Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ich bin völlig lost a.k.a. Lebenskrise



Seiten : [1] 2

Minga30
19.09.2023, 12:16
Liebe Alle,

ich brauche ein paar Denkanstöße von außerhalb. Nachdem ich jetzt bereits ein paar Fachrichtungen "ausprobiert" habe verschwindet eine gefühlte berufliche Leere nicht.
Ich habe meine Facharztweiterbildung an einem großen Uniklinikum in der Radiologie und Kinderradiologie begonnen. Bin dann in die Praxis gegangen, war da unheimlich unzufrieden wegen der schlechten Stimmung. Bin dann zu einer Freundin in die Pädiatrie Praxis um schlussendlich in einer Allgemeinmedizin Praxis gelandet zu sein.

Leider fühle ich mich so als wenn dieser ganze Ablauf unsinnig war, da die Stimmung und das Verhältnis zu meinem Chef unterkühlt ist und auch nachdem jetzt der Nachfolger bereits in der Praxis angefangen hat wird dies eigentlich immer schlimmer. Jetzt ertappe ich mich wieder dabei wie ich der Uniklinik Zeit nachtrauere. Aufgrund familiärer Verpflichtungen ist daran aber nicht zu denken. Außerdem bin ich unsicher ob die Kerntätigkeit in der Radiologie mir überhaupt jemals zugesagt hat.

An einen Praxiswechsel im selben Fach, sprich Allgemeinmedizin ist aktuell wegen verpflichtenden Wohnortnähe nicht zu denken. Wenn dann würden wir ggf. darüber nachdenken zu den Eltern meines Mannes zu ziehen, was ganz neue berufliche Möglichkeiten für mich eröffnet.

Habt ihr eine Idee wie man solche Gedanken nun strategisch ordnet ? Könnt ihr mir Ratschläge geben ?

pashtunwali
19.09.2023, 12:46
Du hast viele Möglichkeiten. Es gibt nicht nur Klinik und Praxis.
Was ist mit einem Job in einer Reha Klinik oder beim Gesundheitsamt - kann man beides gut mit der Familie kombinieren.
Was ist mit einem switch zur Arbeitsmedizin/ Betriebsmedizin - höre ich auch immer nur zufriedene Stimmen und ist ebenfalls gut mit der Familie vereinbar.
Es gibt auch einige Jobs, wo du Remote arbeiten kannst zB wenn du einen ganz anderen Weg in Richtung Industrie / Unternehmensberatung einschlägst.

crossie
19.09.2023, 12:51
Was möchtest Du denn gern machen? Meistens hat man doch schon so ein "Bauchgefühl" in so einer Situation. Aus dem "zu den Schiegereltern ziehen mit völlig neuen beruflichen Möglichkeiten" höre ich sowas raus.

Insgesamt sind die Umstände unseres Berufes ja aktuell immer noch so paradiesisch, dass bisschen weiter rumprobieren, bis Du das richtige gefunden hast nicht schaden wird.

Minga30
19.09.2023, 14:40
Du hast viele Möglichkeiten. Es gibt nicht nur Klinik und Praxis.
Was ist mit einem Job in einer Reha Klinik oder beim Gesundheitsamt - kann man beides gut mit der Familie kombinieren.
Was ist mit einem switch zur Arbeitsmedizin/ Betriebsmedizin - höre ich auch immer nur zufriedene Stimmen und ist ebenfalls gut mit der Familie vereinbar.
Es gibt auch einige Jobs, wo du Remote arbeiten kannst zB wenn du einen ganz anderen Weg in Richtung Industrie / Unternehmensberatung einschlägst.

Kann ich mir aktuell irgendwie nur bedingt vorstellen... Reha Klinik fällt irgendwie für mich weg. Die Reha Briefe sind leider nichts für mich. Gesundheitsamt kann ich mir in Verbindung mit einem Public Health Studium vielleicht noch vorstellen, aber das müsste gut passen. Habe immer bedenken, dass man mit Kollegen zu tun hat, die selbst dann nicht so zufrieden in ihrem Arbeitsumfeld sind. Arbeits- und Betriebsmedizin ist wahrscheinlich auch eine Möglichkeit, aber vom Gefühl her zu weit von der Medizin entfernt. Bei Industrie und Unternehmensberatung habe ich leider die selben bedenken. Um es zusammen zu fasst, ich würde gerne weiterhin gerne mit komplexen medizinischen Fragestellungen zu tun haben anstelle von soziokulturellen, arbeitsassoziierten oder juristischen Aspekten. Aber vielen Dank für den Input, da muss ich definitiv auch nochmals drüber nachdenken...


