Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fortbildungen am Wochenende
Hallo, ich finde es mittlerweile doch ziemlich ärgerlich, dass Fortbildungen zumindest in meiner Fachrichtung fast schon grundsätzlich am Wochenende stattfinden. Da werden im AV x Fortbildungstage zugesichert und man hat nichts davon, weil die Fortbildung sowieso auf die freien Tage fällt. Wenn man Pech hat zahlt man die FoBi auch noch selbst. Minus Erholungswert der Freizeit. Das ist natürlich sehr arbeitgeberfreundlich, da er davon profitiert, aber nichts dafür investieren muss. Ich frage mich, ob das in anderen Sparten (Industrie, BWL etc.) genausogehandhabt wird.
In der Schule / Kiga gibt es pädagische Tage, da ist es dem Personal egal, was die berufstätigen Eltern in der Zeit mit ihrem Nachwuchs machen. Nur mal so als Beispiel, wie es andere machen.
Was meint das Kollektiv dazu? Mimimi oder weiteres Symptom der ärztlichen Selbstausbeutung?
Nefazodon
24.06.2024, 10:04
Prinzipiell gebe ich dir Recht, dass es praktischer wäre, wenn es mehr Kurse in der Woche gäbe, inklusive Freistellung.
Zumindest teilweise wird das Phänomen aber daher kommen, dass auch die Dozenten solcher Kurse oft Ärzte sind und anderweitig in ihren Kliniken fehlen würden.
Bei größeren Präsenzfortbildungen hat man außerdem das Problem der An- und Abreise, die zusätzliche Zeit erfordert. Klar, das könnte man mit zusätzlichem frei regeln, das "kostet" die Kliniken aber auch wieder.
Ich persönlich muss aber sagen, dass ich gute Erfahrungen mit der Fortbildungswoche der ÄKWL gemacht habe...da ist man eben eine ganze Woche weg. Solche Angebote gibt es also auch
Kackbratze
24.06.2024, 12:57
Bei Pflichtfortbildungen kann man das doch als Arbeitszeit angeben.
Konnte ich nicht. ALS-Kurs (auch fürs Cardiac Arrest Center nötig), musste die Anreise und Übernachtung zahlen, Arbeitstage Pech weil Wochenende.
Heerestorte
24.06.2024, 14:06
Konnte ich nicht. ALS-Kurs (auch fürs Cardiac Arrest Center nötig), musste die Anreise und Übernachtung zahlen, Arbeitstage Pech weil Wochenende.
Das hätte ich nicht gemacht. Wäre ja noch schöner... Wenn der Arbeitgeber will, dass ich was habe, dann soll er das auch bezahlen.
Ich wollte halt die Fortbildung machen und habs organisiert, so konnte sich der AG rausreden (bzw ich habs nicht explizit forciert). Bestätigung wollten sie trotzdem haben...
Der Markt regelt das schon. So oder so ähnlich ging doch der Spruch eines großen Philosophen unserer Zeit. ;-p Aus Sicht eines Praxisinhabers machen Kurse unter der Woche wirtschaftlich weniger Sinn, weil das pro Tag schon um die 2000€ Umsatzeinbuße sein können. Da bevorzuge ich lieber Kurse am Freitag ab 14.00 bis Samstag oder Sonntag oder eine komplette Woche als Blockkurs. Für WBA gibt es doch Notarzt, Intensiv oder Psychosomat. Grundversorgung, die 80h eine Woche lang gehen. So nutzt man die Fortbildungstage aus. Aus der Klinik kenne ich es so, dass nur für die Klinik nützliche Kurse bezahlt werden. Z.B. der Notarzt-Kurs, wenn man danach 1 Jahr lang NEF fährt.
Kackbratze
24.06.2024, 17:35
ALS und Co sind ja für die Klinik relevant. Wir haben als Luxus eine eigene Weiterbildungsschule, die sowas (und vieles mehr, angefangen von Excel bis zu Psychosomatikkurse) anbietet. Da sind die Kurse auch mal Freitag/Samstag, die Teilnahme wird vom AG gewünscht und gefördert.
Moorhühnchen
24.06.2024, 18:44
Ich finde das in der Tat auch sehr ärgerlich, was beispielsweise dazu geführt hat, dass ich mir einen teureren Strahlenschutzkurs wochentags gesucht habe, statt des günstigen online-Kurses, der am WE gewesen wäre.
Wenn man diese Wahl nicht hat, isses Mist!
Gibts IMHO auch in anderen Branchen oft. Finde ich nicht weiter schlimm. Ist eine Investition in die eigene Zukunft.
Außerdem sehen das nicht alle Kollegen gleich. Manche Kollegen hätten gerne Fortbildungen, die wochentags am Abend stattfinden. Ich selbst finde das nicht so toll, wenn dann drei Abende weg sind - da ist mir ein einziger Samstag oder Sonntag, der weg ist, meist lieber. Dann ist man finde ich auch eher aufnahmefähig und in Fortbildungsstimmung als am Abend nach einem regulären Arbeitstag.
