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rafiki
07.11.2023, 06:41
Frage mich, wie einigen aus der nachrückenden Generation mal Verantwortung übernehmen wollen mit dieser Einstellung.

Als ich in der Nuller Jahren PJ machte, habe ich mich drauf gefreut, endlich in die Medizin einzusteigen, habe mich ganz klar als Student gesehen. Übrigens keinen Cent Vergütung. Traditionell ist die sehr schlichte "Mitarbeit", die wirklich was taugt, nämlich Hakenhalten und Blutabnehmen, die Gegenleistung für die Lehre. Hatte auch überhaupt kein Vermögen, habe allerdings frei gewohnt gegen Mitarbeit. Und zusätzlich noch ein paar Monate in Tansania verbracht. War alles machbar, hab es überlebt und profitiert, obwohl es nicht meine angestrebten Gebiete waren.

Matzexc1
07.11.2023, 06:53
Noch ein Aspekt: Zeit, wenn wir uns anschauen wie lange Entscheidungen auf rechtlichen Weg dauern stellt sich mir die Frage wie lange der Klageweg dauern wird und welche Gerichte im bereits stark beanspruchten Rechtssystem zuständig sind

Ich nehme nicht an das ein aufschieben des PJ in Frage kommt bis die Klage erfolgreich oder nicht erfolgreich ist.

Desweiteren hat Nefazodon ja aufgeschlüsselt was alles an so einer Klage dranhängt, die aktuelle Situation der kassenärztlichen Bereitschaftspraxen zeigt ja auch was ein Urteil auslösen kann.

Was übrigens Planbarkeit angeht: Diese finde ich in unserem Umfeld nur bedingt gegeben, die kurzfristige Umverteilung bei Ausfällen, an das 2.Haus im Verbund geschickt zu werden weil denen der Normalbetrieb zusammenbricht....hab ich alles erlebt.

Rubinho21
07.11.2023, 07:05
Frage mich, wie einigen aus der nachrückenden Generation mal Verantwortung übernehmen wollen mit dieser Einstellung.

Als ich in der Nuller Jahren PJ machte, habe ich mich drauf gefreut, endlich in die Medizin einzusteigen, habe mich ganz klar als Student gesehen. Übrigens keinen Cent Vergütung. Traditionell ist die sehr schlichte "Mitarbeit", die wirklich was taugt, nämlich Hakenhalten und Blutabnehmen, die Gegenleistung für die Lehre. Hatte auch überhaupt kein Vermögen, habe allerdings frei gewohnt gegen Mitarbeit. Und zusätzlich noch ein paar Monate in Tansania verbracht. War alles machbar, hab es überlebt und profitiert, obwohl es nicht meine angestrebten Gebiete waren.


Ja und genau so Menschen wie du sind Teil des Problems.
Nur weil ihr teilweise noch schlechtere Bedingungen hattet, macht es dir Bedingungen heute nicht gut. Deswegen halten sich nach wie vor schreckliche Hierarchien in vielen Fachgebieten usw mit der Begründung „frühen war es noch schlimmer“ „alle nicht mehr hart genug“ „nur so wird man ein guter Chirurg“ obwohl empirisch bewiesen ist, dass es eben nicht so ist.
Nein ein PJ in dem ich 30 Stunden die Woche (vor allem Nachts arbeite um mir meinen Leben zu finanzieren) kann keine gute Lehre sein.

Nach 5 Jahren Studium und 2 Staatsexamen arbeitet man in der Klinik eine Vollzeitstelle und verdient nichtmal die hälfte eines Pflegeschülers in seinem ersten Monat. Auch das ist Ausbildung!

Man kann sich ja gerne an Lehrern orientieren, die für ihre Referendare eine Regelung gefunden haben.

Ja im PJ werden einem wenig verantwortungsvolle Aufgaben übertragen. Das ist aber nicht der Fehler der Studenten.

Matzexc1
07.11.2023, 07:13
Zum Thema Vergütung:
Ich habe mein Studium auch mit Nebenjobs, vor allem aber durch einen Kredit und meine Eltern finanziert.

