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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum sagt man, dass die Arbeitsbedingungen in der Inneren schlecht sind?



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Pampelmuse
09.01.2024, 17:26
Was ich mir sehr frustrierend vorstelle in der Inneren (v.a. als WBA in der Klinik), sind die ganzen "häuslichen Versorgungsnotfälle", die einem alle zuturfen wollen und die viele nicht-ärztliche Tätigkeit, die die Assistenten den ganzen Tag machen müssen: Viggos legen, Blutentnahmen, "Sozialarbeiter spielen", endlose Angehörigengespräche usw.

davo
09.01.2024, 17:37
Das stimmt sicherlich.

Trotzdem sind gerade diese Aspekte (Sozialarbeit, Angehörigengespräche, etc.) für viele Patienten und Familien besonders wichtig - oft wichtiger als die medizinische Behandlung per se. Sollte man IMHO nie vergessen. Nur wenn auch die sozialarbeiterischen Aspekte geklärt sind und die Angehörigen gut informiert sind, ist eine Behandlung wirklich gut verlaufen. Ich finde es also gefährlich, sich da technokratisch auf die rein medizinischen Belange zurückzuziehen.

In der Psychiatrie gibts auch viele stationäre Patienten, bei denen solche Aspekte viel wichtiger als die medizinische Behandlung im engeren Sinn sind. Und oft kann es sehr erfüllend sein, mitzuwirken an einer tragfähigen Lösung für die Zeit danach, und an einer guten, wiederholten Information von Patient und Angehörigen - was beides dann natürlich auch die Wiederaufnahmewahrscheinlichkeit reduziert.

Es muss halt sichergestellt sein, dass man dafür auch die Zeit hat - klar. Und es sollte natürlich nicht überhandnehmen - auch klar.

PsychoFan
10.01.2024, 06:32
Das Problem ist fehlende Kompetenz. Medizinisches Fachwissen und ausreichende Bedside Manners haben die meisten Oberärzt*innen und Chefärzt*innen.

Doch es fehlt komplett an Management Skills. Man setzt auf ineffiziente Kommunikationswege (Telefonat), es herrscht Chaos, zum Teil handschriftliche Dokumentation, die keiner entziffern kann, es herrscht purer Chaos. Ärzt*innen sind mit nichtärztlichen Tätigkeiten beschäftigt, die woanders durch ungelernte oder angelernte Kräfte erledigt werden (Kopieren, Drucken, Blut abnehmen). Pflegekräfte machen ja kam etwas, was Pflegekräfte im Ausland machen. Dafür beschäftigen sie sich mit Betten machen oder Essen austeilen. Es gibt kaum regelmäßiger Besprechungen, wie ein Haufen unprofessioneller Idioten wird hundertfach angerufen um Blödsinn zu übergeben (Herr X hatte heute keinen Stuhlgang - kann das denn bitte nicht zur Übergabe warten?). Permanentes Multitasking führt zur Erschöpfung und zum hohen Krankenstand, was wiederum die Belastung der bereits schon überlasteten zusätzlich erhöht.

Das Chaos deckt mancherorts die Inkompetenz und verwischt die Verantwortung. Ist daher nicht unbedingt ungewollt.

Es ist definitiv zu viel Geld da, was dann auch sinnlos verplempert wird. Es werden z.B. Honorarärzte eingestellt, die dann für 2 Euro pro Minute Briefe tippen sollen oder Blut abnehmen oder sinnlosen die Patientendaten in irgendwelche Formulare eintragen. Hätte man dieses Geld in Entlastung der Stammbelegschaft investiert, oder in deren Fortbildung oder in Organisation der Arbeitsabläufe, würde man wenigstens eine Veränderung herbeiführen. Die ist aber eindeutig nicht gewollt.

