Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Facharzt Allgemeinmedizin und Notfallmedizin
Hallo zusammen,
bis jetzt war ich hier im Forum immer nur stiller Mitleser, möchte aber nun doch mal um euren Rat bitten. Ich stehe gerade am Ende meines PJ und für mich hat sich herauskristallisiert, dass mir ambulantes Arbeiten am meisten Spaß macht. Sowohl interdisziplinäre Notaufnahme, als auch die hausärztliche Tätigkeit fande ich durch die vielen abwechselnden Krankheitsbilder am Spannendsten.
Daher würde ich gerne die FA-Ausbildung zum Allgemeinmediziner beginnen. Gleichzeitig würde ich aber auch gerne den Notarztschein machen, um später in einer Notaufnahme arbeiten oder als Notarzt fahren zu können.
Jetzt stellt sich mir natürlich die Frage, welche Rotationen ich bei der Bewerbung für die Blockweiterbildung, die in meiner Region relativ viel angeboten und sehr individuell gestaltet werden kann, angeben soll.
Meine Idee waren (sollte das in der Klinik umsetzbar sein) 1,5 Jahre Innere, 1/2 Jahr Chirurgie, 1 Jahr Notaufnahme und 2 Jahre Hausarzt.
Offiziell reicht das um den FA und den NA machen zu können laut WBO. Meine Sorge ist jedoch, dass mir ohne ITS-Erfahrung wichtige Skills fehlen um ein guter Notarzt zu werden (insb. wenn man NEF fährt). Auf der anderen Seite ist ein Allgemeinmediziner sicherlich ein ungewohnter Anblick auf ITS.
Gerne würde ich eure Meinungen und Ideen zu dem Thema hören. Sollten 6 Monate ITS dazugehören, oder "reicht" das eine Jahr Notaufnahme um gut reinzukommen?
Ich freue mich auf eure Antworten!
LG Pädder
Ich bin mir nicht 100% sicher, aber nach der alten WBO war eine 6monatige ITS Rotation bei den meisten ÄK Pflicht für die ZB Notfallmedizin.
Meine persönliche Meinung ist, dass intensiverfahrung unglaublich wichtig und dabei 12 Monate besser als 6 Monate ist.
Da du dich hauptsächlich auf große Fächer wie Innere und Chirurgie mit höherem Personalbedarf bewirbst, würde ich dein WB-Ziel Allgemeinmedizin nicht erwähnen. Du musst halt clever wählen damit du rechtzeitig eine ITS Rotation bekommst. Ist über die Innere Medizin im allgemeinen einfacher als über die Chirurgie.
Heerestorte
21.03.2024, 12:01
Wie Hebdo sagt, prüf mal in deiner WBO des Landes, was genau für die ZB Notfallmedizin konkret gefordert wird.
Höchstwahrscheinlich wird auch ein Intubationspraktikum notwendig sein um auf deine Zahlen zu kommen, da es sehr unwahrscheinlich ist, in der ITS-Zeit auf die 50 Intubationen zu kommen.
In BaWü ist es nämlich so, dass man entweder 6 Monate Anästhesie ODER Notaufnahme ODER ITS braucht, da ist man also ein wenig flexibel.
ehem-user-19-05-2025-1430
21.03.2024, 12:21
Ich bin allgemeinmediziner und notarzt und war nicht auf its. Ich finde viele Wege führen nach Rom und man kann sich auch anders reinfuchsen in die notfallmedizin. Zweifelsohne ist its aber die top Rotation als Vorbereitung, also wenn du da gut reinkommst go for it.
Ich hatte einfach Kb mehr auch nur 1 Tag länger in einer deutschen Klinik zu bleiben! Bereue es bisher nicht, wäre aber schon cool gewesen ;)
Ich finde Intensiverfahrung unverzichtbar, aber wenn man mit seiner Schmalspurmentalität gut leben kann, dann führen wirklich viele Wege nach Rom.
Zum Blutdrucksenken und ASS bei Brustschmerzen reicht die allgemeinmedizinische Erfahrung natürlich aus. Natürlich optimal, wenn man dann das allererste Mal bei einem instabilen Patienten alleine Narkose machen muss.
Eventuell sind dann 1-2 Patienten pro Jahr "etwas" unterversorgt, aber das fällt ja in der Masse nicht auf :)
Eine Alternative ist sicherlich Anästhesie, auch wenn man da im 1. Jahr nicht unbedingt in die Schockraumversorgung eingebunden ist.