Möglichkeiten gibt es genug dieses 1 Jahr zu überbrücken, die Idee mehr Geld bei gleichzeitig verantwortungsvollerer Arbeit finde ich gefährlich. Es fehlt im PJ die klinische Erfahrung eine Situation richtig einzuschätzen, das würde Einarbeitung bedeuten die je nach Fach 4-6 Wochen gehen würde(das ist übrigens das was ich maximal nach dem Studium erlebt und gehört habe), das wird kein Krankenhaus leisten für Leute die nach 4 Monaten wieder gehen.

Coxy-Baby
07.11.2023, 08:41
Ja und genau so Menschen wie du sind Teil des Problems.

Ein absolut respektloser Satz!!!

Zum Thema Mindeslohn:

MiLoG

(1) Dieses Gesetz gilt für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Praktikantinnen und Praktikanten im Sinne des § 26 des Berufsbildungsgesetzes gelten als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Sinne dieses Gesetzes, es sei denn, dass sie
1. ein Praktikum verpflichtend auf Grund einer schulrechtlichen Bestimmung, einer Ausbildungsordnung, einer hochschulrechtlichen Bestimmung oder im Rahmen einer Ausbildung an einer gesetzlich geregelten Berufsakademie leisten.

Äappro

Die Gewährung von Geld- oder Sachleistungen, die den Bedarf für Auszubildende nach § 13 Absatz 1 Nummer 2 und Absatz 2 Nummer 2 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes übersteigen, ist nicht zulässig. Bei einer Ausbildung im Ausland verändert sich diese Höchstgrenze entsprechend den Maßgaben der Verordnung über die Zuschläge zu dem Bedarf nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz bei einer Ausbildung im Ausland um die in § 1 Absatz 1 Nummer 1 bis 3 dieser Verordnung aufgeführten Zuschläge. Die Zuschläge nach § 1 Absatz 1 Nummer 2 und 3 dieser Verordnung dürfen der Berechnung der Höchstgrenze nur zugrunde gelegt werden, wenn die Leistungen ausdrücklich zur Erstattung der dort genannten Kosten gewährt werden.

Wenn man jetzt mal rechnet 8 Stunden Mindestlohn bei 20 Arbeitstagen ist man bei 2320 Euro, für den Arbeitsgeber wären das dann in etwa 2800 Euro die Ihn jeder PJler im Monat kostet. Wäre interessant zu wissen, welche Kliniken dann noch PJler hätten.
Zumal diese Argumentation dann auch dazu führen dürfte dass Studenten als Angestellte ja dann auch 3 Schichtsystem machen können (so wie die Schwesternschülerin) und halt auch 8 Stunden lang durchgehend beschäftigt werden....

Hockeychaot
07.11.2023, 09:35
Frage mich, wie einigen aus der nachrückenden Generation mal Verantwortung übernehmen wollen mit dieser Einstellung.

Als ich in der Nuller Jahren PJ machte, habe ich mich drauf gefreut, endlich in die Medizin einzusteigen, habe mich ganz klar als Student gesehen. Übrigens keinen Cent Vergütung. Traditionell ist die sehr schlichte "Mitarbeit", die wirklich was taugt, nämlich Hakenhalten und Blutabnehmen, die Gegenleistung für die Lehre. Hatte auch überhaupt kein Vermögen, habe allerdings frei gewohnt gegen Mitarbeit. Und zusätzlich noch ein paar Monate in Tansania verbracht. War alles machbar, hab es überlebt und profitiert, obwohl es nicht meine angestrebten Gebiete waren.

Es ist schon wirklich mutig von Verantwortung zu reden, wenn es genau deine Einstellung ist, die mit dazu beigetragen hat, dass das System heute so marode ist wie es ist.

Ich werde nie verstehen, wie man sich damit brüsten kann, dass man offensichtlich einen so unterwürfigen Charakter hat, dass man es richtig toll findet, unter schlechteren Bedingungen als nötig etwas gemacht zu haben und somit die Taschen derer noch voller gemacht hat, die schon sehr voll sind.

