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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Überforderung im Medizinstudium - abbrechen als einzige Möglichkeit?



anomyma27
19.02.2024, 15:27
Hallo. Ich habe mal eine sehr persönliche Frage. Ich weiß nicht, ob diese Foren dafür gedacht sind, aber wo sonst erreicht man so viele Medizinstudierende.

Ich studiere im 3. Semester Humanmedizin und bin eigentlich seit dem 1. Semester dauerhaft überfordert und gestresst, habe vorher auch noch nichts anderes studiert. Im Gegensatz zu meinen Kommilitonen bin ich wirklich die ganze Zeit nur am Lernen, oft 9-10 Stunden am Tag und das teilweise auch wenn ich nur für eine Klausur lernen muss und 4 Wochen Zeit habe. Und ich habe zwar bisher alles bestanden, aber dennoch ist es nicht so, dass ich durch das viele lernen dann mehr weiß als die anderen die weniger lernen und außerdem vergesse ich die Sachen auch sehr schnell wieder. Ich brauche einfach sehr lange, um Sachen zu lernen, nur durchlesen reicht nicht und daher weiß ich einfach nicht, wie ich es anders machen soll. Zudem belastet mich das ganze psychisch sehr stark. Ich schlafe schlecht, kann an nichts anderes denken als an die Uni, habe immer halbe Nervenzusammenbrüche, wenn ich den ganzen Stoff sehe und bin dadurch auch eine totale Belastung für meine Eltern und Freunde. Und zudem habe ich das Gefühl meine Mitstudenten machen es alle besser, nehmen alle mehr aus Vorlesungen und Praktika mit und sind generell schlauer, während ich so viel Zeit aufwenden muss, um mir Sachen zu merken. Ich habe das Gefühl, dass Physikum so niemals schaffen zu können, weil wenn ich bei einem Fach schon so überfordert bin, wie soll ich das dann jemals beim Physikum schaffen? Ich schaffe es einfach nicht, das alles locker zu nehmen, auch wenn es „nur“ ein Studium und „nur“ eine Prüfung ist. Und ich habe wirklich Angst, an diesem Studium kaputt zu gehen.

Ich möchte wirklich nicht abbrechen, aber ich habe oft das Gefühl ich muss es, als würde alles gegen mich stehen. Ich will mich hier jetzt wirklich nicht ausheulen, ich wollte nur einfach wissen, gibt es jemanden, dem es ähnlich geht? Denn ich habe das Gefühl ich bin die einzige unter meinem Kommilitonen. Und wenn es jemanden unter euch gibt, der genau in solch einer Situation war oder in einer ähnlichen: Wie hast du das geschafft? Wie kann man das schaffen bzw. geht das überhaupt? Muss man abbrechen? Gibt es da irgendwelche Methoden, Tipps?

Ich wäre euch sehr dankbar für Antworten.

Kampf-Muffin
19.02.2024, 18:07
An den Unis gibt es psychologische Beratungsstellen, es wäre sicher sinnvoll, sich da dort mal vorzustellen. Gerade wenn du schon s belastet bist.

xenopus laevis
19.02.2024, 18:21
Realistische Erwartungshaltung (muss es eine 1 sein?). Keine Vergleiche! Sport. Grenzen setzen! Mehr als 40 h (eher viel weniger und alles icl. VL usw.) habe ich nie gemacht. Freunde mit der selben Einstellung suchen.

Mein bester Buddy und ich hatten bei jeder Prüfung folgende Abmachung: "die schlechteste Note wird zum essen eingeladen". :-dance

Abbrechen macht nur Sinn, wenn du kein Arzt werden willst.

Nefazodon
19.02.2024, 21:32
Und ich habe zwar bisher alles bestanden, aber dennoch ist es nicht so, dass ich durch das viele lernen dann mehr weiß als die anderen die weniger lernen und außerdem vergesse ich die Sachen auch sehr schnell wieder. Ich brauche einfach sehr lange, um Sachen zu lernen, nur durchlesen reicht nicht und daher weiß ich einfach nicht, wie ich es anders machen soll.

