Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie am besten lernen in der Klinik?
Mirina3004
04.04.2024, 15:03
Hey an Alle!
ich bin nun in der Klinik angekommen und frage mich, wie ich mich am besten im laufe der Semester gut und sicher vorbereiten kann, um natürlich einmal die Klausuren aber eben auch das Stex 2 sicher zu bestehen. Vor allem im Hinblick und in Abgrenzung zur Vorklinik stelle ich diese Frage. Ich strebe jetzt jetzt keine 1 an xD, sondern vielmehr stressfreieres, langfristiges und effektives Lernen.
Während der Vorklinik habe ich nämlich an einigen Vorlesungen und Seminaren eher passiv "teilgenommen". In der Physikumslernzeit ist mir das dann ziemlich auf die Füße gefallen, weil ich einige Lücken angesammelt habe und während des Lernens deswegen sehr viel Stress hatte.
Welche Quellen empfiehlt ihr? Ich hatte überlegt nur mit Amboss + Vorlesungsfolien zu lernen. Ist das aussreichend oder sollte man sich noch Lehrbücher anschaffen? Wenn Lehrbücher, welche würdet ihr empfehlen?
Wie ist es mit der Gewichtung der Fächer? Wieviel Zeit sollte man in bestimmte Fächer stecken um möglichst gut durchzukommen? Z.B. war es ja in der Vorklinik so, dass man Physik auch mal getrost aussparen konnte. Gibt es jetzt auch noch solche Fächer, wenn ja, welche? :-D
danke schonmal !
Katastrofee
05.04.2024, 10:16
Hallo Mirina,
ich stehe kurz vor dem M2 und habe damit wohl das Gröbste überstanden. Meine Tipps wären:
- wenn du eine Doktorarbeit machen möchtest, kümmere dich möglichst bald darum. Es dauert immer lange und vor allem länger als man denkt. Während dem Studium kann man das aber sehr gut parallel abarbeiten, ohne sein Leben zu stark einzuschränken.
- Genieße die Zeit: ich hatte, Coronabedingt, seeehr viel Zeit in der Klinik und habe sehr wenig gelernt. Wenn ich mir jetzt aber meinen Freund oder andere fertige Ärzte anschaue, möchte ich diese Zeit, die ich in meine Hobbies und Freizeit investiert habe nicht missen. Ebenso mein Auslandssemester.
- Fürs Lernen würde ich dir Anki empfehlen: es gibt zwei Decks die sich am 100 Tage Lernplan orierentiere. Nimm eines davon und arbeite das jeweilige Fach parallel immer durch, wenn du es sowieso lernst für die Klinik. Bei mir kam es etwas spät auf, so dass ich nur etwa die Hälfte durchgearbeitet habe, ich fühle mich dadurch dennoch sehr gut auf das Examen vorbereitet (zumal die Durchfallquoten ja auch für sich sprechen.) Die Fragenverteilung kannst du dir im Internet anschauen. Wichtig sind v.a. Innere, Neuro (&inkl. Psych), Päd und Pharma würde ich sagen. Chirurgie-affinere Menschen würden mir vielleicht widersprechen ;)
Amboss und Folien sind absolut ausreichend. Die Klinik ist wirklich kein Hexenwerk
Hey Mirina,
herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Physikum!
Ich denke, dass es für dich gut sein könnte, dir klar zu werden, was du mit dem Studium erreichen möchtest. Welchen Anspruch hast du an dich, ist es dein absoluter Fokus, sind andere Dinge gleich wichtig oder wichtiger. Womit möchtest du deine Zeit verbringen?
Daran angelehnt möchte ich sagen, dass die Klinik auch immer noch zum sehr aufwändigen Medizinstudium gehört und eventuell in ihrer Art etwas weniger fordert aber dennoch einen extrem großen Umfang hat. Ja, Klausuren bestehen häufig aus Altfragen und im besten Fall interessiert dich der Inhalt mehr als in der Vorklinik, wodurch es dir leichter fällt.
Aber dennoch möchte ich den Spruch "In der Klinik wird alles besser." entkräften.
Finde deinen Weg, wie du mit dem Druck umgehst, dem dauernd gefordert sein, dem Leistungsanspruch der ganzen Kohorte und such dir deinen Platz.
Nein, du musst keine Doktorabeit schreiben.
Ja, du kannst Urlaubs- und Freisemester nehmen.
Ja, du kannst das ganze Programm in die Länge strecken, die einzelnen Semester dadurch entzerren und insgesamt gesünder und mit mehr Zeit für andere wertvolle Dinge des Lebens verbringen.
Sei mutig, es so zu gestalten, dass es für dich und deine Ressourcen passend ist!
Damit du dennoch eine Antwort auf deine explizite Frage hast:
- Ich habe alles mit Amboss gelernt. Damit habe ich mich im Lernplan nun total wohlgefühlt und mir kam vieles bekannt vor. Das war erleichternd.
- Manche Klausuren fordern spezielles Prof-Wissen. Da bieten sich natürlich die VL-Folien an.
