Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gehaltsverhandlungen als Klinik-Assistenzarzt
MagicMuffin
30.11.2023, 14:35
Liebe Leute,
handelt ihr beim Arbeitgeberwechsel euer Gehalt aus? Ich habe das Gefühl, und so habe ich das bisher auch gehandhabt, dass wir uns einfach mit unserer Eingruppierung in die Tarifgruppe abspeisen lassen.
Dabei könnte man doch Fahrtkosten, Parkplatzkosten und eventuell sogar eine Höhergruppierung aushandeln?
Hat jemand Erfahrungen damit gemacht? Ich habe den Moment leider verpasst und stehe jetzt vor der Vertragsunterschreibung.
Wie seht ihr das?
Qwert1133
30.11.2023, 16:38
Also bei uns an der Uniklinik kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man da irgendwas verhandeln kann. Am ehesten geht noch sich eine Funktionsrotationen zusichern zu lassen, aber das nehmen einem die Kollegen dann häufig übel :D
Endoplasmatisches Reticulum
30.11.2023, 18:06
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Lakemond
30.11.2023, 19:09
Also bei uns an der Uniklinik kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man da irgendwas verhandeln kann.
Man geht doch nicht in die Uniklinik um Geld zu verdienen....
Ich würde empfehlen möglichst schnell den FA zu machen und dann auf eine OA-Stelle bewerben. Da wird es dann mit strategischen Stellenwechseln deutlich einfacher über/außertarflich zu verhandeln (je nach Fachgebiet, Region usw.).
Ich hab damals in einem Kleinstadt-Krankenhaus angefangen mit eigenem internen Tarifvertrag mit im Vergleich eher niedrigen Gehalt. Hatte beim Gespräch angesprochen, dass mir das eigentlich zu wenig ist. Der Chef meinte bei einem Rundgang ohne kfm. Direktor, dass wir uns ruhig angewöhnen sollten, zu verhandeln, daher hab ich dann einfach Mal Summe genannt und die bekommen. Der Kollege nach mir hat noch mehr rausgehandelt und von Anfang an klargemacht, dass er so schnell wie möglich in die PKV möchte und deswegen gewisse Summe braucht, damit es mit den Diensten dann ausreicht. Der hat aber auch ordentlich Gas gegeben, viele Dienste übernommen und sich sein Mehrgehalt durchaus verdient (denke ich), ist auch recht zügig FA geworden und in die OA-Riege aufgestiegen.
Das ist schon einige Jahre her, wenn die Bewerbersituation knapp ist, denke ich, dass man es durchaus versuchen kann. Mehr als nein sagen, können sie ja nicht
Endoplasmatisches Reticulum
01.12.2023, 10:43
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Ich glaube, dass es ohne Unterstützung auf Ebene der CÄ/Direktion nicht geht und dann auch noch mehrere Faktoren (s. Endos Posting) zufällig günstig stehen müssen. Das ist meiner Beobachtung nach auch auf höherer Ebene, leitende Positionen und OÄ, am Anfang noch so. Die höchste Ebene muss diesen "Hebelmoment" der Geschäftsführung bestätigen. Umso weniger Erfahrung man selbst hat umso ersetzbarer ist man auch. Ich habe einen Monat vorzeitige Höherstufung bekommen aber sogar nur auf Initiative meiner Vorgesetzten als Ausgleich für 1,5 Monaten Arbeitslosigkeit.
Carnivore
01.12.2023, 15:56
Ich habe hier mal irgendwo von der Idee gelesen, dass man verhandeln kann, gleich mit der zweiten Gehaltsstufe einzusteigen, wenn man sein PJ schon an dem Haus verbracht hat.
Da ich das so vor habe, werde ich das vermutlich auch probieren.
Würde ich auch versuchen. Wenn ich mich so umschaue, scheint das einfachste, was man so bekommen kann kann tatsächlich eine höhere Einstufung zu sein. Vielleicht nicht direkt, aber z. B. als vorzeitiges Höherstufen direkt nach der Probezeit o. ä. Du kannst während des PJs ja schon mal vortasten, wie das in diesem Haus konkret laufen würde. Wahrscheinlich wird eh niemand mit dir verhandeln, sondern deine Anfrage wird entweder einfach durchgewunken oder abgelehnt werden. Wenn es letztendlich dann einfach deine Entscheidung bleibt, ob du die Stelle zu dieser oder jener Bedingung antreten willst, ist das ja völlig wumpe.