Das klingt nicht ungewöhnlich, sondern ziemlich normal. Ich glaube es geht vielen so.

Erstens: Hör auf dich mit anderen zu vergleichen.


Im Gegensatz zu meinen Kommilitonen bin ich wirklich die ganze Zeit nur am Lernen, oft 9-10 Stunden am Tag und das teilweise auch wenn ich nur für eine Klausur lernen muss und 4 Wochen Zeit habe.

Zweitens:Lernst Du richtig? Manchmal dauert es etwas, bis man die richtige Lernstrategie für sich gefunden hat. Was für ein Lerntyp bist Du?
Meiner Meinung nach sind die wichtigsten Schritte: Reduktion des Stoffes auf das Wesentliche; Lernen in kleinen "Portionen" mit Pausen; Wiederholungen...
Nochmal die Frage nach dem Lerntyp: visueller, auditiver oder haptischer Typ? ggf. Kanäle/Lernmethoden mal mischen?

Drittens: Regelmäßiger Ausgleich ist wichtig! mehr als 8 Stunden Lernen am Tag macht aus meiner Sicht keinen Sinn....
"Kann" man sicher machen, ist dann aber nicht nachhaltig.
Lieber weniger Lernen, das aber auch behalten.
Ohne regelmäßigen Ausgleich sinkt auch unweigerlich deine Leistungsfähigkeit.
Treib Sport. Verfolg ein Hobby.


Zudem belastet mich das ganze psychisch sehr stark. Ich schlafe schlecht, kann an nichts anderes denken als an die Uni, habe immer halbe Nervenzusammenbrüche, wenn ich den ganzen Stoff sehe und bin dadurch auch eine totale Belastung für meine Eltern und Freunde.

Das klingt nicht gut und soll nicht so sein.
Viertens: Nochmal: Such dir einen Ausgleich. nimm die Sachen nicht zu ernst.
Und wenn es trotzdem noch so belastend bleibt und Du dich nicht distanzieren kannst: Such dir psychologische Hilfe.


Ich möchte wirklich nicht abbrechen, aber ich habe oft das Gefühl ich muss es, als würde alles gegen mich stehen. Ich will mich hier jetzt wirklich nicht ausheulen, ich wollte nur einfach wissen, gibt es jemanden, dem es ähnlich geht?

Brich nicht einfach so ab. Kämpfe, aber vernünftig, mit Verstand und Strategie. Such dir Hilfe!

Und nein, ich glaube nicht, dass Du unter Medizinstudenten damit alleine bist.

davo
19.02.2024, 22:17
Du fühlst dich überfordert, obwohl du alles bestanden hast, hast das Gefühl, das Physikum nicht schaffen zu werden, obwohl du alles bestanden hast. Kannst du erkennen, dass das unlogisch ist?

Du lernst viel zu viel - klar, dass du psychisch am Limit bist. Es ist wichtig, auch im Studium das Leben zu genießen - Freizeit ist wichtig, Freundschaften und Beziehungen sind wichtig, Sport ist wichtig. Sich im Leben nur einer Tätigkeit zu widmen, ist nie gesund.

Als ersten Schritt solltest du mal zur psychologischen Beratungsstelle deiner Uni gehen.

Atana
21.02.2024, 03:18
Klingt ziemlich normal. Die wenigsten geben halt zu, so viel zu lernen, oder sagst du selbst jedem, dass du 10h am Tag lernst :D? Lass dich nicht verunsichern. Das Physikum wirst du ganz easy bestehen mit deiner Einstellung, wird halt nur nicht besonders entspannt mental, wenn du so zweifelst. Du scheinst andere einfach sehr zu überschätzen und dich selbst zu unterschätzen. Viele gehen bereits gelernt in die Vorlesung rein, bzw. sogar die meisten, denn der Rest geht idR nie zu Vorlesungen^^. Du kannst dich daher nicht mit denen vergleichen, weil du nie weißt, wie viel Vorwissen da war. Die Leute im Studium sagen einfach mehrheitlich ungern, dass sie fleißig sind.