- Erkundige dich, wie die Altfragenlast in den Prüfungen ist und lass das als Unterstützung zu den guten Noten in der Klausur nicht außer Acht.
- Was dann das konkrete Lernen für das M2 angeht, ist es das IMPP-Wissen, was abgefragt wird. Dafür wirst du im Lernplan gut vorbereitet. Es bleibt einwenig spannend, falls du ab 2025 schreibst, wie die Examen sich entwickeln, wenn die Fragen nicht mehr veröffentlicht werden...
Ich wünsche dir viel Spaß und vor allem Mut, es dir für dich passend zu gestalten. Vergiss nicht, dass du gerade wertvolle Jahre deines Lebens lebst und die wichtiger als der absolute Erfolg im Studium sein sollten.
Am Ende ist es eine sehr sehr subjektive Erfahrung...
Viele Grüße!
Das M2 ist nicht besonders schwer. Fast niemand, der sich normal vorbereitet, besteht nicht. Ganz grundsätzlich musst du dir also keine Sorgen machen.
In der M2-Vorbereitung sollte man die Fächer einfach so gewichten, wie sie in den gängigen kommerziellen Lernplänen gewichtet werden. Fürs M2 ist die Breite wichtig, nicht die Tiefe.
Im Unialltag hingegen ist die Gewichtung stark Uni-abhängig. Jede Uni hat ein paar leichte und ein paar schwerere Klausuren.
Amboss + Vorlesungsfolien ist sicher völlig ausreichend. Die meisten Unis haben ja auch viele E-Books, sodass man einzelne Themen problemlos im Detail nachlesen kann. Und es gibt ja auch ganz klassisch Unibibliotheken - sollte man auch nicht vergessen ;-)
Ich hab mir, wie die meisten Studenten, viel zu viele Bücher gekauft und die meisten davon kaum genutzt. In meinem Psychiatrie-Buch hab ich oft gelesen, da ich das Fach geil fand (bzw. finde :-))). Mein Pharmakologie-Buch war hilfreich, weil es den Stoff besser aufbereitet hat als die Vorlesungen. (Ist bei eher theoretischen Fächern ja oft so.) "EKG-Kurs für Isabel" ist sicher einen Kauf wert. Das Buch "Heidelberger Standarduntersuchung" fand ich recht hilfreich, da die klinische Untersuchung ja oft mehr schlecht als recht gelehrt wird.
Aber eigentlich musst du dir jetzt erst mal gar nichts kaufen, sondern kannst einfach ganz unbesorgt die entspannte Klinik-Atmosphäre genießen.
P.S.: Eine Psychiatrie-Famulatur kann ich dir nur nahelegen, da es einfach das beste Fach ist :-))
Mirina3004
14.04.2024, 13:35
Hallo ihr Lieben!
erstmal vielen Dank für eure Nachrichten mit den vielen Tipps! :)
Die ersten Wochen in der Klinik waren wirklich toll! Haha - ich bin wirklich sehr beeindruckt- ein Vergleich zur Vorklinik wie Tag und Nacht xD.
jetzt versuche ich mal auf die einzelnen Punkte einzugehen und meine Fragen zu stellen, die ich währenddessen hatte :)
kurz vorab, weil das vllt. auch relevant sein könnte: ich bin schon etwas älter (34j.). ich habe vorher schon eine Berufsausbildung im Labor und ein Studium (M.Sc.) abgeschlossen. Deshalb liegt mein Focus nicht mehr ganz so stark auf "feiern/party", ganz viele neue Menschen kennenlernen etc.pp.. Klar, ich habe Hobby's, möchte auch Menschen kennenlernen, Kontakte knüpfen, aber die ganzen Phasen während meiner anfang/mitte 20iger habe ich schon in meinem ersten Studium durch ;D. Klar habe ich immer noch wertvolle Lebensjahre vor mir, aber Karriere und Studium sind mir schon auserordendlich wichtig.
Über die Klausuren mache ich mir gar nicht so viele Sorgen, dass ich die nicht bestehen könnte. Ich will vor allem lernen, um eine gute Ärztin zu werden (no joke ;)), nicht nur, um die Klausuren zu bestehen. Medizin macht mir irrsinnig viel Spaß und ich gehe in dem Stoff und in dem Umfeld total auf (natürlich gibt auch die allg. Höhen und Tiefen, die es eben überall im Leben gibt).
Ich habe die Neigung - vor allem im Studium - perfektionistisch zu sein, weshalb ich mich gut und gerne in dem Stoff verliere (wie auch oft in der Vorklinik). Am Ende vorm Physikum bin ich ziemlich gut mit den Endspurt Skripten gefahren, auch, weil ich irgendetwas in der Hand brauche, um gut lernen zu können. Amboss ist zwar auch echt genial, aber mich stört es, dass ich die Inhalte nicht 3dimensional auf Papier vor mir liegen habe. Ähnlich ist es auch mit den Vorlesungsfolien, die ich auf meine ipad habe. Aus diesen mache ich mir meist Ankikarten. Aber auch hier wieder das Problem, dass alles digital ist und nicht habtisch vor mir liegt.
