PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Redet's mir aus!!



Seiten : 1 [2]

TiniX
02.02.2004, 14:08
Hi Uncle Tom, es tut mir leid, aber ich kann kein Argument gegen dein Studium finden. Hätte ich diese finanziellen Probleme nicht würde ich es sofort studieren. Also kannst du sehr glücklich sein diese Freiheit zu haben!!! Überlege dir nur was passiert wenn du das Medizinstudium nicht durchziehst. Kannst du dann zurück in deine Selbstständigkeit oder gibst du sie erst gar nicht auf? Wenn dich eine Niederlage also nicht in den Ruin stürzt und es dich nicht stört, dass deine Vorgesetzten im Krankenhaus jünger sein werden als du - mach es doch.


Und dann noch eine Frage an Aesculap: Bist du Heilpraktikerin? Erfüllt dich dieser Beruf nicht? Oder warum willst du noch das Medizinstudium draufsetzen? Ich denke ja auch an eine Ausbildung zur Heilpraktikerin, da ich es nebenberuflich machen könnte. kannst du mir diesbezüglich was raten? Kennst du eine gute Schule in Köln?

Liebe Grüße, Tini

Aesculap
02.02.2004, 15:41
@ Tinix: Doch, mein Beruf als Heilpraktier erfüllt mich sehr, so sehr, dass ich unbedingt noch mehr über die Medizin wissen will/muss. Mein Anliegen ist aber auch das Verbinden von Schulmedizin und Naturheilkunde und als Arzt hast Du da einfach einen grösseren Einfluss drauf. Als HP hört niemand auf Deine Recherchen oder Studien, den Arzt nimmt man da schon ernster. Naja, und ich möchte gern den ganzen Tag über mit Patienten arbeiten und nicht nur gelegentlich 'Doktor spielen'. Ich bin jetzt seit einem Jahr dabei und habe schon sehr viele Patienten, aber, wie im übrigen auch alle anderen Kollegen, muss ich mehrere Jobs haben, um mich zu finanzieren. Auf Dauer kann das sehr anstrengend werden. Laut Statistik gibt es in Deutschland 25000 HP, aber nur 8000 üben diesen Beruf in Vollzeit aus. Noch weniger können davon leben... Eine gute Schule in Köln ist die Thalamusschule. Wenn's Dich interessiert sag ich Dir gern, worauf Du bei der Schulwahl achten solltest (bin ja selber Dozentin, aber in Düsseldorf)
@Uncle Tom: was meine Vorschule angeht werde ich mir einen Ersatz besorgen und hoffen, dass dann noch ein bischen Geld für mich übrig bleibt. Wenn es mit dem Studium nicht klappt, kann cih die Schule ja weiterleiten. Die Praxen werde ich nicht aufgeben, die sollen mich während des Studiums zum einen ein wenig ernähren und zum anderen will ich ja weiter Erfahrungen mit Patienten sammeln, bzw. kann dann mein 'neues' Medizinwissen gleich meinen Patienten zugute kommen lassen!
Aesculap

TiniX
06.02.2004, 12:39
Aesculap, weißt du, ob man mit einem abgeschlossenen Medizinstudium in einer Heilpraktikerpraxis praktizieren darf (ohne Facharzt meine ich) und auch verschreibungspflichtige Medikamente verschreiben bzw. verabreichen darf? Also ob man damit mehr Möglichkeiten hat? Habe mal bei einem HP Verband nachgefragt. Dort wurde mir gesagt, dass einem dann als Arzt die Approbation entzogen werden könnte und man sich halt entscheiden müsste. Entweder Arzt oder HP.Habe mich schon ziemlich sicher für eine Ausbildung zur HP entschlossen, da ich einfach viel schneller in die Praxis komme und nicht erst eine Krankenhauslaufbahn mit Facharzt machen muss. Wie hast du das vor? Erst Facharzt und dann eine Praxis mit Naturheilverfahren? Kannst du mir evtl auch mal erzählen welche Möglichkeiten und Grenzen man las HP hat? Ich möchte später meine Patienten nicht ständig zu einem Arzt schicken müssen, weil ich überall in der Behandlung Grenzen habe.
Gruß Tini

