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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Falsch im Job



Lone Wolf
05.07.2024, 14:58
Gibt es hier noch welche, die sich am Anfang schwer getan haben bei der Arbeit und dann irgendwann doch noch richtig gut geworden sind? Ich arbeite seit ca 6 Monaten auf der Inneren und bin eigentlich motiviert meine Patienten bestmöglich zu versorgen. Leider merke ich, dass ich im Gegensatz zu meinen Kollegen, die mit mir neu angefangen habe deutlich schlechter bin. Ich kann nur sehr schlecht Zugänge legen weil ich generell eher ungeschickt bin, noch keine Ultraschall Untersuchungen machen, habe noch nicht soviel Fachwissen und bin unsicher im Auftreten bei Visiten. Mir tun die Patienten leid, wenn ich Ihnen unnötig Schmerzen zufüge, weil ich sie mehrfach stechen muss und mache mir häufig Sorgen, dass ich etwas falsch mache und damit Schaden zufüge. Zudem habe ich das Gefühl, dass sich meine Kollegen und Oberärzte insgeheim über mich lustig machen und mich für völlig inkompetent halten. Eine patientenferne Tätigkeit im Bereich Radiologie, Patho oder Labormedizin, sowie der Wirtschaft kann ich mir nicht vorstellen, weil ich eigentlich gerne praktisch direkt am Patienten arbeiten möchte. Will aber definitiv keiner von den Ärzten werden, vor denen andere Ärzte warnen oder die zwar irgendwie Ihren Facharzt bestehen aber Patienten trotzdem nur unzureichend behandeln.

dadüdada123
05.07.2024, 15:55
Das man am Anfang nicht so viel kann und unsicher ist, ist völlig normal.

Deine Gedanken zeigen kognitive Verzerrungen. (bin aber nur Laie). Vielleicht mal über eime Therapie oder Selbsthilfebuch nachdenken?

Ansonsten wächst man oft mit seinen Aufgaben.

Feuerblick
05.07.2024, 16:20
Fehlendes Fachwissen? Nun… da hilft LERNEN.
Fehlende Skills? Üben.
Unsicheres Auftreten? Üben!
Unsicher bei Visiten? Nun, kenne deine Station und deine Patienten, dann kommt die Sicherheit von alleine.

Man wird nicht perfekt geboren, aber gegen den „Facharzt aus der Kelloggs-Packung“ hilft am Ende nur Engagement und nicht das Hoffen, dass einem alles zufällt oder man alles vor den Popo getragen bekommt.

Stuntman Mike
05.07.2024, 19:14
Also 6 Monate sind doch fast gar nichts. Ich konnte da auch noch keine guten Sonos und hatte öfter Probleme mit den Zugängen. Eigentlich sehe ich es positiv, dass du Selbstkritik und Empathie hast. Die wichtigsten Voraussetzungen ein wirklich guter Arzt zu werden. Aber bitte pass auf, es nicht zu übertreiben, und gestehe dir auch mal Stolz zu, wenn du etwas gut gemacht hast. Vergleichen macht unglücklich. Je nachdem wo du arbeitest (Uni?), gibts viele Kollegen mit mehr Schein als Sein, wenn du verstehst was ich meine….
Alles Gute!

JAK1
06.07.2024, 07:00
Aus eigener Erfahrung: Du wirst mit der Zeit merken, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen. Wahrscheinlich treten sie einfach selbstsicherer auf als du und deshalb kommt es dir so vor als seien sie kompetenter als du.

davo
06.07.2024, 09:26
Du hast also erst weniger als ein Zehntel deiner Facharztweiterbildung absolviert und kannst vieles noch nicht. Ist das verwunderlich? Nicht wirklich. Bedeutet das, dass du falsch im Beruf bist? Auf keinen Fall.

Deine Selbstzweifel und Sorgen scheinen tatsächlich sehr ausgeprägt zu sein - da könnte es also sicher hilfreich sein, sich irgendeine Form von Hilfe zu suchen.

