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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Facharztwahl - unentschieden nach PJ



noname007
23.07.2023, 10:33
Liebe Ärztinnen und Ärzte,
nach langzeitigem Mitlesen möchte ich euch einige Fragen bezüglich der Facharztwahl nach dem Studium stellen, vielleicht waren einige von euch in derselben Situation wie ich jetzt und ihr könntet mir helfen:
- Ich bin gerade im PJ, Augenheilkunde-Tertial, und das Tertial geht bald zum Ende. Ich muss ehrlich sagen, dass ich das Tertial ziemlich toll finde. Die Arbeitsatmosphäre ist angenehm, die meisten Kollegen sind sehr nett, die Lehre ist gut, man kann als Student viel eigenständig arbeiten und auch viel gezeigt bekommen. Außerdem geht man in den meisten Fällen pünktlich nach Hause (Ärzte auch). Eigentlich ist mir die Zeit in dieser Abteilung die beste Studienzeit bezüglich der Lehre, die ich bisher im Studium/in Famulaturen erfahren habe. Nun gibt es nur ein Problem: ich interessiere mich für den Fach nicht großartig. Ich finde den Fach sehr spezifisch und habe ständig das Gefühl, dass man viel erworbenes Wissen im Medizinstudium über andere Organe in der Augenheilkunde nicht einsetzen kann. Deswegen bin ich eher unentschlossen, ob ich in diesem Fach nach dem M3 aufgrund der oben genannten Vorteilen tätig sein sollte (der Chef versucht momentan ein neues Team aufzubauen und stellt viele neue Ärzte ein, ich mache da auch einen ziemlich guten Eindruck und glaube, dass mein Chance da hoch ist, rein zu kommen). Auf der anderen Seite finde ich Neurologie fachlich auch interessant und vielfältig. Der Block Neurologie im Studium hat mich mit dem breiten Krankheitsspektrum sowie der körperlichen Untersuchung fasziniert und ich habe vor ein paar Semester eine 2-wöchige Famulatur in einer kleinen Neurologie Abteilung mit guter Betreuung gemacht. Die Famulatur damals fand ich toll, aber mit 2 Wochen konnte ich eigentlich nicht viel sehen. Was mich diese Fachrichtung abschreckt, sind die höhere Arbeitsbelastung, unzählige Dienste/Überstunden und das fehlende Work-Life-Balance, wie ich hier im Medi Learn Forum mehrmals in den Threads durchgelesen habe. Quasi alle Vorteile der Augenheilkunde sind weg und man hat fast kein Privat-Leben mehr. Ein Jahr in Augen wird nicht in Neuro anerkannt und umgekehrt auch nicht (ich bin 27 Jahre alt, also zu viel rumprobieren ist auch nicht mehr möglich).


Was würdet ihr an meiner Stelle tun?

Kurze Info zu mir: ich komme ursprünglich aus einem Nicht-EU Land und habe vor 6 Jahren in Deutschland mit dem Medizinstudium angefangen. Sprachliche Kommunikation mit Patienten sollte kein Problem sein. Wahrscheinlich werde ich eine gesamte Note 2 für alle drei Staatexamen bekommen. Eine Doktorarbeit habe ich in der Geriatrie/Innere Medizin gemacht und warte aktuell auf die erste Korrektur meiner Dissertation. Da habe ich auch als Erstautor ein Paper geschrieben und das Paper wurde auf einem Journal mit IF > 10 veröffentlicht. Also eine gute fertige Doktorarbeit habe ich in der Hand. Forschung und Lehre finde ich noch toll und möchte auch weitermachen (ich habe 5 Semester lang als Wissenschaftlicher Mitarbeiter mehrere Studien in der Geriatrie begleitet sowie die Lehre da an der Uni unterstützt). Niederlassungsmöglichkeit ist mir momentan eher zweitrangig, ich würde lieber eine Karriere in Klinik aufbauen (ob dieser Gedanke sich in Zukunft ändert, weiß ich nicht). Das ist auch ein der Gründe, warum ich Neurologie probieren würde, der Fach lässt sich später gut mit Geriatrie kombinieren. Das war auch für eine lange Zeit mein Hauptplan (also zuerst Neurologie, dann Geriatrische Zusatzweiterbildung). Würde ich mich jetzt für Augen entscheiden, müsste ich Geriatrie vergessen und das finde ich schade. Würde ich mich jetzt für Neuro entscheiden, könnte ich vielleicht die Belastung nicht ertragen und ein Jahr ginge verloren. Ich habe nach der Abi 3 Jahre meines Lebens bereits verloren (2 Jahre Medizinstudium in Heimatland, nichts wurde anerkannt, 1 Jahr Sprachkurs in Deutschland) und das Gleiche sollte nicht mehr passieren.

