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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unfähig länger im OP zu stehen



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Feuerblick
14.11.2023, 19:50
Klar müssen Assistenzärzte auch assistiert haben und klar halten die auch Haken. Aber wild sind die nur auf eigene OPs, nicht darauf, vom Operateur Mecker zu bekommen, weil sie den Haken nicht richtig halten. ;-)
Ich habe übrigens auch nicht einen einzigen Werkzeugwurf erlebt - hätte aber einmal am liebsten meiner OÄ den Krempel um die Ohren gehauen.

ehem-user-04-01-2024-1151
14.11.2023, 19:58
Klar müssen Assistenzärzte auch assistiert haben und klar halten die auch Haken. Aber wild sind die nur auf eigene OPs, nicht darauf, vom Operateur Mecker zu bekommen, weil sie den Haken nicht richtig halten. ;-)
Ich habe übrigens auch nicht einen einzigen Werkzeugwurf erlebt - hätte aber einmal am liebsten meiner OÄ den Krempel um die Ohren gehauen.

Werfen hab ich auch nie erlebt. Brauche ich auch nicht wirklich. Am besten, ich spreche mit den jeweiligen Operateuren im Vorfeld und sage, dass es sehr gut sein kann, dass ich die Haken nicht in ihrem Sinne halte, weil mir schlicht und ergreifend. Die körperlichen Voraussetzungen fehlen also möglichst ehrlich. Ich glaube nicht, dass das dann für mein M3 oder Logbuch Schwere Konsequenzen hat. Auch wenn man die Situation wenig vergleichen kann und der Vergleich hinkt: Es kann auch nicht jeder der Lust hat zur Bundeswehr. Auch da wird nicht umsonst die körperliche Eignung begutachtet. Das ist natürlich noch mal eine ganz andere Hausnummer als die paar Wochen in der Chirugie. Aber wenn die körperlichen Voraussetzungen nun mal nicht da sind, was soll man machen..

Endoplasmatisches Reticulum
14.11.2023, 21:00
Ich halte mangelnde körperliche Eignung für den OP ehrlich gesagt für sehr selten. Klar gibt es Fächer/Eingriffe, die körperlich fordernder sind, z.B. im Bereich Unfallchirurgie/Ortho. Und ich kenne auch nur "meine" erlebten Fächer. Für die muss ich aber ganz klar sagen, dass derart anstrengendes Hakenhalten, dass Leute regelmäßig umkippen, meist eher Schikane als Notwendigkeit sind. Viele statische Haken kann man einklemmen. Zur viszeralen Übersicht gibt es Retraktoren wie den Alexis. Wenn man Studenten nicht einfach nur stumpf für Stunden links liegen lässt, sondern sie aktiv in die OP einbindet, mal Fragen stellt und auch mal etwas zeigt und erklärt, sie mal kautern lässt oder ihnen den Sauger in die Hand drückt, dann senkt das die Kollapsrate schon beträchtlich.

Sicherlich gibt es auch Leute, die es körperlich einfach wirklich nicht gut vertragen. Aber oft ist das m.E. eher Umstandsfolge.

ehem-user-04-01-2024-1151
14.11.2023, 21:26
Ich halte mangelnde körperliche Eignung für den OP ehrlich gesagt für sehr selten. Klar gibt es Fächer/Eingriffe, die körperlich fordernder sind, z.B. im Bereich Unfallchirurgie/Ortho. Und ich kenne auch nur "meine" erlebten Fächer. Für die muss ich aber ganz klar sagen, dass derart anstrengendes Hakenhalten, dass Leute regelmäßig umkippen, meist eher Schikane als Notwendigkeit sind. Viele statische Haken kann man einklemmen. Zur viszeralen Übersicht gibt es Retraktoren wie den Alexis. Wenn man Studenten nicht einfach nur stumpf für Stunden links liegen lässt, sondern sie aktiv in die OP einbindet, mal Fragen stellt und auch mal etwas zeigt und erklärt, sie mal kautern lässt oder ihnen den Sauger in die Hand drückt, dann senkt das die Kollapsrate schon beträchtlich.

