Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Probleme Berufseinstieg Anästhesie
Bet?uber
01.02.2024, 19:03
Liebes Forum,
ich stehe vor einem unerwarteten Problem. Ich bin gerade im PJ und werde im Juni das M3 ablegen.
Mein Fachrichtungswunsch ist Anästhesie, habe dort letztes Jahr auch mein Wahl-Tertial absolviert.
Jetzt habe ich mich zunächst in meinem PJ-Haus (1. Wahl) und dem Haus 2. Wahl beworben.
Meine Chefin im PJ-Haus hat gleich gesagt, dass momentan alle Planstellen besetzt sind bzw. sie sogar überbesetzt ist und es zu meinem Wunschtermin (1. September 2024) eher schlecht aussieht, sie meine Bewerbung aber auf jeden Fall abspeichert. Anfang des Jahres habe ich von ihr die definitive Absage zum Wunschtermin erhalten.
Auch im zweiten Haus habe ich eine Absage erhalten.
Ich habe dann begonnen, mich im Umkreis etwas weiter zu bewerben (bin geographisch aufgrund des Jobs meiner Partnerin - Grundschullehrerin - leider begrenzt) und bislang nicht wirklich positive Rückmeldungen bekommen.
Teilweise noch gar keine Antwort, teilweise recht unverschämte Absagen ("Bitte sehen sie von Initativbewerbungen ab!"), teilweise die übliche Antwort "Keine Stellen frei, wir denken aber an sie"
Bislang habe ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, das ist jedoch das Haus, wo ich eigentlich überhaupt nicht hinwill (elektiv-orthopädischer Schwerpunkt, man macht quasi den ganzen Tag ASA1-Hüften und Knie, keine Intensiv- oder Notfallmedizin, wohl eher schwieriges Betriebsklima)
Ich war vor'm Studium und auch während der Corona-Semester im Rettungsdienst und habe auf dem Weg einige Beziehungen. Ich höre jetzt folgende Probleme:
1. Anästhesie ist ein beliebtes Fach und hat kaum Bewerbermangel
2. Durch Klinikschließungen herrscht ein Bewerberüberfluss
3. Assistentenstellen werden zu Gunsten von Physician Assistant-Stellen reduziert
4. Manche Kliniken stellen keine absoluten Berufsanfänger ein, sondern lieber dienstreife Weiterbildungsassistenten ab dem 2. Jahr
5. ausländische Bewerber werden bevorzugt, da diese wohl bezüglich Arbeitsbedingungen weniger aufmucken
Meine Bewerbungen sind grundsätzlich okay, hab' einen Bekannten aus der Bosch-Personalabteilung drüberschauen lassen.
Meine Probleme sind wohl eher:
1. Ich bin aufgrund Abi auf dem 2. Bildungsweg, Wartezeit und kurzer Studienunterbrechung schon 32 Jahre alt
2. Meine M1 und M2-Note waren nicht die besten (4 respektive 3)
3. Musste ein PJ-Tertial aufgrund Verletzung wiederholen und dadurch mein M3 nochmal verschieben
Hat irgendjemand gute Tipps, was ich machen könnte?
Wie gesagt ist meine Auswahl an Kliniken erst mal auf ein gutes Dutzend (wenn man Pendelreichweite einfach eine Stunde als Grenze setzt) beschränkt
Gibt es irgendeine andere Fachrichtung, in der man erst mal sinnvoll starten könnte und dann in die Anästhesie quer einsteigt? Innere eher nicht, da man im ersten Jahr meiner Erfahrung nach im Stationschaos untergeht und für die Anästhesie nützliche Bereiche (ZNA, Intensivstation) erst später in der Weiterbildung kommen...
vielen lieben Dank für alle Tipps und Ratschläge <3
ehem-user-19-05-2025-1430
01.02.2024, 19:18
1. Grundsätzlich denke ich auch das Anästhesiologie eins der Fächer ist mit dem geringsten Fachkräftemangel und daher höchsten Chance für eine drohende "Schwemme" beim jetzigen Klinkenumbau. Merkt man 1. dass in keinem andern Fach auch nur ansatzweise so viele "Nicht-Oberarzt"-Fachärzte gibt und 2. die Honorkräfte berichten, dass weniger aufträge reinkommen.
