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runningMan18
16.08.2023, 21:08
Hallo liebes Forum,

seit Januar diesen Jahres arbeite ich in der Radiologie eines großen Uniklinikums. Am Anfang machte mir die Arbeit sehr Spaß. Mittlerweile finde ich die Arbeit extrem monoton und habe schon seit fast 3-4 Monaten den Spaß verloren und langweile mich auch oft auf der Arbeit. Die Zeit geht kaum um. Ich gucke ständig auf die Uhr. Momentan kann ich mir auch kein weiteres Jahr in diesem Fach vorstellen und werde zum Januar im neuem Jahr in einem anderen Fach weitermachen müssen. Ich komme total erschöpft nach Hause und verspüre in keinster Weise Interesse oder Spaß mehr an dem Fach.
Eigentlich wollte ich immer Arbeitsmediziner werden und da ist es momentan möglich 24 Monate in der unmittelbaren Patientenversorgung zu verbringen. Da würden dann meine 12 Monate in der Radiologie anerkannt werden, soweit ich mich da richtig eingelesen habe.

An Pathologie hatte ich auch gedacht. Aber ich denke, dass dieses Fach in den Grundzügen exakt dasselbe ist wie Radiologie, nur eben Präparate, die befundet werden.
Mit Arbeitsmedizin wäre ich auch sehr breit aufgestellt.
Unterm Strich habe ich den Krankenhaus-Alltag satt. So war es schon im PJ. Ich will da so schnell wie es geht raus und auf Dienste habe ich überhaupt keine Lust mehr. Mir ist wichtig, dass die Arbeit Spaß macht. Ich verzichte zugunsten einer besseren work-life-balance sogar auf ein höheres Gehalt.

Tramaldol
16.08.2023, 23:26
Das musst du ausprobieren. Ein Großteil meiner damaligen Kommilitonen fanden nach 10 Minuten am Thoraxarbeitsplatz oder CT das Fach Radiologie komplett langweilig und schlossen es aus (!).
Radiologie ist ganz klar ein "Service" Fach. Sprich andere Fachdisziplinen betreuen den Patient eigentlich primär und du erbringst eine Serviceleistung und danach ist der Patient weg. Das hat seine Vorteile, aber das muss man auch mögen.
Du hast anscheinend tiefergehendes Interesse an der Radio gehabt, sonst hättest du dort nicht begonnen. Nun es gibt bei den Bildgebenden Verfahren noch Nuklearmedizin und Strahlentherapie, die verwandt sind mit der Radio, aber keine reinen Servicefächer sind. Nuk ist weniger dröge als Radiologie, da man an der Uni ne Therapie-Station hat, die Bilder sind öfter bunt als in der Radio, aber schon speziell auf wenige Krankheitsbilder fokussiert. In der Radioonkologie hast du viel palliative-schwer kranke Patienten, und nutzt die Bildgebung zur Therapie, möglicherweise schon zu viel Klinik und schwere Krankheit für dich. Empfehlung: Mal einen Tag reinschauen.

Labor, Umwelt-Hygiene, Arbeitsmedizin, Transfusionmedizin ist wieder ganz anders, musst du dir mal anschauen ein paar Tage. Es ist doch nicht so schwer.

Jukka666
17.08.2023, 08:30
Hallo liebes Forum,

seit Januar diesen Jahres arbeite ich in der Radiologie eines großen Krankenhauses. Am Anfang machte mir die Arbeit sehr Spaß. Mittlerweile finde ich die Arbeit extrem monoton und habe schon seit fast 3-4 Monaten den Spaß verloren und langweile mich auch oft auf der Arbeit. Die Zeit geht kaum um. Ich gucke ständig auf die Uhr. Momentan kann ich mir auch kein weiteres Jahr in diesem Fach vorstellen und werde zum Januar im neuem Jahr in einem anderen Fach weitermachen müssen. Ich komme total erschöpft nach Hause und verspüre in keinster Weise Interesse oder Spaß mehr an dem Fach.
Eigentlich wollte ich immer Arbeitsmediziner werden und da ist es momentan möglich 24 Monate in der unmittelbaren Patientenversorgung zu verbringen. Da würden dann meine 12 Monate in der Radiologie anerkannt werden, soweit ich mich da richtig eingelesen habe.



Ist Radiologie ein Fach der unmittelbaren Patientenversorgung? Ernsthafte Frage.

_calendula_
17.08.2023, 09:01
In Bayern ja.
Meines Wissens nach kann sich dies - genau wie andere Details WBO - von Bundesland zu Bundesland unterscheiden.

anignu
17.08.2023, 10:06
Ist Radiologie ein Fach der unmittelbaren Patientenversorgung? Ernsthafte Frage.
Du musst die gefühlte, die tatsächliche und die rechtliche Ebene da unbedingt trennen.