Sicherlich gibt es auch Leute, die es körperlich einfach wirklich nicht gut vertragen. Aber oft ist das m.E. eher Umstandsfolge.

Genau so wie du es beschreibst wird es von vielen Studierenden empfunden. Kann mich da auch nur anschließen. Es werden einem stumpf die Haken in die Hand gedrückt und man wird dann wie Luft behandelt. Und das habe ich von sehr vielen Leuten gehört. Das beste fand ich die Aussage einer Ärztin in einer Doku über den Arztberuf. Die sollte lange nach Feierabend ihrem Chef bei einer OP assistieren. Das hat sie dann mit Ankündigung nicht gemacht, weil sie das wohl in den letzten Tagen immer gemacht hat. Sie wollte wohl einen freien Abend haben. Am nächsten Tag wurde sie dann für die Komplikationen bei der OP verantwortlich gemacht, obwohl sie gar nicht dabei war und 1 mal pünktlich gegangen ist. Das meine ich mit dem Punkt Verständnis. Das Haken halten an sich kann sicherlich durch technische Hilfsmittel erleichtert oder ersetzt werden. Wenn man jeden Tag die gleiche OP sieht, ist der Lernfortschritt auch nicht wirklich groß. Was ich sehr störend empfunden habe: Operateure geben den Hakenhaltern die Schuld für Komplikationen bei der OP. Das halte ich für völligen Quatsch der Operateur ist verantwortlich, und ich glaube nicht, dass eine OP misslingt, nur weil der Haken „falsch“ gehalten wurde. Wenn man das gar nicht hinkriegt, wie der Operateur ist, möchte, wird er doch so schlau sein, einen Ersatz anzufordern. Das sind alles Punkte, die nicht wirklich vertrauenserweckend sind, dass das eigentlich schöne Fachchirugie nach dem PJ so dermaßen an Popularität einbüßt hat sicherlich Gründe

ehem-user-04-01-2024-1151
14.11.2023, 21:36
Ich halte mangelnde körperliche Eignung für den OP ehrlich gesagt für sehr selten. Klar gibt es Fächer/Eingriffe, die körperlich fordernder sind, z.B. im Bereich Unfallchirurgie/Ortho. Und ich kenne auch nur "meine" erlebten Fächer. Für die muss ich aber ganz klar sagen, dass derart anstrengendes Hakenhalten, dass Leute regelmäßig umkippen, meist eher Schikane als Notwendigkeit sind.
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Warum wollen die Operateure denn die Studierenden/PJler schikanieren? Und warum werden sie oft wie Luft behandelt? (natürlich nicht in allen Häusern). Im Endeeffekt schneidet sich so eine Abteilung doch ins eigene Fleisch die PJler haben nach kurzer Zeit keinen Bock mehr auf die Abteilung und das Fach, es erfolgt eine schlechte Bewertung im PJ-Ranking und Sie erzählen es ihren Freunden und Mitstudierenden. Abgesehen von Häusern, in sehr attraktiven Städten und manchen Unikliniken für das doch dazu, dass noch weniger Bewerbungen kommen als sonst. Es spricht sich doch rum, wo man besser nicht anfangen sollte.

Sosylos
15.11.2023, 06:45
Warum wollen die Operateure denn die Studierenden/PJler schikanieren? Und warum werden sie oft wie Luft behandelt? (natürlich nicht in allen Häusern). Im Endeeffekt schneidet sich so eine Abteilung doch ins eigene Fleisch die PJler haben nach kurzer Zeit keinen Bock mehr auf die Abteilung und das Fach, es erfolgt eine schlechte Bewertung im PJ-Ranking und Sie erzählen es ihren Freunden und Mitstudierenden. Abgesehen von Häusern, in sehr attraktiven Städten und manchen Unikliniken für das doch dazu, dass noch weniger Bewerbungen kommen als sonst. Es spricht sich doch rum, wo man besser nicht anfangen sollte.

