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Cor_magna
07.02.2024, 11:27
Versteht mich nicht falsch, das ist ja krank viel, aber wenn man denkt welche Leistung/Arbeitseifer dahintersteckt und wieviele aus der Interessenten-Gruppe "leer ausgehen"....und dass dann vergleicht mit dem ein oder anderen findigen niedergelassenen Augenarzt oder botoxdermatologen.... schon verrückte welt :D



Absolut meine Meinung.
Noch dazu wenn man mal etwas Einblick bekommt, was so manch anderer Top Performer in anderen Branchen verdient oder so mancher Unternehmer. Hab da schon Zahlen gesehen, da wurde mir schwindlig bei leuten wo ich es echt nicht in dieser Größenordnung gedacht hätte-. Und die hatten (zumindest teilweise)auch noch ein schönes Privatleben nebenher und bei weitem nicht den steinigen Weg eines UniChefarztes.

Ich bin sowieso der Meinung: Wenn jeder von jedem wüsste, was der andere so verdient bzw. wo welche Gelder fließen, würden insbesondere viele Ärzte ein blaues Wunder erleben und aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Meiner Erfahrung nach sind viele in unserer Berufsgruppe erstaunlich unbedarft und naiv was Finanzdinge angeht.

Trenn
07.02.2024, 12:13
Durch's Influencen kann man bestimmt nochmal nen Hunni dazu verdienen: Pharma-gesponserte CME-Fortbildungen schreiben, Kurse abhalten, Bücher schreiben, Editor für Predator-Journals sein. Dafür braucht man halt den Prof.-Titel.

urinbeutel
07.02.2024, 12:33
Absolut meine Meinung.
Noch dazu wenn man mal etwas Einblick bekommt, was so manch anderer Top Performer in anderen Branchen verdient oder so mancher Unternehmer. Hab da schon Zahlen gesehen, da wurde mir schwindlig bei leuten wo ich es echt nicht in dieser Größenordnung gedacht hätte-. Und die hatten (zumindest teilweise)auch noch ein schönes Privatleben nebenher und bei weitem nicht den steinigen Weg eines UniChefarztes.

Ich bin sowieso der Meinung: Wenn jeder von jedem wüsste, was der andere so verdient bzw. wo welche Gelder fließen, würden insbesondere viele Ärzte ein blaues Wunder erleben und aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Meiner Erfahrung nach sind viele in unserer Berufsgruppe erstaunlich unbedarft und naiv was Finanzdinge angeht.

lol, wer hat denn bei dir Schwindel ausgelöst? Jetzt bin ich neugierig.
Was ich in Deutschland in Erfahrung bringen konnte, ist, dass man selbstständig sein muss, um an die Kohle zu kommen. Es gibt in diesem Land relativ viel Geld, aber die Angestelltenlöhne sind Dumpinglöhneund gehen selten über 100.000€ hinaus. Der Arbeitsmarkt wird hier einfach nicht geschützt und man fabuliert vom Fachkräftemangel.

Züschata
07.02.2024, 13:05
lol, wer hat denn bei dir Schwindel ausgelöst? Jetzt bin ich neugierig.
Was ich in Deutschland in Erfahrung bringen konnte, ist, dass man selbstständig sein muss, um an die Kohle zu kommen. Es gibt in diesem Land relativ viel Geld, aber die Angestelltenlöhne sind Dumpinglöhneund gehen selten über 100.000€ hinaus. Der Arbeitsmarkt wird hier einfach nicht geschützt und man fabuliert vom Fachkräftemangel.

Erstens finde ich deinen Ton unangemessen, Zweitens, wovon sprichst du? Ich hatte im letzten Jahr als Assistenzarzt mit Diensten und gelegentlichen Gutachten fast 100k. Jeder Oberarzt fängt mit ca. 105k an, als ltd. OA 120k ohne Dienste und andere Liquidation wohlgemerkt. Gehälter für Fachärzte in Vollzeit mit über 100k sind also eher als Standard anzusehen.

