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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zukunft der Allgemeinmedizin: MVZs statt Gemeinschaftspraxen?



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ehem-user-19-05-2025-1430
08.10.2023, 07:39
Hallo zusammen,
hatte derletzte eine Diskussion, in der mein Gegenüber meinte in 10-20 Jahren gäbe es nur noch größere MVZs mit angestellten Ärzten und die klassiche Hausarztpraxis würde aussterben. Bin da hin und her gerissen wie ich die Lage einschätze. Aktuell gibt es ja noch ohne Ende Einzelpraxen, die aber öfters keinen Nachfolger finden, der Trend zur Gemeinschaftspraxis (3-4 Sitze) ist ja schon sehr eindeutig. MVZs mit >10 Ärzte, alle angestellt,sind ja aber noch einmal entwas anders.

Was ich finde was dagegen spricht:
1. Mein Eindruck ist dass die Patienten eigentlich am liebsten so kleine Praxen wie möglich möchten bzw. halt immer den selben Arzt haben möchten, was schon bei unserer 3-Mann Praxis (2 Chefs + WBA) nicht immer möglich ist, da nicht jeder jeweils jeden Werktag da ist.
2. nach meinen Erfahrungen in Klinik und Praxis denke ich schon dass die Selbständigkeit zu einer Effizienzsteigerung führt, plötzlich freut man sich nicht mehr über Leerlauf Freitags vormittags etc. Denke um 1 selbständigen Hausarzt zu erstetzen braucht man 2 angestellte(bin selbst noch angestellt)... ist das im Interesse der Politik? Die Telematicinfrastruktur der Landarztpraxis in der ich bin ist bspw. auch besser als die der Uniklinik, einfach weil da jemand hockt, den es interessiert....
3. auch ich alls junger Hausarzt finde die Vorstellung einer eigenen Praxis mit vielleicht 1-2 Partner*innen viel attraktiver als von irgendeinem BWLer angeordnet zu bekommen unnötige Untersuchungen zu IGELn...
4. im Gegensatz zu den meisten anderen Fächern ist das gebundene Kapital/Invest einfach deutlich geringer in der Allgmemeinmed, sodass man als Einzelkämpfer besser mithalten kann (im Vergleich zu CT-Park, Dialysegeräte-Park oder dem Koloskop-Schrank).

Ein wenig verunsichert mich die Diskussion, träume irgendwie von der großen ländlichen Hausarztpraxis als (Mit)Inhaber, Würde mich mal über eure Einschätzung freuen, wie ihr die Lage einschätzt (gerne auch in anderen Fächern, aber insbesondere Allgmeinmedizin).

Einen schönen Sonntag allen!

Kackbratze
08.10.2023, 08:03
Wolltest Du nicht Pädiatrie machen?

Minga30
08.10.2023, 09:01
Radiologen schaffen sich meist keinen "CT-Park" - ist auch bei der Geschwindigkeit in der Bilder akquiriert werden können nicht nötig. Ein "MRT-Park" hingegen ist schon allein aufgrund der Terminverfügbarkeit da die Bilder Akquisition länger dauert sinnvoll und wird besser vergütet. Nur so nebenbei...

Ich bin der Meinung, dass Medizinische Versorgungszentren insbesondere Vorteile in Bezug auf die eigene Arbeitszeitgestaltung bieten. Daher scheint es mir in MVZs eher möglich zu sein, in Teilzeit zu arbeiten. Alles Weitere, was die beruflichen Gestaltungsmöglichkeiten und finanziellen Eigenverdienste betrifft, sollte in einer inhabergeführten Praxis wahrscheinlich besser sein.

ehem-user-19-05-2025-1430
08.10.2023, 09:30
@kackbratze Eigentlich nicht...vielleicht hab ich mal darüber philosophiert ein halbes Jahr päd zu machen aber selbst daran kann ich mich nicht erinnern :)

@Minga30 das denke ich auch. Ich selber arbeite aktuell und auch geplant gerne Vollzeit...weshalb mir das nicht so wichtig ist....