Was möchtest Du denn gern machen? Meistens hat man doch schon so ein "Bauchgefühl" in so einer Situation. Aus dem "zu den Schiegereltern ziehen mit völlig neuen beruflichen Möglichkeiten" höre ich sowas raus.

Insgesamt sind die Umstände unseres Berufes ja aktuell immer noch so paradiesisch, dass bisschen weiter rumprobieren, bis Du das richtige gefunden hast nicht schaden wird.

Eigentlich wollte ich immer eine Fachrichtung ausüben in der ich viel mit Kindern interagiere. Außerdem wollte ich ursprünglich vor dem Studium Psychologie studieren und bin noch immer sehr interessiert an beiden Punkten. Kinderradiologie finde ich auch weiterhin unheimlich spannend, aber bin mir da unsicher ob mich die Kernarbeit weiterhin erfüllt.
Habe auch schon öfter an die P-Fächer gedacht, aber habe doch arge Bedenken, dass mich dort die Arbeit unheimlich belasten wird... Probieren wäre natürlich eine Möglichkeit

Tramaldol
19.09.2023, 17:20
Kinder- und Jugendpsychiatrie könnte passen

Minga30
19.09.2023, 20:48
Kinder- und Jugendpsychiatrie könnte passen

Hast du schon mal in der KJP gearbeitet ? Stelle es mir ehrlich gesagt extrem belastend vor, aber vielleicht liege ich ja falsch ?

ehem-user-19-05-2025-1430
19.09.2023, 22:24
Allgemeinmedizin ist ein tolles Fach, allerdings gerade in der Weiterbildung extrem Weiterbilderabhängig. Da find ich einen schrulligen netten alten Hasen besser als der gestresste Burnout-mit-Vierziger, der nach 15 Jahren Innere eigentlich kein Bock ahf gar nichts mehr hat aber jetzt irgendwie in der Hausarztpraxis gelandet ist und an der Praxisbwl scheitert(Klischees ich weiß :D)....sprich: wechsel doch mal die Praxis? Praxen gibts doch im 20km ebike umkreis wie sand am meer. Wenns weiterhin nicht taugt kannst immer noch wechseln.

Kinderradiologie hat ja weder viel Pädkontakt noch iwas mit Psych zu tun....ist schon schwer rauszulesen was du eigentlich so willst vom leben.... :)

Minga30
20.09.2023, 10:55
Allgemeinmedizin ist ein tolles Fach, allerdings gerade in der Weiterbildung extrem Weiterbilderabhängig. Da find ich einen schrulligen netten alten Hasen besser als der gestresste Burnout-mit-Vierziger, der nach 15 Jahren Innere eigentlich kein Bock ahf gar nichts mehr hat aber jetzt irgendwie in der Hausarztpraxis gelandet ist und an der Praxisbwl scheitert(Klischees ich weiß :D)....sprich: wechsel doch mal die Praxis? Praxen gibts doch im 20km ebike umkreis wie sand am meer. Wenns weiterhin nicht taugt kannst immer noch wechseln.

Kinderradiologie hat ja weder viel Pädkontakt noch iwas mit Psych zu tun....ist schon schwer rauszulesen was du eigentlich so willst vom leben.... :)

Guter Punkt! Vielleicht muss ich einfach weg von meinem Mit-Vierziger mit Burnout und hin zu einem schrulligen älteren Herren oder einer Dame :-) . Aber ein Weiterbilderwechsel ist natürlich noch im Rennen... Der Ruf der weiteren Praxen ist tatsächlich noch schlechter oder ich habe einen verzerrten Blick durch meine aktuelle Praxis.

Kinderradiologie beinhaltet doch auch vieles aus der Pädiatrie oder wie meintest du das?

