä. langsam laufen lassen, dann passiert nichts.

Brutus
23.07.2023, 12:45
Da kriegt der Transfusionsbeauftragte Blutdruck!
EK müssen IMMER alleine laufen! Auf keinen Fall dürfen EK mit Infusionen zusammen laufen! Und auf gar keinen Fall dürfen EK mit Vollelektrolytlösungen zusammen laufen.
Aus eigener Erfahrung (Haus): EK läuft über ZVK, an gleichem Schenkel läuft eine Infusion. Beides ohne Rückschlagventil: Infusion läuft in EK zurück, EK klumpt, wurde bemerkt, EK wurde verworfen.
Siehe als weiteres Beispiel Fall des Quartals beim BDA (CIRS AINS): www.cirs-ains.de/cirs-ains/publikationen/bda-und-dgai/fall-des-monats/903-2016-06-04-10-45-43.html

Zum Thema: Ort und Zugangsweg sind mir ziemlich egal: Viggo blau oder Viggo orange, ZVK oder Port oder Schleuse. Völlig egal, Hauptsache das EK läuft ALLEINE!

Matzexc1
23.07.2023, 12:52
Da kriegt der Transfusionsbeauftragte Blutdruck!
EK müssen IMMER alleine laufen! Auf keinen Fall dürfen EK mit Infusionen zusammen laufen! Und auf gar keinen Fall dürfen EK mit Vollelektrolytlösungen zusammen laufen.
Aus eigener Erfahrung (Haus): EK läuft über ZVK, an gleichem Schenkel läuft eine Infusion. Beides ohne Rückschlagventil: Infusion läuft in EK zurück, EK klumpt, wurde bemerkt, EK wurde verworfen.
Siehe als weiteres Beispiel Fall des Quartals beim BDA (CIRS AINS): www.cirs-ains.de/cirs-ains/publikationen/bda-und-dgai/fall-des-monats/903-2016-06-04-10-45-43.html

Zum Thema: Ort und Zugangsweg sind mir ziemlich egal: Viggo blau oder Viggo orange, ZVK oder Port oder Schleuse. Völlig egal, Hauptsache das EK läuft ALLEINE!

Interessant, in meinem Haus erhöht das den Butdruck nicht, es ist auch die Frage wie du die Infusion einstellst, hast du einen Nacl perfusor der 1ml/h infundiert oder eine voll aufgedrehte Infusion.

nie
23.07.2023, 13:22
Hier ist es tatsächlich auch ein No-Go, eine Infusion (egal welcher Art) gleichzeitig mit dem EK über einen Schenkel laufen zu lassen. Hab ich so auch nie gesehen. Auf der ITS wird sogar umgesteckt um einen Schenkel für die EKs frei zu machen.

Endoplasmatisches Reticulum
23.07.2023, 13:29
.....

Stuntman Mike
23.07.2023, 14:00
Zu den Elektrolytlösungen: War da nicht irgendwas mit Hypoosmolalität lässt Erys platzen und Calcium kann Gerinnung triggern?
In der Theorie sollten EKs tatsächlich alleine laufen. Die Begründung ist mir persönlich allerdings nicht klar. Warum sollte eine isotone Elektrolytlösung die Erys platzen lassen? Aqua sollte man also vielleicht nicht nehmen, aber sonst… wie gesagt, wird bei uns so praktiziert und es ist zumindest kein messbarer Schaden entstanden.

Brutus
23.07.2023, 16:41
Dennoch wirft dieser Fall mehrere interessante Fragen und Antworten auf:
Frage 1: Dürfen Blutpräparate und Infusionen gemischt werden?
Antwort: NEIN, gemäß Hämotherapierichtlinie 4.10.1[4] dürfen Blutprodukten vom Anwender keine Medikamente bzw. Infusionslösungen beigefügt werden.

Frage 2: Dürfen Blutkomponenten untereinander gemischt werden?
Antwort: Eigentlich NEIN, da wir eine eventuelle Transfusionsreaktion nicht oder schwer einem Produkt zuordnen können. Da diese Frage bei einer Massivtransfusion von untergeordneter Bedeutung ist und es um das Überleben geht, ist sie nachrangig. Wenn es die Situation erlaubt, bitte nicht mischen.

Frage 3: Kommt es bei Mischung von kalziumhaltigen Infusionslösungen zur Koagelbildung?
Antwort: Eindeutig JA, da die Antikoagulanz in der Lagerungslösung von Blutplasma und Erythrozyten durch die überschießende Zugabe von Gerinnungsfaktor IV- Kalzium antagonisiert wird. Lediglich Plasma enthält heutzutage nennenswerte Mengen an Citrat (bis zu 40ml CPD (Citrat, Phosphat, Dextrose)), Erythrozytenkonzentrate und der größere Teil der Thrombozytenpräparationen haben neben einem vernachlässigbaren Gehalt an Citrat (CPD in EK 2-5ml, TK bis zu 20ml) zu einem Drittel Additivlösung (SAG-oder PAGGS-Phosphat, Adenosin, Glukose, Guanosin, Mannitol).
Siehe auch o.g. Link!
Und selbst wenn es ginge (z.B. EK und NaCl zusammen laufen lassen), ich verweise hier auf die Hämotherapierichtlinie der BÄK und das Transfusionsgesetz! Es ist ja wirklich wenig in der Medizin GESETZLICH geregelt. Aber Transfusionen sind es. Und da sollte man sich schon an das TFG und die Richtlinien (Gesetzescharakter!) halten.
Und wenn man sich die CIRS Meldung ansieht, dann sollte man noch mehr in sich gehen. Denn da ist ja anscheinend nicht EINMAL was koagelt, sondern regelmäßig bei Anwendung des Rapid Infusors II. :-nix

Edit: Anmerkung meinerseits: Die Koagel sind nicht durch das Druckinfusionsgerät entstanden, sondern durch die nicht erlaubte Mischung von EK mit Infusionslösungen im Rahmen der Massivtransfusion im Sammelbehälter des Geräts!

abcd
23.07.2023, 19:47
https://www.aerztekammer-bw.de/haemotherapie

anignu
24.07.2023, 00:11
Aber dann kann man sich ja in Bezug auf die Ausgangsfrage auf folgendes einigen:
- EK über Port und ZVK sind möglich, aber nicht unbedingt ideal weil der entsprechende Schenkel beim ZVK oder der Port clotten kann und das dann blöd ist. Beim Port mehr als beim 3lumigen ZVK.
- Unbedingt alleine laufen lassen, egal ob ZVK, Port oder Nadel, und erst wenn komplett durchgelaufen nachspülen
- Idealerweise Rückschlagventil hernehmen

Brutus
24.07.2023, 07:39
Genauso. :-)

Immerweiter90
24.07.2023, 20:23
Lieber pvk. Es geht schneller. Und es ist nicht schlimm wenn es zugeht

Matzexc1
25.07.2023, 05:48
Lieber pvk. Es geht schneller. Und es ist nicht schlimm wenn es zugeht

Wenn möglich, auf der Intensiv ist das Patientenklientel nur bedingt geeignet.

Immerweiter90
25.07.2023, 15:50
Richtig aber die Pflege sollten hoffentlich auf den ZVK aufpassen und danach schnell durchspülen. Auf der normalen Station funktioniert das fast nie