Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Doktorarbeit unbedingt neben der Arbeit



BereniceFlotho
12.06.2024, 15:42
Hallo, hier meine kurze Geschichte. Ich habe erst zum PJ gemerkt, wo es beruflich hingehen soll. Gerne Uniklinik und leider auch Päd dazu. Ich habe während des Studiums keine Diss gemacht. Es war Corona, ich war sehr demotiviert,da ich Uni/Klinik/ Profs nicht gesehen habe, nur vor dem PC saß. Ich weiß andere haben trotzdem in der Zeit eine Diss geschrieben. Ich habe vor einem Jahr M3 gehabt. Grundsätzlich ist sind mir Klinik, M2/3 nicht schwer gefallen, hatte stets gute Noten, deshalb ärgere ich mich besonders, dass ich keine Diss habe, da es mir von den Kapazitäten her möglich gewesen wäre. Ich wollte nun in der Assi-Zeit promovieren, immerhin weiß ich jetzt, welches Themengebiet es werden soll. Ich habe aber gemerkt, dass es so oder so mit Dr-Titel oder ohne extrem schwer ist an einer Uniklinik eine Stelle für Päd zu bekommen. Ich suche seit 9 Monaten eine Arbeit und war bei 14 Vorstellungsgesprächen. In vielen hat man mich spüren lassen, dass die fehlende Diss etwas defizitäres ist und man das mehr oder weniger nicht gut heißt. Ich weiß auch auch, dass das nicht so schlau war, aber ich kann die Zeit ja nicht zurückdrehen. Jetzt habe ich eine Stelle an einer Uniklinik gefunden, allerdings ist das für mich eine Notlösung. Ich weiß, dass ich lieber das Jahr anstatt mit Vorstellungsgesprächen lieber mit einer Diss gefüllt hätte haben sollen, aber ich wusste nicht, dass es so schlimm ist keine zu haben, sodass das sehr an meinem Ego kratzt. Jetzt meine Frage: Ich werde die Stelle antreten und dort mindestens ein Jahr bleiben. Ich weiß, dass es unrealistisch ist, eine Promotion in der Zeit zu schreiben. Was ratet ihr mir? Da mein Partner gut verdient könnte ich auch einige Zeit ggf teilzeit arbeiten oder nach einem JAhr ambulant, um doch noch eine Arbeit zu erstellen? Wie gehe ich es am besten an. Ich muss es leider noch machen, da ich wirklich an einer Uni arbeiten will und mich gerne in einem Bereich subspezialisieren möchte, den es nur an einer Uni gibt. Liebe Grüße

nie
12.06.2024, 16:15
Steht und fällt halt mit dem Projekt, der Betreuung, den Arbeitsbedingungen und der eigenen Disziplin (nicht Motivation, die ist schnell weg, egal wie motiviert man zu Beginn ist). Sind halt extrem viele Variablen sodass man kein pauschales Ja oder Nein schreiben kann. Hast du denn mit der Klinik, die dich jetzt eingestellt hat, besprochen, dass du dort auch promovieren willst? Gibt es bereits konkrete Pläne/ein Projekt? Kann du dann vielleicht so eingesetzt werden, dass sich dein Arbeitsbereich und dein Promotionsthema irgendwie sinnvoll ergänzen?

BereniceFlotho
12.06.2024, 17:11
Also ich kann sehr diszipliniert arbeiten. Ich habe auch gesagt, dass ich das noch machen möchte und mir wurde gesagt, dass das möglich sei. Bei der Hospitation meinte eine Assistentin, dass der Chef eine Arbeit erst nach dem ersten Arbeitsjahr meistens betreuen möchte, da man ja erst ins arbeiten reinkommen muss. Leuchtet mir ein, allerdings muss ich ja schnellstmöglichst beginnen, um wieder schnell wegzukommen. Gar nicht so leicht..

Nefazodon
12.06.2024, 17:29
Warum ist die Stelle, die Du jetzt gefunden hast, die ja an einer Uniklinik ist, eine Notlösung?

Ich persönlich würde sagen, dass Arbeitserfahrung bei der Stellensuche die Diss sticht....
daher würde ich jetzt nicht ein Jahr "frei machen" um eine Diss zu machen.

Über kurz oder lang brauchst Du die natürlich, wenn Du an einer Uni bleiben willst.