In der Vorklinik habe ich mir immer stundenlang ewig lange Zusammenfassungen geschrieben. Damit habe ich gut lernen können, aber ist unendlich aufwendig und eigentlich wollte ich davon weg kommen. Mit Anki habe ich immer wieder angefangen, aber ich habe das problem konsequent dran zu bleiben. Und wenn ich in meinem Notizen (dann auf Anki) mal schnell was nachschlagen will, stört es mich, dass ich das nicht in einem Ordner machen kann, den ich z.b. selbst sortiert habe. Habe auch das Gefühl, dass der Ort, an dem ich die Lerninhalte ablege, viel zum Lernen beiträgt. Also wenn ich zum Beispiel weiß, meine Inhalte zum EKG stehen in meinem Schrank links unten, im blauen Ordner auf der 4. Seite. damit lerne ich gefühlt besser, als wenn ich wahllose Ankikarten auf meinem Rechner habe. Kennt jemand das Problem? Aber ich weiß nicht, ob das trügerisch ist und ob ich nicht vllt doch warm werden könnte mit Anki, wenn ich konsequent jeden Tag (z.B. für 1Monat) mit Anki ausprobieren würde.
Habt ihr irgendwelche Erfahrungen mit den Endspurtskripten für die Klinik gemacht? Um das Problem ein bisschen zu lösen, habe ich mir nämlich überlegt, diese Hefte zu holen.
Und meint ihr, es ist nötig/sinnvoll die Kapitel vom Amboss Lernplan möglichst vor dem M2 während der jeweiligen Semester durchzulesen? Während der Physikumszeit habe ich manche Kapitel zum ersten Mal gelesen, was ich als sehr anstrengend empfand. Aber einige Inhalte scheinen gar nicht so relevant für die Klinik zu sein - so zumindest mein Eindruck in den ersten 2 Wochen.
@davo: Was genau begeistert dich an der Psychiatrie? Und wieso findest du, dass es das beste Fach ist? :-)
Liebe Grüße und nochmal vielen dank für Eure Antworten! freue mich drauf :)
Habt ihr irgendwelche Erfahrungen mit den Endspurtskripten für die Klinik gemacht? Um das Problem ein bisschen zu lösen, habe ich mir nämlich überlegt, diese Hefte zu holen.
Ich fand sie hervorragend. Ähnlich Amboss, aber halt mit dem Vorteil, dass sie auf Papier und in Fließtext sind. Haben viele meiner Kommilitonen während des klinischen Studienabschnitts verwendet. Ich selbst hauptsächlich zur M2-Vorbereitung.
Und meint ihr, es ist nötig/sinnvoll die Kapitel vom Amboss Lernplan möglichst vor dem M2 während der jeweiligen Semester durchzulesen? Während der Physikumszeit habe ich manche Kapitel zum ersten Mal gelesen, was ich als sehr anstrengend empfand. Aber einige Inhalte scheinen gar nicht so relevant für die Klinik zu sein - so zumindest mein Eindruck in den ersten 2 Wochen.
Nötig ist es ganz sicher nicht. Aber es kann sinnvoll sein. So ist sichergestellt, dass man von jedem Fach einen guten Überblick bekommt, mit einer IMPP-kompatiblen Gewichtung der Inhalte. Genauso wie es sinnvoll sein kann, sich schon frühzeitig mit den IMPP-Fragen zum M2 vertraut zu machen - das kann einem glaub ich durchaus einige Prozentpunkte im Examen bringen.
@davo: Was genau begeistert dich an der Psychiatrie? Und wieso findest du, dass es das beste Fach ist? :-)
Äußerst spannende Krankheitsbilder, die oft durch ein Zusammenspiel von genetischen Risikofaktoren, erlerntem Beziehungs- und Bewältigungsverhalten, lebensgeschichtlichen psychosozialen Belastungen ("allostatic load"), chronobiologischen Faktoren (Schlafmangel), neurophysiologischen Risikofaktoren (wie z.B. Drogenkonsum) und akuten psychosozialen Belastungen entstehen. Es gibt in der Medizin wohl kaum ein spannenderes Krankheitsbild als die Schizophrenie.
Umfassende Therapieansätze, von der Psychoedukation über die Pharmakotherapie und Psychotherapie bis hin zu biologischen Therapieverfahren und der Miteinbeziehung von Angehörigen in die Behandlung.
Krankheitsbilder, die nicht nur medizinisch behandelt werden müssen, sondern die oft auch Auswirkungen auf Familie, Beruf, Wohnen, Finanzen, usw. haben, weshalb man die Patienten sehr umfassend wahrnimmt und sich nicht nur isoliert mit dem medizinischen Teil der Erkrankung beschäftigt.
Eine Facharztweiterbildung, die auch eine psychotherapeutische Grundausbildung umfasst.
Patienten, die man oft langfristig betreut, in guten und in schlechten Zeiten, in Gesundheit und Krankheit.
Eine meist ausgesprochen kollegiale, unterstützende und positive Atmosphäre, sowohl im ärztlichen Kreis als auch mit den anderen Berufsgruppen.