Ich glaube, das hat mit schickanieren wollen häufig nicht viel zu tun. Sondern ist häufiger eine Mischung zwischen Stress, Zeitdruck, mangelnde pädagogisches Wissen und teilweise wenig Sozialkomoetenz zu tun.
Überall in den Ausbildungen werden pädagogische Kurse für die Ausbilder vorgeschrieben. Jedoch darf jeder Arzt aufgrund seines Berufes ausbilden. Dies muss man jedoch auch können und wollen.

Endoplasmatisches Reticulum
15.11.2023, 11:41
Doch schon, sonst würden nicht manche schneidenden Fächer wie HNO oder Uro notorisch besser im Studentenumgang abschneiden als klassische Chirurgie. Ich denke, es ist eine Kombination aus:

Narzissmus. Chirurgie-OÄ sehen sich nach wie vor besonders oft als arrivierte Superstars und die Vorstellung, irgendjemand könnte es besser haben, als sie selbst auf ihrem Weg dorthin, lässt sie nachts schweißgebadet aus dem Schlaf schrecken.

Negative Erwartungshaltung. Selbes Prinzip wie im Pflegepraktikum: Chirurgie und Innere sind Pflichtrotationen. Im Gegensatz zu einem selbst hat sich der Student in der Regel dieses Praktikum nicht ausgesucht. Er ist nur da, weil er muss. Nicht, weil er Bock drauf hat.

Desinteresse. Nach 200 Studentengesichtern juckt es einfach nicht mehr, wer da steht. Hauptsache die OP läuft und das so flutschig wie möglich, weil angenehmer für den Operateur. In ein paar Wochen steht da ein neues Gesicht und Namen werden ohnehin schon seit Jahren nicht mehr gemerkt, weil wozu?

ehem-user-04-01-2024-1151
15.11.2023, 17:18
Wie ist das denn mit Assistenzärzten die ein Anfallsleiden (z.B. Schwindel) haben? Dürften die in den OP oder gibt es Diagnosen, die eine OP Tätigkeit ausschließen? Bzgl Morbus Meniere laufen noch Untersuchungen bei mir

davo
15.11.2023, 17:46
Doch schon, sonst würden nicht manche schneidenden Fächer wie HNO oder Uro notorisch besser im Studentenumgang abschneiden als klassische Chirurgie.

Aber in solchen Fächer ist der durchschnittliche Stress und Zeitdruck sicher deutlich niedriger.

Wenn Stress und Zeitdruck groß genug sind, wird fast jeder Mensch unerträglich werden.

Außerdem sind diese Fächer kleiner, was sie für grandiose Narzissten tendenziell weniger interessant macht.

Miss_H
15.11.2023, 18:42
Wie ist das denn mit Assistenzärzten die ein Anfallsleiden (z.B. Schwindel) haben? Dürften die in den OP oder gibt es Diagnosen, die eine OP Tätigkeit ausschließen? Bzgl Morbus Meniere laufen noch Untersuchungen bei mir
Von deiner Beschreibung liegt bei auf jeden Fall eine Korrelation zwischen Schwindel/Unwohlsein und Anspannung vor. Ob es einen kausalen Zusammenhang gibt, das erlaube ich mir nicht zu beurteilen. Vielleicht kannst du mit jemandem (Hausarzt/psychologische Studienberatung) daran arbeiten. Wie lange dauert es noch bis zu deinem PJ? Vielleicht kannst einfach jetzt schon mit dem PJ-Büro sprechen und nach einer geeigneten Klinik fragen. Ich würde mich ehrlich gesagt nicht auf somatische Ursachen fixieren. Was machst du wenn dabei nix rum kommt? Die Probleme werden sich nicht in Luft auflösen.


Aber in solchen Fächer ist der durchschnittliche Stress und Zeitdruck sicher deutlich niedriger.
Süß. Wie viele Tage hast du schon in einer HNO gearbeitet? Wenn du sehen willst wie Stress aussieht, dann kannst du gerne einen Tag zum Hospitieren vorbei kommen.
Wir haben zwar wenig PJler und Famulanten (ist eben keine Großstadt). Allerdings hat ein freundlicher Umgang mit Anstand zu tun.