Stuntman Mike
10.01.2024, 08:57
Es gibt kaum regelmäßiger Besprechungen, wie ein Haufen unprofessioneller Idioten wird hundertfach angerufen um Blödsinn zu übergeben (Herr X hatte heute keinen Stuhlgang - kann das denn bitte nicht zur Übergabe warten?). Permanentes Multitasking führt zur Erschöpfung und zum hohen Krankenstand, was wiederum die Belastung der bereits schon überlasteten zusätzlich erhöht. Ganz genau so ist es. Dem ganzen Beitrag von PsychoFan kann ich nur zustimmen 👍

Zum Thema Jammern: ich wollte nicht sagen dass man nicht jammern darf, mach ich zuweilen auch ganz gerne. Aber wenn das Jammern das Handeln ersetzt ist es für mich ein Ritual. Wenn ich jeden Tag bei der Arbeit jammere und leide muss ich halt was ändern. Und ich bin übrigens nicht der Meinung, dass es sooo schwer ist eine angenehme Abteilung zu finden, selbst in der Inneren. In Ruhe umschauen, wenn möglich hospitieren, und (meiner Meinung nach am Wichtigsten) auf das Bauchgefühl hören…

Tramaldol
10.01.2024, 17:58
Das stimmt sicherlich.

Trotzdem sind gerade diese Aspekte (Sozialarbeit, Angehörigengespräche, etc.) für viele Patienten und Familien besonders wichtig - .

Klar ist das wichtig. Aber nicht jeder hat den Berufswunsch Sozialarbeiter.
Wundert mich auch bei Lehrern.



Es ist definitiv zu viel Geld da, was dann auch sinnlos verplempert wird. Es werden z.B. Honorarärzte eingestellt, die dann für 2 Euro pro Minute Briefe tippen sollen oder Blut abnehmen oder sinnlosen die Patientendaten in irgendwelche Formulare eintragen. Hätte man dieses Geld in Entlastung der Stammbelegschaft investiert, oder in deren Fortbildung oder in Organisation der Arbeitsabläufe, würde man wenigstens eine Veränderung herbeiführen. Die ist aber eindeutig nicht gewollt.

Definitiv. Aber du siehst hier bereits im Forum massive Ängste vor Paramedics/PAs , die solche Aufgaben übernehmen könnten.
Das nicht enden-wollende Chaos+miese Organisationsstrukturen sind definitive Argumente gegen die Innere.

Kandra
10.01.2024, 21:46
Definitiv. Aber du siehst hier bereits im Forum massive Ängste vor Paramedics/PAs , die solche Aufgaben übernehmen könnten.
Das nicht enden-wollende Chaos+miese Organisationsstrukturen sind definitive Argumente gegen die Innere.

Ich denke niemand hat was gegen PAs die Briefe schreiben, Blut abnehmen und Befunde organisieren. Dafür muss man aber nicht studieren. Ich hab was gegen PAs, wenn die wichtige Teile meiner Weiterbildung übernehmen wie Anamnese, Untersuchung, Sonos, ÖGD/Kolos, OP-Assistenzen etc. Das höhlt den ärztlichen Beruf aus.

Tramaldol
10.01.2024, 23:18
Verständlich.
Stell dir mal vor du bist Operateur und niemand hilft dir als Assistenz . Da "begnügt" man sich mit dem was da ist.

Kandra
11.01.2024, 09:33
Verständlich.
Stell dir mal vor du bist Operateur und niemand hilft dir als Assistenz . Da "begnügt" man sich mit dem was da ist.

Aber warum hilft dir keiner? Weil dein Arbeitgeber gerne Geld sparen möchte oder weil eure Arbeitsbedingungen für Assistenten so bescheiden sind, das bei euch keiner arbeiten will?