Und zu guter Letzt auch eine absolut hervorragende Arbeitsmarktsituation, die einem eine enorme Vielfalt an Stellen, Settings und Arbeitsmodellen eröffnet.
Für engagierte Mediziner ein wirklich tolles Feld!
Mirina3004
05.08.2024, 16:54
r Davo,
danke für deine ausführliche Antwort. Meine Antwort kommt sehr spät, aber ich hoffe dennoch, dass sie dich erreicht :-).
Ich interessiere mich tatsächlich sehr für die Psychiatrie, aber auch sehr für die Psychosomatik.
Ich habe eine Frage an dich: Wie gehst du mit Entwertungen und/oder Abwertungen seitens der Ärzteschaft in Bezug auf das psychiatrische und psychosomatische Feld um? Ich erlebe nämlich immer wieder, dass skurrile und kuriose Vorstellungen bei den Ärztinnen und Ärzten bezüglich Psychiatrie und Psychosomatik exisiteren.
Hier nur ein paar Beispiele:
Folgendes hat sich ereignet: Ich habe eine Famulatur in der Gynäkologie gemacht. Eine angesehene Oberärztin hat mich während des Mittagessens gefragt, in welche Richtung ich später mal gehen möchte. Neben Gyn und Derma nannte ich ihr auch meine absoluten Favorieten: Psychiatrie und Psychosomatik. Ich erzählte ihr, dass ich die Krankheitsbilder der Psychosen und Schizophrenie sehr spannend und interessant finde und ich diese Richtung stark präferiere.
Daraufhin musste sie etwas schmunzeln und erzählte mir, dass sie früher immer nach dem Ausschlussprinzip vorgegangen sei, um für sich ihre Fachrichtung herauszufinden. An oberster Priorität stand für sie die Psychiatrie, mit der sie sich niemals beschäftigen wolle. Sie begründete das damit, dass a) alle Professoren und Lehrenden der Psychiatrie an ihrer Uni laut ihr sehr auffällig waren und sie b) selbst anfällig dafür sei, dann auch "etwas" zu bekommen, sprich geistig "krank" oder "verrückt" zu werden. Im Subtext kam für mich persönlich an, dass sie so etwas wie "anstecken" meinte- obwohl sie das explizit so nicht ausgesprochen hat. Sie schlussfolgerte dann, dass alle Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, selbst psychisch krank oder auffällig sein müssen.
Ich tue mich mit solchen Aussagen sehr schwer. Einmal zweifle ich dann am gesunden Menschenverstand der jeweiligen Ärzte und Ärztinnen und zum anderen ist es faktisch doch einfach falsch. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber das ist überall und in jedem erdenklichen Gebiet so.
Da habe ich eine sehr gebildete Ärztin vor mir sitzen, die schon so viel gesehen und gemacht hat, und trotzdem präsentiert sie mir ein solches Klischee als eine faktische Wahrheit, die sie nicht weiter hinterfragt. Es ist ja auch historisch bedingt, dass die Psychiatrie oder generell alle geistigen und seelischen Störungen/Erkrankungen stark stigmatisiert und gesellschaftlich entwertet und abgewertet werden. Aber dass das auch von Ärztinnen und Ärzten gemacht wird? Es gibt weltweit so viele Psychiater und Psychiaterinnen, die absolut klasse und großartige Ärztinnen und Ärzte sind. Und genauso gut gibt es narzisstische Chirurgen, depressive Radiologen, manische Orthopäden ... etc.
Dann wiederum höre ich regelmäßig von Kommilitonen Sätze wie: "Was, Psychiatrie? Das könnte ich niemals, da würde ich selbst verrückt werden." oder "Ich hätte total Angst, dass ich da auch etwas bekommen würde." bis hin zu "Das würde ich niemals aushalten mit so Verrückten."
Ich komme mit solchen Aussagen nicht klar, weil ich mich frage, ob diese Menschen auch nur eine Sekunde weiter oder um die Ecke denken. Da stehen diese Kommilitonen zum Beispiel in der Kardiologie und behandeln super adipöse Menschen, die wegen einer PAVK oder KHK oder ähnlichem dort sind. Aber die Adipositas kommt ja nicht von irgendwoher. In der Regel sind diese Folgeerkrankungen in unserer westlichen Wohlstandsgesellschaft meist Resultate gravierender Beziehungsstörungen (nicht nur, wie bei allem, aber sie spielen eine große Rolle). Aber warum wird bei solchen Entwertenden Aussagen nicht darüber nachgedacht?
oder die Kommilitonen arbeiten dann auf einer Infektiologie mit allen möglichen Viren und ansteckenden Infektionen. Und dann haben sie Angst vor der Psychiatrie? ^^
hast du sowas auch schon erlebt? und wie gehst du damit um? :)
danke dir!
Hallo Mirina,
die Frage ist, warum du mit diesen Aussagen "nicht klar" kommst, und dich "schwer tust". Warum? Falls du wirklich in die Psychomedizin gehen solltest, wäre es das Wichtigste, dass du insofern an dir arbeitest, dass du nicht andere Menschen für dein Befinden verantwortlich machst. Das nennt sich Therapie bzw. Selbsterfahrung, anderenfalls kannst du diese deine Störung an Patienten weitergeben, sie "infizieren".