Aesculap
06.02.2004, 13:45
Hi Tinix,

(zweiter Versuch, die andere Nachricht wurde wohl gerade verschluckt). Also es scheint in der Tat verboten zu sein, beide Berufsbezeichnungen zu führen (also Arzt und HP), man muss sich für eins entscheiden (warum auch immer???). Falls Du rausfinden solltest, dass man auch ohne den Facharzt eine Naturheilpraxis eröffnen darf, sag mir bitte Bescheid, dass interessiert mich auch sehr, da nicht nicht so gern im Krankenhaus arbeiten möchte (bin ja schon mein eigener Chef). Ich wäre halt gern Hausarzt mit Schwerpunkt Naturheilverfahren.
Was die Grenzen angeht: Du darfst keine Erkrankungen behandeln, die unter das Infektionsschutzgesetz fallen (z.B. Cholera, Diphterie, Typhus, Tbc, HIV, Windpocken... § 6,7, 34 und 24 sind die entscheidenden für den HP, am besten schaust Du mal nach). Ansonsten darfst Du keine Werbung machen für Krebs ('Geschwulsterkrankungen' ganz genau), Herz-Kreislauferkrankungen, Bluterkrankungen und noch ein paar andere (Heilmittelwerbegestz). Das heisst nicht, dass Du diese Krankheiten gar nicht behandeln darfst, Du darfst aber dafür nicht werben (hat etwas mit Irreführung zu tun und dass die Leute bei so schwerwiegenden Dingen lieber zum Arzt gehen sollen). Ausserdem darfst Du keine verschreibungspflichtigen Medikamente verschreiben bzw. damit behandeln und keine Narkosen durchführen (OP's wären generell möglich, aber dann eben nur ohne Narkose, dafür vielleicht mit Akupunktur?! ;-) Und in der Mundhöhle darf man nicht behandeln, dafür gibt's ja den Zahnarzt, keine Babies zur Welt bringen (nur in Notfällen), keinen Tod feststellen und keine Leichenschau abhalten... Wann schicke ich den Patienten zum Arzt? Wenn er eine Untersuchung (Blut z.B.) dort billiger bekommen würde, wenn ich der Meinung bin, dass sich das ein Kardiologe, Neurologe etc. anschauen sollte, da ich u.a. nicht über geeignete Geräte verfüge (auch nicht über so spezielles Fachwissen) oder auch mal, um mich abzusichern.
Ich hoffe, dass hilft Dir. Wenn Du noch Fragen hast, dann bitte gern!
Gruß
Aesculap

TiniX
06.02.2004, 16:01
Hallo!
Vielen Dank, du hast mir damit schon sehr geholfen. Meine Gedanken routieren im Moment nämlich um die Entscheidung Medizinstudium oder HP Ausbildung. Genauer gesagt muss ich mich nächste Woche entscheiden, da ich mich sonst in Medizin exmatrikulieren muss. Hab ja wie gesagt den Platz aber bin noch nicht angefangen. Wie ist überhaupt deine Erfahrung mit deiner Umwelt? Wie reagieren sie darauf, wenn du sagst, dass du HP bist? Musst du dir Sprüche anhören in Richtung "Heilpraktiker sind Quacksalber" oder erntest du eher Zuspruch und Bewunderung wie ein Arzt? ich finde also, dass sich der Beruf des Heipraktikers äußerst interessant anhört. Habe aber Angst, dass es letztendlich nichts Halbes und nichts Ganzes ist. Wie du schon sagst: Man kann schlecht davon lebenetc. Ich möchte nämlich eher gar nicht mehr als Lehrerin arbeiten müssen. Den Job will ich so schnell wie möglich an den Nagel hängen. Hast du einen Rat?
Liebe Grüße

Yolène
06.02.2004, 18:02
Original geschrieben von TiniX
Hallo!
Musst du dir Sprüche anhören in Richtung "Heilpraktiker sind Quacksalber" oder erntest du eher Zuspruch und Bewunderung wie ein Arzt?

Arztwunsch aufgrund Zuspruch und Bewunderung. Ich hoffe doch, dass ist einer der unwichtigeren Pluspunkte, Arzt werden zu wollen.

:-meinung Respekt gegenüber Ärzten aufgrund ihrer Kompetenz - auf jeden Fall für jeden Arzt wünschenswert. Bewunderung aber von wem? Von Leuten, die dümmer, kränker, ärmer sind?

Medusi
06.02.2004, 19:27
Seit ich gelesen habe, Du lebst in Niedersachsen, war alles klar - wegen dieser Zugangsprüfung ... die mache ich nämlich in 4 Wochen ... und zur Meinung der Professoren: ich habe mittlerweile mit 4 Dozenten gesprochen, die der Ansicht sind, sie nehmen gerne jemanden, der weiss, was er will.
Also: solltest du noch immer nicht abgeschreckt sein (mein Mann studiert an der MHH im 9. Semester - ich erlebe also hautnah, worum es geht und wills machen), guck einfach auf meine Infoseite http://www.z-pruefung.de.vu zu dieser Prüfung
Wenn Du es Dir ausreden lässt, wirst Du dich irgendwann ärgern, es nicht versucht zu haben.

