PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chancen auf Niederlassung



Carnivore
16.12.2023, 07:29
Hi Leute,
ich befinde mich gerade kurz vor dem M2 und bin ein kleiner Nerd in Sachen Planung.
Mein Wunschfach ist HNO und ich kenne auch schon meine spätere Klinik.
Später würde ich evtl. gerne angestellt in einer Praxis oder MVZ arbeiten oder auch selbstständig sein. Dazu braucht man ja einen Kassensitz. In meiner Region (eine in Sachsen-Anhalt) herrscht allerdings 140% Überversorgung im HNO-Bereich.
Wie kann es trotzdem gelingen, in die Niederlassung zu kommen? Wie funktioniert sowas generell, wenn keine verfügbaren Kassensitze vorhanden sind?
Hab auch schon mitbekommen, dass einige Oberärzte an 1-2 Tagen im MVZ arbeiten. Wie geht das?

Kackbratze
16.12.2023, 16:31
Selbst bei Überversorgung kannst du in eine Praxis einsteigen, wenn der Inhaber in Rente geht.
Und im MVZ bist du angestellter Arzt.

Mach dich über das Konzept MVZ schlau, da hilft dir google und die Boardsuche.

Trenn
16.12.2023, 20:36
Nicht zwangsweise. Die KV kann auch die Nachbesetzung ablehnen bei ein zu hoher Überversorgung und den Sitz vom Inhaber abkaufen und einziehen. 10 Jahre in die Zukunft sehen ist aber schwierig. Bei uns gab es bzgl. Nachbesetzung vor ein paar Jahren durch die KV auch Schwierigkeiten, und jetzt kam eine partiale Öffnung.

flopipop
16.12.2023, 22:14
Man kann sich in eine bestehende BAG einkaufen, man muss nur einen finden, der seinen Anteil oder seine Praxis gerade verkaufen möchte.
Im MVZ ist man angestellt, aber kein Chef. Es gibt viele MVZs, die von investorgeführten Ketten betrieben werden. Dann ist die Chance hoch, dass man ständig weiterverkauft wird.

Reflex
17.12.2023, 06:32
Nicht zwangsweise. Die KV kann auch die Nachbesetzung ablehnen bei ein zu hoher Überversorgung und den Sitz vom Inhaber abkaufen und einziehen. 10 Jahre in die Zukunft sehen ist aber schwierig. Bei uns gab es bzgl. Nachbesetzung vor ein paar Jahren durch die KV auch Schwierigkeiten, und jetzt kam eine partiale Öffnung.

Aber das sind absolute Ausnahmen. In der Regel kann man auch in geschlossenen Bereichen Sitze im Sinne der Nachfolge übernehmen. Da die Tendenz weiterhin mehr zur Anstellung geht und viele Ärzte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, werden, werden mMn eher die Investoren geführten MVZ, die ganz andere Preise aufrufen können, das Problem sein, mit denen man dann als freiberuflicher Ärzte um Sitze konkurriert.

chwe
26.12.2023, 18:43
Ich kann den Qualitätszirkel der Region und generell Netzwerken sehr empfehlen, um zu erfahren wer potentiell einen Arztsitz abzugeben hat.
MVZ: Cave wer das Ganze anführt, und welche Struktur dort vorhanden ist. Komme gerade aus einem "führlungslosen MVZ", das daher auch nicht wirklich funktioniert hat...

ehem-user-04-01-2024-1151
26.12.2023, 18:51
Es gibt aber auch viele MVZ die von Vertragsärzten betrieben werden. Nicht hinter jedem MVZ steht ein branchenfremder Investor

Carnivore
27.12.2023, 06:10
Ich kann den Qualitätszirkel der Region und generell Netzwerken sehr empfehlen, um zu erfahren wer potentiell einen Arztsitz abzugeben hat.
MVZ: Cave wer das Ganze anführt, und welche Struktur dort vorhanden ist. Komme gerade aus einem "führlungslosen MVZ", das daher auch nicht wirklich funktioniert hat...

Hier ist das MVZ an das städtische Klinikum angegliedert, also die Leitung ist die gleiche. Deshalb ist es auch möglich im Klinikum hauptsächlich als Oberarzt zu arbeiten und an zwei Tagen im MVZ.
Ist das nun insgesamt gut oder schlecht?

davo
27.12.2023, 06:26
Kommt drauf an, was du als gut und was du als schlecht empfindest. Frag doch einfach mal die Oberärzte, die das machen, und frag doch einfach mal die niedergelassenen Kollegen in der Umgebung.