Um das klar zu machen, ich möchte deine Leistung damit gar nicht schmälern und wenn es für dich cool war, dass alles so durchzuziehen und du dankbar bist, dann ist das dein gutes Recht. Aber einer gesamten Generation Schwäche vorzuwerfen, weil einige die Bedingungen wie sie sind nicht akzeptieren wollen, dann ist das schon eine sehr verworrene Logik, denn genau das ist Verantwortung. Am Ende wird auch niemand der sich für ein faireres PJ einsetzt einen anderen Abschluss haben als du, ein schlechterer Arzt sein oder länger für das Studium brauchen.

Frisko
07.11.2023, 09:49
Das ganze Konstrukt ist halt auch perfide aufgebaut. Vom Studium bis zum Facharzt. Man ist immer nur so "kurz" betroffen, dass der Aufwand sich mit genau diesem an die Veränderung zu machen, eine viel zu hohe Hürde ist. Hab mich immer schon im Studium gefragt, wie die Kolleg*innen noch Zeit für freiwillige Verpflichtungen nebenbei fanden, während ich Probleme hatte zu schwimmen.

Zeitgleich nervt mich der Spruch: "Stellt euch mal nicht so an, wir mussten früher..." auch hart. Nicht, weil er nicht wahr wäre. War bestimmt nicht witzig in Zeiten der Ärzteschwemme eine Anstellung in der Fachrichtung zu finden. Andererseits wäre ja genau jetzt die Möglichkeit da, Entscheidendes zu verändern. So viel Wumms und Unzufriedenheit, wie ich aktuell in unserem Haus erlebe, habe ich in 20 Jahren Krankenhausarbeit noch nicht erlebt. Da muss sich doch irgendwas machen lassen!?

Und noch perfider ist ja, dass wir uns in diesem Thema schon wieder untereinander streiten und im Kreis drehen. Was so ungefähr der einzige Weg ist, auf dem sich NICHTS ändert und die Stimmung NOCH schlechter wird.

Matzexc1
07.11.2023, 09:51
Es ist schon wirklich mutig von Verantwortung zu reden, wenn es genau deine Einstellung ist, die mit dazu beigetragen hat, dass das System heute so marode ist wie es ist.

Ich werde nie verstehen, wie man sich damit brüsten kann, dass man offensichtlich einen so unterwürfigen Charakter hat, dass man es richtig toll findet, unter schlechteren Bedingungen als nötig etwas gemacht zu haben und somit die Taschen derer noch voller gemacht hat, die schon sehr voll sind.

Um das klar zu machen, ich möchte deine Leistung damit gar nicht schmälern und wenn es für dich cool war, dass alles so durchzuziehen und du dankbar bist, dann ist das dein gutes Recht. Aber einer gesamten Generation Schwäche vorzuwerfen, weil einige die Bedingungen wie sie sind nicht akzeptieren wollen, dann ist das schon eine sehr verworrene Logik, denn genau das ist Verantwortung. Am Ende wird auch niemand der sich für ein faireres PJ einsetzt einen anderen Abschluss haben als du, ein schlechterer Arzt sein oder länger für das Studium brauchen.

Ich finde es schon sehr interessant das du dich an diesem Satz, den ich auch nicht gut finde und fand, dermaßen persönlich aufhängst. Desweiteren waren seine Bedingungen damals Standard das hat mit Unterwürfigkeit nicht das geringste zu tun, man hatte noch weniger Wahl als heute.

Du willst es besser machen ? Dann mach, aber hier wurden genug Argumente genannt warum deine Idee nicht funktionieren wird und weswegen ich sicher bin das du allein schon wegen den Kosten einer Klage und dem zeitlichen Bedarf für selbige das auch nicht machen wirst.

Hockeychaot
07.11.2023, 10:25
Ich finde es schon sehr interessant das du dich an diesem Satz, den ich auch nicht gut finde und fand, dermaßen persönlich aufhängst. Desweiteren waren seine Bedingungen damals Standard das hat mit Unterwürfigkeit nicht das geringste zu tun, man hatte noch weniger Wahl als heute.

