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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rotationen Allgemeinmedizin bei Perspektive Arbeit in der Stadt



Glorzo
18.01.2024, 05:56
Hallo zusammen,
ich starte aktuell meine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin und bin noch unentschlossen, wie ich die Rotationen konkret gestalte. Vielleicht seht ihr in meinem aktuellen Plan Fallstricke bzw. habt Erfahrungswerte, die ihr teilen könnt.
Meine grundsätzliche Idee ist es, nach der Weiterbildung hausärztlich in einer größeren Stadt zu arbeiten. Nun höre ich häufiger, dass sich das Patientengut (bzw. der medizinische Schwerpunkt der Problematiken) in der Stadt teils erheblich von den Patienten auf dem Land unterscheidet- so seien in der Stadt psychiatrische Erkrankungen ein großer Anteil der Patienten.
Mein jetziger Plan für die Rotationen sieht daher folgendermassen aus:
Erste 2 Jahre Akute Innere ( inklusive 9 Monate Notaufnahme, in der wir auch Kinder und Neuropatienten sehen)
1 Jahr Psychiatrie
2 Jahre Allgemeinmedizin in der Praxis.
Man hört sehr oft, dass Derma eine große Rolle spielt- würdet ihr da ggf. größeren Wert drauf legen?
Bin dankbar für alle Anmerkungen und Vorschläge!

rafiki
18.01.2024, 06:32
Sehr gute Idee!:-top

Es gibt tatsächlich im städtischen Raum mehr psychischen Erkrankungen als auf dem Land, aus verschiedenen Gründen.

Frisko
18.01.2024, 07:52
Gleicht sich das durch die fehlende Abdeckung des ländlichen Bereiches durch psychotherapeutische Angebote nicht wieder aus?

Haffi
18.01.2024, 08:04
Hinsichtlich Derma werden sich am ehesten zeitnah KI/telemedizinische Lösungen etablieren. Ich würde den Fokus vielleicht eher nochmal auf eine chirurgische Disziplin, a.e. Unfallchirurgie oder Gefäßchirurgie, legen.

ehem-user-19-05-2025-1430
18.01.2024, 10:28
Grundsätzlich guter Plan. Stadt heißt halt eher so "Allgmeininternistisch orientiert" oder Natürheilkunde-voodo-praxis sowie häufiger wechselnde "Kundschaft". Land dann eher Allrounderskills, Patienten bleiben die gleichen, von Jung bis Alt, Dorfsozialarbeitertendenzen bei aber eher weniger stark psychisch Erkrankten. Denke je ländlicher desto vielseitiger sollte die Ausbildung sein (auf Kosten der Tiefe natürlich) sprich mehr chirurgische, orhtopädische, pädiatrische, urologische, dermatologische Skills. Je städtischer desto mehr Psych und Allgemeine Innere, einfach weil die Leute mit allem anderen direkt zum Facharzt rennen (die aufgrund der Überversorgung auch gerne den Allgemeinmediziern die Patienten "abnehmen" und dann den LWS-Schmerz Patienten quartalsweise verlaufskontrollieren etc.). Also ist weder gut noch schlecht ob eher stadt oder land sondenr primär Typsache :) Viel Spaß!

rafiki
18.01.2024, 11:35
Gleicht sich das durch die fehlende Abdeckung des ländlichen Bereiches durch psychotherapeutische Angebote nicht wieder aus?

Die Psychotiker und schwer Suchtkranken und schwer Persönlichkeitsgestörten will fast kein Psychotherapeut haben.

ehem-user-19-05-2025-1430
18.01.2024, 11:39
Die Psychotiker und schwer Suchtkranken und schwer Persönlichkeitsgestörten will fast kein Psychotherapeut haben.