Heerestorte
21.03.2024, 18:32
Bitte nicht schon wieder diese Diskussion...
Dragonheart
21.03.2024, 20:04
In einer ähnlichen Situation bin ich aktuell auch, bin daher sehr froh über den Austausch.
Bin seit kurzem im 3ten WBJ. Hab ein Jahr Innere (vor allen im Rahmen vieler Nächte in der Ambulanz) gemacht und bin seit einem Jahr in der Psychosomatik. Im Sommer steht der 80 Stunden Kurs an.
Eigentlich war es mein Plan danach / ab Herbst in die Anästhesie zu wechseln für die 6 Monate für die ZWB und danach die 2 Jahre in der Praxis zu machen.
Joa, natürlich doch schwieriger als gedacht... mache meine Weiterbildung nicht über einen Verbund oder so. Bin aktuell in der Bewerbungsphase, die ersten beiden (quasi) Ablehnungen kamen schon... es bleibt also weiter spannend...
Bisher hatte ich mich eher auf Anästhesie fokussiert da die ITS in meinem ersten Haus, zumindest für mich persönlich, der worst case war.
Ich hatte meine ZB Notfallmedizin vor meiner ITS Rotation und muss sagen, dass ich da retrospektiv mit unzureichenden Kenntnissen in die Dienste gegangen bin. Ich mache seit 2017 etwa 2-3 NEF Dienste pro Monat und dass meiste sind wirklich Lappalien.
Analog zu der Krankenhausdiskussion ist es extrem wichtig Wissen und Fertigkeiten vorzuhalten. Was mir auf jeden Fall wirklich viel gebracht hat sind Kurse wie ACLS, PHTLS und PALS. Bis auf die Jahre '20 und '21 habe ich zusätzlich regelmäßig in der Anästhesie Intubationshospitationen gemacht.
Immerweiter90
22.03.2024, 05:46
Ich hoffe, ich kann dir helfen. Bin Facharzt für Anästhesiologie und Allgemeinmedizin und fahre seit 6 Jahren NEF.
Also ZNA ein Jahr finde ich zu viel, die meisten Patienten sind wegen unnötige Sachen da, für Allgemeinmedizin brauchst du das sowieso nicht. Du bist jetzt am Anfang noch von der Medizin interessiert und begeistert, das geht bei 90% der Leute in der ZNA nach 4 Monaten verloren. Es geht das eher um schnell Patienten fertig zu machen, abzuarbeiten, schnell hoch auf der Station oder entlassen. Häufig undankbare Patienten oder Kollegen, wenn du bei der Übergabe nicht alles fertig gemacht hast.
Mach lieber 6 Monate ITS und 6 Monate ZNA. Auf ITS kannst du besser ein paar Sachen einschätzen wie (SM Indikationen, Notfalldialyse Indikation, respiratosche Insuffizienz, Indikationen zu NIV Therapie und frühzeitig mit NIV anzufangen, um einen ITN zu vermeiden) nur als Beispiele. Dann kannst du als Notarzt besser bei der Anmeldung einschätzen brauche ich einen Schockraum und ITS oder reicht ZNA und normale Station wenn die ITS abgemeldet ist. Das wird häufiger vorkommen als du denkst. Ich würde sagen 80% der Allgemeinmediziner, die in unserem Region NEF gefahren sind waren leider sehr schlecht, aber dafür dachten sie dass sie echt gut waren, und haben mindestens 3-4 Dienste im Monat gemacht. Der ein HA hat zu oft intubiert, natürlich nie NIV. Zu viel Narkose dass die Patienten IMMER mit Nor- und Dobutamine Persfusor ankamen. Bitte sei nicht so ein Notarzt.
ehem-user-19-05-2025-1430
22.03.2024, 06:29
@threadersteller denk lieber selber nach jnd zieh dein ding durch, hör nicht zu viel auf neinsager. Ist einfach diese deutsche Mentalität konkurrenz über Abwertung statt über eigene Leistung zu leben! Anästhesisten fühlen sich in mekenr Beobachtung häufig gekränkt dass ihre ohne Zweifel hohe Kompetenz im notarztwesen keinerlei finanzielle und auch nur moderate ideele Anerkennung findet "weil ja jeder schmalspurmediziner auch notarzt fahren darf und Patienten gefährdet bla".