Und Fortbildungen, die wochentags ganztags stattfinden, sind IMHO für die meisten von uns unrealistisch - im Krankenhaus kaum mit dem Betrieb vereinbar, in der Praxis mit großen Umsatzeinbußen verbunden. Außer es handelt sich um Blockkurse, die z.B. eine ganze Woche in Anspruch nehmen - das ist natürlich schon machbar, hatte ich auch schon ein paar Mal so.
Was meint das Kollektiv dazu? Mimimi oder weiteres Symptom der ärztlichen Selbstausbeutung?
Ich glaube, daß hat weniger mit Selbstausbeutung und mehr damit zu tun, daß auch viele Selbstständige an den Fortbildungen teilnehmen.
Mir als Niedergelassenem sind Fortbildungen am Wochenende natürlich auch lieber als unter der Woche.
Mir als Niedergelassenem sind Fortbildungen am Wochenende natürlich auch lieber als unter der Woche.
Genau!
Und ich als Krankenhausarzt finde es eine Frechheit dass ich eh schon so viele Wochenenden Dienst machen soll und dann die Fortbildungen auch noch am Wochenende sind. Ich hab auch ein LEBEN nebenbei.
Ich finde die Fortbildungskultur an sich auch eine Katastrophe. Als Angestellter nach TVÄ VKA haben wir 3 Fortbildungstage pro Jahr. Ja geht's noch? Und dann sollen wir uns die Kurse auch noch selbst bezahlen oder zumindest zum Teil? Ja wo simma denn?
Ich bin ein Spezialist in meinem Gebiet und wenn man sich andere Branchen anschaut dann sollten bei Fachspezialisten 5-10% der Zeit GEPLANT für die Weiterentwicklung investiert werden. In Hospitationen, in Kurse, in was auch immer. Und wieviel bekomm ich? 3 Fortbildungstage. Also schon mehr als 1%. Nicht 2, das wäre übertrieben. Gut, wenn ich die Hälfte selbst zahl und so...
Nein, es läuft falsch. Jeder ver.... Verwaltungsangestellte lässt sich irgendwelche Persönlichkeitsentwicklungskurse raus bei völliger Freistellung, zur Regelarbeitszeit und kostenlos. Und wir bekommen nichts dergleichen sind aber die eigentlichen Leistungserbringer. Da läuft viel schief.
Kackbratze
26.06.2024, 10:25
Komm mal runter von deinem Baum. Du bist in den Augen der Patienten und Politiker ein simpler kundenorientierter Leistungserbringer, der in einem sozialen System, nach kapitalistischen Merkmalen grundiert, arbeiten und Kosten einsparen soll.
Deine Arbeit ist rein deinem Helferkomplex geschuldet und Weiterbildung hast Du, genau wie Resilienz, Freizeit und Erreichen von Weiterbildungszielen, gefälligst selber zu organisieren.
Es gibt Vorgaben, was es für Weiterbildungen, Pflichtfortbildungen und Zusatzkurse Du haben musst, wie Du das zusammen mit Freizeit, Familienleben, etc organisierst bleibt in Deutschland Dir überlassen.
Wo kämen wir hin, wenn gerade gesetzliche Pflichtfortbildungen in deiner Arbeitszeit auftauchen würden? Dann würde ja unser System zusammenbrechen!
Nene, Zitronen haben auch in ihrer Freizeit die Presse zu besuchen! Wo soll denn sonst der ganze Saft herkommen?
Einer meiner Ex Arbeitgeber hat von den Fachärzten 70 FB Punkte im Jahr gefordert. Aber bezahlt wurde fast nix. Das ist schon eine Schieflage, finde ich.
Meine bescheidene Meinung als übermotivierter Nicht-Facharzt:
Wer es mit Tumor/Klappen/Gelenkkonferenzen (die ja nicht selten hausintern mit CMEs belegt sind), vernünftigen Kursen und +-einem Kongress im Jahr es nicht auf 100 Punkte schafft, macht irgendwas falsch. Auch in der Notfallmedizin in Bayern empfinde ich die 10 Punkte im Jahr eher als Witznummer als als vernünftiges Fortbildungspensum.
Wenn der AG aber mehr fordert und nichts in die Richtung beiträgt (Traumakonferenzen zB, Schockraumtrainings etc), dann ist das zumindest unschön.
Einerseits: Ja, sicher, 70 Punkte ist nicht viel. Im Schnitt muss man ja 50 Punkte pro Jahr machen, d.h. selbst wenn man eine gewisse Variabilität von Jahr zu Jahr annimmt, ist 70 jetzt nicht viel höher als das Minimum. Und 70 Punkte ist ja auch absolut betrachtet echt nicht viel - ich sammle alleine durch die laufenden Fortbildungen meines Arbeitgebers und diverse kurze Online-Fortbildungen mehr als 70 Punkte im Jahr.