Aber bis das für dich relevant wird, können sich die Arbeitsbedingungen und die Rahmenbedingungen viele Male geändert haben, d.h. einen echten Mehrwert hinsichtlich Zukunftsplanung solltest du dir davon nicht erwarten.

blaabc
27.12.2023, 12:40
Wie sieht es denn Vertrags- und Gehaltsmäßig aus: ich stolpere immer wieder über OA-Angebote in meinem Fach (Gastroenteroloige) mit teilanstellung in der Klinik und teilweise Arbeit im MVZ mit sogenannten "attraktiven Verdienstmöglichkeiten". Allerdings geht ohne Vor-Ort-Gesrpäch/Bewerbungsgespräch usw. keiner vorher ins Detail. Hat jemand Erfahrungen hiermit?

Thomas24
27.12.2023, 15:39
Kommt auf die Konstellation an, ist das MVZ eher ein "Feeder MVZ" für stationäre Einweisungen/ poststationäre Kontrollen -in der Trägerschaft der Klinik? Oder ist das MVZ in anderer Trägerschaft und wirtschaftet auf eigene Rechnung? Bist du in der Klinik angestellt und auf einem Angestellten KV Sitz "geparkt", oder besteht die Option auf eine Teilhaberschaft im MVZ? Was sollst du denn im MVZ machen? Was ist das Spektrum? Ambulante Gastros und Kolos oder nur Sprechstunden? Es gibt da so viele Möglichkeiten.

blaabc
27.12.2023, 15:46
In der aktuellen Klinik gehört der Klinik bald ein angegliedertes MVZ. Geplantes Spektrum: ÖGD, Kolo. Alles, was ambulant geht. Keine Sprechstunde. Teilanstellung in MVZ, keine Teilhaberschaft.

Stellenangebot einer anderen Klinik: Dort gehört der Klinik ebenso das MVZ, hier heißt es "Teilanstellung auf einem gastroenterologischem Kassensitz möglich mit attraktiven Verdienstmöglichkeiten".

Sehr ihr da in dieser Konstellation ein höhes Einkommen als in der reinen Anstellung in der Klinik?

Thomas24
27.12.2023, 15:58
Definitiv. Dadurch dass du vermutlich bis auf den KV Notdienst keine Dienste in der Klinik mehr schieben wirst, entfällt hier zwar der Anteil durch Hintergrunddienste. Aber wenn du an den Gewinnen des MVZ beteiligt werden solltest, kann das -zumindest im Vergleich zum OA Leben- hochattraktiv sein. Weiterer Benefit: du hast als Angestellter null Overheard zu zahlen -das Personal, Räumlichkeiten, Material, Aufbereitung der Endoskope, Begehungen, QM Maßnahmen usw. zahlt alle der Träger.

Eins noch: du solltest dir *nicht* die ärztliche Leitung des MVZ aufschwatzen lassen, da du dann die Verantwortung für die KV Abrechnung trägst. Und wenn deine Verwaltung da Mist bauen solltest (und das kann durchaus auch unbeabsichtigt vorkommen, weil KV Abrechnungen recht komplex sind und sich die Regeln sehr häufig ändern), wärst du -als ärztlicher Leiter- in der Haftung.

blaabc
27.12.2023, 19:24
Definitiv. Dadurch dass du vermutlich bis auf den KV Notdienst keine Dienste in der Klinik mehr schieben wirst, entfällt hier zwar der Anteil durch Hintergrunddienste. Aber wenn du an den Gewinnen des MVZ beteiligt werden solltest, kann das -zumindest im Vergleich zum OA Leben- hochattraktiv sein. Weiterer Benefit: du hast als Angestellter null Overheard zu zahlen -das Personal, Räumlichkeiten, Material, Aufbereitung der Endoskope, Begehungen, QM Maßnahmen usw. zahlt alle der Träger.

Eins noch: du solltest dir *nicht* die ärztliche Leitung des MVZ aufschwatzen lassen, da du dann die Verantwortung für die KV Abrechnung trägst. Und wenn deine Verwaltung da Mist bauen solltest (und das kann durchaus auch unbeabsichtigt vorkommen, weil KV Abrechnungen recht komplex sind und sich die Regeln sehr häufig ändern), wärst du -als ärztlicher Leiter- in der Haftung.

Okay, danke für die Info!