Ich hab in meiner bisherigen Laufbahn jetzt schon knapp zehn Kolleginnen und Kollegen beim Start erleben dürfen. Von denen hatten die meisten am Anfang irgendwelche Probleme. Nur rund jeder Vierte war von Anfang an solide. Nichtsdestotrotz hat sich der Großteil von denen sehr positiv entwickelt. Und die, die es nicht geschafft haben, haben es sich letztlich selbst zuzuschreiben - weil sie sich selbst nicht gefordert haben, nicht den Anspruch hatten, gute Arbeit zu leisten, nicht den Anspruch hatten, mitzulernen, keine Anstalten gemacht haben, sich zu überlegen, wie sie ihre Schwächen kompensieren können. Wenn man z.B. weiß, dass man gerne Sachen vergisst, übersieht, verwechselt, muss man sich eben konsequent Notizen machen. Wenn man das trotz oftmaliger Empfehlungen und Aufforderungen nicht macht, ist klar, dass man in dieser Hinsicht nicht besser werden wird. Und wenn man z.B. am Telefon etwas gefragt wird, was man nicht weiß, muss man eben nachlesen. Wenn man zu stolz ist zuzugeben, dass man etwas nicht weiß, und deshalb dann einfach irgendwas sagt, ist klar, dass immer wieder Fehler passieren werden. Man muss sich also auch die Zeit nehmen, die man braucht, um sorgfältig zu arbeiten, selbst wenn es bedeutet, dass andere dann vielleicht warten müssen, oder einem das möglicherweise übel nehmen.

Wichtig ist deshalb aus meiner Sicht, dass man sich selbst gut analysiert, dass man sich überlegt, was einem schwer fällt, und wie man daran arbeiten kann, dass man offen ist für konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge, und dass man mental bereit ist, an sich zu arbeiten und besser zu werden. Das habe ich versucht, und versuche ich natürlich auch weiterhin, und ich glaube, dass es mir sehr viel gebracht hat.

Und wenn es mal Kollegen gibt, die deutlich besser sind als man selbst, ist es wenig hilfreich, sich zu beklagen, wie schlecht man ist, und dass das ohnehin nichts wird. Aber wenn man anfängt sich zu überlegen, warum die deutlich besser sind, sich Dinge von denen abschaut, sie vielleicht auch mal fragt, wie sie dies oder jenes gelernt oder erreicht haben, dann kann man von solchen Kollegen sehr profitieren. Eigentlich sollte man ja voneinander lernen - jeder hat andere Stärken und Schwächen.

Zum Schluss noch eine Bemerkung am Rande: Sowohl die Frage, ob man gut oder schlecht Zugänge legt, als auch die Frage, ob man sicher oder unsicher in den Visiten auftritt, hat überhaupt nichts damit zu tun, ob man ein guter oder schlechter Arzt ist. Natürlich empfiehlt es sich, mit der Zeit sicherer in den Visiten aufzutreten, um die Patienten nicht unnötig zu verunsichern, aber das wird mit der Zeit wahrscheinlich ganz von selbst passieren.

xenopus laevis
06.07.2024, 10:32
Ach, diese Gedanken hat man auch später noch vereinzelten Tagen. Manchmal läuft alles schief. Mir hat es immer geholfen zu vergleichen. Nicht mit anderen, sondern mit sich selbst! Was konnte ich vor einem Jahr und was jetzt? Definitiv mehr. :-party

Tramaldol
09.07.2024, 13:45
Gibt es hier noch welche, die sich am Anfang schwer getan haben bei der Arbeit und dann irgendwann doch noch richtig gut geworden sind? Ich arbeite seit ca 6 Monaten auf der Inneren und bin eigentlich motiviert meine Patienten bestmöglich zu versorgen. Leider merke ich, dass ich im Gegensatz zu meinen Kollegen, die mit mir neu angefangen habe deutlich schlechter bin. Ich kann nur sehr schlecht Zugänge legen weil ich generell eher ungeschickt bin, noch keine Ultraschall Untersuchungen machen, habe noch nicht soviel Fachwissen und bin unsicher im Auftreten bei Visiten. Mir tun die Patienten leid, wenn ich Ihnen unnötig Schmerzen zufüge, weil ich sie mehrfach stechen muss und mache mir häufig Sorgen, dass ich etwas falsch mache und damit Schaden zufüge. Zudem habe ich das Gefühl, dass sich meine Kollegen und Oberärzte insgeheim über mich lustig machen und mich für völlig inkompetent halten. Eine patientenferne Tätigkeit im Bereich Radiologie, Patho oder Labormedizin, sowie der Wirtschaft kann ich mir nicht vorstellen, weil ich eigentlich gerne praktisch direkt am Patienten arbeiten möchte. Will aber definitiv keiner von den Ärzten werden, vor denen andere Ärzte warnen oder die zwar irgendwie Ihren Facharzt bestehen aber Patienten trotzdem nur unzureichend behandeln.