Medierror123
07.02.2024, 13:42
Also ich weiß von einem Uniklinik Chefarzt Unfallchirurgie, welcher vor 3-4 Jahren angefangen hat, dass dieser ca. 250.000/Jahr verdient. Allerdings wurde uns auch immer wieder gesagt, dass man als Chef an einer Uniklinik weniger verdient, als ein Chef an einem peripheren großen Haus. Finde ich aber schon heavy. Wenn man sich überlegt, was der an Zeit und Leben geopfert hat, ist das viel zu wenig.
Der Chef der Plastischen, welcher auch relativ neu dabei ist meinte, dass man früher als Unichef teilweise bis zu 10x mehr verdient hat. Heutzutage würde ein Chefarzt in der Chirurgie soviel verdienen wie ein LOA früher. Ich weiß aber natürlich nicht, was dieser durch Ästhetik OPs noch zusätzlich rausholt...

Grzzly
07.02.2024, 14:06
Ok wird langsam interessant hier. Ein LOA aus meinem Umfeld (Uni) 250k all in. Zusätzlich noch bissl Kohle durch Sponsoring usw. Viszeral

Edit: ca vor 5 jahren in die Position

urinbeutel
07.02.2024, 14:47
Erstens finde ich deinen Ton unangemessen, Zweitens, wovon sprichst du? Ich hatte im letzten Jahr als Assistenzarzt mit Diensten und gelegentlichen Gutachten fast 100k. Jeder Oberarzt fängt mit ca. 105k an, als ltd. OA 120k ohne Dienste und andere Liquidation wohlgemerkt. Gehälter für Fachärzte in Vollzeit mit über 100k sind also eher als Standard anzusehen.

Kannst du mir erzählen was unangemessen war? Er meinte dass manche Gehälter bei ihm Schwindel ausgelöst haben und ich habe gefragt. Und ich meinte mit 100k auf das gesamte Land bezogen

Lakemond
07.02.2024, 17:02
Bevor jetzt iwelche gewieften Honoroar/Arbeitnehmerüblerassungs Oberärzte ihren Senf dazugeben: ihr seid eh in einem anderen Game/schlecht vergleichbar und gegönnt seis euch :)

450k ist auch hier nicht erreichbar. Abgesehen davon, dass der Markt momentan ziemlich schlecht aussieht und man einfach keine Einsätze bekommt.

rafiki
07.02.2024, 17:48
Ok wird langsam interessant hier. Ein LOA aus meinem Umfeld (Uni) 250k all in. Zusätzlich noch bissl Kohle durch Sponsoring usw. Viszeral


Für Uni eher ungewöhnlich, für die Peripherie nicht unbedingt.

Grzzly
07.02.2024, 18:34
Für Uni eher ungewöhnlich, für die Peripherie nicht unbedingt.

Warum ungewöhnlich?

Tramaldol
07.02.2024, 18:53
Den Vergleich zu Investmentbankern find ich ziemlich gut getroffen. Es herrscht einfach eine gewisse „Unternehmenskultur“ und die kann man nicht einfach mal ändern indem man zum Personalrat rennt.

Genau, man ist von Leuten umgeben, die das als Teil der möglichen Karriere ansehen. Dafür hat das die Uniklinik SupaDupa Klitsche auch einfach mehr Renomee und ggfs. auch Verdienstmöglichkeiten als z.B. Arbeit in der Reha.
Wenn man zum Personalrat und Chef rennt und auf Einhaltung von Arbeitszeiten und Co pocht, wird einem durch "die Blume" gesagt werden: Ja schauen sie mal hier und da die Abteilung und Fach, da ist's net so stressig, aber wegen ihnen wird die Abteilung nicht einmal umgewurschtelt. Spätestens zur nächsten Verlängerung trennen wir uns, gern auch früher. Bye.


Man könnte einfach schonmal damit anfangen, nach 24 Stunden ZU GEHEN. Das haben andere schon für Euch erkämpft, dass das legal ist. Aber wenn man selbst die bereits erkämpften Verbesserungen nicht durchsetzt, ist halt irgendwann echt Hopfen und Malz verloren.