Jukka666
01.12.2023, 16:23
Fehlendes Hebelmoment = keine Verhandlungsbasis
Weder erhöht ein effizienteres Arbeiten nennenswert den Umsatz, noch sind denkbare Zusatzaufgaben außerhalb der vertraglichen Arbeitszeit für den Arbeitgeber regelhaft relevant. Unterschiede zwischen einzelnen AiWs verpuffen auf Kostenstellensicht im Nirwana. Das heißt, eine besondere Vita oder Sonderqualifikationen sind auf AiW-Level nett, um sich von der Masse während einer Bewerbung hervorzuheben, räumen dir aber kaum einen soliden Anspruch auf Extrawürste ein. Außerdem stilisiert es dich als Forderer heraus (Chef don't like) und kann Zwietracht ins Team tragen (Chef don't like). Zuletzt sind viele Chefs auch gar nicht befugt, so etwas zu entscheiden..
Ich persönlich gebe euch allen zwar recht in der Konsequenz und aktuellen Realität, dass man nur schlecht Gehaltsverhandlungen als AiW führen kann, aber nicht in der Sache an sich:
- Eine exzellente, flotte, effiziente Arbeit als Stationsarzt (oder als egal welcher Mitarbeiter) erhöht sehr wohl den Umsatz: man stelle sich nur vor, man behandelt Patienten gut und flott, päppelt sie auf und macht dadurch schneller ein Bett frei. Das ist erhöhter Umsatz!
- Das Problem dabei ist nur: es wird meist nicht bemerkt, gesagt oder einzelnen Personen zugeordnet.
- Das gleiche gilt für Zusatzqualifikationen: macht man z.B. spezielle Kurse (Rea/Sono/Regionalanästhesie etc.) und behandelt dadurch Patienten schneller, besser und flotter, dann ist das Umsatz!
Wir müssen anfangen, Weiterbildung nicht mehr als Phase zum Ziel zu sehen, sondern als Geben und Nehmen. Sonst wäre Fort- und Weiterbildung immer nur Mittel zum Zweck zum FA-Status.
Als fortgeschrittener AiW kann man m.E. sehr wohl sich Nischen suchen, gut performen und Benefits einfordern.
Retrospektiv würde ich in meiner Zeit auch Dinge besser machen, ich habe z.B. eine Stufenvorweggewährung erhalten, einen befristeten Vertrag entfristen lassen. Das ist vielleicht nicht viel, aber das basierend auf einem Skill. Ob ich mehr Umsatz wirklich generiert habe, kann ich natürlich schlecht nachweisen (war mir aber auch wurscht).
- Eine exzellente, flotte, effiziente Arbeit als Stationsarzt (oder als egal welcher Mitarbeiter) erhöht sehr wohl den Umsatz: man stelle sich nur vor, man behandelt Patienten gut und flott, päppelt sie auf und macht dadurch schneller ein Bett frei. Das ist erhöhter Umsatz!
- Das Problem dabei ist nur: es wird meist nicht bemerkt, gesagt oder einzelnen Personen zugeordnet.
- Das gleiche gilt für Zusatzqualifikationen: macht man z.B. spezielle Kurse (Rea/Sono/Regionalanästhesie etc.) und behandelt dadurch Patienten schneller, besser und flotter, dann ist das Umsatz!
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Medizin vor allem im Krankenhaus ist Teamarbeit. Da kann einer noch so brillieren, wenn der Rest nicht mitzieht, dann ist das ganze Ergebnis nicht vorhanden. Und man darf nicht vergessen, dass auf Station die größte Arbeit bei der Pflege und Physiotherapie ist.
ehem-user-04-01-2024-1151
01.12.2023, 17:08
Und man darf nicht vergessen, dass auf Station die größte Arbeit bei der Pflege und Physiotherapie ist.
Physiotherapie? Wie kommst du denn darauf, dass die die meiste Arbeit auf Station haben? Die haben feste Behandlungseinheiten und auch keine Dienste. Pflege hat sicherlich viel Zumutung, aber ist die Arbeit von denen mehr als die vom ärztlichen Team
Endoplasmatisches Reticulum
01.12.2023, 17:11
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Puh, diese Negativenergie ist echt erdrückend irgendwie. Wer so über sich, seine Arbeit und seinen Beruf denkt, kann sicher nie einen Cent mehr rausholen. Aber es gibt ja auch Ärzte, die anders denken.