Endoplasmatisches Reticulum
15.11.2023, 18:46
Jupp. Und auch Uro gehört in meiner Erfahrung mit zu den stressigsten und arbeitsintensivsten schneidenden Fächern überhaupt. Keine Ahnung, warum die "kleinen" Fächer so oft den Ruf haben, viel entspannter zu sein. Arbeit ohne Ende, dabei aber oft kleinere Teams, größere Einzugsgebiete und angespanntere Stellenlage.

(Wobei ich mich auch frage, was etwa das Stresslevel auf Station oder in der ZNA direkt mit dem Umgang im OP zu tun haben soll, der ja v.a. oberärztlich determiniert ist.)

ehem-user-04-01-2024-1151
15.11.2023, 18:59
Von deiner Beschreibung liegt bei auf jeden Fall eine Korrelation zwischen Schwindel/Unwohlsein und Anspannung vor. Ob es einen kausalen Zusammenhang gibt, das erlaube ich mir nicht zu beurteilen. Vielleicht kannst du mit jemandem (Hausarzt/psychologische Studienberatung) daran arbeiten. Wie lange dauert es noch bis zu deinem PJ? Vielleicht kannst einfach jetzt schon mit dem PJ-Büro sprechen und nach einer geeigneten Klinik fragen. Ich würde mich ehrlich gesagt nicht auf somatische Ursachen fixieren. Was machst du wenn dabei nix rum kommt? Die Probleme werden sich nicht in Luft auflösen.


Süß. Wie viele Tage hast du schon in einer HNO gearbeitet? Wenn du sehen willst wie Stress aussieht, dann kannst du gerne einen Tag zum Hospitieren vorbei kommen.
Wir haben zwar wenig PJler und Famulanten (ist eben keine Großstadt). Allerdings hat ein freundlicher Umgang mit Anstand zu tun.

Mein HNO-Arzt hatte den Verdacht auf Morbus Menière, weil sehr viele Symptome davon bei mir vorhanden sind. Z.B. Tinnitus, anfallsartiger Drehschwindel etc. Dass eine psychische Komponente bei mir auch eine Rolle spielt, ist mir bewusst. Daran will ich auch arbeiten.

Nilani
17.11.2023, 17:47
Ganz ehrlich, du hast da auch eine extrem negative Erwartungshaltung. Zum Studienbeginn wollte ich unbedingt Anästhesie machen, Notarzt fahren ... die 1. Famu hat mich sofort auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, da war Anästhesie schon raus. Notarzt fällt aus ... mir wird einfach schlecht beim Fahren :-kotz. Dann sollte es Kardiologie werden, hab meine Doktorarbeit dort angefangen, dort einige Famus gemacht (viele 3 Wochen, wollte mich ausprobieren und hab einiges an Fächern und Kliniken mitgenommen).
Ich hab bei uns die PJ-Auswertung gemacht, damals so 4. Studienjahr und hab da gesehen, dass jemand freiwillig Ortho als Wahlfach genommen hat und ganz erstaunt gefragt, warum man das freiwillig macht und Chirurgie soll doch so furchtbar sein. Seine Antwort: weil ich es cool finde :-nix