Aller Anfang ist schwer. Und das ganze kommt mit der Erfahrung. Manche brauchen länger, andere kürzer. Lernen kann das jeder, der das Studium geschafft hat. Im Vereinigten Königreich gibt es Angestellte, die Zugänge legen und im Ausland (z.B. Ösiland) macht das viel häufiger die Pflege inzwischen wieder.
Insgesamt ja auch sinnvoll. Die Pflege hängt Antibtioka oder sonst was an und erneuert dabei die Zugänge. Macht Sinn anstatt auf einen Bereitschaftsarzt zu warten, der irgendwo in der Notaufnahme rumhängt und , wenns ungünstig läuft 3h braucht um den Zugang zu erneuern, da sowas nunmal nicht Priorität Nummer 1 ist.
Sonographien werden auch in anderen Ländern von Spezialpersonal durchgeführt. Deutsche Internisten haben da so ein Faible für entwickelt, warum auch immer. Der riesengroße Nachteil der Sonographie ist die Untersucherabhängigkeit.
Will heißen: Das Thorax CT ist standardisiert und ist damit reproduzierbar. Der Ultraschall von Bauch und Leber sieht je nach Untersucher und wie er den Schallkopf dranhält, wieviel Gel er nutzt und welche Bilder er speichert komplett anders aus. Trotz aller Bemühungen zur Standardisierung des Ultraschalls. Sprich um Flüssigkeit bei der Punktion zu erkennen ists sicherlich ok. Aber um die Leber zu beurteilen, doch eher "orientierend", um es höflich zu sagen. Es sei denn man hat einen Untersucher mit extrem viel Erfahrung, auf den man sich "verlassen" kann. Aber die arbeiten in der Regel nicht 24h wie das Thorax-CT.

Auch wenn du Radio, Patho oder Labor nicht magst (es gibt übrigens noch mehr "kleine" Fächer), würde ich auf keinen Fall in der Inneren zu lange bleiben. Irgendwann verstehst du jeden Chirurg, der Witze über nicht endende Visiten mit stundenlangen Vorträgen, unnötigen Untersuchungen, andauernd täglichen Laborabnahmen (auf Normalstation!) oder Kaliumbestimmung jede Stunde. Teilweise wurde wegen der Länge die Oberarztvisite bei uns auf 2 Tage gesplittet (!). Es ist wirklich Zeitverschwendung und Wichtigtuerei von Leuten, die unnötige Arbeit produzieren und das bei den beschränkten Kapazitäten einer Akut-Klinik.
Die Basics und Notfälle solltest du beherrschen. Besser dann schnell Allgemeinmedizin anstreben, wenn es unbedingt viel Patientenversorgung sein soll.

Trenn
09.07.2024, 14:41
Lass dir Zeit und mach dir nicht so viel Druck, Patientenbehandlung in konservativen Fächern ist aber ab und an auch Fake it until you make it, da Placebo auch ein grosser Heilungsfaktor hat (man geht zum Arzt seines Vertrauens, erhält Zuspruch und steigert dadurch seine Selbstwirksamkeit). Mein alter Chef sagte immer selbstsicheres Auftreten bei absoluter Ahnungslosigkeit. Nach paar Jahren wird man aber merken, ob man vorher bei den praktischen Sachen nur unsicher war oder eher ein Bewegungslegastheniker ist. Nicht jeder kann Kampfjetpilot werden und auch nicht jeder sollte kardiologischer Elektrophysiologe werden. Man muss seine Schwächen akzeptieren und für sich eine Nische suchen, wo man seine Stärken ausspielen kann. Wir hatten eine kardiologische Oberärztin, die nicht gut Kathetern konnte und deshalb vor den Hintergrunddiensten Angst hatte (obwohl sie das schon Jahrzehnte macht). Das ist auch nicht gut für die mentale Gesundheit. Wenn dir Patientenkontakt Spass macht, ist es auch schon ein sehr positiver Aspekt.

Tramaldol
10.07.2024, 13:04
Nochmal kurz zu den kleinen Fächern wie Patho , oder Labormedizin: Stell dir vor du bist Gastroenterologe in der Praxis: Da hast du 8h am Tag Kolo und Gastro. Oder interventioneller Kardiologe ggfs. mit Elektrophysiologie. Dann stehst du 8h am Tisch jeden Tag. Bei der Pathologie oder Labormedizin hast du nen ähnlichen Alltag, nur schon viel früher.

