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Nefazodon
10.12.2023, 12:51
Oberarztgehalt zahlen wir, wenn die Leistungen in der Sprechstunde grob unseren Leistungen als Praxisinhaber entsprechen.

Einige überschätzen sich etwas denke ich.

Direkt nach der Facharzt Prüfung kann man in der Regel kein gutes Oberarztniveau haben. Das gibt es in der klinik nur selten und auch in der Praxis kaum.

Was spricht dagegen erst mal ein Jahr ein bisschen was zu leisten und sich ein Stück weit unentbehrlich machen? Dann kann man das Gehalt gerne erneut verhandeln. Wer gleich forsch Oberarztgehalt möchte wird im Zweifel nicht eingestellt oder steht von Tag ein unter zugzwang, was keine gute Ausgangssituation ist.

Die Leistung muss stimmen, das ist klar.

Aber Du sagst es ja selbst: Auch in der Klinik gelingt es nur selten, sofort gutes Oberarztniveau herzustellen. trotzdem bekommen die Leute auch in der Anfangszeit Oberarztgehalt und wachsen dann in die Stelle rein.:-nix
Es ist eben am Anfang auch immer eine Investition in den Mitarbeiter, die sich erst in der Zukunft auszahlen muss.

Zugzwang ab Tag eins muss nichts schlechtes sein, wenn man ihn denn erfüllen kann.

Wer gleich forsch Oberarztgehalt möchte, wird im Zweifel nicht eingestellt -> das stimmt. So ist das in beiderseitigen Verhandlungen. Deswegen kommt es immer auf die eigenen Optionen an.

Was spricht dagegen erst mal ein Jahr ein bisschen was leisten und sich ein Stück weit unentbehrlich machen? Dann kann man das Gehalt gerne erneut verhandeln. -> Da spricht nichts gegen. Genau das hab ich oben auch geschrieben. Es hängt von der Marktsituation ab.

DrSkywalker
10.12.2023, 12:53
Btw:

Wenn ich jemanden Vollzeit zu Oberarztgehalt anstelle kostet er mich über 120k / jahr nur lohnkosten. Wenn man dann noch die weiteren Kosten ehrlich berechnen würde, dh. Raumkosten, zusätzliche mfa, Versicherungen etc landet man schnell bei über 150k/Jahr und mehr.

Nefazodon
10.12.2023, 12:55
Gerade WEIL man keine Dienste machen will, verlässt man die Klinik. Wer nicht ausgelastet genug ist in der Praxis, darf KV Dienste machen. Bin damit während der Weiterbildungszeit in der Praxis auch auf 11k/Monat gekommen.... ( Für paar Monate ok gewesen, dauerhaft wäre wieder zu anstrengend, wie in der Klinik��)

Edit: Da war jemand schneller gewesen....

Klar, die Arbeitszeiten in der Klinik sind ein Punkt. Aber es allein darauf zu reduzieren, wäre zu kurz gesprungen. Ich bin weiter der Ansicht, dass die Facharztgruppe in der Tabelle nicht angemessen repräsentiert ist...aber darüber lässt sich sicherlich streiten (nur nicht hier, weil OT ;-))

Nefazodon
10.12.2023, 13:02
Ein Oberarzt hat Personalverantwortung, hat ggf. noch weitere Funktionen wie Datenschutzbeauftragter, Hygienebeauftragter etc., erstellt SOPs, hat Verwaltungsaufgaben, ggf. in bestimmten Bereichen mehr Erfahrung als der Chef und ergänzt das Spektrum der Klinik.

Mehr Erfahrung als der Chef hat sicher nicht jeder Oberarzt. Oberarztneulinge schonmal gar nicht.
SOPs müssen nicht so oft erstellt werden, und ich kenne es so, dass sie im Team erstellt werden und der OA evtl. supervidiert.
Verwaltungsaufgaben und die anderen genannten können zum Teil auch in einer Praxis anfallen und man kann die Lasten dann schon auch verteilen....

