Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Psychische Belastung in der Klinik
ehem-user-19-05-2025-1430
12.05.2024, 20:24
Also so ist das auch nicht. Man kann entweder mit oder auch ohne Spezialisierung ziemlich schnell im ambulanten Bereich verschwinden. Oberarzt werden? Wozu?
Man macht den Innere FA und geht dann Angestellt in ein MVZ oder falls sich was findet eigene Praxis.
Oder man macht Innere FA plus Spezialisierung und lässt sich dann im MVZ anstellen oder gründet, sofern möglich und gewollt, was eigenes.
Ein allgemeininternist auf einem hausarztsitz arbeitet eben als ganz normaler Hausarzt der vielleicht etwas leidenschaftlicher candesartan ansetzt :D. Also im Falle des threaderstellers kann er dann bevor er psychisch dekompensiert früher abbiegen ohne irgendwelche Nachteile....so war das gemeint... Für die restlichen berufswege siehe vorheriger beitrag...
Wenn ich in deiner Situation wäre, würde ich mich primär mal zügig um einen Psychotherapieplatz kümmern. Vielleicht könnte auch eine Pharmakotherapie sinnvoll sein.
Und wenn man insgesamt eher wenig belastbar ist, sich Kritik sehr zu Herzen nimmt, usw., ist es IMHO sinnvoll, sich zu fragen, ob man bereit ist, die vielen Mühen der Inneren Medizin auf sich zu nehmen. Die Allgemeinmedizin, mit nur kurzer Pflicht-Klinikzeit, würde dir wahrscheinlich eher entgegenkommen. Auch nach dem Facharzt.
Aber das hängt natürlich stark von deinen Zielen und Wünschen ab. Was für eine Arbeitssituation würdest du dir denn in 7 Jahren oder in 10 Jahren wünschen?
Endoplasmatisches Reticulum
13.05.2024, 18:41
Ich frage nochmal blöd nach: Warum nicht Teilzeit? Auf 80% runter zu gehen bringt finanziell vergleichbar viel Unterschied fürs Monatsnetto wie manch ein Klinikwechsel alleine durch eine abweichende Dienstform oder Ausgleichsrechnung. Und das muss ja auch nicht für immer sein. Manchmal gibt es keinen Weg als durch, aber manchmal muss man auch einfach entschleunigen.
Tramaldol
13.05.2024, 21:20
Ich kann von dem Fach, wie gesagt nur abraten. Allein diese ziellosen endloslangen Visiten.
Die Dokumentation der Inneren Visite ist meist länger als die Bibel mit ähnlich fragwürdigem Inhalt. Oft Glaubenssache.
Ein Kollege ist von der Chirurgie zu den Internisten gewechselt und liebt es dass es sich nun ewig über jeden einzelnen Patienten Gedanken machen kann. Den vielen Kaffee den er trinkt. Dieses Konsile rausschreiben um alles abzuklären etc.
Feuerblick
14.05.2024, 06:26
Ich kann von dem Fach, wie gesagt nur abraten. Allein diese ziellosen endloslangen Visiten.
Die Dokumentation der Inneren Visite ist meist länger als die Bibel mit ähnlich fragwürdigem Inhalt. Oft Glaubenssache.
Nur weil dir das Fach nicht gefällt, kannst du doch nicht allen anderen davon abraten? Etwas merkwürdige Einstellung.
Ein Kollege ist von der Chirurgie zu den Internisten gewechselt und liebt es dass es sich nun ewig über jeden einzelnen Patienten Gedanken machen kann. Den vielen Kaffee den er trinkt. Dieses Konsile rausschreiben um alles abzuklären etc.
Auf der anderen Seite bin ich als HA sehr dankbar für solche Kollegen. Was für ein Akt es immer ist, einen bettlägerigen Patienten mittels Transport hin und zurück zum Facharzt zu bringen. Spart deutlich Ressourcen, wenn der Aufenthalt sich dadurch nicht verlängert muss....
Die Dokumentation der Inneren Visite ist meist länger als die Bibel mit ähnlich fragwürdigem Inhalt.
Etwas mehr Bildung, als solche Aussagen offenbaren, sollte ein Akademiker schon haben.
Danke für Eure Antworten und Ratschläge.
Ich bin jetzt mal bis nach Pfingsten krankgeschrieben und versuche etwas zur Ruhe zu kommen.
Unsere Sekretärin hat schon gefragt was ich habe. Ich habe ihr gesagt, dass ich das nicht sagen möchte. Kam glaube ich etwas pampig rüber, aber besser ging es in dem Moment irgendwie nicht. Stand eh schon unter Strom.
Ich hoffe ich kann mit meinem Psychologen meine Gedanken etwas besser ordnen und schauen wie ich weiter mache. Aktuell habe ich das Gefühl total in einer Sackgasse zu stecken.