Und ich fand es eigentlich auch cool, hatte mich aber nie getraut ... Handchirurgie sollte es dann werden, also da noch 2 Famulaturen angehängt und was soll ich sagen. Danach war ich angefixt. Die Chirurgen waren total super nett (Unfallkrankenhaus Berlin Plastische/Handchirurgie), viel gesehen, viel gelernt, aber naturgemäß nicht viel anfassen (Replantation, spezielle Sachen, da rotieren die Altassis hin, sofern Interesse). Danach noch eine Famu von einem unserer Professoren an der Uni. Winzige Klinik, nicht mal Notaufnahme, 2 Tage OP pro Woche. 2 Oberärzte, 1 Assistenzärztin. Die haben mich auch an die großen OPs (in dem Fall tatsächlich Knie- und Hüft-TEP, also überschaubar) langsam rangeführt, erstmal 1, dann später mal ne 2. mit zwischenzeitlicher Pause und auswechseln. Alles erklärt, super Atmosphäre im OP.
Ich hab in dieser kleinen Klinik dann tatsächlich auch PJ in der Ortho gemacht, was ich mir vorher nie hätte vorstellen können, auch wegen niedrigem Gewicht, wenig Kraft, aber es war genau die richtige Entscheidung. Nicht alle Chirurgen sind Monster, auch wenn es hier immer so dargestellt wird. Einer der PJ-Oberärzte hat mich sogar ermutigt, weil ich eben nicht so ins Klischeee der Unfallchirurgen passte, und meinte, ich müsse mir halt später meine Nische suchen.

Ende vom Lied: ich hab in der Ortho/Unfall angefangen und dort hat tatsächlich keiner der Ärzte je Instrumente geworfen oder rumgebrüllt. Handchirurgische Sachen werden ja auch oft im Sitzen gemacht. Notaufnahme als Abwechslung. Nichts, aber auch gar nichts war so schlimm, wie es einem irgendwelche Studenten, die 0 Interesse an dem Fach haben, mal erzählt haben. Inzwischen hab ich Fachrichtung gewechselt, aber die 3 Jahre Chirurgie möchte ich nicht missen, was mir im 4. oder 5. Studienjahr noch undenkbar erschien.

Mein Tipp: such dir eher mal jemanden, der Chirurgie mochte, der vielleicht Famulaturen gemacht hat und eine Klinik empfehlen kann oder dir ein bisschen die Angst nimmt. Mit den Leuten kann man in der Regel wirklich reden. Selbst Uniklinik war nicht mal ein Viertel so schlimm, wie es vorher beschrieben wurde.
Diese kleine Klinik war Lehrkrankenhaus der Uni Göttingen, aber klein und unscheinbar, da wollte niemand hin, obwohl wir tatsächlich dann 2 PJler waren, davor und danach kamen aber erstmal keine und wir waren die ersten seit längerem. Die hatten sonst aber keine, waren daher interessiert, aber haben keinen Druck ausgeübt, weil sonst ging es ja auch ohne uns. Guck, ob du sowas findest. Und nochmal ... nur ein kleiner Teil der Chirurgen sind Monster, einige bellen, aber beißen nicht. Ich hatte damals mit einer OÄ Probleme, die aber mit meiner Introversion nicht klarkam, und einer der Allgemeinchirurgen war tatsächlich ein Choleriker und soll wohl auch mal was geworfen haben. Zu mir war er immer korrekt (ok, bis auf mal eine Aussage wie "jetzt gucken Sie mich nicht an, wie ein erschrecktes Reh, ich tu Ihnen ja nix" :-oopss). Ich hab übrigens chirurgischerseits 5 Kliniken gesehen, also nicht nur eine.
Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Nilani
17.11.2023, 18:01
Ja, das ist auch ehrlich gesagt meine Befürchtung. Die Berichte im PJ-Portal sprechen für sich. Ich hab ja sogar grundsätzlich Interesse an der Chirurgie, der Körper macht halt nur nicht mit. Die von dir oben geschilderte Situation mit Schilddrüsen OP könnte ich nicht so meistern, wie der Operateur es wünscht. Da weiß ich schon im Vorfeld, dass mir das nicht gelingen wird. Wenn man wirklich kurz davor ist, umzufallen hat man ja schon Quasi die Pflicht abzutreten. Aber auch Abteilungen geben, wo die Operateure die Hakenhalter nicht abtreten lassen oder die im Strahlengang bei Röntgen stehen lassen. Das finde ich schon mehr als grenzwertig

Also wenn dir schlecht wird, trittst du ab, ansonsten fällst du u.U. in den Situs, das wird noch weniger gern gesehen. Spätestens dann wärst du aber vermutlich bei den OPs raus. Und dass jemand im Strahlengang stehengelassen wird, geht gar nicht. Hab ich auch noch nie erlebt. Sowohl die Chirurgen untereinander, als auch die OP-Schwestern haben drauf geachtet, ganz am Anfang vielleicht sogar die Anästhesisten, die geguckt haben, dass man mit raus geht. Wenn man Schürze anhat, kann man ja drin bleiben, aber selbst dann nicht im Strahlengang.