Die Frage ist halt ob über Effizienzsteigerung im mvz und hiernach Reduzierung der Vergütung der nicht-mvz-allgemeinmediziner vom Markt gedrängt wird...

davo
08.10.2023, 09:45
Ich glaube nicht, dass MVZ zu einer Effizienzsteigerung im Sinne von Kostenersparnis für die Kassen führen werden. Es wird einfach nur der Ertrag umverteilt - weniger für die Ärzte, mehr für die Manager, Eigentümer, Aktionäre.

nappy
08.10.2023, 13:01
Würdest du dich denn in einer Einzelpraxis niederlassen? denke der Großteil der frisch gebackenenen Allgemeinmediziner wünscht sich eine Gemeinschaftspraxis oder eine Anstellung.

Zudem ist die Lage ja ziemlich diffus:
- ebm Erhöhung decken nicht Inflation ab
- kein Personal mehr zu finden
- lächerliche Hausarzt Ordinationsziffer
- bald wieder schön Dienste schrubben wenn die Poolärzte als sozialversicherungspflichtig gewertet werden

Die für mich interessante Frage ist wo soll die Reise mit der Allgemeinmedizin hingehen.
- Primärarztsystem ? Dann könnte ich mir das weiter vorstellen
- überweisungsschreiber und psychosomatiker / neurotiker behandeln… schwierig

Interessanter Artikel dazu war neuerlich in der ärztezeitung allerdings nur nach Anmeldung zugreifbar

https://www.aerztezeitung.de/Politik/Wir-sind-keine-Hausaerzte-sondern-Fachaerzte-fuer-Primaermedizin-443288.html


Und zur eigentlichen Frage: denke ein Inhaber arbeitet immer effizienter!! Umsatzbeteiligung ist aber da nen elegantes Mittel um auch als Angestellter ein bisschen motiviert zu werden

PhilScheuer
08.10.2023, 13:42
Hallo Zusammen,

deine Frage, MellowMed, beschäftigt mich auch schon eine Weile. Wie lässt sich Lage einschätzen, was sind die wichtigen Informationen und Entscheidungen, welche die ambulante Versorgung in den nächsten Jahre betreffen werden. Bisher war ich in der Inneren Medizin in der Klinik angestellt, möchte nun, nach meinem FA, aber in der ambulanten Versorgung Fuß fassen. Versuche seit einiger Zeit mittels Podcasts und Diskussionen mit Kollegen ein wenig mehr diesbezüglich zu erfahren. Bisher konnte ich mich noch nich durchringen ein Buch dazu in die Hand zu nehmen, bzw hatte auch kein gutes gefunden welches die aktuelle Lage bezüglich zukünftiger ambulanter Versorgung im Gesundheitswesen, mit den wichtigen Teilaspekten, umfässt.

Zu 1)
Kann ich mir vorstellen, dass den meisten Patienten das Vertrauenverhältnis zu “ihrem” Arzt wichtig ist. Vielleicht kann da die Telemedizin helfen, durch welche man, mittel bis langfristig eine Effizienzsteigerung dahingehend ermöglicht, dass nicht jeder “Check-up Termin” vor Ort stattfinden muss, und somit die Terminplanung flexibler laufen könnte.

Zu 2)
Das kann ich zwar nicht einschätzen, da ich nie in einer Praxis gearbeitet habe. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass es Möglichkeiten gibt, sowohl in einer kleineren als auch größeren Praxis die Effizienz zu steigern. Was ich bisher gehört habe sind es oft bürokratische Hürden, welche die Umsetzung bremsen. Die Lage wird sich mE jedoch zu größeren PRaxen / MVZ verlagern, da immer weniger junge Allgemeinmediziner oder internistische Hausärzte die Selbstständigkeit wagen, aufgrund eines schätzungsweise höheren finanziellen Risikos.

Zu 3 und 4
Finde es auch attraktiver mittel bis langfristiger möglichst viel Entscheidungsmöglichkeiten in der hausärztlichen Tätigkeit zu erhalten und die Einflüsse von Dritten, insbesondere bei MVZs, welche in Händen von Investoren sind, möglichst gering zu halten. Vielleicht spielt hier auf die Umgestaltung durch die Krankenhaus-Reform mittelfristig eine große Rolle, welche ich allerdings momentan kaum einschätzen kann.