Wie gesagt, wenn man einen 9-5 Job sucht, ist man in so einer Supa-Dupa-Uniklinik-Chari-Heidel-Chirugie nicht optimal aufgehoben und sollte "was passenderes suchen". Problem sind eher 0815-Abteilungen, die keine Top Karrierechancen bieten und trotzdem miese Arbeitsbedingungen bieten, die gibt's leider häufig und da darf man auch drüber meckern.


ja, aber in den USA verdient das jeder einzelne Chirurg, hier verdient das nur der krankeste der kranken.

Schön für die Ami-Ärzte, Denke dran, dass die Versicherten das auch teuer bezahlen mit dem teuersten Gesundheitswesen der Welt für explizit durchschnittliche Leistungen. Und den sozialen Ungleichheiten in der Gesellschaft. Entlasse mal Leute aus dem Krankenhaus und du weißt, da sie keine Versicherung haben, werden sie zeitnah das zeitliche Segnen, weil sie einfach nicht die (in den USA auch überteuerten Medikamente) bezahlt bekommen im ambulanten Bereich. Das US Gesundheitswesen ist mehr Business statt Gesundheit. Wer das möchte, nur zu. Hier bitte nicht.



Die Statistiken dort zeigen: Insgesant sind die Gehälter heterogen, natürlich je nach Fach, aber auch innerhalb der Fächer. Chefarztgehälter sind seit vielen Jahren deutlich am sinken, in Fächern wie Radiologie an Unikliniken oder lukrative Innere( Kardio, Rhythmo, etc) oder lukrative Chirurgie sind auch mal 400k plus drin fürs obere Quartil(!), aber eben nicht wesentlich mehr. 500k und mehr sind absolute Ausnahme. Privatvergütungen etc sind auch rückläufig, von anderen "Vergütungen" durch Industriekontakte etc. habe bzw. hatte ich keinen Einblick.
Aber meine Meinung: Chefarztpostionen sind bei WEITEM(!) nicht mehr so lukrativ wie vor 30 Jahren, weder finanziell noch von der Arbeitssituation ( Entscheidunsgewalt, Aufgabenverteilung , Drucksituation etc.).

Ich persönlich halte das Preis/Leistungsverhältnis in solchen Positionen für absolut unausgewogen.
Wer dafür Uni auf sich nimmt und sein privatleben aufgibt verstehe ich bis heute überhaupt nicht. :-nix



Ja, die Altverträge sind nicht grundlos gestrichen worden. Weil die Chefs nicht das geliefert haben, was sie sollten: Spitzenforschung, Lehre und Krankenversorgung. Stattdessen schlendert der Tübinger Anästhesie Chefarzt 1994 einmal durch den Saal in der Woche und fährt mit seinem weißen Jaguar davon. Sorry, auf alten Lorbeeren ewig ausruhen geht garnicht. Der war nicht sein Geld wert. Die Chefs habens nicht mehr gebracht. Die Privatpatienten versorgten die OÄ, die Forschung war mittelmäßig und dafür Mio.kassieren? Geht garnicht.

Selbst in unbeliebteren Fächern finden sich weiterhin genug Kandidaten als Uni-Chefs. So unbeliebt sind Stellen mit 400k und mehr auch nicht. Industrie, Gutachten, Buchkapitel usw. bringen nochmal 20% plus.
Es ist nicht mehr dasselbe Gehalt wie bei den Altverträgen (zu Recht!), aber immer noch ein veritabler Job.
Schade ist eher, dass nur aus dem deutschen Dunstkreis sich Leute hier bewerben und nicht international die besten. Aber gut, das war auch nie anders.




Will nicht wissen wieviele ehrgeizige junge Leute sich den Scheiß antun und mit 40 dann merken, dass das alles irgendwie nie richtig besser wurde und sich nie richtig gelohnt hat.


Tipp: Wenn man das Fach eh nur halbherzig magst und gern auch einiges an Freizeit hast, würde ich davon die Finger lassen. Macht nur unglücklich. Das ist aber überall so, wo man Vollgas geben muss.


Absolut nicht repräsentativ aber tatsächlich weiß ich aus dem nahen Umfeld das Gehalt eines Chefarztes in einer der größten Chirurgien Deutschlands, hat vor wenigen Jahren begonnen. All in all 450.000/a, keine Privatliqidationen. Mehr will ich nicht sagen, weil Anonymisierung schwierig.