Zwischen den OPs hat man in der Regel Wechselzeit und bisher hab ich es fast überall so erlebt, dass man ausgewechselt wurde und selten 2 OPs hintereinander gemacht hat. Bei uns wurde bei PJ-Auswertung im Übrigen auch rauf geachtet, dass man eben nicht den ganzen Tag im OP Haken gehalten hat, da man dabei nicht so viel lernt, sondern eben die Sachen auf Station auch mitgenommen hat. Das Loguch hat da ja paar mehr Kriterien und Anforderungen.
Du hast echt zu viele Horrorgeschichten gehört und ich hoffe, du findest eine Klinik, wo du doch ein wenig Spaß am PJ hast und nicht nur Angst und negative Geschichten erlebst.

ehem-user-04-01-2024-1151
17.11.2023, 22:29
Also wenn dir schlecht wird, trittst du ab, ansonsten fällst du u.U. in den Situs, das wird noch weniger gern gesehen. Spätestens dann wärst du aber vermutlich bei den OPs raus. Und dass jemand im Strahlengang stehengelassen wird, geht gar nicht. Hab ich auch noch nie erlebt. Sowohl die Chirurgen untereinander, als auch die OP-Schwestern haben drauf geachtet, ganz am Anfang vielleicht sogar die Anästhesisten, die geguckt haben, dass man mit raus geht. Wenn man Schürze anhat, kann man ja drin bleiben, aber selbst dann nicht im Strahlengang.

Zwischen den OPs hat man in der Regel Wechselzeit und bisher hab ich es fast überall so erlebt, dass man ausgewechselt wurde und selten 2 OPs hintereinander gemacht hat. Bei uns wurde bei PJ-Auswertung im Übrigen auch rauf geachtet, dass man eben nicht den ganzen Tag im OP Haken gehalten hat, da man dabei nicht so viel lernt, sondern eben die Sachen auf Station auch mitgenommen hat. Das Loguch hat da ja paar mehr Kriterien und Anforderungen.
Du hast echt zu viele Horrorgeschichten gehört und ich hoffe, du findest eine Klinik, wo du doch ein wenig Spaß am PJ hast und nicht nur Angst und negative Geschichten erlebst.

Vielen Dank erstmal für deine ausführliche Antwort. Ich weiß, dass nicht alle Chirurgen Choleriker sind und dass es auch tolle Abteilungen gibt. Diese negative Erwartungshaltung kam hauptsächlich durch Äußerungen in diesem Forum und den Berichten im P J. Ranking, der schneidet die Chirugie insbesondere an Unikliniken deutlich schlechter ab, als andere Fachrichtungen und da ich durch meine körperlichen Einschränkungen schonmal schlechtere Voraussetzungen habe als andere PJler die trotzdem schlecht behandelt wurden, hat mich dass schon sehr verunsichert. Die vielen Ratschläge hier haben mir aber gezeigt, wie ich die Situation am besten meistere. Ich werde die Dinge frühzeitig ansprechen. Hier im Forum und auch im PJ Ranking wurde schon mehrfach berichtet dass PJler aus „Kostengründen“ kein Dosimeter bekommen und praktisch jeder Römtgenaufnahme neben dem C Bogen stehen mussten. Das ist für mich natürlich auch ein absolutes nogo und das würde ich mir auch nicht gefallen lassen. Ebenso wurde oft bemängelt, dass man sich nicht auslösen kann. Oft gibt es ja auch gar keine weiteren PJler in einer Abteilung. Das waren die Dinge, die bei mir diese negative Erwartungshaltung ausgelöst haben. Deine Geschichte hat mich aber wirklich ermutigt, den Dingen positiv gegenüber zu stehen.