Ich bedanke mich bei euch für alle kommende Vorschläge.

Feuerblick
23.07.2023, 10:43
Dass du dein Wissen aus dem Studium in der Augenheilkunde nicht anwenden kannst, halte ich für ein Gerücht. Es sei denn, du möchtest einer dieser Schmalspurschamanen werden, die eine Erkältung nicht von einer Grippe unterscheiden können.
Im Gegenteil, viele ophthalmologische Krankheitsbilder haben systemische Ursachen, die man kennen und ggf. suchen muss. Neurologie, Innere, HNO… aus all diesen Ecken brauchst zu für gute Augenheilkunde dein Wissen.
Bietet die Klinik, in der du anfangen würdest, denn Forschungsmöglichkeiten? Neue Chefs haben ja sehr oft Ambitionen und unterstützen ambitionierte Weiterbildungsassistenten.

Andererseits ist ein „verlorenes“ Jahr kein Drama. Wenn du schauen willst, ob die Neuro etwas für dich ist, dann probier es einfach aus.

EDIT: Ich war mit Approbation 30 Jahre alt, habe dann neun Monate in der Chirurgie zugebracht und bin dann erst in die Augenheilkunde. Mit 27 würde ich mir da mal keine Gedanken machen.

Matzexc1
23.07.2023, 10:44
Hi,
ich war damals im Pj auch noch unentschlossen(Abschluss mit 35). Ich habe damals mich gegen Unfallchirurgie entschieden weil ich neben der Work-Life-Balance, der schwierigen Forschungslage und der ,wie ich finde, eher schlechteren Weiterbildung im Vergleich zur Schweiz keine Option für mich sah. Unter den internistischen Fächer blieb nur die Rheumatologie übrige, am Ende wurde es aber die Anästhesie.

Während des Studiums hing ich zeitweise Mikrobiologie,Labormedizin und was weiß ich noch an. Die Rheumatologie war die einzige echte Alternative zur Anästhesie für mich.

Lass dich nicht vom Alter abschrecken mal ein Jahr das eine zu machen und dann zu wechseln

Ich glaube auch das du die aktuele Abteilung als gefühlt toll empfindest, in einem anderen Team/Haus kann das ganz anders aussehen.

Endoplasmatisches Reticulum
23.07.2023, 10:47
Wollte ich grad sagen. Bei Abschluss 27 Jahre alt zu sein ist doch ganz normal. In den meisten meiner bisherigen Abteilungen wäre man damit vermutlich ziemlich am Median gewesen, wenn nicht gar drunter.

Tramaldol
23.07.2023, 11:16
Die Rheumatologie war die einzige echte Alternative zur Anästhesie für mich.

Lass dich nicht vom Alter abschrecken mal ein Jahr das eine zu machen und dann zu wechseln



Rheuma ist ja ganz schön anders als Anästhesie. Bist du denn jetzt fertig?
Ich könnte mir nie vorstellen mit 50 Jahren ständig noch nachts zu arbeiten. Wenn Anästhesie, dann würde ich elektiv OPs begleiten tagsüber.

