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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hilfe bei der zukünftigen A-Wahl



Pollito
16.06.2024, 11:57
Hallo Leute,

ich weiß, dass es sicherlich viele Studenten gibt, die nicht so recht wissen, welches Fach sie letzten Endes wählen sollen.

So geht es mir auch: Mein Problem ist die zukünftige FA-Wahl. Ich bin derzeit im PJ, also kurz vorm Ende des Studiums und ich bin echt immer noch am Überlegen, wohin es nach dem Studium gehen soll. Während der Studienzeit hat meine Wahl auch immer wieder geschwankt. Was bei mir noch hinzukommt: Ich habe auch eine Familie, die natürlich bei Umzug etc. immer dabei sein wird, was die Wahl des Faches, aber v. a. des Ortes dann auch schon etwas schwieriger macht. Ich möchte natürlich nicht mit "Sack und Pack" von A nach B umziehen, um dann festzustellen, dass das gewählte Fach nichts für mich ist...

Zu meinen Optionen:

1. Gyn mit SP GynEndo/Reproduktionsmedizin --> die Work-Life-Balance ist bestimmt nicht allzu rosig, aber mich reizt die GynEndo schon sehr. Leider wird der SP auch nicht überall angeboten, jedoch kann man die Basis-Gyn-Ausbildung ja in jeder Klinik absolvieren.

2. Radio/NUK --> habe im PJ festgestellt, dass das Fach doch nicht so langweilig ist, wie ich immer dachte. Das interdisziplinäre Arbeiten reizt mich schon und auch die WB zum Nuklearmediziner könnte ich mir gut vorstellen. Aber auch da scheinen die Weiterbildungsplätze sehr rar zu sein. Leider kann ich auch mit der interventionellen Radiologie nicht allzu viel anfangen...

3. Innere mit SP Rheuma/Endo --> auch da grottige Work-Life-Balance. Und auf der ITS möchte ich auch nicht arbeiten. Jedoch reizt mich Rheuma/Endo schon sehr...

4. Ich könnte mir aber auch so kleine Fächer vorstellen wie Labormedizin/Transfusionsmedizin, eventuell Pathologie, MiBi, Humangenetik.....


Problematisch ist neben der eigentlichen FA-Wahl auch der Umzug. Meine Familie und ich möchten gerne aus der Großstadt in eine Kleinstadt ziehen. Aber da liegt das Problem, wenn ich dort feststelle, dass das Fach XY doch nicht passt, ist ein Wechsel in ein anderes Fach ja nicht so leicht möglich, wie in der Großstadt. Meine Familie ist auch meine höchste Priorität. Ich möchte für sie da sein und nicht nur "für die Arbeit leben"....

Habt ihr vielleicht irgendwelche Tipps, wie man das "Ganze" startet? Was wäre sinnvoller oder gibt es bestimmte Fächer, die ihr aus Erfahrung eher nicht empfehlen könnt? Natürlich ist auch der Gehaltsaspekt nicht unwichtig.
Ich mache mir dann auch Gedanken um die Organisation (Anmeldung Ärztekammer, wenn man nicht mal weiß, wo man wohnen geschweige denn arbeiten soll..)

Für jeden Tipp bin ich dankbar!

xenopus laevis
16.06.2024, 12:12
Meine persönliche Erfahrung:
Wenn du in eine kleinere Stadt ziehst, dann solltest du noch weitere Arbeitgeber mit machbaren Pendelzeiten in deiner Nähe haben. Nichts ist schlimmer als sich an einem Ort gefangen zu fühlen durch Familie, Mietbindung oä.
Radiologie ohne Intervention ist nicht so das Problem. Man überlebt die Rotation und kann während der FA-Ausbildung in den ambulanten Sektor wechseln. Das NUK oder Radiologie Stellenprobleme haben in den peripheren Häusern halte ich für fast ausgeschlossen. Aber ja, Anfänger haben es nie leicht, aber danach reißen sie sich um dich.
Viele Fächer kann man in anderen FÄ wieder anrechnen lassen, z.B. Innere zählt für Radiologie, Radiologie zählt für Allgemeinmedizin usw. (je nach Bundesland). Nichts ist in Stein gemeißelt.