Wenn Du wirklich nur ein Jahr auf deiner neuen Stelle bleiben willst, wird das sehr knapp. Ein Jahr ist sehr ambitioniert, wenn man nebenher arbeitet, noch dazu als Berufsanfänger.
Erstmal musst Du eingearbeitet werden und auf Station und mit Diensten klarkommen. Dann muss ein Projekt gefunden werden, ggf. muss noch ein Ethikantrag geschrieben und begutachtet werden, dann musst Du Dinge konzipieren, vorbereiten, ausprobieren...
Da geht die Zeit schon schnell rum.

nie
12.06.2024, 18:28
Also ich kann sehr diszipliniert arbeiten. Ich habe auch gesagt, dass ich das noch machen möchte und mir wurde gesagt, dass das möglich sei. Bei der Hospitation meinte eine Assistentin, dass der Chef eine Arbeit erst nach dem ersten Arbeitsjahr meistens betreuen möchte, da man ja erst ins arbeiten reinkommen muss. Leuchtet mir ein, allerdings muss ich ja schnellstmöglichst beginnen, um wieder schnell wegzukommen. Gar nicht so leicht..

Schwierig. Der Chef hat nicht unrecht, das erste Jahr braucht man erstmal um sich an den Berufsalltag zu gewöhnen. Da macht es wenig Sinn, direkt mit einer Doktorarbeit zu beginnen. Viele meiner Kollegen hatten die erste Version ihrer Arbeit zu Berufsbeginn schon fertig und haben es im ersten Jahr nicht einmal geschafft, die Korrekturen fertig zu machen.

Und selbst wenn du sofort startest, wirst du nach einem Jahr nicht so weit sein, dass du die Arbeit sinnvoll weiterführend kannst wenn du nicht mehr vor Ort bist. Du hast keinen Zugriff mehr auf Daten, kannst vielleicht nicht mehr ins Labor, der Kontakt zu Betreuer*in/Doktorvater/-mutter wird umständlicher usw. Du solltest außerdem bedenken, dass man mittlerweile nach neuer Promotionsordnung je nach Uni auch CreditPoints erwerben muss. Bedeutet an Seminaren teilzunehmen, zusätzliche (fachfremde) Kurse zu machen, Poster auf Kongressen vorstellen, an der studentischen Lehre teilnehmen usw.

Nur so als grobe Vorstellung: Ich habe die Datenerfassung und 2/3 der statistischen Auswertung innerhalb eines Jahres gemacht. Habe dafür fast alle meine Urlaubstage genutzt, saß oft bis 22 Uhr in der Klinik (und musste morgens um 7 oder 8 Uhr wieder arbeiten), bin an meinen freien Wochenende in die Klinik gefahren oder saß zuhause am Schreibtisch und habe in den Bereitschaftsdiensten nicht mehr geschlafen sondern die ganze Nacht Daten ausgewertet wenn nichts zutun war. Und da war ich bereits im 4.WBJ, war soweit eingearbeitet, dass ich meine tägliche Arbeit relativ entspannt erledigen konnte, nicht mehr so viel neuen fachlichen Input hatte wie im ersten Jahr und stand im täglichem Kontakt mit meiner Betreuerin. Außerdem eine sehr niedrige Dienstbelastung (anfangs 2-3 Dienste/Monat, später sogar nur ein Dienst/Monat). Letzten Endes habe ich die Arbeit im ersten WBJ (nach 6 Monaten) angefangen und werden Fachärztin werden bevor die Arbeit fertig wird. Weil der Job alleine (gerade an einer Uniklinik) einen vor allem in den ersten Jahren in der Regel schon genug fordert und man froh ist, wenn man mal Zeit für Freunde/Familie hat.


Man kann sicher neben der Weiterbildung eine Doktorarbeit schreiben, habe ich ja auch gemacht. Aber so wie du das vorstellst, wird es schwierig bis unmöglich werden. Zumal da ja auch erstmal der Chef mitspielen muss indem er die ein Projekt gibt/dich betreut

BereniceFlotho
12.06.2024, 18:51
Warum ist die Stelle, die Du jetzt gefunden hast, die ja an einer Uniklinik ist, eine Notlösung?

Ich persönlich würde sagen, dass Arbeitserfahrung bei der Stellensuche die Diss sticht....
daher würde ich jetzt nicht ein Jahr "frei machen" um eine Diss zu machen.