Es ist schwer raus zu lesen, da ich es aktuell einfach nicht weiß. Ich habe seit ein paar Jahren den Spaß an der Tätigkeit verloren (vielleicht auch nie so wirklich gehabt?). Jetzt versuche ich das Thema Schadensbegrenzung anzugehen und vielleicht nochmal in mich zu gehen für einen letzten Versuch etwas zu ändern.

Ich glaube, dass ich vor den P-Fächern wirklich zu viel Respekt habe. Pädiatrie war ja eigentlich ein Wunschfach. Kinderradiologie irgendwie ein Kompromiss, da damals bessere Arbeitsbedingungen. Ist KJP mit flexiblen familienfreundlichen Arbeitszeiten gut kombinierbar? Denke, dass ja auch noch die Selbsterfahrung etc. viel Raum am Wochenende einnimmt?

davo
20.09.2023, 12:03
Ich glaube, dass du zu viel Respekt vor den P-Fächern hast. Aber wenn du flexible, familienfreundliche Arbeitszeiten willst, ist Allgemeinmedizin sicher unschlagbar.

Trotzdem fehlt mir bei dir ein bisschen das konkrete Ziel. Du kannst viele Aspekte nennen, die dir nicht gefallen, aber wie dein konkreter Job tatsächlich aussehen soll, das war bis jetzt kaum Thema.

Minga30
20.09.2023, 13:37
Ich glaube, dass du zu viel Respekt vor den P-Fächern hast. Aber wenn du flexible, familienfreundliche Arbeitszeiten willst, ist Allgemeinmedizin sicher unschlagbar.

Trotzdem fehlt mir bei dir ein bisschen das konkrete Ziel. Du kannst viele Aspekte nennen, die dir nicht gefallen, aber wie dein konkreter Job tatsächlich aussehen soll, das war bis jetzt kaum Thema.

Wahrscheinlich stimmt es, da ich bisher wenig Kontakt hatte. In einer Famulatur würde ich meist auch während der Einzeltherapien raus gebeten. Hatte dadurch wahrscheinlich auch wenig Einblick.

Ich versuche mal es zu formulieren. Habe ich aber tatsächlich bisher selten gemacht...
Gerne würde ich an einem Arbeitsplatz arbeiten an dem ich mich wohl fühle (hat ja wenig mit der Fachrichtung zu tun). Was bedeutet dies im konkreten ? Aktuell fühle ich mich gleichzeitig unterfordert als auch etwas genervt von den immer gleichen Fällen. Ich habe deshalb das Gefühl, dass ich gerne mehr in die Tiefe gehen würde und deshalb Expertin für einen bestimmten Teilbereich zu werden (zu allgemein?). Zwar habe ich schon etwas Erfahrung gesammelt in der Pädiatrie und Kinderradiologie, aber mein Chef ignoriert dies gerade völlig und hört sowieso nur auf sich selbst (falls ich im Gespräch wenn er etwas fragt nur andeutungsweise Versuche Tips zu geben). Mir fehlt da wahrscheinlich aber auch das Selbstbewusstsein etwas mit Nachdruck durchzusetzen.
Ich würde gerne mehr Zeit für die Patientenfälle haben als in der Allgemeinmedizin und etwas mehr im Vordergrund arbeiten als in der Kinderradiologie, habe das Gefühl dass es mein Selbstbewusstsein jedenfalls etwas Puschen könnte.

Schön wäre es wenn Fertigkeiten, die ich bisher erlangt habe nicht für umsonst waren.
Außerdem würde ich gerne etwas Gutes tun ! In der Praxis in der ich gerade tätig bin wird soooo viel fürs Geld gemacht, dass ich Gefahr laufe aktuell hinzuschmeißen. Vielleicht sind die Kollegen in der KJPP etwas weniger monetär eingestellt?
Habt ihr sonst noch Ideen ? Ich habe Angst, da ich fast 40 bin tatsächlich auch zu spät dran zu sein...