Es ist keineswegs ein Klischee, dass die meisten Menschen, die in die Psychomedizin gehen, selbst mehr oder weniger schwer beschädigt sind - das heißt übrigens nicht, dass sie es in anderen Bereichen weniger wären. Und es heißt auch nicht, dass es nicht trotzdem sehr gute Leute in dem Gebiet gibt. Und schlimm ist es auch erstmal nicht - schlimm ist jedoch, das nicht zu erkennen und zu bearbeiten. Das kann sehr gravierende und gefährliche Folgen haben, die leider in der Psychomedizin weit verbreitet sind. Die steht quasi noch in der Vor-Semmelweis-Ära, wenn man es mal mit der Geburtshilfe vergleichen will. Ein Grund, warum es so wenige Erfolge in dem Gebiet gibt.
Gruß, rafiki
Mirina3004
05.08.2024, 18:29
Hallo Rafiki,
um direkt auf deine erste Frage zu antworten: Ich tue mich mit diesen Aussagen schwer, weil es sich meist um pauschalisierte und unangemessene Verallgemeinerungen handelt. Zusätzlich werden diese Verallgemeinerungen ohne Beweise, Belege oder Hinweise in den Raum gestellt, die die Behauptungen stützen würden.
Deine Antwort beginnt mit einer Unterstellung, dass ich andere Menschen für mein Befinden verantwortlich mache, ohne konkrete Beispiele oder Beweise zu liefern. Das ist nicht konstruktiv und basiert auf deiner Vermutungen. Könntest du mir bitte Beispiele aus meiner Nachricht nennen, wo du das vermutest bzw. gelesen hast? Ich habe geschrieben, dass die jeweiligen Aussagen xy Gefühle in mir auslösen, nicht, dass mein Gegenüber für meine Gefühle verantwortlich ist. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Die Aussage, dass "die meisten Menschen, die in die Psychomedizin gehen, selbst schwer beschädigt sind", ist eine unzulässige Verallgemeinerung von dir. Es gibt keine belastbaren Daten, die diese Behauptung stützen. Hast du Quellen oder Studien, die deine Behauptungen belegen könnten? Zum Beispiel: Viele erfolgreiche Therapeuten und Psychiater haben selbst keine psychischen Erkrankungen, sondern ein starkes Interesse daran, anderen zu helfen, und zusätzlich eine fundierte Ausbildung durchlaufen. Einige Therapeuten und Psychiaterinnen geben autobiografisch an, dass sie bereits seid kindheitstagen an sehr empfindsam und sensitiv gewesen seien, weshalb sie sich für diesen Bereich entschieden hätten (vergleiche dazu zum Beispiel Alice Miller, Irwin Yalom, Otto F. Kernberg etc.)
Der Vergleich der "Psychomedizin mit der Vor-Semmelweis-Ära der Geburtshilfe" ist unangemessen und irreführend. Die Psychomedizin hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht, und es gibt viele wirksame Therapieansätze und Behandlungserfolge. Beispiel: Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) oder die tiefe Hirnstimulation (DBS) von Helen Mayberg und andere evidenzbasierte Therapieformen haben sich als sehr effektiv erwiesen und sind gut dokumentiert. Könntest du bitte auch hier konkrete Quellen und Belege anbieten und nicht so schwammig bleiben? Das führt sonst nur zur Verwirrung. Danke.
Die Behauptung, dass es in der "Psychomedizin wenige Erfolge gibt", ist nicht korrekt. Es gibt zahlreiche Studien und Belege für erfolgreiche Therapien und Behandlungen psychischer Erkrankungen. Bitte führe Belege und Quellen an.
Bitte gehe auf folgende Fragen konkret mit Beispielen und Belegen ein:
1. Welche konkreten Beispiele gibt es, dass ich andere Menschen für mein Befinden verantwortlich mache?
2. Auf welche wissenschaftlichen Studien stützt sich deine Aussage, dass die meisten Menschen in der Psychomedizin selbst schwer beschädigt sind?
3. Welche spezifischen Entwicklungen und Erfolge in der Psychomedizin werden ignoriert, wenn man sie mit der Vor-Semmelweis-Ära vergleicht?
4. Welche Erfolge in der Psychomedizin wurden in den letzten Jahrzehnten dokumentiert und wie widersprechen sie der Behauptung, dass es wenige Erfolge gibt?
Es ist wichtig, dass Diskussionen über solche Themen wie die Psychomedizin auf Fakten basieren und respektvoll geführt werden. Persönliche Angriffe und unbewiesene Behauptungen tragen nicht zu einer konstruktiven Diskussion bei und können zu Missverständnissen und Vorurteilen führen. Deshalb bitte ich dich konstruktiv zu bleiben und wenn du Behauptungen aufstellst, diese bitte auch angemessen zu belegen. Danke.