Ich hatte auch viele Teilbereiche (UCH, aber keine Ortho; Gyn, aber keine Geburtsmed, usw.) im Kopf, aber nie hat mich ein Fach gänzlich begeistert. Also bin ich u.a. nach den Arbeitsbedingungen gegangen und bin zufrieden mit meiner Entscheidung.

izzy17
16.06.2024, 19:22
Hi

Ich befinde mich an einer sehr ähnlichen Stelle wie du :) bin mit dem Studium fertig und bin mir auch immer noch nicht 100% sicher welches Fach es werden soll
Gyn war schon seit längerem in der Auswahl und ich werde jetzt einfach Mal anfangen 😄 sonst kann ich's ja auch nicht ausschließen/gut finden
Und wie xenopus sagt denke ich auch dass nichts in Stein gemeißelt ist, die Stellensituation ist ja sehr gut i.s. von eine Stelle finden
Ich denke auch dass die Arbeitsbelastung vor allem im der WB Zeit schon recht hoch ist...
Gleichzeitig denke ich dass zb bei endo/Reproduktionamedizin die Arbeitsbelastung nicht mehr ganz so krass ist weil's hauptsächlich in Praxen stattfindet dh Dienste etc fallen ja schonmal weg
Ansonsten fand ich persönlich zb noch derma interessant aber habe das dann ausgeschlossen weil mir die WB Möglichkeiten zu eingeschränkt waren (stationäre Ausbildung fast nur an Unis dementsprechend wenige Stellen, ambulant wenige freie kassensitze falls man sich niederlassen möchte) war für mich auch eine Entscheidung die schon "familiär" beeinflusst war: ich möchte Familie haben und das ist mir auch wichtiger als Karriere

@ xenopus laevus
In welchem Fachbereich arbeitest du?

xenopus laevis
16.06.2024, 21:08
Team x-ray.
Krankenhaus und/oder Praxis, Homeoffice.
Diagnostik und/oder Intervention.
Fächerübergreifend.
Wenig Patientenkontakt.
Keine Sozialmedizin.

Pollito
17.06.2024, 08:41
Vielen Dank euch beiden!
Es ist tatsächlich sehr schwer die richtige Entscheidung zu treffen, v. a. wenn es auch um die Familie geht. Ich werde mir eure Tipps zu Herzen nehmen und mal schauen, was am besten passt. Zur Not würde ich vermutlich auch danach gehen, wie das zukünftige Team so ist und ob man da gut reinpasst. Und klar, nichts ist in Stein gemeißelt, jedoch wäre ein Wechsel dann nicht so einfach, sodass alles vorher gut durchdacht werden muss. Und ja, du hast recht, Izzy: die Arbeitszeiten in der Gyn sind v. a. am Anfang nicht so gut mit der Familie vereinbar... das wird schon nicht so einfach werden, wenn es überhaupt möglich sein wird...

Ich frage mich nur, ob es okay ist, sich im selben KH für 2 FA-Weiterbildungen zu bewerben. Ich habe da so ein kleines KH eventuell auf dem Schirm, wo Gyn, aber auch Radio angeboten wird. Jedoch kommt das sicherlich nicht so gut an, wenn man sich für 2 unterschiedliche Stellen im selben Haus bewirbt.

@xenopus: Die Radiologie/NUK ist tatsächlich sehr reizvoll, v. a. aufgrund des fächerübergreifenden Arbeitens (v. a. wenn man sich schwer tut, was die Wahl angeht) und dass die interventionelle Radio nur einen kleinen Teil ausmacht, den man hoffentlich schnell hinter sich bringen kann, klingt wirklich auch sehr gut! Ich fand halt auch die Kombi mit NUK so spannend, weil das wieder so ein kleines bisschen in die Richtung Stoffwechselmedizin/Endo geht und der Doppel-FA tatsächlich wohl sehr gesucht wird. Leider habe ich nicht so viele offene Stellen in der NUK gefunden, und wenn dann eher an Uni-Kliniken. Aber man könnte ja mit Radio starten und dann weitermachen. Was mir dabei tatsächlich aber auch ein wenig Sorgen macht, ist die Menge an Physik, die man vermutlich für die FA-Prüfung benötigt. Das ist nicht unbedingt meine Stärke muss ich zugeben. Und auch die mögliche Strahlenbelastung ist nicht ganz zu vernachlässigen, wenn man viele Jahre in diesem Bereich arbeitet... aber vielleicht mache ich mir wieder zu viele Gedanken...