Daneben wurde auch des öfteren erwähnt, es sei immer schwieriger für kleiner Praxen MTAs zu finden, bei zunehmenden Anforderungen, u.a. durch Bürokratie und zunehmender Anzahl an Patienten (demographischer Wandel). Dennoch gibt es spannende Ansätze, insbesondere durch eine verbesserte Telematikinfrastruktur, sowie Automatisierung und Auslagerung von Arbeitsschritten durch sinnvolle “digitale Anwendungen. Jedoch scheinen die genannten Probleme schneller voran zu schreiten als erleichternde Lösungen umgesetzt werden können.

Das ist mein Eindruck momentan, aber bin da noch relativ am Anfang..

Grüße und schönen Sonntag

ehem-user-04-01-2024-1151
08.10.2023, 18:37
Wenn die Allgeinmedizin so unlukrativ, Unterfinanziert, von Fachkräfte (z.B. MTA) - bzw. Nachfolgermangel bedroht ist, die Honorare nicht selbstständig erhöht werden können (wie z.B. bei Unternehmen der freien Wirtschaft) und evtl. sogar die PKV abgeschafft wird…Wieso investieren dann Private Equity-Gesellschaften in so großem Maße in Arztpraxen? Und es ist ja belegt, dass dies nicht nur in Fächern wie Radio, Auge, Labor etc. passiert sondern auch in der hausärztlichen Versorgung. und diese Gesellschaften müssen doch Rendite generieren. Und für sie gelten doch die gleichen anrechenbaren Ziffern, der gleiche Punktwertung, der gleiche Fachkräftemangel (zumal ich als MTA lieber beim Inhaber arbeiten würde als bei einem Träger der nur auf Gewinn aus ist und mit Medizin nix am Hut hat. Kann mir auch nicht vorstellen, dass da die Arbeitsbedingungen besser sind als in vielen KH. Aber irgendwas müssen sich diese Private Equity-Gesellschaften ja davon versprechen. Bei Ketten wie Helios sicherlich patienten akquise in die eigenen Kliniken, aber ich meine die Investoren die gezielt Praxen kaufen.

freak1
08.10.2023, 19:32
Vielleicht lohnt es sich einfach schon, um sich selbst alles in die FA Zentren zuzuweisen?

ehem-user-04-01-2024-1151
08.10.2023, 19:48
Könnte für die Allgemeinmedizin ein Argument sein, aber es wird ja auch in sämtliche Facharztrichtungen investiert (wenn auch nicht in so großem Maße wie z.B. bei Augen, Radio etc.). Und auch die Fachaztzentren sind vom Budget und der Politik abhängig, ebenso wie sie auch vom Fachkräftemangel betroffen. Außer dass diese Gesellschaften mehr Geld in der Hinterhand haben als Privatpersonen erschließt sich mir noch nicht ganz der Sinn in Arztpraxen zu investieren. Zur Zeit können sich ja Handwerksfirmen kaum vor Aufträgen retten und Preise z.T. Selbst festlegen. Trotzdem habe ich noch nie gehört das Private Equity kleinere Handwerksbetriebe aufkaufen und Fusionieren, obwohl dass ja lukrativer sein dürfte

Autolyse
08.10.2023, 20:18
Könnte für die Allgemeinmedizin ein Argument sein, aber es wird ja auch in sämtliche Facharztrichtungen investiert (wenn auch nicht in so großem Maße wie z.B. bei Augen, Radio etc.). Und auch die Fachaztzentren sind vom Budget und der Politik abhängig, ebenso wie sie auch vom Fachkräftemangel betroffen. Außer dass diese Gesellschaften mehr Geld in der Hinterhand haben als Privatpersonen erschließt sich mir noch nicht ganz der Sinn in Arztpraxen zu investieren. Zur Zeit können sich ja Handwerksfirmen kaum vor Aufträgen retten und Preise z.T. Selbst festlegen. Trotzdem habe ich noch nie gehört das Private Equity kleinere Handwerksbetriebe aufkaufen und Fusionieren, obwohl dass ja lukrativer sein dürfte
Ausfallrisiko...

nappy
08.10.2023, 21:12
Also ganz so einfach ist es mit der gewinnabschöpfung in der Allgemeinmedizin eben nicht. Das wird hier jeder Allgemeinmediziner der einen Angestellten auf einem Sitz beschäftigt bestätigen können - oft tragen sich nur die Lohnkosten…. Aber vielleicht gibt es ja hier auch andere Meinungen hierzu.

