Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anästhesie oder Ortho/Unfall?
Hallo zusammen,
ich bin am überlegen, ob ich in der Anästhesie oder Ortho/Unfallchirurgie anfangen soll.
Für Anästhesie spricht das größere Interesse, die möglicherweise geringere Arbeitsbelastung, möglicherweise weniger Überstunden und körperlich weniger anstrengende Arbeit.
Für Ortho/UC spricht für mich persönlich das größere Weiterentwicklungspotential, da ich handwerklich noch nicht sehr viel gearbeitet habe und man erst als fortgeschrittener Assistent/ ab FA lernt, richtig zu operieren (klar, ist je nach Klinik unterschiedlich). Ebenfalls für die Ortho/UC spricht die Möglichkeit der Niederlassung, die ich mir gerne offen halten möchte. Ja, Quereinstieg Allgemeinmedizin geht als Anästhesist auch, aber Allgemeinmedizin kann ich mir nicht vorstellen und Schmerzpraxis find ich auch nicht interessant. Eine Ortho-Praxis find ich auch nicht das wahre, aber immerhin besser als die anderen 2 Optionen.
Gegen die Anästhesie spricht, dass man ab FA das meiste ,,kann“/können sollte und somit die Lernkurve eher stagniert bzw. nicht mehr so steil verläuft wie am Anfang. In der Ortho/UC wird das nicht so sein.
Ein weiterer Aspekt, der mir wichtig ist, ist die Notfallmedizin. Da man Notfallmedizin mit beiden Fächern gut machen kann, stellt das kein zusätzliches Pro für die Anästhesie dar.
Noch zu erwähnen wäre: Anästhesie würde ich am Uniklinikum machen wollen und Ortho/UC an der BGU, da mehr Akutfälle.
PS: Bitte keine einfach in einem Fach anfangen und dann ggf. wechseln Tipps. Das werde ich so oder so machen, wenn ich bis dato nicht weiterkomme. Die Boardsuche habe ich schon benutzt, habe aber nichts konkretes zu Unfallchirurgie vs Anästhesie gefunden.
LG
Matzexc1
13.11.2023, 11:57
Könnte sein das BGU und Uni auf dem gleichen Berg liegen?
Ich stand Mal vor der gleichen Situation und habe mich dann wegen Work-Life-Balance, früherer Ausbildung in wichtigen Skills und Intensivmedizin für die Anästhesie entschieden. Du musst dir auch klarmachen das du ab Facharzt dann operieren sollst/musst und da konkurrierst du mit anderen, auch mit Oberärzten.
In der Notfallmedizin ist mein Eindruck das dir Anästhesie etwas mehr helfen wird als Unfallchirurgie,
das meiste sind internistische Erkrankungen
Am Ende musst du selbst entscheiden
Wie kommst Du denn darauf, dass in der Anästhesie mit dem Facharzt sozusagen alles erreicht ist? Gerade die Anästhesie ist doch ein wahnsinnig breites Feld. Allein die Intensivmedizin... Und ich persönlich denke auch, dass es zwischen Ortho/Unfall und Anästhesie schon einen deutlichen Unterschied zugunsten der Anästhesie gibt was die Notfallmedizin angeht.
Heerestorte
13.11.2023, 19:57
Tendenziell hat man in der Anästhesie die "geregelteren" Arbeitszeiten, aber wenn der Chirurg Nachts im Saal steht, ist trotzdem immer ein Anästhesist mehr oder weniger anwesend, das musst du bedenken. Und du bist fast immer der Dienstleister für andere Fächer, das muß man auch mögen.
Und auch in der UCH/Ortho konservativ hat man mit der Zeit genauso viel oder wenig Abwechslung wie in der Anästhesie, je nachdem wie man sich spezialisiert.