Mal Real Talk:
Die Innere nutzt dich aus für Zugänge legen und Arztbrief schreiben. Das ist auch wichtig, aber kann man in 6-12 Monaten gut lernen. Und dann wird man da trotzdem noch 4 Jahre oder mehr eingesetzt. Insgesamt gehen Internisten schon ziemlich mies oder "forsch" mit ihrem Personal um und wundern sich dann, dass sich komischerweise nur "so wenig Leute" bewerben. Also hast du dort in aller Regel mit zahlreichen Leuten mit einem ja "begrenztem Horizont" zu tun, um es freundlich zu sagen. Dazu gehören mieses Timemanagement/Organisation, stundenlange Visiten, überflüssiges Labor, ewiglange Diskussionen über noch normwertige Calciumwerte und Co und eine Neigung zu zumindest wöchentlichen Ultraschalluntersuchungen, die sogar ihre Kollegen im europäischen Vergleich nicht haben. Hinzukommen noch so Kuriositäten: Ein Patient kommt vllt mit einer Pneumonie, wird aber in der Gastro behandelt. Irgendein OA findet da dann doch ne Möglichkeit Gastro/Kolo durchzuführen...die Endo muss ja auch was zu tun haben. Gerne dann auch so Witze: JA auch der Assi kann das Labor nach unten bringen, es heißt ja "Assistenz"arzt. Überstunden? Ja Assis sind einfach langsamer am Anfang, ist bei allen so. Das kann man nicht extra aufschreiben.
So eine Innere Station muss top organisiert sein, sonst kannstes vergessen und darfst da ewig rumhängen/wirst ausgenutzt. In der Regel ist es nunmal nicht so und oft das reinste Irrenhaus, daher Basics Erfahrung sammeln und dann "Ciao". Man kann ja indem "hiesigen" Weiterbildungssystem sich in extrem vielen Fächern Innere anrechnen lassen.

Mein Rat: Allgemeinmedizin oder nochmal in die "kleinen" Fächer reinschauen. Oder du tust dir wirklich 5 Jahre in so ner Inneren Klinik an. Klar es mag auch gute Kliniken geben und Internisten, die effizient und freundlich schaffen geben (kenne ich nur sehr wenige). Schau dir einfach an, wer da so arbeitet: Alle glücklich, mit guten "Vibes", viel Zeit für die Familie (wenn sie denn eine haben), freundlich, zuvorkommend...Nicht. In der Regel schlucken die viele schon Antidepressiva + X, haben Therapien und es hilft auch nix.

Feuerblick
10.07.2024, 13:20
@Tramaldol: Dir ist klar, dass es NICHT darum ging und du weit, weit Off topic unterwegs bist? Muss das sein? Es gibt doch nun genügend Threads, die sich mit dem Thema „Hororvorstellung Innere“ befassen. Also lass das bitte!

DA1994
10.07.2024, 15:06
Hast du schonmal über eine Traumatherapie nachgedacht Tramadol?

anignu
10.07.2024, 17:58
Offensichtlich ja wohl nicht. Moment, ich erwähne noch die Chirurgie dann werden die Storys noch schlimmer.

Zum eigentlichen Thema tu ich mir schwer was zu sagen. Das Problem ist dass einem in einer so frühen Phase einfach mal komplett eine korrekte Selbsteinschätzung fehlt. Da gibt es Leute die trauen sich alles zu und können nichts und andere die trauen sich nichts zu und können eigentlich schon viel. Und die Meisten sind irgendwo in der Mitte. Gauß'sche Normalverteilung und so. Die sind also so mittelgut und deren Einschätzung passt auch ungefähr dazu. Richtige Überflieger, also Leute die wirklich viel können und das auch korrekt einschätzen kenn ich einen. Ja, einen. Einer der im PJ schon so viel gewusst hat dass man glaubte der wäre knapp vorm Facharzt und der als Assistenzarzt entsprechend früh operativ gefördert wurde weil er da auch extremst geschickt war. Einer von irgendeiner dreistelligen Anzahl an PJlern und Assistenzärzten die ich kennengelernt hab. Der Rest ist halt normal. Und dann gibt es manche die sind in der Chirurgie fehl am Platz. Komplett. Und die merken das sehr schnell und sind nach spätestens einem Jahr weg, von selbst. Da braucht man gar nichts tun. Alles was beschrieben ist "kann keinen Ultraschall" "tu mir schwer mit Visite" kann noch normal sein. Wenn das nach 2 Jahren immer noch so ist würde ich mir Gedanken machen...

Feuerblick
13.07.2024, 16:54
Leute! Ihr könnt das gerne in einem der drölfzig anderen Threads diskutieren! Gibt genug davon und gehört nicht hierher! Jeder weitere Beitrag zum Thema „Die furchtbare Innere“ wird (genau wie die bisherigen) kommentarlos gelöscht! Ende der Durchsage!

Gruß
Feuerblick
MediLearn-Moderatorin

Anne1970
13.07.2024, 17:04
Danke, Funkel!