Die MVZ die ich allgemeinärztlich sehe diene häufig als Zuweisung / Einweisung/ Patietenaquise

ehem-user-04-01-2024-1151
08.10.2023, 21:26
Ausfallrisiko...

Genau das wird ja von jungen Ärzten als ein Hauptgrund gegen die eigene Niederlassung genannt.

ehem-user-04-01-2024-1151
08.10.2023, 21:29
- oft tragen sich nur die Lohnkosten….

Warum stellt man dann überhaupt jemanden an, wenn es sich nicht rentiert? Ist ja ein hohes finanzielles Risiko was man eingeht

Autolyse
08.10.2023, 21:47
Genau das wird ja von jungen Ärzten als ein Hauptgrund gegen die eigene Niederlassung genannt.
Das der Hauptauftraggeber insolvent wird halte ich in dem Setting für eher abwegig.

ehem-user-04-01-2024-1151
08.10.2023, 22:42
Das der Hauptauftraggeber insolvent wird halte ich in dem Setting für eher abwegig.

Wenn das Ausfallrisiko so gering ist, müsste das doch auch für niederlassungswillige junge Ärzte gelten?

anignu
09.10.2023, 01:03
Da hast du ganz andere Investitionen und dann doch wieder Risiken.
Eine Praxis mit 5 Allgemeinmedizinern braucht 1-2 Sonos, 1 Ergometrieplatz, einmal ein funktionierendes Computersystem, ein Abrechnungssystem, einen Menschen der sich mit der Abrechnung gut auskennt etc. Bist du alleine brauchst du all das selbst. Sind es 5 Leute braucht man die Sachen zu fünft. Das ist ein anderes Niveau an Investitionen.
Bist du alleine und wirst krank ist plötzlich der alleinige Ertraggenerierer der Praxis weg und die Kosten (Miete, Angestellte etc.) laufen weiter. Seid ihr fünf Leute ist das noch nicht toll aber irgendwo tragbar.

Kurzum: mit mehr Leuten verteilt sich das Risiko einfach. Daher macht man es. Als einigermaßen junger Facharzt hätte ich mich damals auch nicht in der Lage gesehen eine Praxis alleine aufzumachen, finanzielle Risiken einzugehen etc. Inzwischen hab ich mehr Erfahrung und kenn die Zahlen besser...

Und bzgl. MVZs: in meinem Landkreis gibt es einige Ärzte die andere Arztsitze aufkaufen und MVZs machen. Nicht BWLler. Ärzte.

JJ*
09.10.2023, 08:16
Wieso investieren dann Private Equity-Gesellschaften in so großem Maße in Arztpraxen? […] Aber irgendwas müssen sich diese Private Equity-Gesellschaften ja davon versprechen.
Die Initiative „Finanzwende“ hat hierzu eine in meinen Augen lesenswerte Untersuchung veröffentlicht: Private-Equity-Beteiligungen an Arztpraxen in Deutschland (Link zum Artikel, der auf die PDF verlinkt) (https://www.finanzwende-recherche.de/unsere-themen/private-equity-beteiligungen-an-arztpraxen/)

Kurzfassung: ein Großteil der Private-Equity-Investoren profitiert bislang vor allem durch den Weiterverkauf der gebildeten MVZ an andere Investoren nach Umstrukturierung und Fokussierung auf möglichst hohen cash flow sowie durch diverse „Steuersparmodelle“, gerne auch durch Mutterkonzerne in Steueroasen. Für den Bereich Allgemeinmedizin geht man ebenfalls davon aus, dass dieser primär als Zuweiser zu anderen konzerninternen Praxen relevant sei.

Frisko
09.10.2023, 08:21
Warum stellt man dann überhaupt jemanden an, wenn es sich nicht rentiert? Ist ja ein hohes finanzielles Risiko was man eingeht

Das macht kaum noch jemand. Ich kenn zig Hausarztpraxen, die begeisterten Weiterbilder*innen gehören und die ganz deutlich sagen, sie können nicht mehr weiterbilden. Sie können es sich schlicht nicht mehr leisten. Das Gehalt und (wichtiger) die Gehaltsvorstellungen richten sich nach den Tarifverträgen. Und obwohl die Förderung ja hoch klingt, zuletzt 5000 Euro monatlich meines Wissens, hat zumindest mein Weiterbilder mir mal vorgerechnet, daß ich ihn trotzdem knapp 2000 Euro monatlich koste. Die spiele ich vielleicht auch wieder rein, aber rechnen kannst du damit nicht.