Du willst es besser machen ? Dann mach, aber hier wurden genug Argumente genannt warum deine Idee nicht funktionieren wird und weswegen ich sicher bin das du allein schon wegen den Kosten einer Klage und dem zeitlichen Bedarf für selbige das auch nicht machen wirst.

Ich hänge mich daran persönlich auf, weil mit genau diesem stereotypischen Satz ständig alles relativiert wird und diskreditiert wird.

Natürlich war es eine andere Zeit, natürlich war es anders, durch den sozialen Druck sicher auch nicht leichter, aber von einer erwachsenen Person kann man schon erwarten zu reflektieren und nicht so zu tun, als wären heute alle weich weil sie sich nicht mehr mit dem Status quo zufrieden geben wollen.

Ich hab in meinem Leben schon oft gehört, dass Dinge nicht gehen und mir ist durchaus bewusst, dass die Chancen, sowas durch zu ziehen wirklich sehr gering sidn, aber deswegen gleich komplett alles sein zu lassen, ist doch auch kacke.

Kampf-Muffin
07.11.2023, 10:33
Ich weiß gar nicht, warum alle jungen Leute immer so jammern, wir mussten damals noch bei Wind und Wetter ohne Schuhe 37km durchs Gebirge zur Klinik wandern und im 72h-Dienst waren nur eine Trink- und eine Klopause gestattet und die Medikamente für die Patienten mussten wir aus eigener Tache bezahlen und wir haben dafür bezahlt, arbeiten zu dürfen ABER WIR WAREN DANKBAR FÜR DIE CHANCE

Matzexc1
07.11.2023, 10:51
Ich hänge mich daran persönlich auf, weil mit genau diesem stereotypischen Satz ständig alles relativiert wird und diskreditiert wird.

Natürlich war es eine andere Zeit, natürlich war es anders, durch den sozialen Druck sicher auch nicht leichter, aber von einer erwachsenen Person kann man schon erwarten zu reflektieren und nicht so zu tun, als wären heute alle weich weil sie sich nicht mehr mit dem Status quo zufrieden geben wollen.

Ich hab in meinem Leben schon oft gehört, dass Dinge nicht gehen und mir ist durchaus bewusst, dass die Chancen, sowas durch zu ziehen wirklich sehr gering sidn, aber deswegen gleich komplett alles sein zu lassen, ist doch auch kacke.

Ja das und die Standardsätze: "Früher war alles besser...""Das hammer immer schon so gemacht das haben wir noch nie so gemacht, da könnt ja jeder kommen und schaff du erstmal 20 Jahre..." kenne ich alle aus eigener Erfahrung in der Krankenpflege und auch als Arzt.

Der Versuch ein System zu ändern das sich selbst stützt indem die oberen davon profitieren, in einem Land wo Neid und Missgunst auf viele denen es besser geht üblich ist und in einem Berufsfeld wo der Zusammenhalt häufig nicht existent ist und eine ausgepräggte Ellenbogenmentalität herrscht wird weitaus mehr Zeit brauchen als wir beide haben und mehr Ressourcen als wir beide aufbringen können.

Es wird keinem Medizinstudenten/keine Medizinstudentin der sich mit einem Transparent vor die Uni stellt und wegen Misständen protestiert geschehen das er zur Berümtheit wird weil der Mehrheit der Bevölkerung das ganze Thema völlig egal ist und es wird auch kaum einen Interessieren wenn man den Klageweg nimmt. Ich darf auch daran erinnern das es zu einer Verschlimmbesserung kommen kann. Die Nummer mit Abiturbesten und Wartezeitquote ist auch so ein schönes Beispiel, ich erwarte eher das sich etwas ändert wenn die Ressource Studierende weitaus weniger vorhanden ist als der Bedarf. Ein Lehrhaus meiner Uni brachte die Pjler auf der privatstation inklusive Vollverpflegung unter, der Laden liegt auch in der Wildnis, eine zentral liegende große Klinik geht da anders vor.