@threadersteller denk lieber selber nach jnd zieh dein ding durch, hör nicht zu viel auf neinsager. Ist einfach diese deutsche Mentalität konkurrenz über Abwertung statt über eigene Leistung zu leben! Anästhesisten fühlen sich in mekenr Beobachtung häufig gekränkt dass ihre ohne Zweifel hohe Kompetenz im notarztwesen keinerlei finanzielle und auch nur moderate ideele Anerkennung findet "weil ja jeder schmalspurmediziner auch notarzt fahren darf und Patienten gefährdet bla".
Deine Mentalität und auch deine Beobachtungsgabe sind aber auch sehr interessant.
Mit der Erfüllung der formalen Voraussetzungen und Bestehen des Fachgesprächs darfst du als Notarzt tätig werden. Im Prinzip ist die Selbsteinschätzung maßgebend. Bei 100 Einsätzen sind vielleicht 5-10 Einsätze kritisch. Aber ich glaube der Anspruch sollte nicht sein, 95 Einsätze gut und die entscheidenden 5 Einsätze weniger gut zu meistern.
Und als regelmäßig tätiger Notarzt erarbeitet man sich auch einen Ruf bei den aufnehmenden Kliniken.
Nach der neuen WBO meines Landes würde es offiziell tatsächlich auch ohne ITS gehen (bei 6 Monate Notaufnahme). Aber gerade deswegen wollte ich mich nach euren Erfahrungswerten erkundigen, da mir das auch etwas sportlich vorkommt.
Danke also für eure vielen Antworten und den regen Austausch! Im Prinzip scheint es ohne ITS-Zeit möglich zu sein, in der Anfangszeit ist sie aber sehr hilfreich/wichtig. Da kann ich bei der Stellensuche doch etwas gezielter darauf schauen.
@threadersteller denk lieber selber nach jnd zieh dein ding durch, hör nicht zu viel auf neinsager. Ist einfach diese deutsche Mentalität konkurrenz über Abwertung statt über eigene Leistung zu leben! Anästhesisten fühlen sich in mekenr Beobachtung häufig gekränkt dass ihre ohne Zweifel hohe Kompetenz im notarztwesen keinerlei finanzielle und auch nur moderate ideele Anerkennung findet "weil ja jeder schmalspurmediziner auch notarzt fahren darf und Patienten gefährdet bla".
Also du scheinst ja eindeutig nicht über deine eigene Leistung zu Leben :)
Nach der neuen WBO meines Landes würde es offiziell tatsächlich auch ohne ITS gehen (bei 6 Monate Notaufnahme). Aber gerade deswegen wollte ich mich nach euren Erfahrungswerten erkundigen, da mir das auch etwas sportlich vorkommt.
Danke also für eure vielen Antworten und den regen Austausch! Im Prinzip scheint es ohne ITS-Zeit möglich zu sein, in der Anfangszeit ist sie aber sehr hilfreich/wichtig. Da kann ich bei der Stellensuche doch etwas gezielter darauf schauen.
Wenn es nur die Anfangszeit wäre, wäre es schön. Das Problem ist, dass man beim selbstständigen Arbeiten ohne Feedback (durch einen Oberarzt, erfahrenen Kollegen) fast keine Lernkurve mehr hat. Man macht, was man für richtig hält und wiederholt die gleichen Fehler immer wieder. Ich bin Quereinsteiger Allgemeinmedizin und kann dir ein Lied davon singen, habe in eine Praxis mit wenig Supervision vor mich hin gewerkelt und wusste auch nie so recht, ob es jetzt richtig oder falsch war, was ich gemacht habe. Gefühlt konnte ich dadurch wenig lernen, Leitlinien etc. sind nur schwer auf die Realität zu übertragen, oft wird eine überbordende Diagnostik empfohlen, die man aus Regressgefahr nicht immer durchführen lassen kann. Kompensierende Fortbildungen kosten viel Geld und Zeit, Hospitationen noch mehr Zeit und teilweise wenig ergiebig. Was man in der Klinik verpasst, kann man nur schwer in der Praxis aufholen. Ideal wären schon 1 Jahr ITS. Man muss ja auch bedenken, dass man mit zunehmender Erfahrung mehr entscheiden darf und so auch sicherer in seiner Einschätzung wird. Die ersten Monate auf ne ITS wird man je nach Vorerfahrung auch mehr oder minder mitlaufen oder viele Rückfragen stellen müssen. Mit der Zeit als Hausarzt vergisst man sehr viel aus der Klinik (weil man es nicht mehr regelhaft macht). Um so öfter man es vorher gemacht, umso länger dauert es, bis man es wieder vergisst. Die eierlegende Wollmilchsau in der Ausbildung gibt es nicht. Lieber den eigenen Stolz während den Lehrjahren etwas zur Seite schieben um ausreichend gut ausgebildet zu werden. In 2,5 Jahre Innere wird man an einem kleinen Haus Normalstation, ZNA und 6-12 Monate Intensiv (wahrscheinlich im letzten Jahr alles wild durcheinander) organisieren können. Den Umgang mit einer ECMO wirst du ja nicht unbedingt lernen müssen. ITS brauchst du auch für den Schiffsarzt, wenn das für dich interessant wäre.