Bzgl. des Wechseln. Ja kann und sollte man machen, aber irgendwann muss man dann seins auch finden. Die Weiterbildung sollte man schon versuchen nach 6-7 Jahren abzuschließen und FA zu machen. Ist zumindest meine Empfehlung.

davo
23.07.2023, 11:38
Neurologie scheint dich deutlich mehr zu interessieren als Augenheilkunde. Das spricht sehr stark für Neurologie.

Du wirst auch in der Neurologie Abteilungen mit guter Atmosphäre finden.

Du bist recht jung, insofern spielt dein Alter keine Rolle.

Matzexc1
23.07.2023, 12:42
Rheuma ist ja ganz schön anders als Anästhesie. Bist du denn jetzt fertig?
Ich könnte mir nie vorstellen mit 50 Jahren ständig noch nachts zu arbeiten. Wenn Anästhesie, dann würde ich elektiv OPs begleiten tagsüber.

Bzgl. des Wechseln. Ja kann und sollte man machen, aber irgendwann muss man dann seins auch finden. Die Weiterbildung sollte man schon versuchen nach 6-7 Jahren abzuschließen und FA zu machen. Ist zumindest meine Empfehlung.

Anästhesie 4 WbJ, ich hatte am Ende keine Lust auf ellenlange Arztbriefe. Alternativen zu Nachtdiensten gibt es genug

noname007
23.07.2023, 15:46
Hallo,
vielen Dank für die Kommentare :-stud
1. Apropos Alter: ich komme aus dem asiatischen Raum. Da wird man von den Eltern viel Zeitdruck und Stress aufgesetzt (Wann Abitur, wann Studiumabschluss, wann Arbeit, wann Heirat und Kinder, usw...). Aber das ist mein eigenes Problem, das ich halt durchkauen muss. Andere Länder, andere Sitten.

2. Kann man pauschal (und logisch?) sagen, dass der typischer klinischer Karriereweg (AiW, Facharzt, Oberarzt und eventuell irgendwann mal Chefarzt) in Neuro realistischer und machbarer als in Augen ist, weil es sicherlich mehr Stellenangebote in Neuro gibt (auch außerhalb der Uni/des Maximalversorgers) als in Augen? Vor allem wenn man Ausländer ist (mit deutscher Approbation und deutscher Doktorarbeit; kein Sprachproblem aber sicherlich Akzent)?

3. Kennt jemand hier ein großes Neurozentrum/Maximalversorger mit guten Arbeitsbedingungen und breiten Forschungsmöglichkeiten? Klar werde ich im Internet viel durchrecherchieren müssen, aber ein Anhaltspunkt am Anfang wäre mir sehr hilfreich. Und ich arbeite auch sehr gerne, konzentriert und fleißig, solange alles gut und fair geregelt wird.

Nochmal freue ich mich auf eure Antworten.

JAK1
23.07.2023, 15:46
Ich würde einfach ein Jahr Augenheilkunde machen und dann mal schauen was wird. Du verdienst ja Geld in der Zeit und sammelst Lebenserfahrung. Das ist auf keinen Fall verschwendete Zeit.

Feuerblick
23.07.2023, 17:38
Ausreichend Leidensfähigkeit, Ellenbogen, Kriechen und Förderung durch die Vorgesetzten (Operieren lernen) vorausgesetzt, dürfte so eine Karriere in der Augenheilkunde machbar sein - wenn man es denn unbedingt möchte. Akzent und nicht-deutsche Abstammung sind da kein Problem. Da gibts auch jetzt schon Chefärzte…
Aber wenn einen das Fach nicht ausreichend interessiert, bringt man wohl kaum diese Leidensfähigkeit auf, denke ich.

Bille11
23.07.2023, 17:53
Kannst Du PN freischalten?

noname007
23.07.2023, 19:25
@Bille11, ich habe sie gerade aktiviert.