Ich laufe außerdem gerade "Gefahr" zum MDK zu gehen nach der Facharztprüfung, was ich eigentlich nicht will, da ich gerne in der direkten Patientenversorgung bleiben möchte. Den Kolleg*innen die dort arbeiten möchte ich durch diesen Satz aber explizit nicht zu nahe treten - fühlt euch bitte nicht angegriffen

rafiki
20.09.2023, 17:40
Ich glaube, dass du zu viel Respekt vor den P-Fächern hast.

Respekt vor den P-Fächern ist durchaus nicht schlecht, aber nicht wegen der Patienten dort. Wenn die TE Bedenken hat, dass die Arbeit sie dort "unheimlich belasten" würde, ist das eher ein Hinweis darauf, dass sie Sorge vor dem stärkeren Anklingen eigener Themen, wie sie in diesem Thread ja durchscheinen, hat.

Minga30
20.09.2023, 18:44
Respekt vor den P-Fächern ist durchaus nicht schlecht, aber nicht wegen der Patienten dort. Wenn die TE Bedenken hat, dass die Arbeit sie dort "unheimlich belasten" würde, ist das eher ein Hinweis darauf, dass sie Sorge vor dem stärkeren Anklingen eigener Themen, wie sie in diesem Thread ja durchscheinen, hat.

Eigene Themen gibt es in der Richtung nicht 🤷

Tigga
20.09.2023, 20:19
Bevor du Richtung Kinder- und Jugendpsychiatrie denkst würde ich dringend raten länger zu hospitieren. Ich als Pädiatrie- Assistenzärztin war in einer Rotation maximal genervt von chronischen Problemen ohne viel Besserung, langen Teambesprechungen ohne Ergebnissen und Transferierungen wenn es mal somatisch interessant wurde.
Ich kann jedoch das Gesundheitsamt wärmstens empfehlen, ich bin seit 3 Jahren glücklich dort eine ruhige Kugel schieben zu können ohne Dienste und ohne Stress. Keine Ahnung ob ich ewig zufrieden sein werde, solange meine Kinder klein sind kann ich mir nichts netteres vorstellen!

Minga30
21.09.2023, 07:54
Bevor du Richtung Kinder- und Jugendpsychiatrie denkst würde ich dringend raten länger zu hospitieren. Ich als Pädiatrie- Assistenzärztin war in einer Rotation maximal genervt von chronischen Problemen ohne viel Besserung, langen Teambesprechungen ohne Ergebnissen und Transferierungen wenn es mal somatisch interessant wurde.
Ich kann jedoch das Gesundheitsamt wärmstens empfehlen, ich bin seit 3 Jahren glücklich dort eine ruhige Kugel schieben zu können ohne Dienste und ohne Stress. Keine Ahnung ob ich ewig zufrieden sein werde, solange meine Kinder klein sind kann ich mir nichts netteres vorstellen!

Danke für den Tip! Ich versuche irgendwie noch den Spagat aus "beruflich fordernd" und "genug Zeit für Familie" zu schaffen. Insgesamt lese ich bei allen heraus, dass eine Hospitation sinnvoll wäre? Vielleicht versuche ich mich noch bis zur Facharztprüfung Allgemeinmedizin durchzubeißen und dann mal zu schauen was sich anbietet....

Cor_magna
25.09.2023, 13:33
Ich versuche mal es zu formulieren. Habe ich aber tatsächlich bisher selten gemacht...
Gerne würde ich an einem Arbeitsplatz arbeiten an dem ich mich wohl fühle (hat ja wenig mit der Fachrichtung zu tun). Was bedeutet dies im konkreten ? Aktuell fühle ich mich gleichzeitig unterfordert als auch etwas genervt von den immer gleichen Fällen. Ich habe deshalb das Gefühl, dass ich gerne mehr in die Tiefe gehen würde und deshalb Expertin für einen bestimmten Teilbereich zu werden (zu allgemein?). Zwar habe ich schon etwas Erfahrung gesammelt in der Pädiatrie und Kinderradiologie, aber mein Chef ignoriert dies gerade völlig und hört sowieso nur auf sich selbst (falls ich im Gespräch wenn er etwas fragt nur andeutungsweise Versuche Tips zu geben). Mir fehlt da wahrscheinlich aber auch das Selbstbewusstsein etwas mit Nachdruck durchzusetzen.
Ich würde gerne mehr Zeit für die Patientenfälle haben als in der Allgemeinmedizin und etwas mehr im Vordergrund arbeiten als in der Kinderradiologie, habe das Gefühl dass es mein Selbstbewusstsein jedenfalls etwas Puschen könnte.