2. Wenn es unbedingt Anästhesiologie sein muss: Die erste Stelle griegt man am schwersten, danach viel leichter. Also im Zweifel für 1 Jahr pendeln und dann heimatnah wechseln? Ansonten seh ich keine richtigen "Tipps". Die Noten etc. interessieren übrigens nach der ersten Stelle auch niemanden mehr :P
3. Es gibt bei uns in der Region relativ viele Berufseinsteigerstellen direkt in den ZNAs, das bringt dir für Anästhesoe/Notarzt glaub am meisten neben Innere.
Viel Erfolg!
nomenklatur
02.02.2024, 07:55
Liebes Forum,
1. Anästhesie ist ein beliebtes Fach und hat kaum Bewerbermangel
2. Durch Klinikschließungen herrscht ein Bewerberüberfluss
3. Assistentenstellen werden zu Gunsten von Physician Assistant-Stellen reduziert
4. Manche Kliniken stellen keine absoluten Berufsanfänger ein, sondern lieber dienstreife Weiterbildungsassistenten ab dem 2. Jahr
5. ausländische Bewerber werden bevorzugt, da diese wohl bezüglich Arbeitsbedingungen weniger aufmucken
1 und 4. Das kann man so nicht pauschalisieren. Natürlich wollen Arbeitgeber volleinsetzbare Fachärzte zum Preis von einem WBA im 1. WBJ, jedoch wissen diese genau, dass die das so nicht bekommen. In den Kliniken in meiner Region werden regelmäßig, insbesondere für Dienste, Freelancer angestellt, weil manche Dienste gar nicht mehr besetzt werden können. Dass diese Freelancer um einiges mehr kosten als ein Festangestellter, hat sich wohl bei den meisten Arbeitgebern noch nicht rumgesprochen. Auch reicht hier das Niveau von "sehr experimentell" bis "sehr gut". Allgemein kann ich mich aber meinem Vorredner anschließen - die erste Stelle ist am Schwierigsten zu bekommen.
2 und 3. Bislang haben die Klinikschließungen sowohl in der Pflege als auch bei den Ärzten noch gar keine Auswirkungen gezeigt. PAs sind eine interessante Entwicklung. Ich persönlich könnte mir den Beruf als "Assistenzarzt auf Lebenszeit" persönlich nicht vorstellen. PAs werden zum derzeitigen Zeitpunkt nicht in der Lage sein, irgendwann FA Stellen zu besetzen. In der Anästhesie kann ich es mir nicht vorstellen, dass diese einen großen Einfluss haben werden, da ich mir als ATA, welche im Ausland selbst einzelne ASA1-2 Säle eigenständig besetzen, dann auch auf den Schlips getreten fühlen würde.
5. Das habe ich tatsächlich schon öfters von Arbeitgebern gehört. Auch wenn ich dies natürlich nachvollziehen kann, kann ich dann nicht mehr verstehen, warum dann zukünftig anstatt Studienplätze abgebaut, diese eher aufgestockt werden. Das sind massive Kosten, die man einsparen kann.
Insgesamt finde ich die Personalentwicklung im Krankenhaus schwierig. Gute Mitarbeiter werden meist nicht gehalten und ziehen weiter.
Vor 10 Jahren hieß es: "Man muss zu den besten Bewerben gehören, um eine Weiterbildungsstelle in der Pädiatrie zu bekommen!" Jetzt heißt es plötzlich: "Wo sind die ganzen Fachärzte für Pädiatrie?"