Schon klar, dass man dann auch entsprechend Leistung für die Praxis bringen muss, wenn man oA-Gehalt will. Sich rar machen geht dann nicht.
Hat aber auch nie einer behauptet.

ehem-user-19-05-2025-1430
10.12.2023, 13:08
Als angestellter Hausarzt ist man ja nicht wie z. B. als angestellter Ingenieur massiv abhängig vom Kapital des Arbeitgebers sprich Millionen teure Maschinen. Natürlich gibt es einen Unterschied zum Inhaber, aber man muss ja nicht bei <80k Rumkrebsen damit der Chef die 300k knackt in seiner 4 tage woche...

Natürlich kommt es auf die Leistung an. Aber wenn man >40 Patienten am Tag ohne Rücksprache abarbeitet, sprich 1000 scheinen zusätzlich macht...

Es muss ja Gott sei dank auch nicht zusammenfinden was nicht zusammenpasst ;)

...oder ich check es nicht und die Hausärzte im Norden oder Osten Deutschland geht es so viel schlechter als im Süden...

Nefazodon
10.12.2023, 13:46
Btw:

Wenn ich jemanden Vollzeit zu Oberarztgehalt anstelle kostet er mich über 120k / jahr nur lohnkosten. Wenn man dann noch die weiteren Kosten ehrlich berechnen würde, dh. Raumkosten, zusätzliche mfa, Versicherungen etc landet man schnell bei über 150k/Jahr und mehr.

Ich kann natürlich verstehen, dass Du das ganze aus der Sicht des Praxisinhabers siehst Skywalker. Und tatsächlich sollte man sich diese Sicht auch als Gegenseite in den Gehaltsverhandlungen durchaus bewusst machen.
Denn es stimmt natürlich: Das Gehalt, das man verdient, muss auf der anderen Seite immer auch erwirtschaftet werden.

Dennoch können wir uns vielleicht darauf einigen, dass Oberarztgehälter durchaus möglich sind.
Und vielleicht auch darauf, dass das eingangs genannte Angebot, dass die TE bekommen hat sich eher am unteren Rand orientiert??
Das jemand 10 Jahre zum gleichen Gehalt wie am Anfang in der Praxis malocht, ohne Entwicklung, geht gar nicht. Und entspricht nicht der Realität der allermeisten Angestellten in Deutschland. Regelmäßige Steigerungen, analog zu TV, sind daher aus meiner Sicht Mindestmaß für einen fairen Vertrag. Ebenso 3-5 Fortbildungstage und eine Zusatzversorgung. Das ist einfach Standard.

Der Rest: Oberarztgehalt, Boni....ist sicherlich möglich und kann wirtschaftlich auch tragbar sein für den Inhaber, ist aber sicher auch nicht in jedem Fall erreichbar.

Da bin ich ganz bei Dir. Und da muss man in den Verhandlungen dann eben den eigenen Wert, was der Praxisinhaber zahlen *kann*, und die eigenen Optionen (wie ist die lokale Marktlage? Welche Alternativen habe ich? Wie wichtig ist mir die Stelle, weil ich sonst umziehen muss o.Ä.) gut abwägen.
Wenn die Punkte aus dem ersten Abschnitt erfüllt sind (Gehaltssteigerung, FoBi-Tage, Zusatzversorgung) spricht aus meiner Sicht aber nichts dagegen, sich das ganze erstmal anzuschauen und nach einem Jahr nachzuverhandeln. Das hatte ich oben aber bereits an zwei Stellen geschrieben.

Vielleicht können wir uns ja darauf einigen?

Frisko
10.12.2023, 13:55
Dennoch können wir uns vielleicht darauf einigen, dass Oberarztgehälter durchaus möglich sind.
Und vielleicht auch darauf, dass das eingangs genannte Angebot, dass die TE bekommen hat sich eher am unteren Rand orientiert??
Das jemand 10 Jahre zum gleichen Gehalt wie am Anfang in der Praxis malocht, ohne Entwicklung, geht gar nicht. Und entspricht nicht der Realität der allermeisten Angestellten in Deutschland. Regelmäßige Steigerungen, analog zu TV, sind daher aus meiner Sicht Mindestmaß für einen fairen Vertrag. Ebenso 3-5 Fortbildungstage und eine Zusatzversorgung. Das ist einfach Standard.