Und um sich handwerklich weiterzuentwickeln gibt es besser geeignete Werkstoffe als Menschen :-))
Wenn man wirklich zwei linke Hände hat, sollte man Chir. Fächer eher meiden imho. Was aber nicht stimmt, ist, dass man pauschal erst als fortgeschrittener WBA oder Facharzt "richtig" operiert. Oder wie würdest du denn richtiges Operieren definieren?
Bezüglich Notfallmedizin wurde ja auch schon etwas gesagt. Sehe da auch die Anästhesie als die führende Fachrichtung, wenngleich man auch aus anderen Fächern kommend ein sehr guter Notarzt sein kann, wenn man interessiert ist und sich Mühe gibt.
Tramaldol
15.11.2023, 17:00
So wie es sich anhört, tippe ich darauf, dass es Anäshestie wird.
Ortho/Unfall muss man mit dem Herzen lieben, um es zu machen. Auf jeden Fall mehr Arbeit als Anästhesie und je nach persönlichen Vorlieben auch anspruchsvoller.
Ortho/Unfall muss man mit dem Herzen lieben, um es zu machen. Auf jeden Fall mehr Arbeit als Anästhesie und je nach persönlichen Vorlieben auch anspruchsvoller.
Das wird jeder über seine bzw. über andere Fachrichtungen sagen.
Das Problem an Anästhesie ist, dass insb. die Fachrichtungen auf der hellen Seite des Tuches so tun, als hätten sie die Anästhesie erfunden und wüssten genau, was da gemacht wird (Narkose-Schalter zwischen ON und OFF hin und her schalten).
Ich sage immer wieder: man sucht sich nicht die Fachrichtung aus sonder die Fachrichtung sucht sich einen aus.
Unfallchirurgie und Anästhesie arbeiten oft sehr eng zusammen. Wir helfen demselben Patienten, nur auf unterschiedliche Art. Welche davon dir mehr Spaß macht, musst du heraus finden.
Zeig mir den chirurgischen OA der 5 Säle "betreut", während dort 5 Assis gleichzeitig alleine ihr Ding machen. ;-)
Philip_MHH
15.11.2023, 21:01
Ich sage immer wieder: man sucht sich nicht die Fachrichtung aus sonder die Fachrichtung sucht sich einen aus.
Ich dachte das macht der sprechende Hut ?
Ich denke auch, die Entscheidung ob richtige oder falsche Seite des Tuches ist eine Bauchentscheidung. Wenn man sich richtig entscheidet wird man wohl auf beiden Seiten glücklich, aber da kann keiner eine Empfehlung geben, außer Anästhesie :D
Man könnte daraus auch schlussfolgern, dass UCh schwieriger ist ;-)
Tramaldol
15.11.2023, 23:17
Das alte Klische: Chirurgen, die über Anästhesisten lästern. Man trifft es leider immer noch, aber es ist nicht wahr. Chirurgen und Anästhesisten sind ein Team. Es geht nur zusammen. Eine gute und passende Narkose ist sehr wichtig für den Erfolg der OP und für die Sicherheit des Patienten.
Jedoch ganz ehrlich finde ich das Fach UCH/Ortho schwieriger zu erlernen und auszüben als Anästhesie. Das ist meine persönliche Meinung.
Der Chirurg betreut den Patienten auch nach der OP, sieht ihn auf Station, in der Ambulanz, macht die Nachbetreuung. Das Aufgabenfeld ist anders. Es gibt Leute in Weiterbildung Anästhesie, die in die Chirugie wechseln und auch andersrum.
Man schaut sich beides an und entscheidet für sich, was man möchte. Das Für und Wider sieht man im Blockpraktikum, PJ und Famulaturen, wenn man denn aktiv teilnimmt als Student. Und selbst wenn man das verpennt hat, sollte man in beiden Fächern eine WB-Stelle finden.
Das Problem an Anästhesie ist, dass insb. die Fachrichtungen auf der hellen Seite des Tuches so tun, als hätten sie die Anästhesie erfunden
Das ist auch so. Also tatsächlich. Historisch. Und nochmal auf deutsch: die Chirurgen haben die Anästhesie erfunden.