Ich würde an deiner Stelle meine erste Weiterbildungsstelle nehmen, wo du einen Platz bekommst. Gerade wenn du eine Klinik hast, wo hauptsächlich ASA 1 und 2 Patienten sind, kannst du als Anfänger trotzdem sehr viel mitnehmen - z.B. wie man eine Narkose ordentlich führt oder worauf man bei der Prämed achten muss. Ich würde als Anfänger eh nicht bei schwierigen ASA4 Patienten alleine im Saal sein wollen.
detysnow
03.02.2024, 15:51
...
Darf ich interessehalber fragen, in welcher Gegend du suchst? Also zumindest grob? Oder zumindest beliebte Großstadt oder eher ländlich?
1. Grundsätzlich denke ich auch das Anästhesiologie eins der Fächer ist mit dem geringsten Fachkräftemangel und daher höchsten Chance für eine drohende "Schwemme" beim jetzigen Klinkenumbau.
Wenn nicht auch die Zahl der operativen Eingriffe signifikant reduziert wird, wovon ich bei der demographischen Entwicklung nicht ausgehen würde, dürfte es in meinen Augen höchstens zu einer Umverteilung kommen. Kenne jedenfalls keine Anästhesie-Abteilung, in der die Ärzte nur darauf warten, endlich noch mehr Patienten betäuben zu dürfen. Eher laufen die Säle auch so schon auf Anschlag, obwohl sich die Patienten noch auf die diversen Häuser verteilen. Und im Gegensatz zur internistischen Verlegenheitsaufnahme aus sozialer/pflegerischer Indikation kann man diese Patienten auch nicht einfach in andere, möglicherweise nicht ärztlich besetzte Einrichtungen turfen.
@TE: Ich würde denken, dass es sich um ein regionales Phänomen handelt. Es gibt ja auch immer wieder so semi-zyklische Schwankungen des Bedarfs, vielleicht ist gerade einfach eine schlechte Zeit für Bewerbungen. Bei mir im Umfeld sind diverse Kommilitonen mit ähnlichem Profil problemlos im Wunschhaus untergekommen und diverse Häuser suchen weiterhin aktiv. Eigentlich würde ich mir in Anästhesie weniger Sorgen machen - ich bin auch älter, habe länger studiert, keine Promotion, nicht mal PJ im Fach und hatte trotzdem letztes Jahr bei drei Bewerbungen drei Angebote, inklusive Uni. 2 der 3 Stellen waren ausgeschrieben und sind es weiterhin, hier scheint der Bedarf also weiterhin groß zu sein. Bis September ist ja noch viel Zeit, bis dahin kann sich die „Marktlage“ wieder komplett gedreht haben, insofern würde ich mich da aktuell nicht zu sehr stressen.
...
Ich habe dann begonnen, mich im Umkreis etwas weiter zu bewerben (bin geographisch aufgrund des Jobs meiner Partnerin - Grundschullehrerin - leider begrenzt) und bislang nicht wirklich positive Rückmeldungen bekommen.