Wie hat sich denn das Gehalt der Praxisinhaber*innen v.a. im Bereich der Allgemeinmedizin in den letzten zehn Jahren verändert?

Wie sind die Gehälter in Praxen anderer Fachrichtungen und wie haben diese sich entwickelt?

Ich verstehe ja irgendwie beide Seiten. Aber das System funktioniert halt nicht, wenn die Politik/Gesellschaft whatever erwartet, dass Praxen am Besten 24 Stunden digital und persönlich anwesend sind, wirtschaftlich arbeiten, weiterbilden und Begeisterung für den Job verströmen und auf der anderen Seite IMMER noch, selbst in den Beratungen für neue, niederlassungswillige Kolleg*innen darauf hinweisen: "Bezahlt kriegen sie aber nur 80% der Arbeit."

Ich schweife ab. Zu dem Angebot wurde ja alles gesagt.

Nefazodon
10.12.2023, 14:03
Wie hat sich denn das Gehalt der Praxisinhaber*innen v.a. im Bereich der Allgemeinmedizin in den letzten zehn Jahren verändert?

Zwar verstehe ich deinen Punkt, und empfinde es als ungerecht, was Praxisinhaber für ihre Leistung bekommen.
Jedoch ist das jetzt, im Bezug auf das Thema dieses Threads, OT und ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen.
Als Praxisinhaber ist man selbstständig und trägt alle Risiken der Selbstständigkeit.
Als Angestellter hat man diese Risiken nicht, will sie auch nicht, verdient dafür *sicher* weniger als der Praxisinhaber (sonst läuft irgendwas falsch), und bringt ja trotzdem eine Leistung, die der Praxisinhaber scheinbar auch wünscht und braucht (sonst kann er/sie ja auch auf Angestellte verzichten).
Regelmäßige Gehaltssteigerungen sind im Angestelltenbereich nunmal flächendeckend Standard.
Und niemand kann behaupten, dass die letzten Tarifabschlüsse üppig gewesen wären.

Daher würde ich auf diesen Punkt als Angestellter in Verhandlungen bestehen.

Aber das bleibt ja jedem selbst überlassen.

][truba][
10.12.2023, 14:23
Ich persönlich denke, man kann sicherlich dieses Angebot als Basis nehmen für die ersten 6-12 Monate nach Erlangung des FA Titels. Man sollte immer versuchen ein wenig mehr rauszuhandeln. Für jemanden direkt nach dem Facharzt, sehe ich ein Oberarztgehalt auch als kritisch an, wenn ich mich in den „Chef“ hineinversetze. Bringt dieser Angestellte wirklich Leistung? Behandelt er Patienten medizinisch sinnvoll, weiß aber auch welche Ziffern in jedem Fall mit abgerechnet werden (sollten/müssten), ist er gut im Anbieten von „sinnvollen“ IGELn, geht er eine „extra Meile“?

Klar, er kennt den TE aus der Weiterbildung und sollte genau das gefördert haben aber ob es denn wirklich fruchtet sieht man erst hinterher.

Bin ich überzeugt von mir als Arbeitnehmer, würde ich og Angebot versuchen leicht zu pushen und eine Vertragslaufzeit von Max 12 Monaten vereinbaren. Dann zeig ich meinem Chef in dieser Zeit was ich auf dem Kasten hab, und dann verhandel ich eben ein richtig gutes Gehalt für mich. Und wenn der Chef über die abgeleistete gesehen hat, der ist das Wert, wird er auch eher bereit sein es zu zahlen.

Ich hab schon frische Fachärzte gesehen, die waren top und hätten gleich OA sein können. Ich kenne auch welche, die können nach Jahren keine Entscheidungen treffen, sind langsam und desinteressiert. Definitiv würd ich solchen als Chef kein OA Gehalt zahlen.

Der Rest der Praxis klingt übrigens durchaus nach einem guten Arbeitsplatz. Das muss man sich beachten und ob die andern weniger/mehr verdienen sollte dir egal sein. Es geht nur um dich.

Nefazodon
10.12.2023, 16:48
[truba][;2273088']Das muss man sich beachten und ob die andern weniger/mehr verdienen sollte dir egal sein. Es geht nur um dich.