Du merkst auch je nach Gegend einen Unterschied im Umgang mit neuen Assistenzärzten der mehr am Mangel liegt als an irgendwelchen rechtlichen Schritten

@Kampfmuffin: Ironie ist was Schönes, nicht wahr. Man sollte nur wissen wann es passend wird

Endoplasmatisches Reticulum
07.11.2023, 11:05
Wenn man jetzt mal rechnet 8 Stunden Mindestlohn bei 20 Arbeitstagen ist man bei 2320 Euro, für den Arbeitsgeber wären das dann in etwa 2800 Euro die Ihn jeder PJler im Monat kostet. Wäre interessant zu wissen, welche Kliniken dann noch PJler hätten.

Die Arbeit ist eingepreist. Müsste das Haus stattdessen MFAs einstellen, die den halben Tag Akten schubsen oder Blut abnehmen, eine PA für Briefe und Chirurgieassistenten fürs Hakenhalten, kostet das mehr.

Grundsätzlich finde ich Argumente mit dem Praktikumscharakter des PJ schwach. Das ist ja ein willkürliches Dekret von oben. Es gibt keinen Grund, warum man das nicht z.B. wie bei den Juristen macht: Studium endet mit M2, dann ist man Mediziner und kann machen was man will. Zum approbierten Arzt braucht man dann eben noch PJ + M3, ist da aber kein Student mehr.

Seit doch nicht so hart zum TE. Der Ductus amüsiert etwas, ja. Diese jugendliche Naivität hatte ich auch mal. Aber dass es im PJ viele Defizite gibt ist richtig und rechtfertigt nicht, dass sich hier jetzt Altforumisten und Oberärzte darauf einschießen, ihn ins Lächerliche zu ziehen, weil sie früher ja noch viel härter im Garten unterwegs waren.

Dooly
07.11.2023, 11:15
Generell finde ich PJ sinnvoll und erhaltungswürdig und es ist ganz klar, dass das PJ etwas mehr Struktur und Support bei der Einhaltung der Regeln bekommen muss. Meine Idealvorstellung ist, dass das ähnlich gemacht wird, wie es theoretisch in der Pflegeausbildung mit den Lernstationen ist: 1-2 eigene Patient:innen pro Studi, 1 Ärzt:in für ca. 6 Patient:innen und 3-6 Studierende. Ablauf dann sehr realitätsnah nur mit deutlich abgespeckter Arbeitsdichte inkl. Anordnungen, Briefe usw. Das können vermutlich nur größere Häuser mit einigermaßen großer Besatzung leisten, um sich mit der PJ Betreuung abzuwechseln. Sonst wird man ja irre, wenn man durchs ganze Jahr die PJ Betreuung hat. Vergütung in Höhe von Bafög Höchstsatz wäre super und/oder in Kombination damit, dass ich PJ Arbeitszeiten auf ca. 5 -6 h/Tag festlegen würde. Das dürfte ca. mit dem Aufwand während der normalen Semester auskommen. Gleitzeitreglung für Personen, denen ein Nachteilsausgleich zusteht. Bei all diesen Punkten kommt man aber mit einer Klage nicht weit. Da muss man hochpolitisch dran, wie immer. D. h. letztendlich muss es Lehregeld geben sowie die Möglichkeit die Lehrerlaubnis relativ kurzfristig wieder zurückzuziehen, sobald Lehre nicht läuft. Dafür müsste natürlich zunächst ein valides Bewertungstool geschaffen werden. Theoretisch ist das derzeit bereits so gedacht, praktisch gibt es anscheinend zu viele schlechte PJ Stellen. Die Folge könnte eine Ausdünnung von PJ Stellen sein, was gerade für die Unflexiblen Probleme schaffen wird, statt die bestehenden zu lösen.