Tramaldol
17.08.2023, 11:19
Du musst die gefühlte, die tatsächliche und die rechtliche Ebene da unbedingt trennen.

Gefühlt Nein, aber rechtliche Ebene Ja.

Minga30
17.08.2023, 13:28
Radiolog*innen Bashing ?

Sönke1990
17.08.2023, 14:05
Ich bin inzwischen hochzufrieden in der Arbeitsmedizin. Man sollte sie nicht unterschätzen. Ohne Kenntnisse in der inneren Medizin und Orthopädie kannst du keine gute Arbeitsmedizin praktizieren. Deinen Plan erst Allgeneinmedizin und dann Arbeitsmedizin zu machen finde ich großartig. Wenn dir dann die Allgemeinmedizin auch gut gefällt steht dir nach dem FA Arbeitsmedizin auch der Quereinstieg Allgemeinmedizin offen.

mbs
17.08.2023, 15:50
Was die Zeit in der unmittelbaren Patientenversorgung angeht könntest du übrigens das eine Jahr, das dir noch fehlt, auch in einer Rehaklinik absolvieren, da gibt es viele die auch entsprechende Weiterbildungsermächtigungen haben, sogar in der Inneren Medizin. Es ist viel Arbeit, viel Schreibkram, aber auch mit sozialmedizinischen Aspekten, und das ist für einen Betriebsmediziner ja auch ein Vorteil. Und auch hier ist die Dienstbelastung nicht so hoch wie in der Akutmedizin.

anignu
17.08.2023, 16:02
Radiolog*innen Bashing ?
Diagnose korrekt ;-)
Wenn es schon so schön auf einem Tablet serviert wird... muss man einfach zuschlagen.

runningMan18
17.08.2023, 18:21
Ich bin inzwischen hochzufrieden in der Arbeitsmedizin. Man sollte sie nicht unterschätzen. Ohne Kenntnisse in der inneren Medizin und Orthopädie kannst du keine gute Arbeitsmedizin praktizieren. Deinen Plan erst Allgeneinmedizin und dann Arbeitsmedizin zu machen finde ich großartig. Wenn dir dann die Allgemeinmedizin auch gut gefällt steht dir nach dem FA Arbeitsmedizin auch der Quereinstieg Allgemeinmedizin offen.

Wäre denn ein Jahr hilfreich? Oder lieber Innere in der Klinik? Ich muss ja ehrlich sagen, dass ich während meines Studiums Innere fachlich interessant fand, aber die Realität war grauenhaft. Da würde ich lieber ein Jahr pflegerisch tätig sein statt als Internist auf einer Station zu arbeiten. Ich konnte mir das sehr gut anschauen und eigentlich macht man als Assistenzarzt die die Drecksarbeit und ist nur ein Sekretär. Ich halte nicht viel davon, dass man auf einer internistischen Station viel lernt. In der Notaufnahme zum Beispiel kann man sehr viel lernen. Deswegen viel mir auch eher Allgemeinmedizin ein, weil ich dann eben nicht diesen Schreibkram habe und mehr die Basics der Inneren lernen kann.
Aber wie kann ich denn, wenn ich Arbeitsmediziner werde Allgemeinmediziner werden? Ich müsste ja dann wieder ein Jahr auf der Inneren arbeite laut meiner Ärztekammer.

runningMan18
17.08.2023, 18:21
Diagnose korrekt ;-)
Wenn es schon so schön auf einem Tablet serviert wird... muss man einfach zuschlagen.

Ja kann man sich drum streiten :D Wirklich Patientenkontakt haben wir sehr wenig.

mbs
17.08.2023, 19:29
Wie erwähnt, es gibt Rehakliniken die ein Jahr Weiterbildungsermächtigung für Innere Medizin haben. Da wird auch viel Diagnostik gemacht, und die Dienste sind weniger stressig. Auf jeden Fall dürfte es erträglicher sein als ein Jahr Innere Medizin im Akutbereich. Notfälle kommen nur von intern, aber es existiert keine Notaufnahme, und das macht von der Arbeitsbelastung durchaus einen Unterschied.