Teilweise noch gar keine Antwort, teilweise recht unverschämte Absagen ("Bitte sehen sie von Initativbewerbungen ab!"), teilweise die übliche Antwort "Keine Stellen frei, wir denken aber an sie"
Bislang habe ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, das ist jedoch das Haus, wo ich eigentlich überhaupt nicht hinwill (elektiv-orthopädischer Schwerpunkt, man macht quasi den ganzen Tag ASA1-Hüften und Knie, keine Intensiv- oder Notfallmedizin, wohl eher schwieriges Betriebsklima)
Aaaaalso: Erstmal würde ich, wenn ich Ortsgebunden wäre, diese letzte Stelle nehmen. Intensiv und Notfallmedizin siehst Du im ersten / zweiten WBJ eh nicht. Zuerst wirst Du die grundsätzlichen Dinge in der Anästhesie lernen müssen: OP und Prämed. Und im OP halt die Basics. Wenn Du die beherrscht, also man Dich alleine lassen kann, dann wirst Du alleine Deinen Saal machen: mit ASA 1 oder 2 Patienten. Und wenn Du im Schlaf die LM, den Tubus und die SPA hinbekommst, dann kannst Du Dir langsam man Gedanken machen über Intensiv und oder Notfallmedizin. Und die fortgeschrittenen Anästhesie, sprich große Einleitungen, große Anästhesien und die schwierigen Atemwege. :-nix
Das alles wirst Du eh nicht im ersten / zweiten Jahr sehen. Insofern sehe ich auch keine Probleme, erst mal in der Orthoklinik anzufangen. Und Betriebsklima? Der eine mags, der andere nicht. Ausprobieren ist die Devise. Und wenn es nicht geht, dann kann man sich aus einer Stelle in der Anästhesie wegbewerben. Mit Erfahrung... ;-)
Ich war vor'm Studium und auch während der Corona-Semester im Rettungsdienst und habe auf dem Weg einige Beziehungen. Ich höre jetzt folgende Probleme:
1. Anästhesie ist ein beliebtes Fach und hat kaum Bewerbermangel
2. Durch Klinikschließungen herrscht ein Bewerberüberfluss
3. Assistentenstellen werden zu Gunsten von Physician Assistant-Stellen reduziert
4. Manche Kliniken stellen keine absoluten Berufsanfänger ein, sondern lieber dienstreife Weiterbildungsassistenten ab dem 2. Jahr
5. ausländische Bewerber werden bevorzugt, da diese wohl bezüglich Arbeitsbedingungen weniger aufmucken
1. Kaum Bewerbermangel? Sehe ich nicht so. Natürlich will jeder GF mit möglichst wenig Personal möglichst alle Funktionen besetzt haben. Ging ja schon immer so, wird schon so weiter gehen. Ist nur leider nicht so. Und gerade in der Anästhesie sind unglaublich viele Freelancer unterwegs. Auch in sog. Maximalversorgern. ;-)
2. Hab ich noch nicht gesehen. Bei uns im Umkreis sind mittlerweile 5 Kliniken geschlossen worden. Und es werden noch mehr. Aber deswegen mehr Personal auf dem Markt? Das ist das, was die Gesundheitsminister in ihren feuchten Träumen denken. Leider wandern die Stelleninhaber ab. Z.T. in die Altersrente, oder machen was anderes, nicht ganz so aufreibendes...
3. Assistenten werden durch PA ersetzt? Naja, Helios hats versucht, ist auf die Schnauze gefallen, sind wieder zurückgerudert. Gibt halt ziemlich eindeutige Vorschriften für Anästhesiearbeitsplätze. Und wer dagegen verstösst, sollte besser gute Gründe haben.
4. Eben deswegen erstmal die letzte Stelle annehmen. Und dann nach einiger Zeit wechseln. Aber bei uns ist es so, dass wir auch Neueinsteiger / Quereinsteiger nehmen. Hat den Vorteil, dass sie nicht von anderer Stelle "versaut" sind. Und wir sie nach "unseren Standards" einarbeiten können. ;-)
5. Ausländische Ärzte mucken mittlerweile auch ordentlich auf. Die sind unheimlich gut vernetzt und merken ziemlich schnell, wenn sie verarscht werden. Und die sind auch schnell wieder weg, wenn es woanders besser ist...
Meine Bewerbungen sind grundsätzlich okay, hab' einen Bekannten aus der Bosch-Personalabteilung drüberschauen lassen.
Meine Probleme sind wohl eher:
1. Ich bin aufgrund Abi auf dem 2. Bildungsweg, Wartezeit und kurzer Studienunterbrechung schon 32 Jahre alt
2. Meine M1 und M2-Note waren nicht die besten (4 respektive 3)
3. Musste ein PJ-Tertial aufgrund Verletzung wiederholen und dadurch mein M3 nochmal verschieben
1-3: interessiert niemanden! Dann schon eher: spricht und schreibt deutsch relativ fehlerfrei! :-)
Hat irgendjemand gute Tipps, was ich machen könnte?