Das stimmt nur zum Teil. Zwar kommt es am Ende darauf an, was auf dem eigenen Konto landet, jedoch kann ein Blick nach rechts und nach links um sich selbst einzuordnen nicht schaden.

Ich finde, Gehälter sollten viel öffentlicher sein und die Leute sollten vielmehr danach schauen.
So Mancher, der unterbezahlt geknechtet wird, würde sich da vermutlich verwundert die Augen reiben.
Und dann hoffentlich selbst mehr fordern.

Haffi
10.12.2023, 17:14
Ohne mich zu tief in die Diskussion einklinken zu wollen vielleicht als Anhaltspunkt, dass meine KollegInnen und ich (100k Einwohner Stadt) je nach Erfahrung/Zusatzbezeichnungen etc. angestellt zwischen 7500 und 10000 brutto liegen bei 4-Tage Woche. Im Rahmen der Stellensuche habe ich aber auch Angebote bekommen, die deutlich drunter lagen (z.B. 5000 brutto und Mindesturlaub im Zentrum einer Metropole)

anignu
10.12.2023, 22:40
[truba][;2273088']Ich hab schon frische Fachärzte gesehen, die waren top und hätten gleich OA sein können. Ich kenne auch welche, die können nach Jahren keine Entscheidungen treffen, sind langsam und desinteressiert. Definitiv würd ich solchen als Chef kein OA Gehalt zahlen.
Und das macht es so schwierig irgendeine Einschätzung zu treffen.

Ich seh es auch so dass "keine Gehaltssteigerungen" und "keine Fortbildungstage" schlecht sind. Die Höhe des Gehalts finde ich schwierig zu beurteilen. Einfach weil man die Leistung des Arztes nicht ohne irgendwelche Angaben beurteilen kann. Auch in unserer Klinik gibt es Leute die hätten mehr Geld verdient und andere denen würde ich Geld streichen wollen. Leistung ist sehr relativ. Und in der Praxis noch viel mehr. In der Klinik kann man tatsächlich aufgrund der schieren Masse an Leuten die Defizite einzelner Leute kompensieren. Da hast du Leute die einfach still und leise vor sich hin schaffen, andere die sich super präsentieren können und dafür faule Säcke sind und in der Summe sollte sich das ergänzen. In der Praxis, zumindest in meiner Vorstellung, brauchst du Leute die schaffen und das kann nicht jeder...

Thomas24
12.12.2023, 11:01
Btw:

Wenn ich jemanden Vollzeit zu Oberarztgehalt anstelle kostet er mich über 120k / jahr nur lohnkosten. Wenn man dann noch die weiteren Kosten ehrlich berechnen würde, dh. Raumkosten, zusätzliche mfa, Versicherungen etc landet man schnell bei über 150k/Jahr und mehr.

Eben.
Hier wird ja immer viel geschimpft und gejammert- gerne auch von Leuten, die sich Nullkommanull mit den wirtschaftlichen Grundlagen auseinandergesetzt haben und in ihrer beruflichen Laufbahn nur Tabellenentgelte und Tarifverträge kennengelernt haben, aber nicht wissen, was Begriffe wie "QZV, RLV" etc. in der Niederlassung bedeuten.

Es ist durchaus nicht so, dass sich die Praxisinhaber sich auf Kosten der armen Angestellten (jetzt mal Egal ob ärztlich oder nicht- ärztlich) die Taschen vollstopfen oder aus Böswilligkeit "unverschämte" Angebote machen- aber jeder Euro der ausgegeben wird, muss erstmal eingenommen werden. Ich wette, dass hier im Forum viele dabei sind, die noch nicht einmal wissen, dass die KV die erbrachten Leistungen nicht sofort, sondern mit knapp 2 Quartalen Verzögerung ausgleicht (auf Deutsch: ein halbes Jahr später), wenn der endgültige Punktwert feststeht- und vorher nur einen vorläufigen Abschlag zahlt. Liquidität ist durchaus ein Thema, mit dem man sich als Praxisinhaber auseinandersetzen darf. Auch Leistungskürzungen (natürlich dürfen Sie mehr Patienten behandeln, wir bezahlen das halt nur noch zu 10%) etc. sind bestimmt vielen nicht bekannt. Generell: wenn dann das Budget um unter 4% pro Anno angehoben wird, die Gehaltssteigerungsforderungen (weIl VErdI und MB foRdErn DaS doCh Auch!) jenseits von 10% liegen, gibt es allein da schon zum Beispiel mal ein Delta, wo man zuschauen muss, wie man da sinnvoll zusammenkommt. Von sonstigen Kostensteigerungen (Energie, Miete, Lieferanten etc.) mal ganz zu schweigen. Ich verstehe, dass man das als Angestellter nicht weiß (woher auch? Im Studium ist die Finanzierung der GKV ja kein Thema und später auch nicht), aber ich finde mal richtig und wichtig, mal den Punkt "Gehaltszahlungen" in den gesamten Praxis Kontext zu stellen. Daher Danke Skywalker für den Beitrag.