Und um auch noch was zum Thema beizutragen: Ich mache ja Päd, was genaugenommen die innere Medizin für Kinder ist. Das Fach an sich ist wunderschön aber die Arbeitsbelastung auf Station jenseits von gut und böse. Extrem schneller Durchsatz von Patienten, nur wenige bleiben länger wie 2-3 Tage und die sind dann in der Regel hochkomplex. Du gehst am Tag einmal deine Visite und wenn du danach nochmal zu einem Patienten musst, hast du eigentlich verloren weil du dafür neben dem ganzen Papierkram eigentlich keine Zeit hast. Die schönste und beruflich befriedigenste Zeit auf Station war diese eine Woche im Sommer wo wir wirklich extrem wenig Patienten hatten und ich insgesamt nur 6 Kinder zu betreuen hatte. Da hatte man dann auch mal Zeit, einfach nachmittags nochmal ins Zimmer zu gehen, sich nach Fragen zu erkundigen und einfach mal das zu machen, wofür man das Fach studiert hat: sich um die Patienten kümmern und sie nicht nur verwalten.
Lustigerweise war die Intensivzeit dann diesbezüglich deutlich angenehmer, auch wenn die Fälle natürlich schwieriger und die Arbeitsbelastung auch hier hoch war. Aber die Neos bleiben halt ein paar Wochen und man lernt seine Patienten wirklich mal kennen.

Tramaldol
13.01.2024, 00:41
Aber warum hilft dir keiner? Weil dein Arbeitgeber gerne Geld sparen möchte oder weil eure Arbeitsbedingungen für Assistenten so bescheiden sind, das bei euch keiner arbeiten will?


Also. Zum einen hatte es sich bereits rumgesprochen, dass die Läden nicht die Besten (Karriere usw) sind und dementsprechend bewerben sich deutlicher weniger Leute und vor allem die Ungeeigneten kommen dann auch noch. Zum anderen veraltete Strukturen, ein Chef der kein Geld für Blutabnahmedienste, CaseManagement, Brief schreiben usw. locker machen wollte und letztendlich theoretisch fachlich zwar geeignet war für seine Chefposition, praktisch und menschlich aber überhaupt nicht geeignet war. Immerhin hat er immer mal nachgeschaut, dass die Arztzimmer nicht total vermüllen und das Mobiliar dem Stand der Zeit entspricht (auch nicht selbstverständlich). Also zumindest nicht komplett inaktiv.
Dann gibt es noch den Typ Chef, der sich für die Station nicht wirklich interessiert, paar Jahre vor der Rente und sein fettes Altvertrag-Gehalt für Quasi-Nix-Tun kassiert. Auch ziemlicher Müll und alles auf Kosten der Beitragszahler.

Zu Kinderheilkunde kann ich nix sagen. Halte sie aber für unattraktiv. Nach der eigentlich interessanten Vorlesung, war der Realitätscheck bei der Famulatur schon genug.

Kandra
13.01.2024, 13:09
Pädiatrie ist das schönste Fach der Welt :)

Hm aber solche Arbeitsbedingungen schrecken doch dann auch PAs ab oder nicht? Wobei die natürlich keine „Karriere“ in dem Sinne machen und sich nur ihre Nische suchen müssen um wahrscheinlich einigermaßen zufrieden arbeiten zu können. Außerdem vermutlich keine Dienste.

Tramaldol
14.01.2024, 15:45
Pädiatrie ist das schönste Fach der Welt :)

Hm aber solche Arbeitsbedingungen schrecken doch dann auch PAs ab oder nicht? Wobei die natürlich keine „Karriere“ in dem Sinne machen und sich nur ihre Nische suchen müssen um wahrscheinlich einigermaßen zufrieden arbeiten zu können. Außerdem vermutlich keine Dienste.

Nö, es gab da auch Pflegekräfte, die seit 20 Jahren dabei waren (zumindest eine Station). Bei der anderen Station war der übliche Mangel vorhanden.
So ein Casemanager / PA / Sozialdienst sind nicht unbedingt immer dem Chefarzt / Oberärzten unterstellt, sondern können Klinikums-Intern ihr Eigenleben führen UND DANN bleiben Leute tatsächlich auch freiwillig länger. Dann sind sie nämlich nicht dieser Gutsherrenart / Plantagenbetreiberart der CA/OA vollkommen ausgeliefert. So einfach ist das. Wäre auch besser für die Assis, wenn der Chef nicht ihr primärer Weiterbilder wäre, sondern eine übergeordnete Kommission, die auch Rotationen und Stellen zuweist. Aber erzähl das mal den Onkels (=Chefärzten) in dem Gremien der ÄK.