Wie gesagt ist meine Auswahl an Kliniken erst mal auf ein gutes Dutzend (wenn man Pendelreichweite einfach eine Stunde als Grenze setzt) beschränkt
Gibt es irgendeine andere Fachrichtung, in der man erst mal sinnvoll starten könnte und dann in die Anästhesie quer einsteigt? Innere eher nicht, da man im ersten Jahr meiner Erfahrung nach im Stationschaos untergeht und für die Anästhesie nützliche Bereiche (ZNA, Intensivstation) erst später in der Weiterbildung kommen...
vielen lieben Dank für alle Tipps und Ratschläge <3
Wie gesagt, nimm die letzte Stelle, guck es Dir an, und nimm mit, was Du kannst. Dann bewirb Dich aus der Anstellung heraus auf eine andere Stelle - Zack - Bist Du der erfahrene Assistent... ;-)
Bonnerin
04.02.2024, 18:56
Würde dir auch raten, die angebotene Stelle anzunehmen - sofern der Chef eine Ermächtigung hat.
Spannenderweise könnte das nämlich sogar eine Einarbeitung in die Regionalanästhesie beinhalten, die man an sehr großen Häusern meist nur spärlich bekommt. Die reine Technik - also Maskenbeatmung, Intubation, Beatmungseinstellung, Blutdruckkontrolle - wirst du auch dort lernen. Dann kannst du nach 6-12 Monaten immer noch die Stelle wechseln.
Glaub mir, ASA3 aufwärts ist sehr nervenaufreibend als Anfänger, da ist man froh, wenn man die Basics der Versorgung drauf hat. Anästhesie ist insgesamt ein schönes Fach und ich würde nicht auf Biegen und Brechen dann Chirurgie oder Innere machen, nur um mal in ne ZNA zu kommen.
Matzexc1
05.02.2024, 15:21
Ich hab damals an einer Uni angefangen, bin an das kleine Haus, jetzt am großen und April wieder Uni.
Bewerberüberschuss ist an allen genannten eher selten, lokal kann das aber auftreten.
Wie Bonnerin sagt ist Regionalanästhesie an vielen großen Häusern pfui, was mehr als schade ist, wenn die das haben dann nimm es mit.
ASA 1 und 2 können auch sehr herausfordernde Narkosen werden, ASA 3 und 4 kannst du noch später genug sammeln.
Ich würde dir auch raten die letzte Stelle zu nehmen, war 35 Jahre als ich anfing und es hat keinen interessiert und die Noten nur in einem Bewerbungsgespräch aber das Haus ist eh komisch gewesen.
_calendula_
05.02.2024, 15:36
Kann mich nur anschließen. ASA 1 und ASA 2 sind gut für den Einstieg. Die Sicherheit, dass es eben nicht ASA 3+ wird, stelle ich mir für den Anfang auch beruhigend vor. Anästhesieerfahrung hebt deinen Wert für spätere Stellen im gleichen oder ggf. auch in anderen Fächern.
Bet?uber
06.02.2024, 17:56
Guten Abend!
Danke für alle Antworten. Scheine wohl wirklich in einer ungünstigen Region (Oberfranken, d.h. eher strukturschwache Region) zu leben... habe heute noch mal eine Absage bekommen.
Problem an der Ortho-Stelle ist, dass dort wohl keine Ausbildung stattfindet, sondern alles nach "Schema F" abläuft: Medis in gewichtsadaptierter Standarddosierung, ITN, Beatmung auf Autopilot. Ist alles auf Effizienz und kurze Überleitungszeiten optimiert. Dinge wie ZVK, Spinale, PDK oder gar Blöcke macht man dort nicht. Und der Chef muss ein ziemlicher Kotzbrocken sein... alle sagen mir "Geh da nur nicht hin!"
Und das soll jetzt nicht arrogant oder überheblich klingen, aber ich habe einen Monat Famulatur plus vier Monate PJ in der Anästhesie hinter mir, d.h. einen kleinen Fähigkeitsvorsprung gegenüber einem komplett unerfahrenen Anfänger habe ich schon. Ich bekam am Ende meines PJs unkomplizierte Atemwege sicher intubiert, konnte Arterien legen, konnte pVKs bei schlechten Venenverhältnissen mit Ultraschall legen, habe unter Anleitung Spinale gestochen und konnte zumindest ein Bisschen differenzierte Beatmung.