Versteht mich nicht falsch, das ist ja krank viel, aber wenn man denkt welche Leistung/Arbeitseifer dahintersteckt und wieviele aus der Interessenten-Gruppe "leer ausgehen"....und dass dann vergleicht mit dem ein oder anderen findigen niedergelassenen Augenarzt oder botoxdermatologen.... schon verrückte welt :D


Man kann auch als Ltd. OA gut verdienen und es muss nicht immer die Uniklinik-CA Stelle sein. Es gibt auch periphere Häuser, wo man nicht arm wird. Aber ja sicher ist es kompetitiv unter den Chirurgen.




Ich bin sowieso der Meinung: Wenn jeder von jedem wüsste, was der andere so verdient bzw. wo welche Gelder fließen, würden insbesondere viele Ärzte ein blaues Wunder erleben und aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Meiner Erfahrung nach sind viele in unserer Berufsgruppe erstaunlich unbedarft und naiv was Finanzdinge angeht.

Fände ich auch besser. Liegt aber auch an der "Mentalität" der Leute hier, wo es heißt "über s Geld redet man nicht"


Es gibt in diesem Land relativ viel Geld, aber die Angestelltenlöhne sind Dumpinglöhneund gehen selten über 100.000€ hinaus. Der Arbeitsmarkt wird hier einfach nicht geschützt und man fabuliert vom Fachkräftemangel.

Jeder OA hat mehr als 100k schon nach Tarif mit ein paar Diensten. Also keine Ahnung, was du da erzählst.


Erstens finde ich deinen Ton unangemessen, Zweitens, wovon sprichst du? Ich hatte im letzten Jahr als Assistenzarzt mit Diensten und gelegentlichen Gutachten fast 100k.

Ich hatte 2018 (!) auch mit Diensten knapp 100 als Assi.


Also ich weiß von einem Uniklinik Chefarzt Unfallchirurgie, welcher vor 3-4 Jahren angefangen hat, dass dieser ca. 250.000/Jahr verdient. Allerdings wurde uns auch immer wieder gesagt, dass man als Chef an einer Uniklinik weniger verdient, als ein Chef an einem peripheren großen Haus.
Der Chef der Plastischen, welcher auch relativ neu dabei ist meinte, dass man früher als Unichef teilweise bis zu 10x mehr verdient hat. Heutzutage würde ein Chefarzt in der Chirurgie soviel verdienen wie ein LOA früher. Ich weiß aber natürlich nicht, was dieser durch Ästhetik OPs noch zusätzlich rausholt...

Naja, ob das so eine richtige Uni ist, oder eine dieser "neuen". 250k ist schon wenig für einen Chefarzt einer großen Abteilung. Dass man in der Peripherie als Chef mehr verdient als in der Uniklinik kann ich auch nicht bestätigen.
Plastische Chirurgie ist auch wieder so ein Sonderfall. Erstmal hält sich da jeder für den besten und zweitens gibt es dann auch bei Chefs himmelweite Unterschiede. Wenn da jemand unterdurchschnittlich operiert und Patientenzahlen hat, ja mei. Dann kann man auch nicht so viel Gehalt bekommen. Meist kommt da auch niemand für Ästhetik vorbei.


Ok wird langsam interessant hier. Ein LOA aus meinem Umfeld (Uni) 250k all in. Zusätzlich noch bissl Kohle durch Sponsoring usw. Viszeral

Edit: ca vor 5 jahren in die Position

Da sieht man wieder, dass sich der Aufwand lohnt. Aber wenn man dazu keinen Bock hat, soll mans lieber lassen.

Tramaldol
07.02.2024, 22:53
Ach und bei den Großkanzleien und Investmentbanken ist es auch nicht anders. Super viele investieren massig Zeit dort, aber nicht jeder wird Partner oder steigt auf. Ein Großteil geht irgendwann, insgesamt hohe Fluktuation und landet dann irgendwo anders in der Unternehmensberatung oder bei einem Ministerium.

Kackbratze
08.02.2024, 07:55
Nein, die sind da alle erfolgreich und reich. Hab ich im ZDF gesehen!

Cor_magna
08.02.2024, 08:18
Nein, die sind da alle erfolgreich und reich. Hab ich im ZDF gesehen!