Gruß Mirina
Mirina3004
05.08.2024, 18:38
Nachtrag:
Außerdem möchte ich dich bitten, meinen Nachrichtentext genau zu lesen. Denn ich habe nicht davon gesprochen, dass es das Phänomen der Übertragung/Gegenübertragung oder der projektiven Identifizierung etc. nicht gäbe. Ich habe auch nicht von der Selbsterfahrung, der Lehranalyse etc. gesprochen, die Psychiater/Psychosomatiker/Psychotherapeuten durchlaufen. Ich habe auch niemals davon gesprochen bzw. das Phänomen der "Infizierung" infrage gestellt, seitens des Therapeuten gegenüber des Patienten (wenn der Therapeut unbearbeitete Themen mit sich herumschleppt). Ich habe auch niemals die Wichtigkeit einer Selbsterfahrung/Lehranalyse in Frage gestellt.
Sondern ich habe von der gesellschaftlichen Stigmatisierung gegenüber der Psychiatrie/Psychosomatik/Psychologie/Psychotherapie gesprochen, die wohl auch in der Medizinerwelt existiert.
Skurrile und kuriose Vorstellungen über die Arbeit in anderen Fächern haben ja sehr viele Ärzte. Das lässt mich kalt. Und ich sehe das auch nicht primär als Entwertung oder als Abwertung, sondern einfach als Ahnungslosigkeit.
Psychisch kranke Menschen arbeiten in jedem Fachbereich der Medizin. Ich habe schon viele ärztliche Kollegen behandelt, und noch viel mehr ärztliche Kollegen erlebt, die eindeutig eine Behandlung bräuchten.
Ich glaub so eine gewisse irrationale Angst vor "Ansteckung" haben viele. Vielen Menschen macht die Vorstellung Angst, dass man "verrückt" werden könnte. Und man erlebt in der Psychiatrie ja tatsächlich immer wieder Menschen, die bis zu ihrer Erkrankung weitgehend psychisch gesund waren, und dann völlig aus der Bahn geworfen wurden. Das ist auch OK, dass man davor Angst hat, und das ist auch OK, dass man sagt, in so einem Bereich kann (oder möchte) man nicht arbeiten. Aber ich versteh nicht ganz, was daran entwertend sein soll. Es ist ja gut so, dass Leute, die davor Angst haben, oder die damit nicht klar kommen würden, diesen Bereich meiden.
Und ja, natürlich gibt es in der Psychiatrie viele Behandlungserfolge, und die Erfolgsquoten sind mit der somatischen Medizin durchaus vergleichbar. Also da würde ich nicht jede Wortmeldung auf die Goldwaage legen.
Es ist aber tatsächlich legitim, sich zu fragen, warum dir diese Aussagen so nahegehen. Denn das impliziert tatsächlich, dass dir auch kritische Aussagen von Patienten sehr nahegehen würden, und das könnte dann auch wirklich schnell zu Problemen führen.
Natürlich gibt es in der Psychiatrie fast niemanden, der nicht irgendwelche persönlichen oder familiären Themen hat. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass das in anderen Fächern ganz genauso ist. Der Unterschied ist also eher, dass man, wenn man in die Psychiatrie geht, eher bereit ist, hinzuschauen. Das kann manchmal dann auch etwas pathologisch werden, so in Richtung Nabelschau und Befindlichkeiten, dass zum Beispiel in Besprechungen über das, was in einem vorgeht, mehr gesprochen wird, als über das eigentliche Thema, aber meist finde ich, dass es sich im Rahmen hält.
Mirina3004
05.08.2024, 19:22
Danke für deine Perspektive!
Okay, ich versuche noch einmal genauer zu beschreiben, was ich daran entwertend oder abwertend fand.
Ich finde es selbstverständlich absolut okay, wenn Menschen klar machen, dass sie etwas nicht könnten und sich dann von dem jeweiligen Fachgebiet fernhalten. Meine Probleme beginnen jedoch, wenn die Oberärztin erklärt, nicht in die Psychiatrie gehen zu wollen, weil ihrer Meinung nach „alle damaligen Psychiater schwer auffällig“ seien. Dabei war sie selbst damals noch Studentin an der Uni. Was genau empfand sie denn als „auffällig“? Das hatte sie nicht weiter erläutert. Es bleibt sehr diffus und ein Mensch, der psychiatrisch tätig ist, wird einfach als „komisch“ beschrieben. Das sind wiederkehrende Narrative, die mir hier und da begegnen, subjektiv häufiger als anerkennende Worte gegenüber dem Fachbereich. Außerdem frage ich mich, inwiefern sich andere Menschen (in diesem Fall die Oberärztin) in der Lage sehen, zu beurteilen, ob und inwiefern jemand psychisch auffällig ist. Das finde ich anmaßend.
Sicherlich handelt es sich dabei auch um Ahnungslosigkeit, Unwissenheit oder Ignoranz. Aber seitens der Ärzte undn Ärztinnen würde ich mir da doch etwas mehr Substanz wünschen. Hast du da bereits ein dickes Fell oder eine so achtsame Weitsicht, dass du das immer gut abkönnen und als solches registrieren kannst? Kannst du zum Beispiel immer und überall - auch mit Stolz - von dir behaupten, dass du Psychiater bist, ohne abfällige Bemerkungen oder Missbilligungen zu ernten? Wie würden die Menschen wohl reagieren, wenn man nicht sagt „Ich bin Psychiater“, sondern „Ich bin Neurowissenschaftler“?
