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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Stellenchancen / Arbeitsalltag Augenheilkunde - als FA Allgemeinmedizin



MidrichX
08.04.2024, 12:20
Guten Tag!

Ich bin seit kurzer Zeit Facharzt für Allgemeinmedizin, habe aber schon ab ca. 2/3 der Ausbildung gemerkt, dass ich mich in dieser Arbeit langfristig nicht sehe, da es mir viel zu breit ist und ich ungern unklare Diagosen habe und "ins blaue hinein" behandle. Wollte den FA aber noch fertig durchziehen.

Seit dem Studium habe ich Interesse an der Augenheilkunde, hatte mich damals auf eine Stelle an der Uni beworben, diese allerdings nicht erhalten und dann einfach in der Inneren gestartet.

Nun habe ich kürzlich nochmal auf einer Augenabteilung hospitiert und muss sagen - das wäre voll mein Ding!

Meine Fragen wären nun:

1.) Nimmt mich als FA Allgemeinmedizin überhaupt noch irgendein Chef auf einer Augenabteilung? Habe weder Famulatur, PJ, Doktorarbeit in dem Fach vorzuweisen. Nur grundlegendes Interesse aus dem Studium, und die Hospitation, die mir gefallen hat. Mache mir da Sorgen, dass die sich wundern warum ich nicht viel früher schon mit dem Fach begonnen habe, wenn ich es denn so toll finde.
2.) Ich habe das Gefühl, dass die Stellensituation recht knapp ist, und es viele Bewerber und zum Teil Wartelisten gibt.
3.) Wie kann ich mir die Supervision auf einer durchschnittlichen Augenabteilung vorstellen? Auf der Abteilung, auf der ich Hospitiert habe hat ein Oberarzt JEDEN Patienten von ALLEN Assistenzärzten nochmal kurz mit begutachtet und dann sein OK gegeben - das fand ich super.
4.) Bringt es denn was meine fehlende Erfahrung in dem Fach durch eine 2-4 Wöchige Hospitation auszugleichen, und diese dann im Lebenslauf anzugeben?
5.) Steige ich beim Gehalt wieder bei Assi 1. Jahr ein oder ließe sich da evtl. was verhandeln?

Vielen Dank und liebe Grüße!

Espressa
08.04.2024, 13:10
Ich denke, Allgemeinmedizin ist eine super Ausgangslage und macht dich sicherlich attraktiv für den Arbeitgeber. Verkauf dich nur nicht unter Wert! Extra hospitieren musst du nicht.
Ja, in der Klinik wird eigentlich jeder Patient nochmal gesehen.

Es ist ein tolles Fach, wenn du Lust drauf hast, mach es! Bekommst bestimmt eine Stelle, so angespannt ist die Lage nicht mehr.

Feuerblick
08.04.2024, 14:50
Hmmmm…

1. Als Allgemeinmediziner bist du sicherlich sehr attraktiv für Arbeitgeber. Immerhin sind Augenärzte nicht gerade bekannt dafür, dass sie jenseits der Erkrankungen, die zumindest irgendwas mit Augen zu tun haben, nicht so wirklich bewandert sind. Ich fürchte, das ist heute noch genauso schlimm wie zu meiner Zeit.
2. Bist du örtlich flexibel? Oder nicht? Oder muss es zwingend die Uniklinik sein? Es gibt deutschlandweit sowohl Unikliniken als auch Maximalversorger, wo man Augenheilkunde prima lernen kann. Insofern sollte sich bestimmt ein Plätzchen finden. Bitte nicht zu Anfang in eine Praxis gehen. Das funktioniert zu Beginn der Weiterbildung nicht.
3. In der Klinik schauen tatsächlich die Oberärzte zumindest in der Ambulanz alle Patienten nochmal an. Stationär eher bei Aufnahme und Entlassung, wenn sonst nichts auffällig ist. Aber Achtung, das kann (je nach OA und Organisation) schon auch lästig sein, wenn man mit Patienten dasitzt, die schon seit Stunden darauf warten, dass der OA draufschaut.
4. Lass das mit der Hospitation. Für die Stellensuche ist das kein Argument. Und für den späteren Stellenantritt: Selbst Leute mit PJ in der Augenheilkunde können das alles nur rudimentär. Lies dich lieber in Krankheitsbilder ein, falls du eine Stelle bekommen solltest.
5. Kommt drauf an, wie und nach welchem Tarifvertrag das Krankenhaus bezahlt. Wenn da drinsteht „ab Approbation“, dann nicht. Wenn da was anderes drinsteht, dann kann es sein, dass du wieder in der Newbie-Stufe anfängst.

Das Fach ist toll, keine Frage. ABER: Schau dir auch mal den ambulanten Sektor an. Die wenigsten können in der Klinik bleiben und dafür muss man sich auch mal Gedanken gemacht haben, ob man den ambulanten Fließbandeinsatz so mitmachen kann und möchte auf Dauer.
Für mich war Klinik auch super (aber aus Gründen nicht dauerhaft möglich), die Praxisarbeit aber war für mich persönlich der totale Horror.