Genau wie die Chirurgen. Da gabs so ne Doku im ZDF drüber.

Der Bergdoktor Dr. Gruber hieß der, der ist Chirurg. Der hat echt ein cooles Leben.

Kannst du als Chirurg sicher so bestätigen.

Tramaldol
08.02.2024, 17:22
Abstrengende Karriere sollte man verbieten.
Man sollte den Leuten direkt nach dem Studium den weißen Jaguar stellen, sie 1x in der Woche für ein paar Stunden durch die Klinik schlendern lassen und 4 Mio Jahresgehalt stiften. Es ist einfach nur fair. Die ganzen wiss. Publikationen kann die KI machen oder das Büro von Sarah Wagenknecht.

Kackbratze
09.02.2024, 09:48
Bei der SZ soll man sich damit in leitender Position auch auskennen *duckundweg*

drroybasch
09.02.2024, 10:06
Liebes Forum,

ich bin leider aus eigener Naivität, falschen Versprechungen und gut gemeinten Ratschlägen aus meinem Umfeld in die klassische Uniklinik Chirurgie Falle getappt.
Ich bin nun ca. 5 Monate dabei und es ist ein absoluter Albtraum. Ich arbeite mindestens 12 Stunden am Tag, sehr oft auch länger. Tage an denen ich vor 19 Uhr draußen war kann ich an einer Hand abzählen. Hinzu kommen mindestens 2 Wochenenden im Monat. 24h Dienste mache ich ca. 4 im Monat, was an sich ja okay ist nur leider sind es immer mindestens 28 bis 30h Dienste in denen selten geschlafen wird. Ich brauch euch ja nicht zu erklären wie man sich fühlt nachdem man 30h ohne Pause durchgearbeitet hat…
Ich bin unfassbar unglücklich mit der Situation. Die Arbeit an sich ist auch nicht sonderlich prickelnd. Es ist extrem stressig, ich mache fast nie Pausen und trotz der langen Arbeitszeiten wird die Arbeit eigentlich nie fertig. Dementsprechend gehe ich auch meistens mit einer schlechten Laune nach Hause und verbringen die letzten 2 Stunden des Tages damit mir völlig fertig noch was zu Essen zu machen oder Wäsche zu waschen. Für Sport, Freizeit oder sonstige privaten Interessen bleibt absolut keine Zeit.
Ach ja, ich mach natürlich ausschließlich Stationsarbeit. War bisher nur ein paar mal im Dienst im OP und 2-3 mal in der „regulären“ Arbeitszeit. Und jedes mal war es das schlimmste Ereignis des Tages. Es wird nichts erklärt, man ist nur Hakenhalter und wird auch noch angemault wenn man nicht aktiv genug ist. Man wird aber auch angemault wenn man zu aktiv ist oder Gott bewahre mal den Sauger selbständig in die Hand nimmt. Die OPs sind ausnahmslos extrem lange und hochkomplex. Mindestdauer 6h, teilweise auch bis zu 12h.
Auch die älteren Assis dürfen nichts selbständig machen. Wenn sie genug betteln dürfen die mal Bauch auf und zu machen, ansonsten auch nur Haken halten.
Ich war eigentlich extrem überzeugt von der Wahl der Fachrichtung, bin aber momentan schwer enttäuscht und denke praktisch jeden Tag daran zu kündigen.
Das naheliegende nun wäre noch vor Ablauf der Probezeit zu kündigen und an ein kleines Haus zu gehen, wo es bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Ausbildung gibt. Stimmen aus meinem Umfeld behaupten aber dass die beschriebenen Zustände in der Medizin normal sind („bei mir war es damals noch schlimmer bla bla…“) und an einem kleinen Haus das allgemeine medizinische Niveau niedriger wäre und ich dort kein guter Arzt werden würde. Was halter ihr von solchen Aussagen?

