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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Keine Promotion, aber Lust an Uniklinik Pädiatrie zu arbeiten



Sophinkel
08.10.2023, 00:56
Hallo Ihr Lieben,

kurz zur meiner Geschichte: Während des klinischen Abschnitts in der Uni war ich oft demotiviert, da wir ja kaum etwas über Therapien und zu wirklich wichtigen Themen des Arztberufes etwas gelernt haben (zumindest selten). Dazu kam, dass ich den Großteil meiner Klinik während Coronazeiten absolviert habe, sprich noch mehr Ausfall von praxisbezogenen in Lehrinhalten wie Unterricht am Krankenbett.

Letztendlich habe ich erst im letzten klinischen Semester, in Vorbereitung auf M2&3 und während des PJs gemerkt, dass ich schon vorzugsweise an einer Uniklinik arbeiten möchte und zwar auch noch als Kinderarzt (Wahltertial war auch Pädiatrie). Das hatte ich zuvor nicht gewusst, weder Fachrichtung, noch wo. Jetzt bin ich mir nach all den Erfahrungen doch recht sicher, nur das Problem: Ich will in einem super beliebten Bereich anfangen und das auch an einer Uniklinik, und da ich vorher nie wusste wofür ich das ganze konkret mache, hatte ich mir nie eine Promotionsstelle gesucht und nun sitze ich hier und schreibe Bewerbungen mit der Sorge, keine Stelle zu bekommen, die mir wirklich gefällt.

Ich weiß, dass ich promovieren muss, wenn ich an einer Uniklinik langfristig arbeiten möchte. Also was schätzt ihr, wie realistisch ist das, dass es klappt? Und wie machbar ist das....

aschenputtel1977
08.10.2023, 07:06
Pädiatrie ist schon lange kein super beliebter Bereich mehr und es sollte sich doch machen lassen als muttersprachlicher Bewerber ohne Probleme eine Stelle zu kriegen....

ehem-user-19-05-2025-1430
08.10.2023, 07:18
Ich war an der Uni und habe wider ewarten folgenden Eindruck gewonnen: An der Uni wollen sie ja forschen, sprich Knechte die für umme für sie irgendwas machen zusätzlich zur >50h normalen Arbeit. Da sind oft Assistenzärzte ohne Dr.-Arbeit, die aber ganz klar sagen "ich will an die Uni um doch noch meine Promotion hinzubekommen" beliebt, weil man die gut ein paar Jahre noch einspannen kann... Finde ich wenn man keine Promotion gemacht hat und eine will (!) tatsächlich auch die machbarste Art wenn nicht sogar die einzige machbare Art. Work life balance ist dann natürlich in einem klassich klinischen Fach (Innere, Chirurgie, Päd, Neuro, Gyn etx.) schlecht bis sehr schlecht, muss man sich überlegen wie ichtig einem die Promotion ist.

davo
08.10.2023, 09:55
An meiner Uniklinik ist von den Assis in der Pädiatrie fast niemand promoviert. Von den Fach- und Oberärzten hingegen fast alle.

An der Partneruniklinik 25km entfernt sind von den Assis auch nur wenige promoviert, und es gibt auch viele Fachärzte und ein paar Oberärzte ohne Promotion.

Sehe da also rein empirisch gesehen also kein großes Problem...

tragezwerg
08.10.2023, 10:14
Ist kein Problem. Man darf ja ohnehin auch ohne Promotion 6 Jahre an der Uniklinik arbeiten (danach braucht man dann einen unbefristeten Vertrag, um ohne Promotion weiter dort zu bleiben...das ist sehr von der jeweiligen Abteilung und Klinik abhängig, wir einfach der zu kriegen ist), reicht also für die Weiterbildung. Und eine Doktorarbeit lässt sich ja immer noch machen, wenn gewünscht/nötig.
Eine Stelle zu finden sollte unproblematisch sein. Zur Not an einer Nicht-Uni anfangen und dann mit 1-2 Jahren Berufserfahrung wechseln, Leute mit Erfahrung sind immer gern gesehen.

nie
08.10.2023, 13:29
Je nach Uniklinikabteilung wird schon danach geschaut ob eine Promotion begonnen wurde und ob die zeitnah fertig wird. Also nur weil die Assistenten auf der Website (noch) keinen Titel haben, bedeutet das nicht, dass man so ganz ohne Doktorarbeit genommen wird.


Ich arbeite aber selbst auch ohne Promotion an einer Uniklinik und habe auch erst Mitte 4. WBJ wirklich einen Doktorarbeit begonnen als sich für mich eine Joboptionen nach dem Facharzt ergeben hat, die ich aber langfristig, dank Wissenschaftszeitgesetzt, nicht ohne Promotion machen kann. Die Arbeit wird wohl auch vor der Facharztprüfung nicht fertig und definitiv wirklich das Einzige bleiben was ich jemals an „Forschungsoutput“ generieren werde. Für meinen Chef ist das kein Problem, andere Chefs hier würden das aber nicht tolerieren.

Letzten Endes bleibt nur bewerben und schauen, was kommt.

Endoplasmatisches Reticulum
08.10.2023, 13:40
Meine Einschätzung, allerdings nicht aus der Päd: Es gibt an den meisten Kliniken Rennpferde für die Forschung und Arbeitstiere für die Patientenversorgung. Wer alles macht, ist meistens auch schlecht in allem. Das wissen die Chefs. Deshalb sieht man bei fortgeschrittenen ÄiW, Fachärzten und selbst Oberärzten an Uniklinika oft auch Menschen, die überhaupt kein Interesse an Forschung (mehr) haben und ihren Wert eben dadurch schaffen, dass sie sehr gute Kliniker sind.