Irgendwann hat sich die Anästhesie halt zu was Eigenständigem entwickelt, aber die Erfinder waren Chirurgen.
Jedoch ganz ehrlich finde ich das Fach UCH/Ortho schwieriger zu erlernen und auszüben als Anästhesie. Das ist meine persönliche Meinung.
Die Lernkurve ist halt eine andere. Während man in der Anästhesie schon im PJ teilweise Narkosen alleine machen darf (war bei mir so), wird man an Operationen erst langsam herangeführt. Um in den jeweiligen Fächern gut zu sein, dauert es daher in den größeren chirurgischen Fächern meist deutlich länger.
Es gibt halt auch einfach tausend verschiedene OPs. Ich mache das jetzt seit 14 Jahren und es gibt immer noch so viel, was ich nicht kann.
Was man vielleicht nicht außer Acht lassen sollte, ist, dass du als Anästhesist sicher viel häufiger im OP bist. In der UCh bist du halt die meiste Zeit woanders. Station, Notaufnahme, Sprechstunde. OP ist nur ein kleiner Teil von Job.
Das ist auch so. Also tatsächlich. Historisch. Und nochmal auf deutsch: die Chirurgen haben die Anästhesie erfunden.
Irgendwann hat sich die Anästhesie halt zu was Eigenständigem entwickelt, aber die Erfinder waren Chirurgen.
Jaaa, okay, da hab ich mir ein Eigentor geschossen :-D
Die Lernkurve ist halt eine andere. Während man in der Anästhesie schon im PJ teilweise Narkosen alleine machen darf (war bei mir so), wird man an Operationen erst langsam herangeführt. Um in den jeweiligen Fächern gut zu sein, dauert es daher in den größeren chirurgischen Fächern meist deutlich länger.
Das ist ein guter Punkt! Anästhesie ist aber deutlich mehr als ASA 1 Narkosen (die man ja im PJ allein macht).
Insgesamt sind's halt zwei sehr unterschiedliche Fächer.
Unfallchirurgie und Anästhesie arbeiten oft sehr eng zusammen. Wir helfen demselben Patienten, nur auf unterschiedliche Art. Welche davon dir mehr Spaß macht, musst du heraus finden.
Das trifft es auf den Punkt!
Ich bin ein Jahr als RS gefahren und etwa 95% der Einsätze konnten durch engagierte UCs/Internisten gut gelöst werden. Ich mach mir mit der Aussage wahrscheinliche keine Freunde, aber ich denke, dass der Großteil der Notfallmedizin ,,pille palle'' ist. ACS, akutes Abdomen, Dyspnoe, schlechter AZ... Ich rede nicht von den schweren Polytraumata, wo man auf der Autobahn clamshell thorakotomiert oder von einem Säugling, der in den Teich gefallen ist und intubiert und beatmet werden muss. In solchen Fällen wäre es sicherlich vorteilhaft, einen erfahrenen Anästhesisten als NA zu haben. Wenn man engagiert und immer auf dem neusten Stand der Wissenschaft ist, ist die Fachrichtung primär egal.
Als richtiges operieren verstehe ich, dass man als 1. Operateur auf dem Plan steht und der Assistent wirklich ein Assistent ist, sprich man selbst die Verantwortung über die OP hat. Das wird erst ab FA kommen, denkst du nicht?
Den Eindruck hatte ich zum Beispiel im Studium überhaupt nicht. Bis auf das TTO hatten sich die Disziplinen während der OP nichts zu sagen. Ein OA fragte mich, welches Fach ich später machen möchte. Als ich mit Anästhesie antwortete, sagte er ,, Du willst nur zugucken, wie wir Leute heilen?. Naja, jedem das seine''. Gut, der Typ war ein A******, aber ich denke schon, dass einige Ärzte in den chirurgischen Disziplinen die Anästhesie belächeln.