Zusammengefasst schadet eine ITS-Zeit nicht, es öffnet dir aber einige Türen.
Kampf-Muffin
22.03.2024, 18:42
@trenn
findest du denn die Pflichtklinikzeit in der Allgemeinmedizin generell zu kurz?
Wenn man in der Pflichtzeit "genug" gesehen hat, reicht sie aus. Im ambulanten Bereich ist die Pretest-Wahrscheinlichkeit so gering, dass man schwere Erkrankungen nur selten sieht. Ich glaube, ich habe während meiner drei Jahren ambulanter Arbeit vielleicht drei sichere Rheumatoiden Arthtritiden neu diagnostiziert und entsprechend wenig Erfahrung mit der Einstellung auf MTX sammeln können. Auf ne Nephro/Rheuma sieht man die gleiche Zahl in ne Woche. Gleiches wie Neuritis vestibularis. In der Klinik jeden zweiten Neuro-Dienst einen gehabt, in der Praxis 1*/Jahr. Dafür viel mehr Lappalien und Befindlichkeitsstörungen. Wäre aber nicht schlimm, die 1000. Befindlichkeitsstörung nicht während der Weiterbildung gesehen zu haben, bei sowas kann man auch während der Tätigkeit als Niedergelassener genug Behandlungsstrategien entwickeln (Stichwort komplementäre Medizin). Man sollte schon probieren, die Zahlen während der Klinikzeit irgendwie voll zu kriegen (Sonos, LZ-EKGs, ggf. für Private Echos lernen). Und wenn's halt länger dauert, dann dauert es halt länger....
Dragonheart
12.05.2024, 17:34
Hätte eine Frage... bald steht der Kurs an, danach geht es daran die Fahrten zu sammeln.
Gibt es hierfür einen Standard Vordruck für die Dokumentation der Fahrten? Oder wie läuft das am besten?
Heerestorte
12.05.2024, 18:31
Hätte eine Frage... bald steht der Kurs an, danach geht es daran die Fahrten zu sammeln.
Gibt es hierfür einen Standard Vordruck für die Dokumentation der Fahrten? Oder wie läuft das am besten?
Meist gibt es da von der zuständigen Landesärztekammer ein Logbuch und die jeweiligen Bescheinigungen für die Weiterbilder zum unterschreiben.
Dragonheart
12.05.2024, 18:56
Meist gibt es da von der zuständigen Landesärztekammer ein Logbuch und die jeweiligen Bescheinigungen für die Weiterbilder zum unterschreiben.
Für Nordrhein habe ich trotz intensiver Suche nichts gefunden. Es gibt ein ELogbuch ja, hier kann man die Weiterbildungsabschnitte und inhaltliche Dinge bescheinigen lassen (wobei sich bisher jeder Weiterbilder geweigert hat die dort aufgeführten Dinge zu bescheinigen, anderes Thema). Aber die 50 Praktikumsfahrten kann man dort nicht dokumentieren.
Du lässt dir einfach von jedem Einsatz, den du mitgefahren bist, ein Notarztprotokoll ausdrucken. Da muss dann aber auch dein Name mit draufstehen. Zumindest bei mir (auch NRW) wurde das selbstverständlich direkt so gemacht ohne das ich aktiv danach fragen musste. Kenne das auch noch aus meinen NEF-Fahrer-Zeiten in RLP so, dass man für die Notarztanwärter immer ein extra Protokoll druckt.
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