Ich arbeite in Österreich, deshalb etwas andere Voraussetzungen, wurde aber nach mehreren Verhandlungsrunden in eine höhere Stufe eingestuft und bekomme außerdem noch eine fixe monatliche Zuzahlung. Oft merkt man ja, dass man der einzige halbwegs qualifizierte Bewerber ist - dann kann man sich das auch ruhig zumindest zum Teil finanziell abgelten lassen.
Wie Nilani ganz richtig gesagt hat - mehr als nein sagen können sie ja nicht. Ist also sehr risikoarm.
FirebirdUSA
01.12.2023, 17:57
Das Krankenhaus ist keine klassisches Wirtschaftsunternehmen... wenn Umsatz so leicht zu steigern wäre... die wirklich planbaren Kosten sind Personal und Einkauf.... deshalb wird da ja auch gespart.
Nachdem die verfügbare Summe im Gesundheitswesen relativ festgelegt ist, geht es ja nur um Verteilung zwischen den einzelnen Akteuren.
Endoplasmatisches Reticulum
01.12.2023, 17:59
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Tramaldol
01.12.2023, 20:09
Also in der Regel erhält man nur Tarif als AiW. Man darf ja nur unter Aufsicht und Anleitung behandeln. Unikliniken zahlen selbst OÄ nur Tarif. Man kann so Kleinigkeiten raushandeln wie eine höhere Poolbeteiligung.
Wenn jetzt einige hier schreiben, dass sie AT verdienen als AiW ist das Glück. In der Regel gibt's nämlich schon einige Bewerber immer wieder, auch dank dem ständigen Zustrom aus dem Ausland.
Fachärzte können einen Kassensitz besetzen, können eigenständig behandeln, sind rar gesät im Vergleich zu AiW. Daher auch in der Regel die Option AT und vor allem übertariflich zu verhandeln
Also bei uns an der Uniklinik kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man da irgendwas verhandeln kann. Am ehesten geht noch sich eine Funktionsrotationen zusichern zu lassen, aber das nehmen einem die Kollegen dann häufig übel :D
Nein das machen die nicht. Dafür gibts dort Forschungsmöglichkeiten und Diagnostik/Therapie, die es in anderen Häusern nicht gibt.
Also in der Psychiatrie kann man auch als Assi durchaus höhere Gehälter raushandeln. Aber nur in peripheren Kliniken mit erheblichem Personalmangel und auch dann meist nur mit Berufserfahrung (sind mir persönlich mehrere Fälle bekannt aus meiner Therapieweiterbildung). Wenn man z.B. als Honorar-Assistenzarzt eine peripher-psychiatrische Notaufnahme schrubbt, ist vereinzelt auch hohes Oberarztgehalt möglich (macht ein ehemaliger Kollege von mir). Und noch etwas: falls man z.B. in einer psychiatrischen Klinikambulanz angestellt werden soll, die nach bayrischem Modell abrechnet (also jede Leistung einzeln), würde ich in einer peripheren Klinik mit Personal- und Bewerbermangel auch nicht für den normalen Tarif arbeiten (käme ja auch nur als Altassistent in Frage). Kommt halt immer auf den Einzelfall an. In meiner Stadt kenne ich niemanden (egal welches Fach), der mehr bekommt als Tarif.
Tramaldol
02.12.2023, 14:32
Wenn man z.B. als Honorar-Assistenzarzt eine peripher-psychiatrische Notaufnahme schrubbt, ist vereinzelt auch hohes Oberarztgehalt möglich (macht ein ehemaliger Kollege von mir).
Keine Ahnung, wie man in den 6 Wochen Ferien auch noch Honorartätigkeiten hinbekommen soll bzw. muss. Lieber Weiterbildung abschließen und dann kann gute Gehälter aushandeln.
In meiner Region werden Assis auch nur nach Tarif bezahlt, ist hier allerdings alles relativ dicht besiedelt. In sehr ländlichen Gegenden in sehr unbeliebten Häusern, mag es mögich sein.
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