Heerestorte
16.11.2023, 08:46
Als richtiges operieren verstehe ich, dass man als 1. Operateur auf dem Plan steht und der Assistent wirklich ein Assistent ist, sprich man selbst die Verantwortung über die OP hat. Das wird erst ab FA kommen, denkst du nicht?
Nein, das denke ich nicht. Ich finde schon, dass es "richtiges" Operieren ist, wenn ich die OP durchführe und als Operateur gelistet bin (für die WB wichtig) und der Oberarzt mir assistiert und Tipps gibt und ich so schon nach ein paar Mal OPs wie Radiusfrakturen, K Drähte, handchirurgische Eingriffe, Clavicula# recht gut durchführen kann und ich denke auch, dass die Patienten das genauso sehen, dass das eine richtige OP ist ;-))
Auch als Anästhesist hast du die "Verantwortung" erst als Facharzt. Davor ist auch immer der Oberarzt, der die Saalaufsicht hat, verantwortlich.
Und ja, in der UCH dauert das meist bis zum Facharzt, dass man dann mit einem Assistenten selbst am Tisch steht und der Verantwortliche mit allen Vor und Nachteilen ist. Außerdem würde das niemand, der noch bei Verstand ist, direkt am Anfang seiner Karriere überhaupt wollen.
Ich hatte ja auch eine Zeit lang an die Anästhesie gedacht, aber für mich wäre das "Dienstleisten" im OP oder halt die Intensivmedizin auf Dauer zu eintönig gewesen denke ich. In der UCH hat man einfach allein schon als Assistent mehr Abwechslung. OP, Station, Ambulanz, Notaufnahme, zig Subspezialisierungen etc. Auch da kommt natürlich irgendwann die Routine, denke aber, dass es da deutlich länger dauert als in der Anästhesie. Und wie schon gesagt wurde, wenn man engagiert ist, kann man auch als Chirurg ein guter Notarzt sein.
Den Eindruck hatte ich zum Beispiel im Studium überhaupt nicht. Bis auf das TTO hatten sich die Disziplinen während der OP nichts zu sagen. Ein OA fragte mich, welches Fach ich später machen möchte. Als ich mit Anästhesie antwortete, sagte er ,, Du willst nur zugucken, wie wir Leute heilen?. Naja, jedem das seine''. Gut, der Typ war ein A******, aber ich denke schon, dass einige Ärzte in den chirurgischen Disziplinen die Anästhesie belächeln.
Das ist auch so. Als Anästhesist bist Du der Idio vom Dienst, hältst eigentlich nur den Ablauf auf, ohne Dich ginge alles viel schneller und keiner weiß, wass Du da eigentlich die ganze Zeit machst, der Patient ist ja eh nicht relaxiert. Und vorm pünktlichen Feierabend schnell noch drei Patienten abgesetzt wegen irgendwelcher Lapalien.
Ich habe Jahre gebraucht, um mich an dieses Standing zu gewöhnen, am Anfang wollte ich eigentlich genau deswegen wieder aufhören. Selbst von der OP Pflege muss man sich blöde kommen lassen. Aber wenn Anästhesie "die" eigene Fachrichtung ist, dann entwickelt man irgendwann das nötige Selbstbewusstsein. Witzigerweise interessiert sich auch niemand, was wir da eigentlich so treiben den ganzen Tag.
Wobei ich sagen muss, dass das Verhältnis auch von der jeweiligen chir. Disziplin abhängt. Bei den UCH bin ich eigentlich sehr gern, die sind kollegial und zuweilen auch am Patienten interessiert. HNO und URO auch.
Und was Routine angeht: ich denke in jedem Fach sind 95% Routine. Die Frage ist eben, ob man das gern macht bzw. ob das jeweils für einen okay ist oder nicht.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.