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Psych95
17.02.2024, 13:57
Hallo Liebe Kollegen,
ich befinde mich aktuell in meinem 3 Weiterbildungsjahr Psychiatrie. Lange Zeit hat mir die Arbeit spaß gemacht(tolles team, gute Arbwitszeiten) jedoch merke ich zunehmend wie die Arbeit mit immer weniger spaß macht. Zudem fehlt mir zunehmend die Somatik. Habe im Studium eigentlich für alles ein gewisses interesse gehabt und alles auch gerne gelernt. Hatte aber nie diesen „klick“-moment bei einem Fachgebiet.
Aktuell überlege ich wieder in die Somatik zu wechsel, ggf würde ich auch meine Psychiatriezeit noch zu ende zu machen. in die neurologie rotieren würde ich eher ungern…

Habe jedoch auch Respekt vor einem wechsel von der psych in die somatik.
Ich wollte mal fragen ob jemand dasselbe durchgemacht hat und mal berichten würde wie es war.
liebe grüße

davo
17.02.2024, 14:04
Du willst Somatik, aber willst nur ungern in die Neurologie rotieren? Warum das?

Weg des geringsten Widerstands: mach 12 Monate stationäre Akut-Innere und 24 Monate Hausarzt, dann bist du (je nach WBO) Allgemeinmediziner, und kannst dir den Großteil deiner Psych-Zeit anrechnen lassen.

rafiki
17.02.2024, 18:19
@TE: Seltsam deine Einstellung, sind doch die Psych-Fächer ideal dazu geeignet, sich mit allen Sinnen und gedanklich "somatisch" zu beschäftigen angesichts langer Liegezeiten und komplexer Problematiken der Patienten.

Zilia
17.02.2024, 18:31
Psychosomatik wäre noch eine Option für Dich. Das mit dem Neurologie-Jahr meiden spricht aber wirklich nicht grade für eine Sehnsucht nach Somatik.

Züschata
18.02.2024, 09:56
Ich würde mich auch den Vorrednern anschließen. Die Frage ist auch was du überhaupt an Erfahrungen sammeln konntest. Es gibt auch in der Psychiatrie viele Bereiche, in denen man somatisch was zutun hat (Akut, Geronto, Sucht, Psychosomatik). Ich würde dir wirklich empfehlen den Facharzt zu erwerben. Jetzt in die Neurologie zu rotieren wäre sicherlich der beste Entwicklungsschritt, danach kannst du ein Jahr Psychosomatik machen. Ich habe es so gemacht und absolut nicht bereut. Vielleicht bleibst du auch an der Neurologie kleben, wer weiß. Und denk dran: der Status als Facharzt ist echt so viel wert. Überleg dir wirklich, ob du nochmal eine von vielen Nummern in der Somatik mit Diensten und hohem Patientenaufkommen sein möchtest. Als FA Psychiatrie kannst du in unzähligen Gebieten arbeiten, natürlich auch direkt als Oberarzt. Ich arbeite seit wenigen Wochen als OA und bin so froh, den Schritt gegangen zu sein.

Espressa
19.02.2024, 19:44
Ich stelle mir die Arbeit als niedergelassener Psychiater echt cool vor! Würde es an deiner Stelle durchziehen und mir dann eine nette Subspezialisierung suchen.
Somatik bindet an Räume und Geräte und und und, flexibler als Psychiater wirst du nie werden…

rafiki
19.02.2024, 20:04
Ich stelle mir die Arbeit als niedergelassener Psychiater echt cool vor!

Naja, cool stelle ich mir anders vor, aber interessant die Phantasie eines Somatikers zu lesen.

Espressa
20.02.2024, 06:00
Naja die Wortwahl trifft es nicht ganz. Wollte eher sagen; ich sehe da viele Vorteile drin.

anignu
20.02.2024, 09:21
Wollte eher sagen; ich sehe da viele Vorteile drin.
Das Gras des Nachbarn ist immer grüner ;-)

Ich wüsste jetzt nicht mal was der genau macht. Macht der auch Psychotherapie oder arbeitet der mehr mit Medikamenten oder einer Kombination aus beidem?

rafiki
20.02.2024, 11:32
Ein klassischer Psychiater macht Fließbandarbeit im Pillenverschreiben. Mir sagte mal eine "7,5 Minuten pro Patient", wobei der im MVZ vielleicht noch langsam war.