Du hast auch Pathologie erwähnt - das wollte ich ursprünglich auch machen, nachdem ich den Irrtum einer klinischen Tätigkeit endlich beenden konnte. Habe aber nur Absagen bekommen; wurde zwar teils sogar an Unikliniken eingeladen, mir haben auch die Hospitationen gefallen, aber mir schien, dass die entweder frische Uniabsolventen oder erfahrene Pathologen wollen, am besten kurz vor dem Facharzt oder bereits Facharzt. Würde das nach wie vor an sich schon gern machen, allerdings habe ich meinen Frieden damit geschlossen, dass einem eben wahrscheinlich nicht alles offen steht, wenn man einen Irrtum zu spät korrigiert. Aber interessant wäre es schon, definitiv, vielleicht hast du ja mehr Glück; wenn du es machen willst solltest du es versuchen. Du musst dich nur drauf einstellen, dass es doch sehr anders ist als die klassischen großen Fächer.

runningMan18
18.08.2023, 16:19
Weiß jemand wie die Stellensituation in der Allgemeinmedizin denn aussieht? Würde man zügig eine Stelle kriegen als unerfahrener Assistenzarzt? Ich mein, was habe ich denn groß vorzuweisen außer einem abgeschlossenen Medizinstudium und ein Jahr in einem fremden Fach? Verdiene ich dann auch weniger? Wie soll ich dem Allgemeinmediziner klar machen, dass ich ja eigentlich nur ein Jahr bleiben möchte und dann in die Arbeitsmedizin gehe? Habe ich jedes Mal einen Arzt neben mir stehen, der aufpasst, dass ich nichts falsch mache?

Mir fallen da gerade so viele Fragen ein.

Nilani
18.08.2023, 16:37
Was die Zeit in der unmittelbaren Patientenversorgung angeht könntest du übrigens das eine Jahr, das dir noch fehlt, auch in einer Rehaklinik absolvieren, da gibt es viele die auch entsprechende Weiterbildungsermächtigungen haben, sogar in der Inneren Medizin. Es ist viel Arbeit, viel Schreibkram, aber auch mit sozialmedizinischen Aspekten, und das ist für einen Betriebsmediziner ja auch ein Vorteil. Und auch hier ist die Dienstbelastung nicht so hoch wie in der Akutmedizin.

Das finde ich tatsächlich auch eine gute Idee. Der Schreibkram nervt, aber wir entscheiden ja z.B. auch, kann jemand an seinen Arbeitsplatz zurückkehren, unter welchen Bedingungen usw. Das ist für Arbeitsmedizin gar nicht so schlecht, denn oft gehen die Pat. danach dann zu ihrem Betriebsarzt. Auch den Grund für die Entscheidungen zu erfahren, die manche nicht nachvollziehen können, ist dann sicher hilfreich.

davo
18.08.2023, 17:03
Habe ich jedes Mal einen Arzt neben mir stehen, der aufpasst, dass ich nichts falsch mache?

Hast du das denn im Krankenhaus?

Stuntman Mike
18.08.2023, 17:35
. Ich halte nicht viel davon, dass man auf einer internistischen Station viel lernt. In der Notaufnahme zum Beispiel kann man sehr viel lernen.
Mag sein, dass man in den ersten 1-2 Jahren in der Notaufnahme am meisten lernt. Etwas später in der Ausbildung kehrt sich das aber langsam um. Im der Notaufnahme wiederholen sich die Krankeitsbilder und du machst immer nur Erstversorgung. Außerdem bist du die ganze Zeit gebunden. Auf Station triffst du irgendwann die Therapieentscheidungen selbstständig und kriegst viele verschiedene Verläufe mit. Und wenn du gelernt hast, die Station effizient zu führen (kurze fokussierte Briefe, möglichst viel delegieren) hast du Zeit für Funktion etc…

ehem-user-19-05-2025-1430
18.08.2023, 20:36
Cave! In den meisten Ärztekammern müssen für den FA für Allgemeinmedizin nach WBO 2020 "12 Monate im Gebiet Innere Medizin in der stationären Akutversorgung abgeleistet" werden... Reha zählt meines Wissens nicht mehr ! (macht auch Sinn denke ich, 1 Jahr Innere ist sowie recht knapp, wenn man bedenkt dass am Ende der Großteil der internistischen Volkskrankheiten vom Allgemeinmediziner behandelt werden).

runningMan18
25.08.2023, 12:24
Hast du das denn im Krankenhaus?
Ja habe ich.

runningMan18
25.08.2023, 12:25
Cave! In den meisten Ärztekammern müssen für den FA für Allgemeinmedizin nach WBO 2020 "12 Monate im Gebiet Innere Medizin in der stationären Akutversorgung abgeleistet" werden... Reha zählt meines Wissens nicht mehr ! (macht auch Sinn denke ich, 1 Jahr Innere ist sowie recht knapp, wenn man bedenkt dass am Ende der Großteil der internistischen Volkskrankheiten vom Allgemeinmediziner behandelt werden).

Auch bei einem Querstieg? Wenn ich erst den FA Arbeitsmedizin mache und dann merke, dass ich in die Allgemeinmedizin möchte, muss ich dann noch die 12 Monate Innere machen? So wie ich das verstande habe, nämlich nicht.