Auch ansonsten finde ich es wesentlich besser, wenn PJ rechtlich Studium/Praktikum bleibt und kein Arbeitsverhältnis. Damit kommen nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Angefangen damit, dass man sich grundsätzlich überlegen muss, ob man das gesamte Studium als duales Studium anlegt (analog zur Pflege). Damit stirbt nicht nur die PJ Mobilität, sondern jegliche Mobilität. Oder man spaltet nur das letzte Jahr ab, als richtige Anstellung, mit allen Konsequenzen. Bewerbungsverfahren, Verlust des Studierendenstatus usw. Keine relative Garantie fürs Wahlfach, nicht mal Garantie für PJ überhaupt. Im Allgemeinen überwiegen für mich die Nachteile insbesondere für alle, die unterdurchschnittlich Leistung erbringen. Derzeitige Fehlzeiten-Reglung finde ich okay. 30 Tage für 11 Monate PJ sollten im Normalfall ausreichen. Auch hier kann man Nachteilsausgleiche diskutieren.

rafiki
07.11.2023, 11:38
Es ist schon wirklich mutig von Verantwortung zu reden, wenn es genau deine Einstellung ist, die mit dazu beigetragen hat, dass das System heute so marode ist wie es ist.

Ich werde nie verstehen, wie man sich damit brüsten kann, dass man offensichtlich einen so unterwürfigen Charakter hat, dass man es richtig toll findet, unter schlechteren Bedingungen als nötig etwas gemacht zu haben und somit die Taschen derer noch voller gemacht hat, die schon sehr voll sind.



Also erstens hat meine Einstellung überhaupt nicht dazu beigetragen, dass das System so marode ist. Wenn das so wäre, wäre ich der Allmächtige. Und zweitens bin ich in keiner Weise unterwürfig, sonst würde ich heute nicht über eine Viertelmillion verdienen.

Und: Ich hatte kein Problem damit, dass die Bedingungen im PJ so waren, wie sie waren. Weil ich das vor Beginn meines Studiums wusste und ganz klar als völlig in Ordnung akzeptiert habe. Und weil ich mit Fast-nichts-Können mir nicht erlaubt habe, Ansprüche zu stellen. So ist es in allen Ausbildungen: erst lernen und schauen und irgendwann einmal etwas können und fordern. Andersherum funktioniert keine Gesellschaft auf Dauer.

Sosylos
07.11.2023, 11:46
@dooly Denkst du an so was ähnliches wie das HIPSTA in der Uniklinik Heidelberg?

Hockeychaot
07.11.2023, 12:11
Also erstens hat meine Einstellung überhaupt nicht dazu beigetragen, dass das System so marode ist. Wenn das so wäre, wäre ich der Allmächtige. Und zweitens bin ich in keiner Weise unterwürfig, sonst würde ich heute nicht über eine Viertelmillion verdienen.

Und: Ich hatte kein Problem damit, dass die Bedingungen im PJ so waren, wie sie waren. Weil ich das vor Beginn meines Studiums wusste und ganz klar als völlig in Ordnung akzeptiert habe. Und weil ich mit Fast-nichts-Können mir nicht erlaubt habe, Ansprüche zu stellen. So ist es in allen Ausbildungen: erst lernen und schauen und irgendwann einmal etwas können und fordern. Andersherum funktioniert keine Gesellschaft auf Dauer.

Das du jetzt mit deinem Gehalt ankommst zeigt doch, dass du nicht so richtig verstehst in welche Richtung die Diskussion geht und was an deinem ersten Kommentar vll unpassend war.

Ich gönne dir deine viertel Million, denn in den meisten Fällen bekommt man die vermutlich nicht ohne dafür auch etwas getan zu haben und es ist schön, dass das für dich alles so funktioniert hat. Aber versuche du doch auch mal nachzuvollziehen, dass sich Zeiten ändern, Prioritäten sich verschieben und dementsprechend deine Erfahrung zu keinem Zeitpunkt eins zu eins auf die heutige Zeit übertragbar sind. Das heißt nicht, dass deine Lebenserfahrung nicht trotzdem was zur Debatte beitragen kann, einer ganzen Generation aber streitig zu machen, dass sie Verantwortung übernehmen kann, obwohl viele genau das tun, ist einfach der falsche Weg.

