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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zukunftsängste



Skyescraper
01.06.2024, 22:10
Hallo ihr Lieben,

mir ist bewusst, dass das Thema schon häufig hier besprochen worden ist. Allerdings bin ich gerade verzweifelt und befinde mich in einem ziemlichen Loch.

Ich habe gestern mein Medizinstudium bestanden. Eigentlich Grund zum Feiern, aber mir ist nicht nach Feiern zu Mute. Insgesamt habe ich das Studium mit einer 3,6 beendet. Meine Dissertation ist auch gescheitert. Ich hab wirklich nicht die besten Voraussetzungen in Bewerbungen.

Ich möchte unbedingt meine Weiterbildung in der Augenheilkunde anstreben. Dazu habe ich bereits ein Tertial in meinem Wunschkrankenhaus gemacht und es lief super dort! Das Team und ich verstanden uns gut und ich denke mal, dass sie von mir schon eine gute Meinung haben. Da habe ich mich schon beworben.

Nun möchte ich mich natürlich auch an anderen Krankenhäusern bewerben, am besten mit Möglichkeit zur Promotion. Dafür kommen ja nur Unikliniken oder große Häuser in Frage, oder? Örtlich bin ich relativ flexibel, ich lebe in NRW und eine Stelle möchte ich am liebsten in NRW beginnen. Aber ich bin total entmutigt, überhaupt mich für Stellen in der Ophthalmologie an Uniklinken zu bewerben.

Kann mir jemand von euch sagen, wie die Stellensituation in der Augenheilkunde aussieht? Hab ich mit schlechter Examensnote und keiner Diss überhaupt eine Chance an einem Uniklinikum oder Maximalversorger angenommen zu werden?

Feuerblick
01.06.2024, 22:43
Ich kann dir zur aktuellen Stellensituation an Unikliniken nichts sagen, aber: BEWIRB DICH!
Ja, es gibt immer die superduperexzellenz-Kliniken, die dich nur mit Supernoten und fertiger Diss nehmen. Aber es gibt auch genug andere. Und bezieh auch andere Maximalversorger mit ein. Zu meiner Zeit war die Stellensituation mäßig, meine Noten waren es auch und Diss hatte ich auch nicht. Bin dennoch an mehreren Unikliniken genommen worden.
Also bewirb dich deutschlandweit und du wirst was finden. Nur Mut!

davo
02.06.2024, 08:51
Du hast das Medizinstudium bestanden, dazu herzlichen Glückwunsch!!! :-top

Du hast IMHO keinen Grund zur Sorge.

An meiner Uniklinik gab es damals an der Augenklinik keinen einzigen Deutschen unter den Assistenzärzten (und ich glaube auch keinen mit abgeschlossener Promotion) - und die Assistenzärzte, die da waren, haben weder besonders motiviert noch besonders kompetent gewirkt. Selbst an den Unikliniken dürfe die Bewerberlage also eher suboptimal sein. An dieser Situation hat sich bis heute nur wenig geändert, und es gibt auch eine Oberärztin, die nicht promoviert ist.

Warum willst du eigentlich unbedingt die Promotion machen? Schränkt den Kreis an Kliniken ja doch ein.

Wenn du geographisch flexibel bist, wirst du garantiert etwas finden. Aber die Art und Weise, wie du dich bewirbst, wie du Kontakt aufnimmst, wird einen Unterschied machen. Wenn du als geprügelter Hund dort auftrittst, oh Gott, ich hab ja nur einen 3,6-Abschluss, oh Gott, ich hab ja keine Diss, oh Gott, ich bin so schlecht und alles ist so schwer, sind die Chancen, dass du so demotiviert und so negativ rüberkommst, dass du den Job nicht bekommst, natürlich vergleichsweise hoch. Wenn du hingegen selbstbewusst und motiviert auftrittst, du bist am Fach interessiert, du hast PJ-Vorerfahrung, du willst dieses Fach und kannst dich dafür begeistern, sieht es gleich ganz anders aus.

JAK1
02.06.2024, 09:27
Persönliche Erfahrung: Niemanden interessiert die Noten. Wurde ich bisher in keinem einzigen Vorstellungsgespräch gefragt.