Oh ... in 4 Monaten werd ich auch 37 ;-)

Ach und Heilpraktiker: ich kenne mittlerweile 4 Leute, die erst die Ausbildung zum Heilpraktiker gemacht und dann das Medizinstudium begonnen, bzw. angestrebt haben - mach keine halben Sachen - Du bist doch ein ganzer Kerl? *ggg*

TiniX
06.02.2004, 20:26
Natürlich ist das mit dem Zuspruch als Heilpraktiker oder Arzt für mich kein Grund, aber schließlich haben viele Leute dieses Klischeedenken und gehen eben nicht zum Heilpraktiker. Ich habe zu Hause selbst einen Arzt und weiß, dass es keine Götter sind...Wenn ich also erfolgreich eine Praxis als HP eröffnen will brauche ich Patienten die mir vertrauen. Ist für mich also interessant zu hören, wie die Gesellschaft mittlerweile auf den Beruf des Heilpraktikers reagiert und eher bereit ist einen HP zu besuchen.
Okydoky?

Yolène
07.02.2004, 08:14
@TiniX: Schon klar ;-)

Eine Freundin von mir ist Krankenschwester und hat sich während der Ausbildung an einem anerkannten Institut noch zur HP ausbilden lassen. Jetzt hat sie alle Prüfungen bestanden und gemerkt (na ja gemerkt hat's sie's wohl früher, sagen wir sie hat es sich endlich eingestanden), dass sie wohl sehr sehr lange Zeit nicht von der alleinigen HP-Arbeit leben wird.

Sie studiert jetzt Grundschullehramt und ist glücklich damit.

In meine Augen ist HP auch etwas halbes. Ich kenne bisher nur sehr wenige Leute, die den HP so ernst nehmen wie einen Arzt, und es sind häufig chron. kranke Menschen, die die Naturheilkunde als ihre letzte Chance sehen.

Ich persönlich geh' lieber zu einer Ärztin, die zudem noch Naturheilkunde und Akupunktur macht. Irgendwie vermittelt der Begriff "Arzt", dass er im Notfall auch die "härteren" Sachen nimmt. Bei HPs hätte ich immer Angst, dass sie noch länger herumdoktern.
Das mag ein Klischee sein, aber viele Leute sind sicherlich ähnlicher Ansicht.

Aesculap
09.02.2004, 16:04
@ Yolene und Tinix: also der Trend geht schon sehr deutlich zur Naturheilmedizin und viele Patienten sehen im HP die 'Rettung' eben weil viele Ärzte ihnen nicht helfen konnten. Ich habe sehr viele chronisch Kranke in meinen Praxen und ich kann zumindest ihre Lebensqualität verbessern und die Beschwerden verbessern- etwas was die ganzen Ärzte, die sich davor einen meinen Patienten 'versucht' haben, nicht geschafft haben. Bei Ärzten ist es nämlich leider auch ganz oft so, dass sie 'rumdoktorn' bevor sie den Patienten zum Spezialisten schicken. Klar, gibt es das auch bei den HP's, das hat schon sehr viel mit Eigenverantwortung zu tun und sich eingestehen, dass man hier selber seine Grenzen hat. Das können oft weder Ärzte noch HP's! Ärzte, die Naturheilverfahren anbieten, haben oftmals nur ein Wochenendseminar besucht, und dürfen sich dann auf ihr Schild 'Naturheilverfahren' draufschreiben! Das finde ich eine echte Sauerei, jeder Heilpraktiker weiss über sein jeweiliges Verfahren wesentlich mehr!!! Mir geht es aber auch so, wenn ich Patienten zu einem Kollegen, der z.B. Homöopathie macht, überweisen will, dass die mir allen Ernstes sagen, sie kennen einen Arzt, der das macht und der macht das sicher besser als der HP. Das nervt ziemlich, aber da ist die Lobby der Ärzte einfach größer, als die der HP. Trotzdem hängt es auch sehr von jedem einzelnen ab, wie er/ sie auftritt, ich werde von meinen Patienten sehr ernst genommen (sonst würden sie ja nicht wiederkommen bzw. mich weiterempfehlen) und wirke immer sehr kompetent (sagen die Patienten).
Vermutlich dauert es bei einem Arzt, der sich selbständig macht, auch einige Zeit, bis er davon leben kann, der Vorteil ist natürlich, mit dem Medizinstudium habe ich noch ganz andere Möglichkeiten (wie eben die Arbeit in einer Klinik- da rollt der Rubel dann schon von Anfang an). das schöne beim HP ist natürlich, dass man viel schneller praktische Erfahrungen sammeln kann. Eine Bekannte von mir ist im 5. Semester, hat das Physikum hinter sich, aber von dem Erkennen von Erkrankungen, Diagnosemöglichkeiten, Anamnese hat sie überhaupt keine Ahnung. Sie steht momentan im Krankenhaus wie der Ochs vorm Berge, wenn die Patientin ihr ihre Symptome schildern.
Also, wenn ich einen Studienplatz für Medizin hätte, würde ich diesen nicht sausen lassen. Die Option auf den HP bleibt ja bestehen!
Liebe Grüße
Aesculap