Ich dachte, dass HomeOffice in der Radio eher die Ausnahme ist?! Wie sieht es denn sonst mit den Arbeitszeiten aus? Das hängt aber sicherlich eher von den Häusern ab.

izzy17
17.06.2024, 10:12
Da ich gerade den ganzen bewerbungs/Hospitations Kram hinter mir hab:
Ich wurde auch gefragt ob ich mich noch in anderen Fachrichtungen/anderem häusern beworben hab. Andere häuser ja, andere Fachrichtungen nein aber ganz ehrlich ich denke nicht dass es negativ ausgelegt worden wär. Am Ende hab ich mehrere Angebote gehabt, der Personalmangel ist überall spürbar. Aber natürlich kanns mal den ein oder anderen Chef geben der sowas krumm nimmt 😅
Ich hatte aber das Feedback bekommen dass mehrere Hospitationen gern gesehen waren :)

Generell denke ich dass die Arbeit im ambulanten Bereich (Praxis/MVZ..) familienfreundlicher ist als die Arbeit in der Klinik (man muss ja nur anschauen wieviele ÄiW und Wiebke FÄ es gibt... Irgendwo müssen die ja sein :))
Am Ende sind die WB Zeit "nur" 5 Jahre, da bleiben dann ja auch noch einige Jahre übrig die man woanders arbeiten kann (muss :)
Für mich hat jetzt für gyn gesprochen dass es extrem viele Nischen gibt (endo/Reproduktion/pränatal/onko...) ein Chef meinte auch zu mir dass endo sehr gesucht sei aber er zb die Zusatzbezeichnung nicht anbieten könne

Ungefragt hat mir eine personalerin erzählt dass es bei ihnen in der Radio relativ viel Home Office gibt aber ich denke das ist wie bei vielen Dingen klinikabhängig

Mistermeo
17.06.2024, 16:19
Grüße aus der Nuk! Seit meinem Fachwechsel bin ich überaus zufrieden. Ich habe wieder eine vernünftige Work-Life-Balance, die Arbeit an sich macht wirklich Spaß und Überstunden existieren bei mir tatsächlich nicht, da ich keine oder nur sehr selten welche mache (Bsp: ca. 8 Überstunden in einem Jahr gesammelt). Keine 24er, nur Rufdienste, in denen man zumindest bei mir nicht oder wenn überhaupt im absoluten Ausnahmefall angerufen wird.
Die Strahlenbelastung hält sich ehrlicherweise in Grenzen. Solang du nicht im Heißlabor deinen Arbeitsplatz hast, würde ich mir darum keine Gedanken machen. Auf meinen Dosimetern ist jeden Monat nichts drauf, die trage ich auch korrekt und immer.
Den Doppel-FA muss man sich halt gut überlegen, sind dann nochmal Assistentenjahre hinten dran. Lohnt sich monetär sicherlich am Ende, ich denke ich werde den Weg auch gehen. Vorteil ist auch, dass man sich Nuk und Radio gegenseitig anrechnen lassen kann.

Tramaldol
17.06.2024, 18:14
Einfach bewerben und ausprobieren. Innere maximal 1 Jahr, nicht fürs Leben.

Luuuks
17.06.2024, 20:12
Team x-ray.
Krankenhaus und/oder Praxis, Homeoffice.
Diagnostik und/oder Intervention.
Fächerübergreifend.
Wenig Patientenkontakt.
Keine Sozialmedizin.

Wie viele Tage Home Office die Woche sind eigentlich so möglich in der Radio?

davo
18.06.2024, 07:51
Wenn man, so wie du, in eine Kleinstadt ziehen will, Familie hat, schadet es sicher nicht, ein Fach zu wählen, das überall präsent ist, das keine kleine Nische ist. Somit wären Gyn, Radio oder Innere sicher möglich, aber wahrscheinlich nicht mit den von dir genannten Subspezialisierungen. Und von den genannten kleinen Fächern bleibt dann eigentlich nur noch Patho übrig.

Außerdem ist in diesem Szenario IMHO die realistische Option der Niederlassung ohne große räumliche Einschränkungen wichtig. Deshalb meine Frage: Was ist denn mit Allgemeinmedizin?

Feuerblick
19.06.2024, 17:06
Das mit den Alternativarbeitgebern in pendelbarer Umgebung würde ich unterschreiben. Aber das dürfte einfach umzusetzen sein.

Ich würde das Ganze mal andersrum angehen: Nicht überlegen, welches Fach oder welcher Teilbereich dich reizt sondern überlegen, mit welchen Teilbereichen der Facharztausbildung kannst du leben, obwohl du da wirklich keine Lust drauf hast? Und mit welchen längerfristigen Arbeitsbedingungen könntest du als Facharzt leben? Sozusagen überlegen, welcher Worst Case am wenigsten „worse“ wäre. Dann hättest du zumindest mal deinen ersten Anlaufpunkt. Alles weitere kann man nicht planen, aber wenn es drumherum Alternativarbeitgeber gäbe (was ja fast immer klappen dürfte, wenn du nicht ins hinterste Outback des Landes ziehen willst), müsstest du ja selbst bei einem Fachwechsel nicht zwingend umziehen.