Andererseits: Es ist natürlich essentiell, wenn auch nur als Symbol, dass einem der Arbeitgeber Fortbildungstage (mindestens 5 pro Jahr, sinnvollerweise eher 10-20 pro Jahr) und Fortbildungsgelder (mindestens €500 pro Jahr, sinnvollerweise eher €1000-2000 pro Jahr) zur Verfügung stellt. Für eine Fachkraft ja eigentlich eine absolute Selbstverständlichkeit.
Ich mach recht viele Fortbildungen, ca. 150 Punkte pro Jahr, und kann nichtsdestotrotz nur deshalb so halbwegs gut arbeiten, weil ich zusätzlich oft am Abend oder am Wochenende noch was nachlese, mich laufend mit internen und externen Kollegen austausche, usw.
Es braucht also mehrere Faktoren, damit man am neuesten Stand bleiben kann: Es braucht zeitliche und finanzielle Ressourcen seitens des Arbeitgebers, es braucht eine institutionelle Kultur der Lehre und des Austauschs, der Super- und Intervision (im weitesten Sinne), es braucht Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen, eine Arbeitsintensität und ein Arbeitsklima, das einem ermöglicht, in Fortbildungen aufnahmefähig zu sein, es braucht motivierte Mitarbeiter, die was dazulernen wollen, die einen hohen Anspruch an sich selbst haben, und es braucht einen Arbeitgeber, der dann auch die besonders fördert, die viel aus sich machen.
Jukka666
28.06.2024, 06:32
Mir gehts ähnlich:
- ich finde, zu einem guten Arzt und Mitarbeiter gehört schon, seinen Beruf so ernst zu nehmen, dass man Wissen und Können möglichst optimiert. Zumindest in Bereichen, die einen interessieren/weiterbringen/nutzen. Dafür gehört schon ein gewisses Mass an Eigenverantwortung. Ich kann Kollegen nicht verstehen, die nach der FA-Prüfung maximal 1 x / Jahr auf ihren Stammkongress fahren (weil es da zB Skifahren gibt) und dann nix mehr. Ich habe gestandene Oberärzte erlebt, die Probleme haben, ihre 250 Punkte in 5 Jahren zu sammeln und dann meckern...
- Auf der anderen Seite verstehe ich immer nicht, warum "Kernkompetenzen" nicht vom Arbeitgeber gefördert werden. Beispiel: ATLS und ACLS-Kurse. Meiner Klinik ist das völlig egal (aber den Kollegen auch!), aber wenn Audit kommt, dann wird immer betont, wie viele das haben, jaja, Blabla. Aber einen hausinternen REa-Kurs 1 x Jährlich von extern zertifizieren zu lassen oder jemanden kommen zu lassen und das den Leuten dann zahlen, no Chance..sehr schade
Mir geht es ja auch nicht drum irgendwie auf meine Punkte zu kommen. Das geht immer irgendwie. Als Krankenhausarzt sowieso automatisch durch irgendwelche internen Fortbildungen, bissl extra-Sachen usw. Schau alle 1-2 Jahre meinen Kontostand an und der ist hoch genug.
Aber ich bleib auch dabei dass ich es enttäuschend find wie wenig da vom Arbeitgeber her kommt. Jeder Pflegekraft und jedem Verwaltungsangestellten wird sooo viel mehr gezahlt. Die machen regelmäßig ihre bezahlten Fortbildungen und bei uns darf man betteln.
Thomas24
30.06.2024, 22:59
Mal aus AG Sicht: wir räumen pro Jahr 5 Tage Fortbildungsfrei ein (selbstverständlich bezahlt). Darüber hinaus bekommen die Kollegen ein persönliches Fortbildungsbudget von 3.000 Euro für Fortbildungen/ Kurse etc. von uns eingeräumt. Das halten meine Kollegen und ich für a) selbstverständlich, um eine fortwährend hohe Qualität im Team zu fördern und b) weil andere Arbeitgeber den Stellenwert von geförderten Fortbildungen noch immer ein wenig anders sehen, auch als kleinen zusätzlichen Anreiz, um junge Leute zu uns zu holen.
Hallo,
Kurze Frage: Ich als Radiologe habe jetzt im Oktober den Aktualisierungskurs für die Fachkunde im Strahlenschutz am Wochenende. Da es meines Erachtens eine Pflichtveranstaltung ist, habe ich mir entsprechend im Dienst-Planner Arbeitszeit/Überstunden notiert.
Mein Chef ist anderer Meinung und hat sie mir wieder gestrichen.
Wer ist denn im Recht?
Vielen Dank!
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