Mirina3004
05.08.2024, 19:40
Und um noch einmal auf diese Passage einzugehen:
"Es ist aber tatsächlich legitim, sich zu fragen, warum dir diese Aussagen so nahegehen. Denn das impliziert tatsächlich, dass dir auch kritische Aussagen von Patienten sehr nahegehen würden, und das könnte dann auch wirklich schnell zu Problemen führen."
Ich finde, da muss man unterscheiden zwischen:
a) einer Unterhaltung unter ärztlichen Fachpersonen, die sich auf Augenhöhe begegnen und sich medizinisch und beruflich austauschen,
und
b) einem meist leidenden Patienten, der in Not zu mir als Ärztin kommt und mit dem ich mich in einer professionellen, geschützten Situation befinde, die einen festgelegten äußeren Rahmen hat.
Nur weil mich Aussagen von meinen Kollegen beschäftigen und mich zum Nachdenken und Hinterfragen anregen, impliziert das nicht, dass "kritische" Aussagen seitens der Patienten mir "sehr nahe" gehen würden. Außerdem kann ich von meinen medizinischen Kollegen und Kolleginnen doch eine gewisse Reflexionsfähigkeit und Expertise in Bezug auf psychosoziale Entstehungen, Verwobenheiten und Entwicklungen voraussetzen. Von meinem Patienten, der großes Leiden mit sich bringt und sich in Not befindet, kann ich diese Reflexionsfähigkeit sicherlich nicht erwarten oder voraussetzen, weshalb ich damit anders innerlich und äußerlich umgehen würden.
Außerdem wäre es ja schlimm, wenn man sich als Psychiater nicht von den Aussagen seiner Patienten berühren lassen sollte. Auch hier ist es wieder die Frage des Umgangs, der Durcharbeitung, der Verarbeitung und der Einordnung solcher Geschehnisse.
Ich finde den Job, den ich ausübe, toll, unabhängig davon, wie jemand darauf reagiert. Jeder Mensch wird wohl irgendwann mal "abfällige Bemerkungen oder Missbilligungen" ernten. Der Radiologe ist kein richtiger Arzt, der Orthopäde ist dumm, der Internist hat zwei linke Hände, der Hausarzt hat von nichts so wirklich eine Ahnung... von so etwas darf man sich doch nicht beeindrucken lassen. Wer's gut findet, findet es eben gut, und wer nicht, der nicht. Ist ja auch völlig okay so.
Unter Neurowissenschaftler kann sich halt niemand was vorstellen - das klingt abgehoben und diffus. Sowas findet man schnell mal toll.
Und ganz grundsätzlich würde ich schon betonen, dass es auffällig (um dieses Wort gleich mal aufzugreifen) ist, wie sehr dir diese Äußerung der Oberärztin nahegeht. Wahrscheinlich hat sie damit einen wunden Punkt bei dir getroffen. Die Tatsache, dass du offenbar sehr stark von den anerkennenden Worten anderer abhängig bist, und es dir Probleme bereitet, wenn dir andere diese Anerkennung vorenthalten, passt da ja ins Bild.
Hallo Mirina,
dein Selbstbewusstsein scheint zumindest gut ausgeprägt zu sein. Erstaunlich. Als Student war ich eher zurückhaltend, fragend und beobachtend und habe nicht mit Bücherweisheiten um mich geworfen. Aber vielleicht ist das eine Generationenfrage.
Nach ca. 25 Jahren in der gesamten Psychomedizin kann ich mir aufgrund von Weiterbildung und sehr breiten Erfahrungen ein fundiertes Urteil erlauben.
Dir rate ich, erstmal im echten Medizinleben anzukommen und zu sehen, wie die real existierende Wirklichkeit an Patienten, Erfolgen und Mitarbeitern dort aussieht.
Gruß, rafiki
Mirina3004
06.08.2024, 16:06
@Davos:
Vielen Dank für die ungefragte Deutung aus der Ferne. Ich verbuche das jetzt mal als Enthemmungseffekt aufgrund der Anonymität des Internets und nicht als "Anfängerfehler" ;)
Das Ding ist: Ich finde die Psychiatrie/Psychosomatik sehr faszinierend und sie gehört zu meinen Favoriten, aber sie ist nicht mein einziger Favorit. Auch die Derma kann ich mir sehr gut vorstellen. Die Klischees in diesem Bereich sind bekanntlich ja nicht weniger ausgeprägt ^^. Ich würde nicht sagen, dass ich mich ausschließlich mit der Psychiatrie identifiziere oder ähnliches. Als die Oberärztin das sagte, habe ich mich persönlich jetzt nicht gekränkt oder angegriffen gefühlt.