Jetzt sind meine zwei Sorgen: Wenn ich da anfange, sagt der Chef, ich kann doch schon alles und macht gar kein Teaching mehr und umgekehrt wenn ich nach sechs Monaten oder einem Jahr wechsle habe ich Berufserfahrung, kann aber doch nix...
Bet?uber
06.02.2024, 18:00
Und damit's wirklich nicht falsch rüberkommt: Ich bin wirklich nicht der überhebliche "ich kann doch alles!"-Berufsanfänger, der mit seiner Selbstüberschätzung die Patienten gefährdet. Ich möchte den gleichen Weg gehen wie alle Weiterbildungsassistenten: Schritt für Schritt, Stufe für Stufe von einfachen Patienten bis irgendwann bei Facharztreife die multimorbiden ASA 4-Ü-Eier.
Aber ich glaube, dass mir die Ortho-Klinik nur eine flache Stufe bietet, auf der ich schon fast stehe...
_calendula_
06.02.2024, 18:25
Als Assistenzarzt die Verantwortung zu übernehmen ist, wenn man es ernst nimmt, nochmal anders als am Ende des PJ.
Wenn du dir persönlich nicht vorstellen kannst, halbwegs zufrieden für 6-12 Monate in der besagten Abteilung zu arbeiten, ist das etwas anderes. Dann könntest du überlegen, ob du 12 Monate z.B. Innere machst und dich dann nochmal in der Anästhesie bewerben.
Bet?uber
04.03.2024, 18:47
Ich muss leider noch mal nerven...
Leider habe ich tatsächlich nur Absagen bekommen. Die angesprochene Stelle im Ortho-Haus ist auch nichts, da 1. wohl keine Weiterbildungsberechtigung und 2. von mehreren Quellen gehört, dass die Arbeitsbedingungen dort grenzwertig illegal sind.
Da ich leider örtlich wirklich nicht flexibel bin, suche ich nun nach einer Alternative.
Bei einigen Kliniken ist es wohl so, dass man grundsätzlich schon offene Stellen hat, aber erst ab dem 2. WBJ einstellt...
Meine Überlegung jetzt: Wenn ich jetzt ein Jahr Innere mache, könnte ich zumindest etwas organisatorische und klinische Erfahrung sammeln - würde in der Anästhesie (abgesehen von der PJ-Erfahrung) trotzdem bei Null anfangen. Gibt es ein anderes Fremdjahr, wo man als Anästhesie-Chef sagen würde, den nehme ich auch als Quereinsteiger?
Sorry für's nerven, aber das nagt wirklich an mir... kann mich kaum auf's M3 konzentrieren und vor allem brauche ich aus privaten Gründen baldmöglichst einen unterschriebenen Arbeitsvertrag (Stichwort Bank...)
Ich glaube es hat schon jemand anders vorgeschlagen aber wie wäre es eben gerade dann mit der Möglichkeit, ein Jahr auch weiter weg zu absolvieren und dann wieder in die Heimat zurück zu gehen? Oder musst Du aus persönlichen Gründen täglich zuhause sein? Ansonsten wäre ein Jahr Wochenendbeziehung vielleicht machbar.
@crossie: Bitte akzeptieren, dass der TE ortsgebunden ist. Ratschläge wie „Geh doch mal ein Jahr weiter weg“, sind nicht zielführend.
@Bet?uber: Mach doch ein Jahr Innere. Oder Chirurgie. Für Anästhesie kann man sich ja alles Mögliche anerkennen lassen, außer Psychiatrie und Patho wahrscheinlich. Kenne mehrere Anästhesisten, die vorher eine Zeitlang Chirurgie oder Innere gemacht haben.