Ich möchte gerne auch ne viertel Million verdienen und werde das notwendige dafür auch tun. Im gleichen Atemzug möchte ich aber zumindest Möglichkeiten erörtern, wie der Weg dahin funktioniert ohne das man die Taschen anderer unnötig voller macht, ohne das die psychische und physische Gesundheit aller Beteiligten unnötig leiden muss und ohne dass unnötig hohe Gewinne auf dem Rücken von Patienten erwirtschaftet werden.

Hockeychaot
07.11.2023, 12:17
Auch einfach um das im allgemeinen noch mal klar zu sagen: ob es überhaupt einen praktikablen Weg gibt, der das PJ ändert ohne das es am Ende schlechter ist als vorher, kann ich nicht einschätzen.

Das eine klage sicher nicht direkt den offensichtlichen Erfolg bringen würde ist auch klar. Einige Dinge wurden bereits klar entschieden, bei anderen Dingen können wir uns zwar logisch herleiten warum es rechtlich nicht anfechtbar ist, wissen können wir es aber nicht, weil die meisten von uns eher Medizin als Jura studiert haben.

Was ich aber sehe, dass in meinem Umfeld die Leute während des Studiums, während des PJs und während der Assistentenzeit die Lust und Freude am Beruf verlieren.

Irgendwo mit Transparenten vor der Uni zu stehen hat lange genug wenig bis nichts gebracht, vll findet sich ja ein anderer weg. Ob der realistisch ist, etwas bringt, oder überhaupt Sinn macht, weiß ich nicht. Viele Dinge findet man aber nur raus wenn man sie ausprobiert.

Deshalb hatte mich interessiert, ob jmd weiß, ob schonmal etwas ausprobiert wurde, zum Beispiel in Form einer Klage.

Kackbratze
07.11.2023, 12:29
Was ich aber sehe, dass in meinem Umfeld die Leute während des Studiums, während des PJs und während der Assistentenzeit die Lust und Freude am Beruf verlieren.

Ich würde empfehlen gegen die Assistenzarztzeit zu klagen, da verlassen viel mehr Leute die Medizin als im PJ.
Wenn man dagegen klagen kann (z.B. FA mit Approbation oder eben CA ohne FA) sähe es wesentlich besser aus.

Es gibt zwar Leute, die sich gegen das System gestellt haben, aber die sind meist hinterher VERklagt worden (Dr. med. Dr. phil. Clemens Bartholdy) und haben nicht für Alle die Dinge zum positiven verändern können.

Endoplasmatisches Reticulum
07.11.2023, 12:56
Wie kommt man denn von Kritik am PJ zum Fälschen der Approbationsurkunde, ohne jemals eine Sekunde Medizin studiert zu haben?

Nefazodon
07.11.2023, 13:46
Man muss sich natürlich auch mal die wirtschaftlichen Konsequenzen vergegenwärtigen, wenn das PJ anständig bezahlt würde.

Das Gesundheitswesen ist eine absolute Mangelwirtschaft. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Schon jetzt arbeiten ca. 60% der Kliniken defizitär....
Das System läuft eigentlich nur durch Unmengen an umsonst geleisteter Arbeit: Pflegepraktikanten, PJ-Studenten, unzählige von Überstunden durch die Ärztinnen und Ärzte.

Man stelle sich vor, es würde höchstrichterlich entschieden, dass PJler besser bezahlt werden müssen. Das System würde kollabieren.
Klar, MFA und Physician assistants würden noch mehr kosten, wie ER schreibt, NUR: die unbezahlte Arbeit ist ja bereits einkalkuliert.
Welches KH würde noch PJler nehmen, wenn die voll bezahlt werden müssten?

Das ist natürlich kein Argument gegen eine Klage, weil das juristisch erstmal nicht interessiert.
Gesellschaftlich und politisch interessiert es aber sehr wohl, und ich denke, es ist den Politiker:innen auch bewusst.
Deswegen wird sich auf politischer Ebene an den Rahmenbedingungen wenig ändern und von dort ist keine Schützenhilfe zu erwarten.