Als Berufsanfänger hat man diesen Wert aber noch nicht und muss zur Fettung des Chefsphinkters irgendwie argumentieren, warum es unbedingt die Uniklinik sein soll und warum unbedingt diese Uniklinik. Also sucht man sich einen Versorgungs- und einen Forschungsschwerpunkt, der einen interessiert, und faselt den Leuten im Bewerbungsgespräch einen Knopf an die Backe, wie toll das doch ist. Das erste halbe Jahr hat man eh Schonungsfrist was Forschung angeht, weil man erstmal ankommen und Dienste wegkloppen lernen muss. Nach 2, 3 Jährchen, wenn man sich durch gute Arbeit etabliert hat, kann man dann sein Erbe beim Chef verspielen, indem man ihm eine Entscheidung gegen weitere Forschung präsentiert. Natürlich schweren Herzens und nach gründlicher und langer Überlegung, versteht sich. Dann hat man m.E. ganz gute Chancen, dass das respektiert wird und man seine Ruhe dahingehend hat.

Wenn Uniforschung Mittel zum Zweck ist und man da wenig Herzblut rein steckt, sollte man aber zumindest vermeiden, sich auf eine Clinician-Scientist-Stelle setzen zu lassen. Das versuchen Chefs in meiner Erfahrung immer öfter, weil die extern finanziert sind und damit den Stellenschlüssel nicht tangieren.

Dooly
08.10.2023, 14:43
Clinician Scientists sind aktive Wissenschaftler:innen nach Promotion und keine Leute ohne Forschungserfahrung. Man kann ohne wissenschaftliche Leistung gar nicht auf so eine Stelle gesetzt werden, sondern bewirbt sich für die Förderung und durchläuft dann ein Auswahlverfahren. Außerdem werden in dem klassischen Programm nur ÄiW berücksichtigt, für FÄ gibt es dann andere Programme. So wahrscheinlich ist die Chance auf Clinician Scientist also im Verlauf nicht, bei Promotionsbeginn in den ersten Berufsjahren. Zeit (Alter, Ausbildungsstand) ist oft ein limitierender Faktor bei Förderungen, so dass sich ein früher Start beim Versuch einer Unikarriere empfiehlt.

P. S.: Wer sich in der Karriereplanung als „Arbeitstiere für die Patientenversorgung“ in der Pädiatrie sieht, an einer Uni arbeiten möchte ohne Unikarriere anzustreben, kann das vermutlich mit ggf. örtlicher Flexibilität realisieren.

Endoplasmatisches Reticulum
08.10.2023, 15:44
Clinician Scientists sind aktive Wissenschaftler:innen nach Promotion und keine Leute ohne Forschungserfahrung.
Ah stimmt, mein Fehler. Ich meinte nicht die durchformalisierten CS-Stellen, sondern Stellen aus Forschungsgeldern. Die nutzen Kliniken durchaus auch mal mehr oder weniger austauschbar, um flexibler zu sein. Toller Bewerber da, aber gerade keine Regelstelle frei? Dann gibt's halt erstmal einen 1-Jahres-Vertrag aus irgendeinem Drittmittelprojekt. Ich kenne auch mehrere Leute, die bei Vertragsverlängerungen mehrfach mal das eine und mal das andere bekommen haben, je nachdem, was gerade frei war. Ziemlicher Beschiss, gerade wenn man beim Vorvertrag eine Planstelle innehatte. Aber hey, man kann ja einfach gehen ...

Dooly
08.10.2023, 16:27
Solche Drittmittelstellen kenne ich auch, wobei diejenigen dann primär in der Forschung arbeiten und nicht in der Versorgung. Auch unwahrscheinlich hier in diesem Fall. Es macht einfach Sinn für so was Leute zu nehmen, die selbst einwerben können. Grundsätzlich ist die Situation an Unis und für die wissenschaftlichen Beschäftigten echt schlimm.

Endoplasmatisches Reticulum
08.10.2023, 17:40
Solche Drittmittelstellen kenne ich auch, wobei diejenigen dann primär in der Forschung arbeiten und nicht in der Versorgung.
Ne, eben nicht. Die werden einfach zur fluiden Aufstockoung des Stellenschlüssels veruntreut, um es mal gehässig zu sagen. Mir wurde mehrfach so eine "Stelle" angeboten mit der Aussage: "Wundern Sie sich nicht, wenn auf dem Arbeitsvertrag irgendein Drittmittelprojekt steht, damit haben Sie nichts zu tun. Bei der nächsten Vertragsverlängerung gibt es dann einen ganz normalen Vertrag". Hahja, die zuversichtlichen unverbindlichen Nichtzusagen. Aber das kann auch meine Bubble sein. :)

Dooly
08.10.2023, 17:51
Krass. Anscheinend Bubble-abhängig. Meine Erfahrung ist wie gesagt gegensätzlich. Die Drittmittelprojekte haben gewisse Leistungsanforderungen und man braucht Bestandspersonal für JIF und weitere Drittmittel und für die Leitungsebene. Sicherlich wurde günstiges Personal querfinanziert aber kein wissenschaftliches.

P.S.: ist es nicht auch vielsagend, wie schlecht die Personalplanung ist, wenn man für den normalen Betrieb Drittmittel „spenden“ muss? Dass die Leitungsebene es nicht schafft genügend Stellen zu bekommen? Es ist doch echt scheiße, so kommt man dann doch dahin, Prozeduren abzurechnen, die Geld bringen aber nicht indiziert sind, um der Geschäftsführung zu zeigen, dass man Kohle ranschafft und Stellen verdient.