Über kurz oder lang brauchst Du die natürlich, wenn Du an einer Uni bleiben willst.

Wenn Du wirklich nur ein Jahr auf deiner neuen Stelle bleiben willst, wird das sehr knapp. Ein Jahr ist sehr ambitioniert, wenn man nebenher arbeitet, noch dazu als Berufsanfänger.
Erstmal musst Du eingearbeitet werden und auf Station und mit Diensten klarkommen. Dann muss ein Projekt gefunden werden, ggf. muss noch ein Ethikantrag geschrieben und begutachtet werden, dann musst Du Dinge konzipieren, vorbereiten, ausprobieren...
Da geht die Zeit schon schnell rum.

Ja ich sehe den Punkt, innerhalb eines Jahres wird das nichts werden. Für mich ist diese Stelle eine Notlösung, da sie sehr abgelegen in Deutschland und weit weg von meiner Heimatstadt ist, aus der ich ungern wegziehen wollte. Aber der Arbeitsmarkt ist hier sehr schlecht für Berufsanfänger in beliebten Fächern. Auch in näherliegenden Städten hat es nicht geklappt, wie gesagt, bin schon sehr lange auf der Suche. Ich überlege einfach die Diss zu starten und zu schauen wie weit ich komme, kann ja auch gut sein, dass ich nach einem Jahr nicht wegkomme, dann habe ich wenigstens die Arbeit begonnen.

BereniceFlotho
12.06.2024, 18:53
Schwierig. Der Chef hat nicht unrecht, das erste Jahr braucht man erstmal um sich an den Berufsalltag zu gewöhnen. Da macht es wenig Sinn, direkt mit einer Doktorarbeit zu beginnen. Viele meiner Kollegen hatten die erste Version ihrer Arbeit zu Berufsbeginn schon fertig und haben es im ersten Jahr nicht einmal geschafft, die Korrekturen fertig zu machen.

Und selbst wenn du sofort startest, wirst du nach einem Jahr nicht so weit sein, dass du die Arbeit sinnvoll weiterführend kannst wenn du nicht mehr vor Ort bist. Du hast keinen Zugriff mehr auf Daten, kannst vielleicht nicht mehr ins Labor, der Kontakt zu Betreuer*in/Doktorvater/-mutter wird umständlicher usw. Du solltest außerdem bedenken, dass man mittlerweile nach neuer Promotionsordnung je nach Uni auch CreditPoints erwerben muss. Bedeutet an Seminaren teilzunehmen, zusätzliche (fachfremde) Kurse zu machen, Poster auf Kongressen vorstellen, an der studentischen Lehre teilnehmen usw.

Nur so als grobe Vorstellung: Ich habe die Datenerfassung und 2/3 der statistischen Auswertung innerhalb eines Jahres gemacht. Habe dafür fast alle meine Urlaubstage genutzt, saß oft bis 22 Uhr in der Klinik (und musste morgens um 7 oder 8 Uhr wieder arbeiten), bin an meinen freien Wochenende in die Klinik gefahren oder saß zuhause am Schreibtisch und habe in den Bereitschaftsdiensten nicht mehr geschlafen sondern die ganze Nacht Daten ausgewertet wenn nichts zutun war. Und da war ich bereits im 4.WBJ, war soweit eingearbeitet, dass ich meine tägliche Arbeit relativ entspannt erledigen konnte, nicht mehr so viel neuen fachlichen Input hatte wie im ersten Jahr und stand im täglichem Kontakt mit meiner Betreuerin. Außerdem eine sehr niedrige Dienstbelastung (anfangs 2-3 Dienste/Monat, später sogar nur ein Dienst/Monat). Letzten Endes habe ich die Arbeit im ersten WBJ (nach 6 Monaten) angefangen und werden Fachärztin werden bevor die Arbeit fertig wird. Weil der Job alleine (gerade an einer Uniklinik) einen vor allem in den ersten Jahren in der Regel schon genug fordert und man froh ist, wenn man mal Zeit für Freunde/Familie hat.