So, und nun zum Beitrag des Op: ohne wenigstens ein paar Kennzahlen (optimalerweise die BWA) der Praxis zu kennen, kann man als Außenstehender keine sinnvolle Aussage darüber treffen, ob das Angebot deines Chefs angemessen oder unverschämt gewesen ist :-nix.

Edit: Rechtschreibung

Nefazodon
12.12.2023, 20:39
@Thomas24: Zwar kann ich deine Sicht der Dinge aus Position eines Praxisinhabers nachvollziehen, und vieles von dem was Du schreibst ist richtig, dennoch kann ich dir in diesem Fall nicht Recht geben.

All diese Dinge sollte man sich bewusst machen und man sollte ein Gefühl dafür haben, wo man steht bzw. was machbar ist.
ABER: Als Angestellter sollte man sich in Gehaltsverhandlungen auch nicht den Kopf des Arbeitgebers zerbrechen.
Es sollte einem einzig und alleine darauf ankommen, für sich selbst ein gutes Angebot rauszuhandeln, dass mindestens dem Schnitt am Markt entspricht. Wie der Arbeitgeber/Praxisinhaber das dann finanziert, ist nicht das Bier des Angestellten.
Wenn der Arbeitgeber kein Angebot vorlegen will oder kann, das mindestens durchschnittlich ist, zieht man halt weiter.
Man sollte schon darauf bedacht sein, die eigene Wirtschaftsleistung zu optimieren. Sonst stellt man am Ende eines Arbeitslebens nachher fest, dass man auf 10.000nde Euro verzichtet hat.

Und daher kann man aus Arbeitnehmerwarte sehr wohl beurteilen ob ein Angebot angemessen ist.
Ich persönlich finde, o.g. Angebot ist es so nicht, allein, weil keine Steigerung vorgesehen ist. Sollte die Aussage über den Kollegen, der 10 Jahre lang für denselben Lohn gearbeitet hat stimmen, ist das eine klare red flag.
Wieviel Prozent seines Gehalts hat dieser Mensch durch die Inflation über 10 Jahre hinweg verloren???

Frisko
13.12.2023, 07:49
Nefazodon,
du drehst dich aber doch im Kreis. Das System kann doch nicht funktionieren, wenn auf der einen Seite immer mehr Gehalt für die Arbeitnehmer verhandelt wird (völlig gerechtfertigt, nicht falsch verstehen), auf der anderen Seite aber nicht die Möglichkeiten gefunden werden, diese Steigerungen zu kompensieren?! Klar, Bewerber*innen können dann weiterziehen, aber die Quintessenz ist doch: außer größere MVZs oder deutlich auf Gewinn ausgelegte Praxissysteme können die meisten Praxen die Weiterbildung (!) nicht rückfinanzieren. Und da sprechen wir noch nicht mal von den Fachärzt*innen. Die sind dann ja ein ganz anderer Schnack und wie Thomas24 oben schon sagt in einer ganz anderen finanziellen Liga. Und angeführt und gefordertwerden dann Zahlen für das VKA in einem Bereich der Selbständigkeit mit begrenzten Möglichkeiten zur Gewinnsteigerung. Schwierig.