Schön wäre es wenn Fertigkeiten, die ich bisher erlangt habe nicht für umsonst waren.
Außerdem würde ich gerne etwas Gutes tun ! In der Praxis in der ich gerade tätig bin wird soooo viel fürs Geld gemacht, dass ich Gefahr laufe aktuell hinzuschmeißen. Vielleicht sind die Kollegen in der KJPP etwas weniger monetär eingestellt?
Habt ihr sonst noch Ideen ? Ich habe Angst, da ich fast 40 bin tatsächlich auch zu spät dran zu sein...


Ich denke du suchst das, was ich und auch viele anderen auch schon lange suchen:

Ein Fach mit direktem Patientenkontakt, aber trotzdem genug Zeit für die einzelnen Patienten. Noch dazu mit guten Arbeitsbedingungen, wo man sich "wohl" fühlen kann und gut behandelt wird, noch dazu von Chefs und Kollegen, die slebst aufgrund der guten Bedingunen zufrieden sind. Wenig akuter Stress. Zudem eher medizinisch ausgerichtet, das heisst eher anspruchsvolle Medizin und weniger soziale Aspekte (Reha Anträge, soziokulturelle Probleme lösen, "Sekretär spielen" usw.). Und dann auch mit eher wenig monetärem Druck im Hintergrund.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob diese eierlegende Wollmilchsau existiert.
Falls ja, dann höchstens nachdem man jahrelang durch den "Dreck" gegangen ist (Facharztausbildung in der Klinik als Internist/Chirurg o.ä.)

Meine bisherigen Eindrücke bzw. Regeln des deutschen Gesundheitssystems in Hinblick auf die ärztliche Berufsseite - ich lasse mich gerne hierbei auch korrigieren:
1. Je mehr direkte Patientenversorgung desto stressiger.
2. Je therapeutischer und weniger diagnostisch die Fachrichtung desto stressiger.
3. Je anspruchsvoller und lebensbedrohlicher die ausgeübte Medizin desto stressiger (anspruchsvoll im Sinne von komplex, also z.b. Intensivmedizin oder komplizierteste Hüftfrakturen und Polytraumen im Gegensatz zur unkomplizierten, konservativ zu versorgenden Fraktur.)
4. Ständiger monetärer Zwang ÜBERALL in der Medizin (ich bitte mir hier Ausnahmen zu nennen, des wäre echt interessant - Gesundheitsamt vielleicht?), somit folgt: in Fächern der direkten Pat.versorgung muss eine hohe Schlagzahl laufen, was das "genug Zeit für die Patienten" überall (?) ruiniert.
5. Tendenziell: Je weiter unten in der Medizinhierarchie desto schlechter die Bedingungen. Jemand mit unglaublich relevanten Skills kann das als Hebel nutzen um sich bessere Bedingungen zu erkaufen.
6. Selbstständig mit eigener Praxis kann viele der Probleme lösen, ob dies jedoch den monetären Druck und Stresspegel reduziert wage ich zu bezweifeln, kann hierzu jedoch wenig sagen, da ich selbst kein Praxisinhaber bin.


Zu KJP: Ich denke gerade hier ist die soziokulturelle Seite, also Probleme/Konflikte mit Eltern Angehörigen und Betreuung etc zu lösen, schon auch sehr ausgeprägt. Viele Kinder kommen ja auch aus schwierigen Bedingungen. Könnte mir vorstellen, dass die rein medizinische Seite hier nur einen Teil des Ganzen ausmacht. Falls ich hier aber völlig falsch liege bitte ich auch hier um Korrektur.

Mein Fazit: Überlege was dir von deinen Bedingungen am wichtigsten ist. Ich denke Alles kannst du im aktuellen Medizinumfeld in Deutschland nicht haben. Allenfalls nach vielen Jahren, nachdem man sich hochgearbeitet hat.