LasseReinböng
20.02.2024, 13:41
Ein klassischer Psychiater macht Fließbandarbeit im Pillenverschreiben. Mir sagte mal eine "7,5 Minuten pro Patient", wobei der im MVZ vielleicht noch langsam war.

Sagte mir ein befreundeter OA in der Psychiatrie auch mal. Der ist zwar in der Klinik sehr unzufrieden aber vor der „ monotonen Fließbandarbeit“ in der Praxis graut ihm noch mehr … tja.

Trenn
20.02.2024, 17:59
Wie viel Scheine hat im Schnitt ein niedergelassener Psychiater? Auch so um die 1000?

PsychoFan
24.02.2024, 04:29
Ich kannte Kollegen, die hatten um die 800-900 Scheine, ist aber schon ein paar Jahre her. In der Psychiatrischen Institutsambulanz 600 waren vor ein paar Jahren keine Seltenheit.

Espressa
24.02.2024, 17:03
Eine Freundin geht zur psychiatrischen Psychotherapie aufgrund ihrer Hypochondrie. Da denke ich mir, herrlich! Eine Stunde Gespräch. Wie viel Stress kann das schon sein? Dachte die haben alle so lange Termine.
Viele Scheine und Fließbandarbeit hat man als niedergelassener Augenarzt auch…

davo
24.02.2024, 17:11
1. Psychotherapie hat nichts mit Psychiatrie zu tun.

2. Psychotherapie ist durch die extreme emotionale Belastung und das Problem der Abgrenzung anstrengend, nicht durch die hohe Taktung. Ich finde Psychotherapie viel, viel anstrengender als Psychiatrie.

h3nni
29.02.2024, 08:34
Nicht? Ich dachte, Psychiater können das auch alles (und der Facharzt heißt ja sogar Psychiatrie und Psychotherapie)

davo
29.02.2024, 08:46
Dürfen und können sind zwei unterschiedliche Sachen.

Und die große Mehrheit der niedergelassenen Psychiater, zumindest derer, die auch davon leben wollen/müssen, beschäftigt sich IMHO primär mit Psychiatrie, nicht mit Psychotherapie.

rafiki
29.02.2024, 09:52
So ist es. Ich habe Psychotherapie erst nach dem FA echt gelernt, obwohl natürlich alles dafür abgezeichnet wurde, also ähnlich wie in anderen Fächern. Allerdings ist jemand, der gut Psychiatrie lernt mit allem, was dazu gehört, einschließlich Diensten, voll ausgelastet. Leider wurde aber die FA-Bezeichnung so gewählt, obwohl es eigentlich nicht stimmig ist.

Cor_magna
29.02.2024, 11:20
Dürfen und können sind zwei unterschiedliche Sachen.

Und die große Mehrheit der niedergelassenen Psychiater, zumindest derer, die auch davon leben wollen/müssen, beschäftigt sich IMHO primär mit Psychiatrie, nicht mit Psychotherapie.

Also ist der Hauptgrund, dass die PT zu schlecht vergütet wird, verstehe ich das richtig?

Traurig. Meine bescheidene Meinung als Nicht-Psychiater ist ja doch, dass mit einer guten PT sehr vielen Menschen nachhaltig und mit wenig Nebenwirkung gut geholfen werden könnte..

rafiki
29.02.2024, 12:00
, dass mit einer guten PT sehr vielen Menschen nachhaltig und mit wenig Nebenwirkung gut geholfen werden könnte..

Selbstverständlich ist das so. Nur findet man derartige Psychotherapeuten sehr selten. Die Ursache dafür ist eigentlich bekannt, wird jedoch in der PT-Szene weitgehend vermieden.

Nebenwirkungen hat eine gute PT selbstverständlich - nicht primär im negativen Sinne, aber sehr bedeutsam und durchaus negativ wirksam, falls darüber nicht grundsätzlich aufgeklärt wird.