Bonnerin
19.06.2024, 18:08
Würde den letzten beiden Posts sehr zustimmen.

Ich meine - ich liebe die Arbeit im Laborbereich, und würde für kein Geld der Welt zurück in die Patientenversorgung. Aber die ganzen Fächer aus diesem Kreis, also Laboratoriumsmedizin, Transfusionsmedizin, Mibi/Viro/Epidemiologie, Hygiene und Humangenetik, sind Ballungsraum-Fächer.

Die vollständige Weiterbildung gibt es meist nur an Universitäten oder Großlaboren (wo man eben auch zumindest in der Weiterbildung hin sollte, um so viel wie möglich zu sehen). Inzwischen haben die meisten Krankenhäuser Versandlabore mit minimalem Personal und Equipment vor Ort für die Notfallversorgung. Also selbst wenn du in eine Kleinstadt ziehst, in der es zwei, drei Krankenhäuser in der Nähe gibt, heißt das nicht, dass ein Labor irgendwo greifbar ist. In Patho ist die Tendenz ähnlich.

Du solltest überlegen, was du gerne wie priorisierst. Gyn oder Innere wären sicher gut für den Einstieg, bei beiden könnte man sich auch nach ein, zwei Jahren entscheiden, doch zur Allgemeinmedizin zu switchen.

Pollito
23.06.2024, 14:36
Grüße aus der Nuk! Seit meinem Fachwechsel bin ich überaus zufrieden. Ich habe wieder eine vernünftige Work-Life-Balance, die Arbeit an sich macht wirklich Spaß und Überstunden existieren bei mir tatsächlich nicht, da ich keine oder nur sehr selten welche mache (Bsp: ca. 8 Überstunden in einem Jahr gesammelt). Keine 24er, nur Rufdienste, in denen man zumindest bei mir nicht oder wenn überhaupt im absoluten Ausnahmefall angerufen wird.
Die Strahlenbelastung hält sich ehrlicherweise in Grenzen. Solang du nicht im Heißlabor deinen Arbeitsplatz hast, würde ich mir darum keine Gedanken machen. Auf meinen Dosimetern ist jeden Monat nichts drauf, die trage ich auch korrekt und immer.
Den Doppel-FA muss man sich halt gut überlegen, sind dann nochmal Assistentenjahre hinten dran. Lohnt sich monetär sicherlich am Ende, ich denke ich werde den Weg auch gehen. Vorteil ist auch, dass man sich Nuk und Radio gegenseitig anrechnen lassen kann.



Darf ich fragen in welchem Fach du zunächst gearbeitet hast, bevor du zur NUK gekommen bist? Wie lange hast du darin gearbeitet bis du dich für den Wechsel entschieden hast? Warum hast du mit NUK angefangen und nicht mit der Radio? Weshalb möchtest du auch die Radiologie noch hinten dran hängen? Hast du in der NUK vorher mal in einer Klinik gearbeitet oder hast du von Beginn der FA-Ausbildung in deiner jetzigen Praxis gearbeitet? Würdest du daher eher Praxis oder Klinik für die Ausbildung empfehlen?

Ich hätte tatsächlich ein bisschen Bammel vor der ganzen Strahlung....

Wie siehst du die Fächer in der Zukunft? Sehr häufig bekomme ich zu hören, dass NUK/Radio eh von anderen Fächern ersetzt werden und dass FÄ daher in Zukunft eher weniger gebraucht werden, ganz zu schweigen von der KI....

Pollito
23.06.2024, 14:46
Ich danke euch allen für das Feedback!

An Allgemeinmedizin denke ich auch ab und zu, da es sicherlich aus familiären Gründen die beste FA-Wahl wäre. V. a. ist das Fach auch so abwechslungsreich. Ich könnte mir durchaus vorstellen in ein paar Jahren "umzuswitchen" oder den Quereinstieg zum FA für Allgemeinmedizin zu machen. Ich hätte nur die Sorge, dass ich es irgendwann bereue, wenn ich nicht zumindest versucht habe, in der Gyn oder Radio "Fuß zu fassen". Deshalb würde ich schon gerne in einem dieser Fächer starten... auch wenn das Problem der Örtlichkeit weiterhin besteht. Schulen für die Kids müssen natürlich auch erreichbar sein...

Ich werde mir eure Tipps zu Herzen nehmen und schauen, was am besten passt - auch wenn nichts wirklich 100% passt leider.

Den Tipp von Feuerblick zum Worst Case Szenario finde ich großartig! So habe ich für mich die Innere aussortiert.