Man kann sicher neben der Weiterbildung eine Doktorarbeit schreiben, habe ich ja auch gemacht. Aber so wie du das vorstellst, wird es schwierig bis unmöglich werden. Zumal da ja auch erstmal der Chef mitspielen muss indem er die ein Projekt gibt/dich betreut

Oh ok, ich habe es befürchtet, dass es so ist. Ja es war dumm, die Diss letztes Jahr nach dem M3 in Vollzeit zu starten. Dachte halt, es ist besser wenn man schnell anfängt zu arbeiten aber wusste nicht, dass der Arbeitsmarkt für Päd deutschlandweit so bescheiden ist. Hinterher ist man immer schlauer. Ich bin bereit viel Freizeit und Urlaub zu opfern, immerhin ziehe ich auch weit weg von Heimat und dann habe ich in meiner Freizeit was zu tun. Aber klar, ich werde sicherlich auch sehr müde sein. Ach mensch ist das alles suboptimal. Darf ich fragen, in welchem Fachbereich du arbeitest?

nie
12.06.2024, 19:11
Gerade wenn du weit weg von zu Hause arbeiten wirst, wirst du ja die Wochenenden/Urlaube nutzen wollen um deinen Partner und deine Familie zu sehen. Das würde ich nicht unterschätzen.

Ich bin Internistin. Da finden sich auch ohne Promotion genug Stellen aber mich limitiert halt das Wissenschaftszeitgesetz und ich müsste mir ohne Promotion nächstens Jahr einen neuen Job suchen, würde aber gerne noch an meiner aktuellen Klinik bleiben.

BereniceFlotho
12.06.2024, 19:18
Ja leider bekomme ich glaube ich ohne Promotion keine Stelle in meiner Heimatstadt, das ist mir leider auch erst spät aufgefallen. Leider wurde mir in vielen Vorstellungsgesprächen auch vorgehalten, dass ich keine Promotion hätte und man hat es mich richtig spüren lassen, dass sie mich nicht wollen deshalb. Auch von Chefs, die laut ihrem CV auf der Internetseite erst 10 Jahre nach Studiumsabschluss ihren Doktortitel erhalten haben, aber gut so viel dazu. Mein Ego ist durch diese Erfahrungen sehr angeknackst, ich wusste, dass ich mich rechtfertigen muss, aber es war eben so häufig und so unangenehm teilweise die Reaktion, dass ich schon etwas geschädigt bin. Klar, werde ich attraktiver mit Berufserfahrung, nur mir ist das jetzt so eingebrannt, dass ich das irgendwie hinkriegen muss, um irgendwo Land zu sehen in der Zukunft.

Kandra
12.06.2024, 19:54
Muss es denn unbedingt die Uniklinik sein? Gerade in der Pädiatrie decken auch viele kleinere Häuser ein großes Spektrum ab, man sieht eigentlich alles ausser vllt Onko.

BereniceFlotho
12.06.2024, 20:31
Muss es denn unbedingt die Uniklinik sein? Gerade in der Pädiatrie decken auch viele kleinere Häuser ein großes Spektrum ab, man sieht eigentlich alles ausser vllt Onko.

Also im Verlauf nicht unbedingt, in meiner Heimatstadt ist es leider so, dass es einfach kaum alternativen zur Uni gibt, also es gibt welche aber wenige. Zudem möchte ich auch gerne Onko machen, das kommt vor allem hinzu.

Dooly
12.06.2024, 20:41
https://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?109904-Keine-Promotion-aber-Lust-an-Uniklinik-P%E4diatrie-zu-arbeiten
https://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?110826-Keine-P%E4d-Stelle-in-Sicht
Genau das gleiche. Haben sogar die gleichen Leute geantwortet.

Feuerblick
13.06.2024, 07:13
…und Doppelaccounts sind gegen die Forenregeln!

Shade
13.06.2024, 12:52
Hm, ziemlich merkwürdig mit den Doppel- und Dreifachpostings.

Dennoch vielleicht auch als Input: Man kann auch an einem Nicht Uni-Haus noch promovieren, solange der/die Chef habilitiert ist, engagiert ist und ggf. noch connections an eine Uni hat. Kann unter Umständen schneller gehen als an einer Uni, wo sich alle auf den Füssen rumtreten. An sich ist aber innerhalb von einem Jahr Doktorarbeit fertig haben absolut unrealistisch, rechne eher mit 3-5 Jahren. Also nach einem Jahr mit Doktortitel in der Tasche zurückwechseln wird nie und nimmer möglich sein. Du solltest dich also eher auf eine längere Verweildauer einstellen.