Auf der anderen Seite bin ich auch am überlegen ob ich nicht einfach nicht für die Viszeralchirurgie gemacht bin und nicht bereit bin dafür genug aufzugeben.
Ein komplett konservatives Fach kann ich mir aber nicht wirklich vorstellen. Alternativen wären Uro, Ortho oder Gefäßchirurgie. Da wären die Möglichkeiten der Niederlassung zwar besser allerdings interessieren mich rein medizinisch diese Fächer deutlich weniger.
Wie sieht es dort mit der Arbeitsbelastung aus?
Wenn es mehr oder weniger auf die gleichen Arbeitszeiten hinausläuft wäre das für mich kein guter trade-off.

Hoffe ihr könnt mir mit euren Erfahrungen und Ratschlägen etwas weiterhelfen.

Grüße

Dachte zuerst das wäre ein alter Post von mir haha.
Habe nach 8 Monaten UCH an ner Uniklinik gekündigt. Beste Entscheidung ever.
Bildschirmseite gewechselt, ab in die Radio, in 4 Jahren insgesamt 3 Überstunden gemacht;
Das einzige was mir fehlen wird sind die kernigen Sprüche ala
"Diamanten entstehen unter Druck" , "Wenn Sie noch langsamer nähen überholt sie die sekundäre Wundheilung" , oder "Arbeiten Sie für den Patienten oder für die Fraktur?"
Sonst nix. Kündige.

Edit: "Bei Kollege X sind wir uns nicht sicher ob er die Approbation hat. Wir sind uns nicht mal sicher ob er lesen und schreiben kann" :-)):-)):-)):-))

Kandra
09.02.2024, 10:17
Bei der SZ soll man sich damit in leitender Position auch auskennen *duckundweg*

Finde ich nach dem Suizid ein bisschen unpassend.

Edit: ich korrigiere mich, es gibt Meldungen, dass sie lebend gefunden wurde

Cor_magna
09.02.2024, 10:55
Dachte zuerst das wäre ein alter Post von mir haha.
Habe nach 8 Monaten UCH an ner Uniklinik gekündigt. Beste Entscheidung ever.
Bildschirmseite gewechselt, ab in die Radio, in 4 Jahren insgesamt 3 Überstunden gemacht;
Das einzige was mir fehlen wird sind die kernigen Sprüche ala
"Diamanten entstehen unter Druck" , "Wenn Sie noch langsamer nähen überholt sie die sekundäre Wundheilung" , oder "Arbeiten Sie für den Patienten oder für die Fraktur?"
Sonst nix. Kündige.

Edit: "Bei Kollege X sind wir uns nicht sicher ob er die Approbation hat. Wir sind uns nicht mal sicher ob er lesen und schreiben kann" :-)):-)):-)):-))

Reden wir zufällig von einer bayrischen Uniklinik?

Vor paar Jahren hat mir ein Radiologieassistent in einer Famulatur bei uns genau die gleiche Geschichte erzählt.

WiWi18
09.02.2024, 13:25
Ach und bei den Großkanzleien und Investmentbanken ist es auch nicht anders. Super viele investieren massig Zeit dort, aber nicht jeder wird Partner oder steigt auf. Ein Großteil geht irgendwann, insgesamt hohe Fluktuation und landet dann irgendwo anders in der Unternehmensberatung oder bei einem Ministerium.

Beide Jobs sind aber von vornherein dafür ausgelegt, auf den "Exit" vorzubereiten. Investmentbanker gehen häufig ins Private Equity (wo auch fürstlich verdient wird), Großkanzlei-Juristen in andere juristische Jobs, je nach juristischem Fachgebiet, oder in kleinere Kanzleien, wo bei deutlich weniger Arbeit auch sehr gut bezahlt wird. Und mit "fürstlich" beziehungsweise "sehr gut" meine ich deutlich über Oberarztgehalt, bei den Private-Equity-Leuten reden wir von mehrfach sechsstelligen Gehältern, je nach Fundgröße.

Wechsel in die Unternehmensberatung (von Investmentbanken oder Großkanzleien) sind hingegen ziemlich selten.

Es ist meiner Meinung nach schon ziemlich abwegig, diese Jobs mit der Medizin zu vergleichen, weil es vielleicht einer von zehn Oberärzten zum Leitenden Oberarzt oder Chefarzt schafft und der dann die 200k erreicht (die Großkanzlei-Juristen, Investmentbanker und Unternehmensberater bei den größeren Firmen schon nach 3-5 Jahren schaffen...).