Eigentlich mag ich die Innere Medizin und es interessiert mich auch kein anderes Fach so sehr. Ich habe aber schon länger daran gedacht mich vielleicht mal ganz weg vom klassischen Internisten zu orientieren. Aber ich finde es schwierig da irgendwie Anregungen zu finden, da die meisten halt schon in der Klinik oder in der Praxis arbeiten und man sich folglich kaum mit jemandem austauschen kann. Pharma möchte ich nicht und bei Versicherungen sehe ich mich auch nicht. Und eigentlich mag ich den Patientenkontakt sehr. Ich habe selten diesbezüglich wegen meiner Psyche eine Überbelastung. Es ist primär wirklich das "Drumherum".
Ich würde auch behaupten, dass ich grundsätzlich gut mit Menschen kann. Aber irgendwie bin ich schnell mal das Ego Opfer von irgendjemandem und wenn ich mich dann wehre rümpfen sie die Nase. Und dazu noch meine Chefin, die mich offenkundig nicht mag. Ich finde es sehr schwierig in so einem Umfeld zu arbeiten wenn man eh schon viele Probleme mit sich selbst hat.
Ich weis gerade einfach nicht mal, ob ich überhaupt ein guter Arzt bin oder werden kann. Ich habe das Gefühl alle um mich herum machen es besser und wissen mehr. Und die, die offensichtlich nichts können, können es besser überspielen. Und ich kann beides nicht und falle einfach durch.
Gut, dass du dich krank gemeldet hast und etwas runterkommen und dir Gedanken machen kannst. Denke, eine Pensumsreduktion ist für die Klinikzeit etwas, was du dir überlegen solltest, auch wenn ich weiss, dass es nicht immer gern gesehen wird. Arbeite selber 80% und der eine freie Tag extra ist Gold wert. Hat auch Mut erfordert, das durchzusetzen, war es aber wert.
Wie gesagt, das Gefühl zu schlecht zu sein bzw. Imposter-Gefühle zu hegen ist in dem Beruf, gerade mit nur ein Jahr Berufserfahrung, überhaupt nicht selten. Vergiss nicht, dass du fast noch Anfänger bist. Und arbeite in der Therapie dran :)
Tramaldol
14.05.2024, 23:00
Nur weil dir das Fach nicht gefällt, kannst du doch nicht allen anderen davon abraten? Etwas merkwürdige Einstellung.
Die meisten Leute schaffen es schon sich ihre eigene Meinung zu bilden, da habe ich keine Sorgen.
Etwas mehr Bildung, als solche Aussagen offenbaren, sollte ein Akademiker schon haben.
Hmm..und der Himmel ist blau.
Schon schlimm der Wahrheit ins Gesicht sehen zu müssen und so überspitzte Darstellungen sich anhören zu müssen.
Die nehmen eh jeden mit Kusshand, der sich den Quatsch antut.
Ein Kollege ist von der Chirurgie zu den Internisten gewechselt und liebt es dass es sich nun ewig über jeden einzelnen Patienten Gedanken machen kann. Den vielen Kaffee den er trinkt. Dieses Konsile rausschreiben um alles abzuklären etc.
Dann muss er sich sehr verirrt haben in der Chirurgie.
Naja so ein bisschen Vorurteile und überspitze Darstellung der Fächer mal ausspielen darf ja sein und ist durchaus amüsant. Nicht jeder Charakter passt zu jedem Fach.
Endoplasmatisches Reticulum
15.05.2024, 07:33
.....
eine langfristig tragbare Stelle am Wunschort
und das weiß ich eben nicht.
Ich hatte in meinem Leben bisher Stellen die eher chillig und wenig anspruchsvoll waren und andere die eher stressig und anspruchsvoll waren. Zur richtigen Zeit kann man im Leben das Eine gut gebrauchen, zu anderen Zeiten das Andere. Manchmal macht Teilzeit Sinn, dann wieder Vollzeit. Die Ansprüche ändern sich, das Leben ändert sich usw...
Wichtig ist dass man eine Stelle findet die in der aktuellen Weiterbildungs- / fachlichen Situation auch zur aktuellen Lebenssituation passt. Dann hat man gewonnen.
Endoplasmatisches Reticulum
17.05.2024, 09:53
.....
Kackbratze
17.05.2024, 16:07
Fachrichtungswechsel, Wechsel in die Industrie um von den Patienten/Kollegoiden wegzukommen. Es gibt genug Wege. Manchmal muss man sich nur umschauen, hier im Forum sind es ja zu 90% Empfehlungen die einer Person Wege aus der gefühlten Sackgasse zeigen sollen.
Klar, gefühlt sind es nur absolute Lösungen, aber man muss ja auch nicht zu jedem Bewerbungsgespräch hingehen oder man kann im Rahmen des Gesprächs die Konditionen checken und dann merken, was man wirklich will und Willens ist zu machen.
Tramaldol
17.05.2024, 16:49
Ehrlich gesagt ist es ein ziemliches Armutszeugnis auf Probleme bei der Arbeit direkt mit einer Kündigung zu reagieren. Und dem Forum gebührt kein Ruhm dafür, dass hier ununterbrochen immer wieder reflexartig eine Kündigung empfohlen wird. Schande!
Die Probleme müssen aufgearbeitet werden und sich dann noch einer Lösung umgeschaut werden. Kündigung kann nur der letzte Schritt sein. Nicht der erste!