MidrichX
08.04.2024, 16:13
Vielen Dank für eure Antworten!
Ich Wohne leider in München, und meine Freundin hat hier ihren Top-Job und kann die nächsten 2-3 Jahre nicht weg.
Ich schätze mal die Chance was in Pendeldistanz zu finden dürften gering sein?
Ansonsten muss ich halt ganz wo anders hin und Fernbeziehung - wenns mir 100% taugt würde ich das eventuell sogar machen…

Feuerblick, das hatte ich in der Allgemeinmedizin aber auch… Bis zu 60 Leute am Tag gesehen, viele Leute mit Sonderwünschen à warum jetzt kein komplettes Labor/MRT?
In dem Fall gehe ich besser nochmal in die Augenarzt Praxis, sonst komme ich noch vom Regen in die Traufe.
Aber ich bin halt lieber für dieses eine, spannende Organ zuständig und kenne mich da Top aus.
Und wie als Allgemeinmedizer bei dem ganzen Stress eine Appendizitis beim Schulkind oder Myokardinfarkte (alles passiert, und zum Glück immer gut ausgegangen) zu übersehen, kann mir als Augenarzt wohl eher weniger passieren.

Feuerblick
08.04.2024, 17:22
Och naja, auch als Augenarzt kannst du Dinge übersehen, die für deinen Patienten weitreichende Konsequenzen haben. Sowohl direkte Augenerkrankungen als auch Erkrankungen, die am Auge sichtbar werden, aber internistisch oder neurologisch schwere Auswirkungen haben können.
Bis zu 60 Patienten/Tag waren bei mir in der Praxis normal. :-nix
München und Umland dürften doch ein paar Augenkliniken bieten. Einfach bewerben.

MidrichX
09.04.2024, 09:50
Da hast du natürlich recht! Und will die hohe Verantwortung eines Augenarztes auch gar nicht abstreiten. Mein Gedanke war nur, dass das Gebiet auf dem man arbeitet einfach übersichtlicher ist, und man sich da dann gut auskennt 😊
Danke jedenfalls für die Antworten.

ehem-user-19-05-2025-1430
09.04.2024, 15:41
Also statt 60 Patienten pro Tag und Reingewinn >250k einfach 40 patineten pro tag und reingewinn von 190k ? Selbstausbeuten wie blöd kann man sich in jedem Fach/Beruf ;P
selbst und ständig!

also my two cents falls es nr daran liegt.
Grüße :P

Espressa
09.04.2024, 19:20
Naja. Als tatsächlich selbständiger mit privatpatienten vielleicht.

Im Angestelltenverhältnis ist das Gehalt ja meist recht fix, und man muss abarbeiten was halt kommt. Und manchmal auch Wiederholer, hallo Quartalspauschale.

Letztlich gibts aber auch in diesem super-kleinen Fach noch so einige Subspezialisierungen. Und die echten Allrounder sterben aus, für kleine Kliniken ist es nicht mehr so leicht einen Chef zu finden, der alles kann. Chirurgisch sowieso, aber auch konservativ deckt kaum einer wirklich ALLES ab. Nur so als Gedanke, „super gut auskennen“ ist dann auch relativ.

ehem-user-19-05-2025-1430
10.04.2024, 13:27
Naja. Als tatsächlich selbständiger mit privatpatienten vielleicht.

Wir reden ja nicht von der Dialyspraxis....sondern der Hausarztpraxis...es dort zu schaffen "selbständig" zu werden ist schon erreichbar. Gesetzlich versicherte im HZV sind ähnlich attraktiv finanziell wie Privatpatienten.....also ist jetzt nicht soooo utopisch als niedergelassener hausarzt zu enden ;) klar muss man wollen wie alles andere auch....

freestyler
10.04.2024, 19:18
Als selbstständig niedergelassener Hausarzt sind auch >250k drin wenn man es gut anstellt. Augenarzt keine Ahnung.

konsti951
04.09.2024, 21:33
Als selbstständig niedergelassener Hausarzt sind auch >250k drin wenn man es gut anstellt. Augenarzt keine Ahnung.

Ja, fix. Ich gehe manchmal bei einem Hausarzt vertreten: 1 Arzt, 3 Pflege. 550k Umsatz Jährlich, davon Gewinn vor Steuern nach Abzug von allen Kosten inkl. Personal (er zahlt der Pflege und Ordiassistenz insg.200k für Gehälter) = 200k. Netto bleibt ihm ca 130k.
An sich ist es gutes Geld.
Kann jemand interessehalber Zahlen über eine gewöhnliche Augenordi teilen?

freestyler
05.09.2024, 17:17
Ja, fix. Ich gehe manchmal bei einem Hausarzt vertreten: 1 Arzt, 3 Pflege. 550k Umsatz Jährlich, davon Gewinn vor Steuern nach Abzug von allen Kosten inkl. Personal (er zahlt der Pflege und Ordiassistenz insg.200k für Gehälter) = 200k. Netto bleibt ihm ca 130k.
An sich ist es gutes Geld.
Kann jemand interessehalber Zahlen über eine gewöhnliche Augenordi teilen?

Er hat zu hohe Ausgaben. Vor allem die Personalkosten. Ich bin auch etwas über 500k Umsatz aber da bleibt deutlich mehr Netto übrig.

davo
07.09.2024, 11:45
Die Kosten sind tatsächlich enorm.