Und der Reiz für die BWL ist doch klar.
Die Geschäftführung muss sich den ganzen ethischen Zwängen und Überlegungen nicht aussetzen. Wie sollte sie auch? Es geht erstmal um Wirtschaft und somit um Geld. Ob da die Diskussionen zugunsten einer IGEL-Leistung oder einer teureren Therapie, vielleicht auch mal in Absprache mit fleißigen Pharmavertreter*in, kritisch erfolgen? Ich denke nicht. Zudem kannst du deutlich längere Sprechstunden anbieten, gerade wenn du auf mehrere Arbeitnehmer*innen zurückgreifen kannst. Und du musst dich nicht mal schlecht fühlen deswegen, weil... wer macht es denn sonst?! "Wir haben es ja versucht, aber die jungen Kolleg*innen wollen ja alle in die Stadt. Passt Ihnen nicht? Dürfen sich gerne einen neuen Hausarzt suchen. Gibt´s nicht? Ja. Schade." Und der Gewinn liegt am Ende ja eher im Verkauf an die großen Konzerne, die die Medizin dann als Oligopol verwalten.

Die Kolleg*innen kriegen genau das, was die aktuelle Genereation will. (Subjektive) Freiheit beim Arbeiten und möglichst große Abgabe des unternehmerischen Risikos. Die o.g. Gewinnmaximierung muss auch hier nicht zum schlechten Gewissen führen, da der schwarze Peter ja nach oben gereicht werden kann. In unserem Ort ist die Geschäftführerin des städtischen MVZ 28 Jahre alt. Und Chefin von drei Platzhirschen Anfang 70, die sich jetzt sagen lassen dürfen, wie sie zu arbeiten haben. Aber das fällt am Anfang vielleicht gar nicht so sehr auf, die Umstellung von der Klinik mit sicheren Netzen ist ja im MVZ zumindest angedeutet.

Und die Patient*innen? Bekommen auch das, was sie wollen. Ärztliche Versorgung zu jeder Zeit. Außer wenn das MVZ mal dicht hat. Oder wenn es um Kinder geht. Die behandelt dann da auch keiner mehr mit. Palliativversorgung ist auch schwierig, weil das kriegen wir mit der Teilzeit nicht so gut hin. Und die Kollegin bei der sie gestern waren, die ist leider heute nicht da und hat auch keine Übergabe gegeben. Können Sie nächste Woche nochmal vorbeikommen? Ne, aussuchen dürfen Sie sich das leider nicht. N Hausbesuch? Schwierig. Wie alt ist denn das Kind, das sieht ja krank aus! Ne, das gucken wir uns nicht an, hier ist die Einweisung. Wundversorgung?! Ah... der Kollege ist morgen wieder da. Und was machen Sie hier? Aber ihr Hausarzt muss doch einen Vertretungsarzt angeben, wir sind das nicht!! Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung? Ja. Sind wir. Aber nicht immer und nicht für sie.
Alles real, nichts erfunden.

Ich habe mittlerweile einfach das Gefühl, daß die Allgemeinmedizin nicht mehr erwünscht ist, zumindest nicht in der Form, in der ich Allgemeinmedizin verstehe. Zu teuer, zu aufwändig zum Reformieren, zu vielgestaltig. Ich dachte vor zwei Jahren noch, daß ich in der Allgemeinmedizin eigentlich nur gewinnen kann, da ich (blauäugig) davon ausgegangen bin, daß sämtliche Reformen die noch kommen, ja in meinem Interesse sein müssen! Weil sonst gibt es ja bald keine richtigen Hausarztmedizin mehr. Mittlerweile seh ich das irgendwie nicht mehr so.

ehem-user-04-01-2024-1151
09.10.2023, 09:31
Und bzgl. MVZs: in meinem Landkreis gibt es einige Ärzte die andere Arztsitze aufkaufen und MVZs machen. Nicht BWLler. Ärzte.
Das ist bei mir im Umkreis auch so. Sowohl Fach- als auch Hausärzte.

Vielen Dank erstmal an alle für die Erklärung und den verlinkten Artikel. Jetzt wird mir einiges klarer.