Nefazodon
13.12.2023, 08:22
@Frisko: Aber hier in dem thread ging es doch eigentlich nicht um die frage, wie das System zu finanzieren ist, sondern eine Bewerberin hatte eine konkrete Frage zu dem Angebot, das sie erhalten hat und wie sie sich verhalten soll.
Aus gesellschaftlicher Sicht müssen wir uns überlegen, wie das ganze funktionieren soll.
Aus Bewerbersicht kann das doch egal sein.

Thomas24
14.12.2023, 18:11
@Frisko: Aber hier in dem thread ging es doch eigentlich nicht um die frage, wie das System zu finanzieren ist, sondern eine Bewerberin hatte eine konkrete Frage zu dem Angebot, das sie erhalten hat und wie sie sich verhalten soll. Aus gesellschaftlicher Sicht müssen wir uns überlegen, wie das ganze funktionieren soll.
Aus Bewerbersicht kann das doch egal sein.

Klar. Als Bewerber muss man auf seinen eigenen Teller schauen und kann erstmal fordern, womit man meint, noch durchzukommen. Falls man mit dieser Strategie im ambulanten Sektor mehrfach eine Absage kassiert, hast du ja jetzt auch ein bisschen Kontext, woran es am Ende gelegen haben könnte. Hinweis: nicht an fehlender Sympathie oder Interesse am Bewerber, den pöhsen gierigen Chefs/ LaTe StAgE CapItAlisM/ oder sonstwas. Sondern einfach daran, dass das Geld im ambulanten Sektor einfach nicht da ist*.

Dann kann man sich als primär pekuniär orientierter Bewerber immer noch an die nicht- inhabergeführten (aka Finanzvehikelfinanzierten) Träger wenden. Die können es sich eher erlauben, den ein oder anderen Standort mal eine gewisse Zeit defizitär zu betreiben, und von einem anderen Standort/ Konzernteil die Stelle quer zu finanzieren. Im Regelfall zahlen diese auch gut, bis sehr gut- ist halt immer eine gewisse Schmerzensgeldkomponente mit dabei, weil man ab mittlerer Führungsebene (sprich: ärztliche Standortleitung eines MVZ) als FA dann monatliche "Zahlenkonferenzen" mit der BWL Teppichetage hat und rechtfertigen darf, warum dieses oder jenes nicht so richtig gelaufen ist- und das man nächstes Jahr, bittedanke x% mehr Umsatz machen darf. Mit demselben Personalschlüssel selbstverständlich. Das macht die Atmosphäre manchmal dann doch etwas unentspannt, wenn man sich einem fachfremden Menschen, der oft von Medizin gar nichts versteht, gegenüber rechtfertigen darf, warum in Pandemiezeiten bei gleichzeitigem krankheitsbedingten Personalausfall (MFAs, Ärzte) die Umsatzzahlen etwas gelitten haben, aber einen Tod muss man sterben.

*Es ist genügend Geld vorhanden, aber meines Wissens nach werden immer noch nur 16,8% der GKV Ausgaben für die ärztliche Leistung ausgegeben, sondern für anderes. Heil- Hilfsmittel, Verwaltungskosten, "sonstiges" usw.

Lulu22
19.12.2023, 20:04
Klar. Als Bewerber muss man auf seinen eigenen Teller schauen und kann erstmal fordern, womit man meint, noch durchzukommen. Falls man mit dieser Strategie im ambulanten Sektor mehrfach eine Absage kassiert, hast du ja jetzt auch ein bisschen Kontext, woran es am Ende gelegen haben könnte. Hinweis: nicht an fehlender Sympathie oder Interesse am Bewerber, den pöhsen gierigen Chefs/ LaTe StAgE CapItAlisM/ oder sonstwas. Sondern einfach daran, dass das Geld im ambulanten Sektor einfach nicht da ist*.