Eine Ergänzung: Ich beobachte schon lange, dass es Menschen gibt, die in fast jeder beruflichen Situation zufrieden zu sein scheinen - innerhlab bestimmer Grenzen natürlich. Andersrum genauso: Manche Menschen scheinen überall unzufrieden zu sein. Möglicherweise wäre auch ein Ansatz an seinem eigenen Mindset zu arbeiten, vielleicht auch professionell. Bin allerdings kein Psychiater, vielleicht haben die da mehr dazu zu sagen (Davo, Rafiki?).

rafiki
25.09.2023, 14:12
Möglicherweise wäre auch ein Ansatz an seinem eigenen Mindset zu arbeiten, vielleicht auch professionell. Bin allerdings kein Psychiater, vielleicht haben die da mehr dazu zu sagen (Davo, Rafiki?).

An seiner eigenen Struktur (bzw. "Mindset") zu arbeiten, ist immer sinnvoll, insbesondere wenn man mit Menschen zu tun hat, egal ob privat oder beruflich.

Wollmilchsäue gibt es schon, man muss nur genau wissen, was die eigenen Prioritäten sind. Bei mir ist es eine Mischung aus viel Patientenkontakt, hohe Führungsfunktion, Schwerpunkt und trotzdem durchaus breit medizinisch arbeiten und sehr hoher Verdienst. Das alles ist erreicht, natürlich bei hohen Investitionskosten, die weit über das Facharztlevel hinausgehen. Was mir noch fehlt an Leckerbissen, wird in den nächsten Jahren hoffentlich erarbeitet.

Wenn man weniger anspruchsvoll ist, ist das individuelle Ziel natürlich einfacher zu erreichen.

Minga30
25.09.2023, 18:33
Ich denke du suchst das, was ich und auch viele anderen auch schon lange suchen:

Ein Fach mit direktem Patientenkontakt, aber trotzdem genug Zeit für die einzelnen Patienten. Noch dazu mit guten Arbeitsbedingungen, wo man sich "wohl" fühlen kann und gut behandelt wird, noch dazu von Chefs und Kollegen, die slebst aufgrund der guten Bedingunen zufrieden sind. Wenig akuter Stress. Zudem eher medizinisch ausgerichtet, das heisst eher anspruchsvolle Medizin und weniger soziale Aspekte (Reha Anträge, soziokulturelle Probleme lösen, "Sekretär spielen" usw.). Und dann auch mit eher wenig monetärem Druck im Hintergrund.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob diese eierlegende Wollmilchsau existiert.
Falls ja, dann höchstens nachdem man jahrelang durch den "Dreck" gegangen ist (Facharztausbildung in der Klinik als Internist/Chirurg o.ä.)

Meine bisherigen Eindrücke bzw. Regeln des deutschen Gesundheitssystems in Hinblick auf die ärztliche Berufsseite - ich lasse mich gerne hierbei auch korrigieren:
1. Je mehr direkte Patientenversorgung desto stressiger.
2. Je therapeutischer und weniger diagnostisch die Fachrichtung desto stressiger.
3. Je anspruchsvoller und lebensbedrohlicher die ausgeübte Medizin desto stressiger (anspruchsvoll im Sinne von komplex, also z.b. Intensivmedizin oder komplizierteste Hüftfrakturen und Polytraumen im Gegensatz zur unkomplizierten, konservativ zu versorgenden Fraktur.)
4. Ständiger monetärer Zwang ÜBERALL in der Medizin (ich bitte mir hier Ausnahmen zu nennen, des wäre echt interessant - Gesundheitsamt vielleicht?), somit folgt: in Fächern der direkten Pat.versorgung muss eine hohe Schlagzahl laufen, was das "genug Zeit für die Patienten" überall (?) ruiniert.
5. Tendenziell: Je weiter unten in der Medizinhierarchie desto schlechter die Bedingungen. Jemand mit unglaublich relevanten Skills kann das als Hebel nutzen um sich bessere Bedingungen zu erkaufen.
6. Selbstständig mit eigener Praxis kann viele der Probleme lösen, ob dies jedoch den monetären Druck und Stresspegel reduziert wage ich zu bezweifeln, kann hierzu jedoch wenig sagen, da ich selbst kein Praxisinhaber bin.