skalpellbitte
20.11.2023, 10:23
Zur "OP-Angst" von Medizinstudierenden generell: Ich denke, in den meisten Fällen ist das weniger ein Kreislaufproblem/körperliches Problem, sondern viel mehr eine erlernte Angst. Kenne viele die darunter gelitten haben, hatte selbst auch mal ein Problem damit. Liegt wohl daran, dass die ersten OP-Erfahrungen nicht immer die besten sind. Nichts unsteril machen, sich richtig einwaschen-/kleiden, dann am Tisch richtig verhalten/assistieren... am Anfang macht man ja gefühlt alles falsch, wird auch öfter mal angeraunt. Und sobald man einmal wegen Schwindel abtreten muss, bleibt die Angst, dass das nächstes Mal wieder passiert. Habe mich in Famulaturen (im semi-operativen Wahlfach) dann immer um den OP drücken wollen, und immer wenn's nicht ging, war mein Puls schon beim Einwaschen auf 200. Letztendlich hatte ich dann aber eine gute Erfahrung: Gut gegessen, gut getrunken, Stützstrümpfe, netter Operateur, nette OP-Pflege, sodass ich "auf einmal" problemlos 5h am Tisch stand. Angst war von jetzt auf gleich verflogen, und seitdem hatte ich nie wieder angstverursachte OP-Probleme. War zum Glück alles vor dem Chirurgie-PJ.

Habe mir mein Chirurgie-Tertial (auf das ich wenig Lust hatte) auch anhand guter PJ-Ranking Bewertungen ausgesucht. War eine mittelgroße Klinik in einer deutschen Metropole, also mehrere PJler in der Abteilung. In dem Haus wurde alles außer Transplantation operiert, also auch Whipple etc. Gab aber IMMER begeisterte PJler, die auf den Whipple scharf waren, sodass niemand in die großen OPs "musste". Zumal man sich ja auch untereinander auslösen kann. Und die vielen Gallenblasen, bei denen du als PJler sogar sitzen darfst, hält ja fast jeder durch. Wobei es bei uns auch eine PJlerin gab, die wirklich NIEMALS in den OP wollte. Hat freiwillig den ganzen Strationskram gemacht. Einmal musste sie dann doch in eine Galle, und nach 10 Minuten kam der Anruf, jemand müsse sie auslösen. Dabei war sie noch nicht mal zusammengeklappt, sondern hatte am Tisch geäußert, dass sie nicht glaube, dass sie eine Cholezystektomie durchstehen würde... Kam natürlich nicht gut bei den Ärzten an. Die meisten (ich auch) sind der Meinung, dass zum Chirurgie-PJ auch ein bisschen Assistieren gehört.

Nun, ich würde also ne Klinik auswählen, die gut bewertet ist. Unikliniken sind das in der Regel nicht, wobei du hier im "besten Fall" in der Masse untergehen kannst und viele PJler (für personalbedingt) nicht mehr sooo viele Säle da sind. Dafür kalkulieren große Häuser PJler meist fest in den OP-Plan ein. In einem Wald-und-Wiesen-Haus, das nicht fest mit PJlern rechnen kann, bist du eher "optional" am Tisch. Vielleicht kannst du bei diesen tendentiell verständnisvolleren Chirurgen auch deine Bedenken offen ansprechen, denn natürlich würden auch die dich gerne mit den OP nehmen.

Chirurgie-PJ ohne OP ist irgendwann aber auch langweilig. Stationsarbeit kannst du nicht mit der Inneren vergleichen, und in der Ambulanz ist man die ganzen Aufnahmen irgendwann auch über. Und es liegt auch nicht jeden Tag jedes Mal jemand in der ZNA, den du voruntersuchen kannst... Ich wünsche dir also, dass du irgendwie deine Besorgnis überwindest und dieses Erfolgserlebnis kennenlernst, wenn man plötzlich merkt, dass man die mittellange OP "überlebt" hat und es gar nicht so schlimm war, wie immer ausgemalt.