Ich kenn mich da nicht gut aus aber bei meinen Patienten habe ich fast den Eindruck je weniger schwerwiegend der Befarf desto schneller bekommt man einen Termin beim Psychotherapeuten. Teilweise wird dann den "harten Brocken" nach einem Art Bewerungsgespräch die weitere Therapie verweigert. Ist das einfach nur cherrypicking oder versteh ich da etwas nicht? Also mal völlig wertfrei, will es nur verstehen. Gibt sicherlich genügend gute Therapeuten, so mein ich es nicht :P

Trenn
18.01.2024, 12:22
Mach doch ein Jahr Nervenarztpraxis, dann siehst du sowohl Psychiatrie als auch Neuro. Psych stationär in ne Großstadt sind viel Alkoholiker (die du nur akut entgiftest), akut Drogen-Psychotiker (die nach dem Rausch wieder entlassen werden) und schwerst-kranke Psychotiker (mit dreifach Neuroleptikum-Therapie bei Qtc von 500ms oder zu multimorbid für EKT). Das was du mitnimmst, ist die Angst vor dem Klientel zu verlieren, an anwendbaren Skills lernst du aber wenig. Psych unterteilt sich vom Schweregrad her Hausarzt-Patienten, niedergelassene Facharztpatienten, PIA-Patienten und stationäre Drehtürpatienten. Als HA hast du nur mit der ersten beiden Gruppen viel zu tun, bei den anderen erledigst du Aufträge (Labor oder EKG-Kontrollen). Im ambulanten Setting siehst du eher die Patienten, die du auch später betreuen wirst und auch mehr Patienten.

Wie kommt es eigentlich, dass ihr in der Zna Kinder und Neuro mitmacht? Sind das dann nur Pat, die sich "verlaufen" haben oder habt ihr eine richtige Päd Notaufnahme (mit Kinderkrankenschwester) und Stroke? (Stelle ich mir hart, aber extrem lehrreich vor. Päd brauchst du in der Stadt nur im ÄBD, in der Praxis eher nicht)

rafiki
18.01.2024, 18:17
bei meinen Patienten habe ich fast den Eindruck je weniger schwerwiegend der Befarf desto schneller bekommt man einen Termin beim Psychotherapeuten. Teilweise wird dann den "harten Brocken" nach einem Art Bewerungsgespräch die weitere Therapie verweigert. Ist das einfach nur cherrypicking oder versteh ich da etwas nicht?

Deine Beobachtung ist durchaus richtig.
Allerdings muss man auch sagen, dass bzgl. PT oftmals eine Fehlallokation vorgenommen wird, indem z. B. gesagt wird, jemand "braucht" mal PT, obwohl die Voraussetzungen (Reflexions- und Introspektionsfähigkeit, der Wille, an sich selbst zu arbeiten) zu wenig ausgeprägt sind, damit PT eventuell erfolgreich sein könnte. Es gibt viele (niedrigschwellige) Hilfsangebote, es muss nicht immer die PT sein (Beratungsstellen, Betreutes Wohnen, psychiatrisches Reha, Selbsthilfegruppen, sozialpsychiatrische Zentren, Integrationsfachdienst usw.).

@Trenn: In einer Nervenarztpraxis wäre der TE sicher nicht gut aufgehoben, denn dort findet praktisch keine Anleitung statt. Sowas ist, wenn überhaupt, nur etwas für eine fortgeschrittenen Assi dieser Fachgebiete geeignet. Ansonsten ist deine Psych-"Einteilung" doch etwas schlicht.

Frisko
19.01.2024, 07:42
Rafiki, was empfiehlst du für Fort- oder Weiterbildungsangebote für Hausärzte NACH dem Facharzt?
Ich finde die Thematik spannend, habe auch Lust mich mit dem Feld auseinanderzusetzen, die alleinige "Psychosomatische Grundversorgung" reicht ja aber hinten und vorne nicht.

rafiki
21.01.2024, 06:18
Rafiki, was empfiehlst du für Fort- oder Weiterbildungsangebote für Hausärzte NACH dem Facharzt?
Ich finde die Thematik spannend, habe auch Lust mich mit dem Feld auseinanderzusetzen, die alleinige "Psychosomatische Grundversorgung" reicht ja aber hinten und vorne nicht.

Kommt drauf an, was dich interessiert. Man könnte noch die suchtmedizinische Versorgung machen, ich glaube, das geht über eine Woche. Und ich kenne einige Hausärzte, die die Zusatzbezeichnung Psychotherapie machen und teilweise (oder im Alter auch ganz) psychotherapeutisch arbeiten. Dann wäre es aber sinnvoll, sich einer ständigen Super/Intervisionsgruppe bzw. Fachgesellschaft anzuschließen.