Zu KJP: Ich denke gerade hier ist die soziokulturelle Seite, also Probleme/Konflikte mit Eltern Angehörigen und Betreuung etc zu lösen, schon auch sehr ausgeprägt. Viele Kinder kommen ja auch aus schwierigen Bedingungen. Könnte mir vorstellen, dass die rein medizinische Seite hier nur einen Teil des Ganzen ausmacht. Falls ich hier aber völlig falsch liege bitte ich auch hier um Korrektur.

Mein Fazit: Überlege was dir von deinen Bedingungen am wichtigsten ist. Ich denke Alles kannst du im aktuellen Medizinumfeld in Deutschland nicht haben. Allenfalls nach vielen Jahren, nachdem man sich hochgearbeitet hat.

Eine Ergänzung: Ich beobachte schon lange, dass es Menschen gibt, die in fast jeder beruflichen Situation zufrieden zu sein scheinen - innerhlab bestimmer Grenzen natürlich. Andersrum genauso: Manche Menschen scheinen überall unzufrieden zu sein. Möglicherweise wäre auch ein Ansatz an seinem eigenen Mindset zu arbeiten, vielleicht auch professionell. Bin allerdings kein Psychiater, vielleicht haben die da mehr dazu zu sagen (Davo, Rafiki?).

Vielen Dank für deine Gedanken. Ich fürchte, dass du in so ziemlich allen Punkten zum Gesundheitssystem Recht hast...
Ich bin eigentlich ganz zufrieden mit einem dosierten Stresslevel.
Ich will auch den Weg in der Allgemeinmedizin weiter gehen. Nach allem was ich jetzt so gehört habe, scheint KJP vielleicht doch nicht so passend.

Espressa
26.09.2023, 10:05
Ich hab früher Psychiatrie für mich kategorisch ausgeschlossen. Ich denke auch weiterhin, dass die Weiterbildungszeit wahrscheinlich wirklich nicht meins wäre.
ABER hinterher bin ich fast etwas neidisch, dass man ohne Geräteaufwand gut in die Niederlassung kann, und durch ausgesuchte Schwerpunkte auch sein Klientel etwas aussieben kann.
Außerdem herrscht auch überall Mangel - zb als KJP mit Schwerpunkt ADHS wärst du hier sehr gefragt!
(Kann man für Psychiatrie irgendwas von anderen Fächern anrechnen lassen eigentlich?)

davo
26.09.2023, 10:11
Psychiatrie ist auch einfach ein unglaublich spannendes Fach ;-)

Bzgl. Anrechenbarkeit: Üblich sind 1 Jahr Neuro (Pflicht) und 1 Jahr Allgemeinmedizin/Innere/verwandte Fächer (optional). Drei Jahre Psych (davon 2 Jahre stationär) sind also i.d.R. Pflicht - und die braucht man ohnehin für die psychotherapeutischen Elemente.

Minga30
26.09.2023, 10:51
An seiner eigenen Struktur (bzw. "Mindest") zu arbeiten, ist immer sinnvoll, insbesondere wenn man mit Menschen zu tun hat, egal ob privat oder beruflich.

Wollmilchsäue gibt es schon, man muss nur genau wissen, was die eigenen Prioritäten sind. Bei mir ist es eine Mischung aus viel Patientenkontakt, hohe Führungsfunktion, Schwerpunkt und trotzdem durchaus breit medizinisch arbeiten und sehr hoher Verdienst. Das alles ist erreicht, natürlich bei hohen Investitionskosten, die weit über das Facharztlevel hinausgehen. Was mir noch fehlt an Leckerbissen, wird in den nächsten Jahren hoffentlich erarbeitet.

Wenn man weniger anspruchsvoll ist, ist das individuelle Ziel natürlich einfacher zu erreichen.

Hey ! Vielen Dank. Da du ja auch vom Fach bist. Wie hast du selbst bei dir herausgefunden was deine Prioritäten eigentlich sind ? Ich glaube da hapert es bei mir momentan auch etwas. Außerdem ist es auch gewissen Schwankungen unterworfen, was ich mir gerade gut vorstellen kann. D