Carnivore
21.02.2024, 06:28
Das stimmt wirklich. Man ist ja schließlich ein richtig krasser Typ, wenn man nicht viel macht und trotzdem alles easy versteht.
Es gibt echt viele Blender und das sind auch die lautesten.
Ein Komilitone meinte mal "ich habe noch nichts für die Prüfung gemacht". Bei genauerer Nachfrage hat er alle Vorlesungen besucht und das komplette Skript einmal durchgelesen.
Wenn mal irgendwas schlechter lief, hatte man eben an dem Tag nur "keinen Bock".
Aber mit durchgelernten Nächten kann man sich dann doch wieder profilieren.

Ich persönlich brauche auch lange um den Stoff durchzuarbeiten, mache aber auch lange Pausen und lasse mich leicht ablenken. Das lässt die Lernzeit länger wirken, was sie effektiv wahrscheinlich auch nicht ist.

Duke Nukem
21.02.2024, 08:17
Ich möchte wirklich nicht abbrechen, aber ich habe oft das Gefühl ich muss es, als würde alles gegen mich stehen. Ich will mich hier jetzt wirklich nicht ausheulen, ich wollte nur einfach wissen, gibt es jemanden, dem es ähnlich geht? Denn ich habe das Gefühl ich bin die einzige unter meinem Kommilitonen. Und wenn es jemanden unter euch gibt, der genau in solch einer Situation war oder in einer ähnlichen: Wie hast du das geschafft? Wie kann man das schaffen bzw. geht das überhaupt? Muss man abbrechen? Gibt es da irgendwelche Methoden, Tipps?

Ich glaube dass das, was Du beschreibst wirklich ein Stück weit normal ist. Medizinstudium kann super-anstrengend sein und die ersten Semester machen oft nicht viel Spass. Bei uns haben sich auch alle gegenseitig erzählt wie toll sie sind. Häufig haben aber auch wirklich gute Leute ziemlichen Stress. Wenn dann noch jemand nicht für dieses Bulimie-Lernen geeignet ist, dann kann das sehr sehr anstrengend werden.
Bei uns gibt es da im Grunde drei Lösungen für das Problem:
1: nicht auf Noten achten. Das interessiert in der Vorklinik sowieso niemanden. Mit Sicherheitsabstand bestanden reicht.
2: auf das wesentliche und prüfungsrelevante reduzieren. Nicht alle Details lernen. Übersichtsskripte benutzen statt Lehrbücher.
3: Zeitdruck rausnehmen: Falls Du wirklich mal was nicht schaffen solltest, dann verlängert sich halt die Vorklinik. Das ist kein Drama, nicht mehr zur Referenzgruppe zu zählen.

Abgesehen davon hast Du ja bislang alles bestanden. Das ist dann erstmal keine Krise, sondern ein Optimierungsproblem. Wenn Dir Medizin als Fach und Beruf gefällt, wüsste ich nicht, warum Du das abbrechen solltest. Vorklinik ist oft nicht schön, aber geht auch vorbei.
Viel Glück!

anomyma27
10.03.2024, 14:27
Hallo. Erstmal vielen Dank für die ganzen Antworten! Das hat mir viel Kraft gegeben, zu wissen, dass ich nicht alleine damit bin und man daran arbeiten kann.
Da der Beitrag aber doch sehr persönlich ist, würde ich ihn gerne löschen, ich weiß aber nicht wie. Mir war vorher nicht bewusst, dass das nicht geht. Weiß jemand, wie man das dennoch irgendwie machen kann?

Bille11
10.03.2024, 19:16
Liebe/r anonyma27 - da der Beitrag vollkommen anonymisiert und auch beim erneuten Durchgehen ohne Rückschlüsse auf Universität oder Person gelesen wird: leider nein! Löschen, vor allem nach den kompetenten und freundlichen Antworten, wird in diesem Forum nicht gehandhabt.

Bille11, mod