Ich betrachte es eher aus einer gesellschaftlichen Perspektive. Es lässt sich nicht leugnen, dass psychische Erkrankungen und seelische Gesundheit in der Gesellschaft immer noch stigmatisiert werden. Auch wenn es Klischees (die Davos aufgezählt hat) über Allgemeinmediziner, Orthopäden etc. gibt, sind diese Fachbereiche allgemein gesellschaftlich anerkannter als die Psychiatrie. Es ist leider immer noch so, dass Menschen es leichter über die Lippen bringen, wenn sie sagen: „Ich habe mir das Bein gebrochen und muss zum Arzt“ als „Ich habe eine Depression und muss zum Arzt.“ Es gibt zahlreiche Studien und Literatur, die sich mit der Stigmatisierung und Abwertung des Fachbereichs der Psychiatrie befassen. Das, was die Oberärztin sagte, ist nur ein Beispiel von vielen und verdeutlicht die gesellschaftliche Dimension dieses Themas.
@Rafiki:
Es ist inspirierend zu lesen, wie langjährige Praxis und kontinuierliche Weiterbildung zu einem tiefen Verständnis führen können. Nun bin ich keine „klassische 23-jährige Studentin“ mehr, sondern mittlerweile 35 Jahre alt, Soziologin, verheiratet, Mutter zweier Kinder und lebe mit meiner Familie, einschließlich Hund, zusammen. Medizin ist mein Zweitstudium. Aber ich habe eine abgeschlossene Ausbildung als Laborantin, damals einige Jahre im Labor gearbeitet und war danach ein paar Jahre auf Reisen, um Sprachen zu lernen. Während meines Studiums habe ich mich viel mit Medizingeschichte beschäftigt und unter anderem einiges von Michel Foucault gelesen und geschrieben. Foucaults Arbeiten zur Psychiatrie und seelischen Gesundheit haben weitreichenden Einfluss auf die kritische Psychologie, Soziologie und die Geschichte der Medizin. Seine Analysen zeigen, wie eng medizinische Praktiken und gesellschaftliche Machtstrukturen miteinander verknüpft sind und wie medizinische Institutionen zur Durchsetzung sozialer Normen und zur Kontrolle von Abweichungen genutzt werden.
Foucault analysiert auch die Stigmatisierung von seelischer Gesundheit in seinen Arbeiten, insbesondere in Bezug auf die Psychiatrie und den Umgang mit psychischen Erkrankungen. Zum Beispiel beschreibt er in "Wahnsinn und Gesellschaft: Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft" (1961), wie Wahnsinn in verschiedenen historischen Epochen behandelt wurde. Er zeigt, dass die Wahrnehmung von Wahnsinn nicht nur durch medizinische Überlegungen, sondern auch durch soziale und politische Machtstrukturen geprägt ist. Wahnsinnige wurden nicht nur als Patienten, sondern auch als Bedrohung für die soziale Ordnung angesehen, was sich in der sozialen Ausgrenzung und der Behandlung als „anders“ oder „gefährlich“ widerspiegelt.
Dass solche Strukturen in der Gesellschaft bestehen, ist nachvollziehbar. Aber ich wundere mich, wie solche Einstellungen auch bei Ärzten, Ärztinnen und Medizinstudierenden vorkommen.
Vielleicht habe ich einen anderen Blick darauf? Aber ich habe Davos ja auch nach seinen Erfahrungen gefragt und mir wurde geantwortet.
xenopus laevis
07.08.2024, 10:33
Du hast gerade alle Klischees in meinem Kopf erfüllt. :-nix
Nimm das doch nicht so ernst und mach was dir Spaß macht. Für viele in meiner Umgebung bin ich auch nur der Bilderglotzer. Na und?
Kackbratze
07.08.2024, 11:00
Aber ich wundere mich, wie solche Einstellungen auch bei Ärzten, Ärztinnen und Medizinstudierenden vorkommen.
Echt? Als ob die Zulassung zum Medizinstudium die sozialen, ethischen und moralischen Grundstrukturen eines Menschen ändern würden.
Einfach mal die Corona-Zeit, das dritte Reich und Zeiten vor evidenced-based-medicine vergleichen und mal schauen, was so an Gemeinsamkeiten und Unterschieden existiert.
Will keiner machen, weil das Ergebnis könnte die Bevölkerung verunsichern.
Für mich ist das, was du da jetzt in deiner langen "Antwort" geschrieben hast, eher ein Versuch der Externalisierung.
Du hattest ein Problem mit den Aussagen dieser Oberärztin. Die haben dich, warum auch immer, getroffen. (Auch wenn du das jetzt in Abrede stellst.)
Und jetzt versuchst du, das Problem, das du ganz persönlich mit diesen Aussagen hattest (und hast), als Problem, das die Gesellschaft mit psychiatrischen Patienten hat, darzustellen. Es fällt dir also offenbar sehr schwer, dich mit dem auseinanderzusetzen, was in dir selbst vorgeht.
Ich finde es ehrlich gesagt sehr unwahrscheinlich, dass dich die Psychiatrie glücklich machen wird, wenn dich schon solche Kleinigkeiten so sehr irritieren.
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