FuchsiBuchsi
20.11.2023, 13:18
Aus heutiger Sicht würde ich das Tertial splitten.

Die PJler mit gesplittetem Tertial haben sich bei uns schön die Rosinen rausgepickt und sind zum Beispiel unmittelbar zu Beginn in die beliebte Notaufnahme rotiert und dort schön lange geblieben. Während wir anderen zwischen Station und OP ge:-kotz haben.

Du erzählst Klinik A, dass du danach in Klinik B bist und es dort nur XY (Allgemeinch.,...) gibt und begründest damit, warum du in Klinik A unbedingt die Rosine haben willst. Weil du eh nur die Hälfte des Tertials da bist, planen die mit dir nicht ganz so.

Was die jeweiligen Rosinen sind, erfährst du über das PJ-Bewertungsportal.

ehem-user-04-01-2024-1151
20.11.2023, 16:39
Gut gegessen, gut getrunken, Stützstrümpfe, netter Operateur, nette OP-Pflege, sodass ich "auf einmal" problemlos 5h am Tisch stand. Angst war von jetzt auf gleich.

Das habe ich tatsächlich mehrfach so versucht, musste dann aber doch sehr schnell auf die Toilette. Der Operateuer der das seit 30 Jahren macht sagte, das könne man trainieren. Sicherlich, aber das braucht halt auch seine Zeit. Das sich andere um OPs reißen habe ich in meinen, zugegeben wenigen, OP-Praktika leider nie erlebt. Diese OP-Angst kann ich bestätigen. Zumindest für mich. Der Ton war bei mir okay. Ich glaube aber, dass gerade das ein wichtiger Grund ist, warum viele nicht in eine chirurgische Fachrichtung wollen. Klare kurze Anweisungen sind in Ordnung, aber ich finde ein grundsätzlich sehr rauer Ton trägt nicht zur positiven Stimmung einer Abteilung bei. Man muss ja auch als Team zusammenarbeiten. Die PJ-Berichte haben mich z.T. Wirklich schockiert. Weil ja oft noch nicht mal Verständnis für die Leute aufgebracht wird die alles richtig machen. Sicherlich habe ich auch große Angst davor umzufallen oder nicht ausgelöst zu werden (man sieht mir meine Gebrechen nicht sofort an). Ich will ungern zu einer Uniklinik. Habe auch ein kleines Haus bevorzugt. Da habe ich nur die Befürchtung, dass ich dann von morgens bis abends täglich im OP bin, weil die keinen anderen PJ haben

ehem-user-04-01-2024-1151
20.11.2023, 16:41
Aus heutiger Sicht würde ich das Tertial splitten.

Die PJler mit gesplittetem Tertial haben sich bei uns schön die Rosinen rausgepickt und sind zum Beispiel unmittelbar zu Beginn in die beliebte Notaufnahme rotiert und dort schön lange geblieben. Während wir anderen zwischen Station und OP ge:-kotz haben.
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Daran hab ich doch gar nicht gedacht. Ich will mir gar nicht die Rosinen rauspicken. Ich kann nur nicht täglich die feste Kraft in irgendwelchen Marathon OP sein nicht, weil ich es nicht will, sondern weil ich es nicht kann. Trainieren kann ich es, ich weiß aber, dass ich nie über einen gewissen Stand hinauskomme

FuchsiBuchsi
20.11.2023, 17:35
Daran hab ich doch gar nicht gedacht. Ich will mir gar nicht die Rosinen rauspicken. Ich kann nur nicht täglich die feste Kraft in irgendwelchen Marathon OP sein nicht, weil ich es nicht will, sondern weil ich es nicht kann. Trainieren kann ich es, ich weiß aber, dass ich nie über einen gewissen Stand hinauskomme

Das war nicht vorwurfsvoll gemeint :-keks
Hätte ich es im Vorfeld gewusst, dass es so abläuft, hätte ich es so gemacht, mehr meinte ich damit nicht.
Wenn du ein komplettes Tertial da bist, sind die Erwartungen an dich leider höher, so meine Beobachtung.