Die neue Stelle bietet zu 100% auch Probleme, vllt noch gravierender. Und wer jedes Jahr oder halbe Jahr zu wechselt, gilt als 2. Wahl bei kompetitiven Stellen. Bei den Müll-Stellen, die eh keiner will, stört das keinen.
Das ist in der Theorie ein ganz netter Vorschlag, aber in der Praxis in diesem Fall halt nicht wirklich brauchbar.
Wenn du die Konstellation aus schwieriger Chefin und Assistenzarzt, der sich vieles sehr zu Herzen nimmt, hast, wird ein Gespräch wohl kaum etwas bringen, wird ein Stationswechsel wohl kaum etwas bringen, wird wahrscheinlich auch eine Pharmakotherapie nicht der Schlüssel zum Erfolg sein.
In so einem Fall ist es deutlich wahrscheinlicher, dass eine Kündigung das Problem tatsächlich effektiv löst, und begleitend wäre eben eine Psychotherapie sinnvoll, da wahrscheinlich ist, dass ähnliche Probleme im Leben schon öfters aufgetreten sind, und auch in Zukunft wieder auftreten werden.
Tramaldol
18.05.2024, 10:13
Man sollte das Gespräch schon vor der Kündigung suchen, ggfs. auch mit einem Oberarzt als Mediator und dann die Punkte diplomatisch anspricht.
Kann sein, dass die Chefin sich nichtmal draufeinlässt, es kann sein, dass sie es sich anhört und sie keine Einsicht hat/nicht fähig ist zur Selbstreflexion. Es kann aber auch sein, dass sie zumindest etwas versucht die Situation zu verbessern.
Wenn mans nicht mal probiert und den Leuten garkeine Chance gibt, hat man schon verloren und läuft von einer Stelle zur nächsten.
Endoplasmatisches Reticulum
18.05.2024, 11:14
Reibungspunkte sind in der Regel hinlänglich bekannt und oft Intention. Ich habe es in der Klinik in vielen Jahren noch nie erlebt, dass ein offenes Ansprechen kündigungswürdiger (!) Probleme irgendetwas verbessert hätte. Ganz im Gegenteil.
Man sollte das Gespräch schon vor der Kündigung suchen, ggfs. auch mit einem Oberarzt als Mediator und dann die Punkte diplomatisch anspricht.
Dafür braucht es aber auch eine gewisse Selbstreflexion.
Wir haben in unserem Assistenzarztbereich aktuell mehrere Kollegen die zufrieden sind und welche die deutlich unzufrieden sind. Und das kann man sich anschauen und sagen:
- bei einem ist es so dass er zu viele Aufgaben übernimmt für die er nicht zuständig ist und dadurch seine eigenen Leistungsgrenzen überschreitet. Daran ist nicht (nur) das System schuld.
- einer wiederum ist absolut unbelehrbar und unsensibel. Kann sich bei Übergaben die Namen der Patienten nicht merken, schreibt sie sich dann aber auch nicht auf, hält somit alles auf, alle sind genervt, spiegeln ihm das genervt sein wider, von ihm kommen auch maximal genervte Signale, somit hat auch keiner Bock ihm was beizubringen etc... schwierig.
- andere wiederum haben eine echt schlechte Einarbeitung bekommen und werden sehr viel alleine gelassen, sind dadurch an der Grenze zur Überforderung und somit unzufrieden
usw.
Wir haben quasi in einer Abteilung eine Kombination aus zufriedenen Assistenzärzten, weil das System eigentlich passt, Kollegen die sich selbst ins Aus schießen und Kollegen für die man was tun müsste. Und bei meinen Beispielen könnten der Dritte tatsächlich was erreichen durch ein Gespräch mit dem Chef in Richtung andere Einteilung. Den ersten Beiden könnte ein Gespräch auch helfen. Aber nur wenn der Chef auch kapiert was die eigentliche Ursache der Probleme ist und wenn sich auch die Kollegen ändern können/wollen.
Oberarzt als Mediator weiß ich nicht. So ein richtiger Mediator ist das meiner Meinung nach nicht, ein Oberarzt hat oft auch gewisse Eigeninteressen und eigene Vorstellungen. Bin selbst Oberarzt und weiß nicht wie neutral ich in einem solchen Gespräch wäre. Alleine da ich selbst mir ja auch schon meine Meinung zu dem entsprechenden Kollegen gebildet hab.
Mit einer Kündigung in der Hand zum Chef zu gehen um Dinge zu erreichen und wenn nicht dann kündigen ist auch keine gute Idee. Reisende soll man ziehen lassen. Und erpressen lassen sich Chefs in der Regel nicht.
Cor_magna
21.05.2024, 10:36
Oberarzt als Mediator weiß ich nicht. So ein richtiger Mediator ist das meiner Meinung nach nicht, ein Oberarzt hat oft auch gewisse Eigeninteressen und eigene Vorstellungen. Bin selbst Oberarzt und weiß nicht wie neutral ich in einem solchen Gespräch wäre. Alleine da ich selbst mir ja auch schon meine Meinung zu dem entsprechenden Kollegen gebildet hab.
Was sind denn so die Eigeninteressen und Vorstellungen aus Oberarztsicht?
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