Dann kann man sich als primär pekuniär orientierter Bewerber immer noch an die nicht- inhabergeführten (aka Finanzvehikelfinanzierten) Träger wenden. Die können es sich eher erlauben, den ein oder anderen Standort mal eine gewisse Zeit defizitär zu betreiben, und von einem anderen Standort/ Konzernteil die Stelle quer zu finanzieren. Im Regelfall zahlen diese auch gut, bis sehr gut- ist halt immer eine gewisse Schmerzensgeldkomponente mit dabei, weil man ab mittlerer Führungsebene (sprich: ärztliche Standortleitung eines MVZ) als FA dann monatliche "Zahlenkonferenzen" mit der BWL Teppichetage hat und rechtfertigen darf, warum dieses oder jenes nicht so richtig gelaufen ist- und das man nächstes Jahr, bittedanke x% mehr Umsatz machen darf. Mit demselben Personalschlüssel selbstverständlich. Das macht die Atmosphäre manchmal dann doch etwas unentspannt, wenn man sich einem fachfremden Menschen, der oft von Medizin gar nichts versteht, gegenüber rechtfertigen darf, warum in Pandemiezeiten bei gleichzeitigem krankheitsbedingten Personalausfall (MFAs, Ärzte) die Umsatzzahlen etwas gelitten haben, aber einen Tod muss man sterben.

*Es ist genügend Geld vorhanden, aber meines Wissens nach werden immer noch nur 16,8% der GKV Ausgaben für die ärztliche Leistung ausgegeben, sondern für anderes. Heil- Hilfsmittel, Verwaltungskosten, "sonstiges" usw.

Ich arbeite in einer Praxis mit 3 Arztstellen. Hilft euch das weiter? Ich glaube wir haben über 2000 scheine pro Quartal. Passt das?
Ich habe bisher keinen neuen Vertrag vorgelegt bekommen und das macht mir auch Sorge. Ich bleibe dabei, dass ich gehaltssteigerungeb eingebaut haben möchte. Aber ich habe nie das Startgehalt kritisiert.
Ich glaube gerade, dass mir die Forderung nach einer Gehaltssteigerung krumm genommen wird.
Ich für mich werde sonst den Vertrag jetzt unterschrieben und nach einem Jahr nachverhandeln. Oder was meint ihr?

Trenn
19.12.2023, 21:13
Was heißt über 2000 Scheine pro Quartal? 2100? Dann passt das Gehalt und viel mehr Gehaltssteigerung ist auch nicht drin (außer ihr baut massig aus oder habt sehr viele Private oder Igelt sehr viel). 3000 Scheine müssten es schon sein, damit man bei drei Sitzen OA-Gehalt generieren kann. Schnitt ist so 1000-1200 Scheine und 150-160k Gewinn pro Kassensitz. Ziehe davon noch das Unternehmerrisiko ab sowie die Dividende für die Investition der Inhaber, teile das noch durch 1,2 wegen den Arbeitgeberanteile dann hast du grob das maximal zahlbare Gehalt. Eine Alternative wäre auch eine Gehaltssteigerung nach Erreichen von Zielvereinbarungen (so und so viele Neupatienten, so und so viele HKS etc.). Vielleicht ist die Praxis aber auch eingeschlafen, niemand möchte mehr arbeiten und es soll auf entspanntem Niveau gewirtschaftet werden.

Lulu22
20.12.2023, 06:41
Was heißt über 2000 Scheine pro Quartal? 2100? Dann passt das Gehalt und viel mehr Gehaltssteigerung ist auch nicht drin (außer ihr baut massig aus oder habt sehr viele Private oder Igelt sehr viel). 3000 Scheine müssten es schon sein, damit man bei drei Sitzen OA-Gehalt generieren kann. Schnitt ist so 1000-1200 Scheine und 150-160k Gewinn pro Kassensitz. Ziehe davon noch das Unternehmerrisiko ab sowie die Dividende für die Investition der Inhaber, teile das noch durch 1,2 wegen den Arbeitgeberanteile dann hast du grob das maximal zahlbare Gehalt. Eine Alternative wäre auch eine Gehaltssteigerung nach Erreichen von Zielvereinbarungen (so und so viele Neupatienten, so und so viele HKS etc.). Vielleicht ist die Praxis aber auch eingeschlafen, niemand möchte mehr arbeiten und es soll auf entspanntem Niveau gewirtschaftet werden.

Ich habe das Angebot akzeptiert, ich habe lediglich um gehaltssteigerung entsprechend der FA Stufe gebeten.
Findest du das trotzdem unrealistisch oder stehe ich jetzt "doof" da? Ist es nicht normal?
Ich will kein OA Gehalt. Ich würde jetzt 6600 für 100 Prozent kriegen.