Zilia
02.06.2024, 09:50
Hauptsache, Du bist jung und kannst arbeiten. Alles andere ist egal.

Skyescraper
02.06.2024, 17:08
Danke dir für deine Antwort! Du hast mir doch etwas Mut zugesprochen! :) Ich habe auch vor, mich jedenfalls in NRW breit zu bewerben und da auch eben städtische Kliniken mit einer Augenklinik einzubeziehen. Ich war gestern einfach etwas niedergeschlagen, nachdem sich in meinem näheren Umkreis viele beschwert haben, dass sie doch mit ihren Voraussetzungen keine Chancen hätten und das hatte dann doch sehr an mir genagt.
Aber stimmt, ich sollte mich einfach bewerben und sehen, was wird ohne direkt gleich schwarz zu sehen!

Skyescraper
02.06.2024, 17:18
Danke dir Davo!

ich möchte eine Promotion wieder anstreben, um es mir in erster Linie selbst zu beweisen, dass ich das Zeug dazu habe. Bei meiner alten Promotionsstelle gab es einfach zu viele Probleme, als dass ich sie jetzt aufzählen kann, und ich hab viel zu spät bemerkt, dass die Arbeit im Sande verläuft und musste die Arbeit kurz vor der M2 Prüfung abbrechen. Aber ich weiß, dass ich es kann!

Und ja, ich klang gestern extrem depressiv, das war der Gesamtsituation zu schulden :) Aber du hast recht, ich sollte mich wieder aufraffen und selbstbewusster sein! Immerhin ist das Studium endlich geschafft und ich habe richtig Bock auf Augenheilkunde udn auf die Arbeit in der Klinik! :D

Skyescraper
02.06.2024, 17:19
Gut zu wissen, danke JAK1! :D

Skyescraper
02.06.2024, 17:20
Klingt ziemlich gut, danke Zilia! :D

Feuerblick
02.06.2024, 17:33
Ich kann dir nur empfehlen, dich darin zu üben, bei kleinen gefühlten (!) Misserfolgen dich nicht gleich komplett in Frage zu stellen. Das Leben als Arzt hat auch in der Augenheilkunde Misserfolge, Stolperfallen und das ein oder andere Problem. Dann aufstehen, Krone richten, weitermachen. Muss man lernen, ist aber hilfreich. Viele Dinge sind für andere nicht so dramatisch wie man selbst annimmt.

Moorhühnchen
02.06.2024, 17:41
Oh, und dieses post-Examens-Loch kennen glaube ich einige! ;-)
Das Studium, das soooo eeeeewig erschien, ist plötzlich zuende und vielleicht nicht mit dem erwünschten Ergebnis.

Aber who cares! :-)
Erstmal alles verdauen und dann weitermachen!

freestyler
02.06.2024, 19:17
Den Zensurendurchschnitt des Studiums interessiert heutzutage wohl kaum noch jemand. Du hast jetzt einen der zukunftsorientiertesten Jobs. Dir steht alles offen. Die meisten Kliniken suchen jede Arbeitskraft die sie bekommen können.
Also keinen Depri schieben, ganz im Gegenteil jetzt geht es eigentlich erst los Spaß am Arzt Dasein.

HalloPeter
09.06.2024, 14:56
Also keinen Depri schieben, ganz im Gegenteil jetzt geht es eigentlich erst los Spaß am Arzt Dasein.

Wobei Spaß echt relativ ist. Mit ein paar Jährchen Erfahrung macht die Arbeit halbwegs Spaß, weil man sich aus dem ganz tiefen, kalten Wasser an die Oberfläche geschwommen hat. Ich fand aber die ersten Jahre (Innere) an unterschiedlichen Häusern sowohl in D als auch in CH teilweise echt brachial. Oder anders gesagt: es dauert ein paar Jährchen, bis man was kann & bis man weiß, was einem Spaß macht & in welche Richtung man sich entwickeln möchte.. wenn man dann aber ne Nische für sich gefunden hat, kann man in der Medizin wunderbar ein paar Jährchen - oder im besten Fall bis zur Rente - durchhalten!