Stelle in der Inneren sichern (finde ich persönlich sinnvoller als Chirurgie), vielleicht mit früher Notaufnahme-Rotation, und zwei bis drei Monate vor geplantem Stellenbeginn nochmal bei den gewünschten Anästhesie-Stellen nachfragen, evtl. sogar telefonisch. Erfahrungsgemäss gibt es immer wieder kurzfristige Ausfälle.
Ggf. gibt es bei dir in der Nähe ambulante Op Zentren, die eine WBE in Anästhesiologie haben.
@crossie: Bitte akzeptieren, dass der TE ortsgebunden ist. Ratschläge wie „Geh doch mal ein Jahr weiter weg“, sind nicht zielführend.
Naja, ortsgebunden und "ortsgebunden" sind ja schon nicht unbedingt dasselbe. Wenn ich in der Region zumindest pendeln kann, ob jetzt per Auto oder mit der Bahn, dann sind ja doch vll. mehr als 3-4 Kliniken drin. Und wenn man die Grenze Oberfranken etwas überschreitet, dann auch nochmal einige mehr...
@Bet?uber: Mach doch ein Jahr Innere. Oder Chirurgie. Für Anästhesie kann man sich ja alles Mögliche anerkennen lassen, außer Psychiatrie und Patho wahrscheinlich. Kenne mehrere Anästhesisten, die vorher eine Zeitlang Chirurgie oder Innere gemacht haben.
Das Problem ist, dass Innere zwar sicherlich nicht verkehrt ist, weil man ein bisschen über den Tellerrand gucken kann, und Differentialdiagnostik lernen kann. Allerdings ist Innere halt, gerade in den ersten Jahren auch hauptsächlich Stationsarbeit. Und ob das die Erfüllung auf dem Weg in die Anästhesie ist, und o.g. wirklich bringt, sei mal dahingestellt. Und vor allem, ob die Chefs, die keine Berufsanfänger einstellen wollen, dann einen Assi aus einer Fremddisziplin einstellen, der ja auch keine Ahnung von Narkose hat, sei auch mal dahingestellt...
Stelle in der Inneren sichern (finde ich persönlich sinnvoller als Chirurgie), vielleicht mit früher Notaufnahme-Rotation, und zwei bis drei Monate vor geplantem Stellenbeginn nochmal bei den gewünschten Anästhesie-Stellen nachfragen, evtl. sogar telefonisch. Erfahrungsgemäss gibt es immer wieder kurzfristige Ausfälle.
Als Neu-Arzt ohne Berufserfahrung eine Stelle in der Notaufnahme? Ich bin mir nicht sicher, aber das glaube ich nicht... :-nix
Als Neu-Arzt ohne Berufserfahrung eine Stelle in der Notaufnahme? Ich bin mir nicht sicher, aber das glaube ich nicht...
Kommt in der Inneren häufiger vor als man denkt. Ich bin auch schon im ersten WBJ in die Notaufnahme rotiert und war damit nicht alleine. In vielen Häusern macht man ja auch als Dienstarzt die ZNA mit und in die Dienste wird man in der Regel auch schon nach ein paar Wochen geschmissen. Hier wurden auch schon blutige Anfänger auf die IMC geschickt.
Ob das jetzt so sinnvoll ist, kann man natürlich diskutieren. Aber möglich ist es schon.
Anne1970
06.03.2024, 07:04
Ein Jahr Erfahrung in der Chirurgie ( ggf.um im Verlauf schon mal die „andere Seite des Tuches“ oder auch zuvor schon Krankheitsbilder, Entscheidungsprozesse für Op-Indikationen etc. kennenzulernen)find ich vor dem Einstieg in die Anästhesie auch nicht uncharmant. Man könnte das Haus, die Abläufe, das Patienten-Informationssystem, die wichtigsten Ansprechpartner der Klinik etc. schon mal kennenlernen… ein großer Teil des Anfänger- „Struggles“ wär schon mal vorüber…( sollte es im gewünschten Haus möglich sein).
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